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Globale Wissenswelten

Globale Wissenswelten oder grenzenlose Erkenntnisse
Szerző: Nico Stehr

Wissen schützt sich selbst: Die These vom sich selbst schützenden Wissen hat eine Nachfrage- und eine Angebotsseite (siehe Kitch 1980:711-715): [34] Wissen ist äußerst schwer zu stehlen bzw. kaum jemand hat ein Interesse am Diebstahl von Wissen, da es mühsam ist, von Wissen zu profitieren. Auf der Angebotsseite verweist das sich selbst schützende Wissen auf die Erfordernis, daß die Nutzung des Wissens eng mit der Fähigkeit verbunden ist, knappe, aber auch schwer artikulierbare kognitive Fähigkeiten zu mobilisieren.




 

Globale Wissenswelten oder grenzenlose Erkenntnisse

 

 

 

Nico Stehr *

 

 

 

 

 

 

Globale Wissenswelten

 

 

 

Zur Einführung

 

Gibt es globale Wissenswelten? Dies ist eine Frage, die aus verschiedenen Gründen auf der Hand liegt, aber nicht leicht zu beantworten ist. Auf jeden Fall ist es ein aus kulturwissenschaftlicher Sicht weitgehend unerforschtes Terrain.

Ich beginne mit einem kurzen generellen Verweis auf den „globalen“ intellektuellen Kontext meiner Überlegungen. Diese Beobachtungen geben gleichzeitig einer ersten Hinweis auf meine Schlussfolgerungen: Das soziologische Denken kann einer grundlegenden Ambivalenz gegenüber den Rationalisierungsprozessen, an denen es teilhat, kaum entziehen. Es ist seinem Selbstverständnis nach wesentlicher Bestandteil einer neuartigen Gesellschaftsbeherrschungspraxis. Durch diese Praxis sollen, zumindest im Prinzip, die Ziele der Menschheit durch einen systematischen, selbstkritischen und dadurch selbstransformativen gemeinschaftlichen Wissensprozess auf eine Formel gebracht und verfolgt werden.

Gleichzeitig ist das soziologische Denken jedoch von der ständigen inneren Überzeugung verfolgt, dass das Rationale, obwohl das Wesentliche, doch nie das Ganze ist. Gleich ob wir ausgehen von Adam Fergusons rhetorisch-humanistischen Unbehagen mit der von ihm untersuchten und affirmierten kommerziellen Gesellschaft, Comtes leidenschaftlicher Verteidigung eines nicht rechtfertigungsbedürftigen Kultes als Fundament des neuen positiven Zeitalters, Durkheims kluger, nicht-rationaler Untermauerung äußerst komplexer Phänomene der sozialen Differenzierung und Systematisierung, Webers personalistischer und dezisionistischer Ergänzung der Rationalisierung oder Luhmanns blinden Flecks des Beobachters der Beobachter-- die klassische und die moderne soziologische Theorie hat den geistigen, institutionellen und organisatorischen Strukturen, die es als die charakteristischen Merkmale der modernen Gesellschaft aufgezeigt und identifiziert hat, nie ganz getraut. Dies hat die Soziologie den Gegnern ihrer Weltanschauung und Welt wiederholt eingeräumt, ohne damit jedoch der Forderung nach einer allumfassenden alternativen Weise des Denkens und der menschlichen Beziehungen je nachzugeben, sei es im Namen klassischer Tugenden, traditioneller Frömmigkeiten oder Romantizismen verschiedenster Art. Die großen Theorieentwürfe haben letzten Endes theoretische und gesellschaftliche Strategien vorgestellt, durch die diese begrenzte Offenheit gegenüber widersprüchlichen Überlegungen oder Kräften gesteuert, ausgewertet oder verfassungsmäßig einbezogen werden können, und sie bestanden darauf, dass es gerade solche integrativen Projekte sind, die jene unumgängliche Anerkennung der dunklen und unwiderstehlichen menschlichen Bedürfnisse erreichen, ohne die nicht einmal ein Minimum von Rationalität möglich ist. Nicht die Ausmerzung des Irrationalen, sondern dessen rationale Erklärung ist das grundlegende Thema der soziologischen Theorie in ihrer jetzt nahezu 200jährigen Geschichte gewesen. [1]

 

I. Übersicht

Ich werde meine Beobachtungen zu meinen Thema „Globale Wissenswelten“ oder um einen weniger statischen Begriff zu verwenden, „globalisierende Wissenswelten“, in einer Reihe von Gedankenschritten vortragen:

Ich beginne mit einem Verweis auf angeblich schon existierende weltweite Wissenswelten und zeige, wo man sie findet. Auf diese skeptische Aufzählung folgt der Versuch, mein Thema etwas genauer einzugrenzen. Ich mache auf eine Reihe von Annahmen aufmerksam, die mir als klärende Wegweiser helfen sollen. Es folgt eine kurzer Verweis auf eine meine begriffliche Auffassung von Wissen. Die anschließenden Beobachtungen sind zweigeteilt: ich beginne mit ich einer Diskussion solcher Aspekte, die auf die reelle Chance globalisierender Wissenswelten hoffen lassen. In einem zweiten, längeren Abschnitt mache ich auf gesellschaftliche Prozesse und Eigenschaften von Erkenntnissen aufmerksam, die es als eher zweifelhaft erscheinen lassen, das ein Vollzug globaler Wissenswelten bevorsteht. [2] Ich schlisse meinen Betrachtungen mit einer Reihe von Fragen, die offen bleiben müssen.

 

 

II. Wissen über Wissen

Ohne einen kurzen Verweis auf meine Auffassung von Wissen kommen ich allerdings nicht aus: Ich möchte Wissen als Handlungsmöglichkeit definieren. [3] Meine Auffassung von Wissen als Modell für die Realität [4] -- und nicht als Modell der Realität -- verweist auf die offene Verbindung von Handeln und Wissen. [5] Dies gilt sowohl für die Produktion als auch die Verwendung von Erkenntnissen. [6] Erkenntnis gewinnt an Distinktion aufgrund seiner Fähigkeit, die Wirklichkeit zu verändern. [7]Die Fähigkeiten die Wirklichkeit zu transformieren sind kontingenter Art; sie sind genauso kontigent wie auch das menschliche Leben. [8]

Wissen im allgemeinen und wissenschaftliche Erkenntnisse im besondere sind nicht nur Zugangsmöglichkeit und Schlüssel zum Geheimnis der Welt, sondern das Werden der Welt. Sind sie aber das Werden einer Welt. Wie Friedrich Tenbruck (1969:63) unterstreicht, kann natürlich auch „Erkenntnis, welche nicht zweckhaft angewandt wird, Wirkungen ausüben. Sie kann die Vorstellungen und Werte der Menschen verändern und mit neuen Bewußtseinslagen auch neue Handlungssituationen schaffen.“

Die Art des Zusammenspiels von Erkenntnis und Interessen, von Wissen und Macht stellt sich als stets aktuelle Frage. Welches sind die institutionellen Voraussetzungen und Klammern unter denen Wissen entsteht und angewandt wird? In Zeiten mangelnder sozialer Dynamik verhält sich Wissen weitgehend passiv. Sobald sich aber die Randbedingungen sozialen Handelns verändern, wird Wissen zu einer der wichtigsten Handlungsfähigkeiten. [9]

            Abschließend sei in diesem Definierungskontext von Wissen noch kurz angemerkt, daß ich den Begriff globale Wissenswelten als plurales Konzept verwende und deshalb nicht von Weltwissen im Singular spreche. Weltwissen suggeriert nicht nur ein Unstrittigkeit zielendes Wissen, das etwa auf einem naturalistischen Verständnis und Zugang zur Welt des Menschen und der Natur basiert, sondern darüber hinaus auf eine Erkenntnisform, die im Prinzip von allen gesellschaftlichen Verhältnissen abgekoppelt existieren möchte und ihre Distinktion als Weltwissen erst dadurch erhält.

 

III. Annahmen und Eingrenzungen

Ich muss meine Überlegungen zum Thema „globale Wissenswelten“ eingrenzen. Man kann dies in vielfacher Weise tun. Ich beschränke mich auf drei Annahmen: [10]

(1) Man kann nur dann realistischer Weise von globalen Wissenswelten sprechen, wenn Erkenntnisse reisen müssen, dass heißt wenn Produzenten und Konsumenten von Wissen nicht identisch sind; es handelt sich nur dann um so etwas wie eine globale Wissenswelt, wenn sich eine Unterschied zwischen Akteursgruppen, die das Angebot repräsentieren und denjenigen, die die Nachfrage konstituieren, herstellen lässt. [11] Diese Trennung gilt auch für in sozialen Konstruktionen oder technischen Artefakten verankertes Wissen. Wissen, dass zwar als Teil eines Produktes viel herumkommt, aber deren Inhalt nicht unmittelbar „konsumiert“ wird. Beispiele hierfür sind etwa das in materiellen Substanzen wie Pharmazeutika (van der Geest, Whyte und Hardon, 1996), Lebensmitteln (Arce und Marsden, 1993), technischen Artfakten wie Autos, aber auch in Bildern oder Symbolen (wie etwa der Werbung, siehe Leslie, 1995 oder der besonders in den Medien präsenten populären Kultur, z.B. Crane, 2002) inskribiertes Wissen bzw. Informationen. [12] Globale Wissenswelten beziehen sich auf die „horizontale“ und nicht die „vertikale“ (beispielsweise im Sinn einer Klassen- oder Schichtspezifischen) Wissensverteilung.

(2) Ich unterstelle, dass wir es mit Wissensformen zu tun haben, die nicht von vornherein, aus welchen Gründen auch immer, sei es zum Beispiel im Kontext der durch Eigeninteressen bestimmten professionellen oder kommerzielle motivierten Zurückhaltung gegen eine unbeschränkte Zirkulation von Ideen oder wie in jüngster Zeit strittig diskutiert, die aus Gründen der sogenannten „nationalen Sicherheit“, [13] Geheimhaltungsvorschriften unterliegen mögen. Auf diese Problematik gehe ich später noch einmal ein.

(3) Es geht mir nicht um die weltweite Verbreitung der Institution der Wissenschaft (siehe Drori, Meyer, Ramirez und Schofer, 2003), der strukturellen Konvergenz der Wissenschaftspraxis (Meyer, Boli, Thomas und Ramirez, 1997; Boli und Thomas, 1997), der globalen Verbreitung der Rolle des Wissenschaftlers bzw. ihre weltweite Vernetzung oder die von staatlichen und nicht-staatlichen wissenschaftlichen Einrichtungen (Schofer, 1999; Schott, 1998, 2001). Mit globalen Wissenswelten soll schließlich auch nicht auf die Tatsache verwiesen werden, dass man heute in fast jeder Gesellschaft Bildungssysteme antrifft, professionelle Berufe (Freidson, 2001), Universitäten (als Ort „universeller“ Wissensbildung; siehe Fuller, 2003), das Internet (Mattelart, [1996] 2000; Lessig, 2004) oder bestimmte technische Praktiken (Meyer, Kamens und Benavor, 1992; David, 1993). Institutionelle Einrichtungen dieser Art dienen zur hierarchischen Organisation, Zirkulation und Regulierung von Wissen. Zweifellos generieren verbreitete epistemische Institutionen nicht nur veritable Ansätze globale Diskursformen, sondern reagieren auf als global definierte Probleme (wie zum Beispiele Luftverschmutzung, Klimaveränderung, Gesundheit) und produzieren weltweite Formen von governance (Mörth, 1998). Und viele dieser institutionellen Einrichtungen der Wissenschaft treten zwar mit dem Anspruch auf, universelle Wissenswelten zu generieren, ob es aber in der Tat erfolgreiche globale kognitive kulturelle Bezugsrahmen (Meyer, 1999:126-128) gibt, geben soll oder welche dies sein können (siehe Harding, 2002) ist strittig. Institutionelle Grenzen mögen auch genau die Grenzen mitmarkieren, über die sich Wissen hinaus nicht ausbreiten kann. [14]

 

IV. Globale Wissenswelten als Gedankenexperiment und Geschäftsplan

 

Die Annäherung an bzw. der sogar Vollzug von globalen oder globalisierenden Wissenswelten ist bis heute vor allem normativ, per Dekret, als Gedankenexperiment oder als Geschäftsplan (business plan) verwirklicht worden. [15]

Hier ist eine Melange solcher Vorstellungen: [16]

            (1) Die Freiheit ist eine Tochter des Wissens: Einer der ersten modernen optimistischen Theoretiker und glühenden Befürworter globaler Wissenswelten war der Sozialphilosoph Otto Neurath (siehe Hartmann und Bauer, 2002). Selbst noch in der Emigration 1941 sollte sich Neurath als Berater zur Sanierung der Slums einer englischen Industriestadt den Titel Consulting sociologist of human happiness geben. Die Frage, wie das Glück aller zu steigern wäre, ist nach Neurath die Frage nach den Bedingungen einer Demokratisierung des Wissens. Das demokratische Recht auf  (zumindest innergesellschaftlich durchzusetzende) „globale Wissenswelten“ wird in fast allen Beiträgen Neuraths eingeklagt. Medium dieser Demokratisierung sind von Neurath entworfene „sprechende Zeichen“ oder seine Bildersprache auf wissenschaftlicher Grundlage, die breite Massen sachlich über ihre Lebenslage unterrichtet. Es gibt nach Neurath (1991:645) „kein Gebiet, für das eine Humanisierung des Wissens durch das Auge nicht möglich“ sei. Man braucht  also nicht, um in Wien zu bleiben, wie auch das Beispiel des Doktor Artur Schnitzler demonstriert, keine ausgedehnten Reisen unternommen haben, um weit herumzukommen (siehe Gay, 2002).[17] Auch die Kybernetik sah sich, wie viele andere neue Wissensgebiete in ihren Ursprüngen  als imperiales Wissenszentrum, als Dach globaler Wissenswelten in Theorie und in der Praxis.

            (2) Wissen muss ein (globales) öffentliches Gut sein (z.B. Stiglitz, 1999; World Bank, 1998): Aus ökonomischer Sicht gesehen heißt dies, dass Wissen die ansonsten für ökonomische Güter typischen Eigenschaften der Konkurrenzhaftigkeit (rivalry) und der Auschließbarkeit (excludability) fehlen. [18] Dies mag zwar für alltägliche gesellschaftliche Wissenskapital zutreffen, aber wohl kaum für zusätzliche, d.h. neue Erkenntnisse.  Zusätzliches Wissen wirft eine Rente ab. Deshalb mögen allenfalls schon länger am Markt befindliche bestimmte Wissensformen öffentliche Güter sein. Selbst in der Wissenschaft lässt sich das Phänomen der Privatisierung von Erkenntnissen zunehmend beobachten. Ein neues von Naturwissenschaftlern in den USA gegründetes Unternehmen, die Public Library of Science (http://www.publiclibaryofscience.org) versucht, sich dieser Entwicklung entgegen zu stemmen. [19] Die Public Library of Science, d.h. die Publikation wissenschaftlicher Arbeiten im Internet und nicht in von kommerziellen Unternehmen kontrollierten Zeitschriften, soll nach den Willen ihrer Gründer die Existenz globale wissenschaftliche Wissenswelten oder zumindest den globalen Zugang zu neuen Erkenntnissen sicherstellen.

(3) Globale Wissenswelten als Geschäftsplan: Besonders im (weitgehend global zugänglichen) Internet tummeln sich eine großer Anzahl von Unternehmen bzw. multinationale Konzerne, in deren Geschäftsplänen „globale Wissenswelten“ schon realisiert sind und zum Verkauf anstehen. So zum Beispiel bei „Global Knowledge“, einer Firma mit weltweit mehr als 1300 Angestellten, die im Besitz einer New Yorker Investmentbank ist. Der Geschäftsslogan der Firma Global Knowledge ist „Experts teaching experts“. Global Knowledge bietet wie der Name der Firma schon verrät, weltweit anwendbares Wissen zur Verbesserung der Ertragslage von Unternehmen. [20] Oder die Firma Normedia, die E-Learning anbietet, um wie sie ankündigt, „globales Wissen“ zu managen. Sie beschreibt ihr Arbeitsumfeld wie folgt: „E-Learning ist unabhängig von Zeit und Raum. Technologisch gestütztes Wissensmanagement ermöglicht das kontinuierliche, personalisierte Lernen. Elektronische Bilder, vertraute Zeichen und persönliche Kommunikation bieten Lernerfahrungen auf bislang nicht erreichtem Level.“  [21] Auf ähnliche Prämissen zurückgehende Gedanken finden sich aber auch in der ökonomischen bzw. der Managementliteratur. Überlegungen zur Entwicklung einer grenzenlosen globalen Wissenswelt finden man nicht nur in Diskussionen zur Herausbildung einer globalen, wissensbasierten Ökonomie (etwa im Sinn globaler Produktionsnetzwerke, siehe Chen, 2002), sondern auch in Untersuchungen auf dem Gebiet des sogenannten Wissensmanagement in denen immer häufiger von globalen Wissensagenden (z.B. Carillo, 2002), der Institutionalisierung globaler Wissensexperten (Covaleski, Dirsmith und Rittenberg, 2003) oder in Arbeiten in denen von globalen Wissensmanagementstrategien die Rede ist (Davenport, De Long und Beers, 1998; Desouza und Evaristo, 2003).

            (4) Schließlich gibt es erste empirisch fundierte Aussagen, die zumindest auf eine globalisierende Welt der technischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse zu deuten scheinen. In einer Studie der nationalen innovativen Kapazitäten  der OECD Länder (d.h. der Fähigkeit eines Landes innovative Techniken zu entwickeln und zu kommerzialisieren) kommen Stern, Potter und Furman (2000:31) unter anderem zu dem Ergebnis, dass sich eine “convergence in measured innovative capacity among OECD countries over the past quarter century” beobachten lässt. [22] Geht man also von der Annahme aus, dass wissenschaftliche und technische Erkenntnisse zunehmend standortunabhängig, grenzüberschreitend zugänglich sind, so überrascht dieses Ergebnis nicht sonderlich. Allerdings ist die innovative Fähigkeit eines Landes mit Sicherheit, wie kontroverse Diskussionen der Bedingungen des Innovationsprozesses unterstreichen Romer, 1990; Porter, 1990; Nelson, 1993), von  einer Vielzahl von Standortfaktoren, einschließlich der mikro- und makro-ökonomischen, wie auch der politischen, kulturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen mitbestimmt, sodass man bisher kaum von sich weltweit verbreitenden innovativen Fähigkeiten sprechen kann. 

             Allerdings werden diese normativen Visionen, vielversprechenden Geschäftspläne, Dekrete globaler Wissenswelten und erste empirische Beobachtungen gegenwärtig nicht selten als eurozentrische Vorurteile entlarvt, die nicht-westlichen Akteuren die Fähigkeit abspricht, sich selbst erfolgreich zu regieren, bemerkenswerte kulturelle Artefakte zu schaffen oder nachhaltige Beiträge zum rationalen Diskurs zu fabrizieren. Solche illuminierenden sozio-historische Kontextualisierungen zeigen, wie strittig Ansprüche auf globale Relevanz sind und mit welchem interpretativem Mißtrauen heute auf globalen Aussagen, die für sich in Anspruch nehmen, keine Grenzen zu kennen, reagiert wird (z.B. Gough, 2002).

Ich werde im folgenden versuchen, mich vor allem auf die Frage zu konzentrieren, wie operiert Wissen in der Gesellschaft, und nicht darauf was Wissen ist: Wie und warum ist es möglich sei oder auch unwahrscheinlich ist, dass globale Wissenswelten entstehen.

 

V. Attribute des Wissens, die seine Chance zu reisen zu fördern scheinen

 

         Eine Auflistung der Wissensattribute, die die Chancen globaler Wissenswelten fördern ist relativ kurz. Auf bestimmte strukturelle oder institutionelle Attribute und Prozesse, die globalisierende Wissenswelten ermöglichen mögen, werde ich dagegen im folgenden Abschnitt eingehen. Ich denke in diesem speziellen Zusammenhang besonders an zwei solcher Eigenschaften des Wissens, die es nicht als dringlich erscheinen lassen, Wissen zu regulieren, zu überwachen oder seine Verbreitung zu steuern. Insgesamt sollten diese Eigenschaften dann als Anreiz dienen, Wissen auf der Allmende zu belassen, und dies deshalb, weil Wissen nicht Gefahr läuft, zu einer Ressource zu werden, die der sogenannte „Tragödie der Allmende“ ausgesetzt sei.

(1) Dass es in vielen Kulturen einen Vorurteil (bias) gegen ein Vorhandensein von Ressourcen auf der Allmende gibt, ist verständlich. Den wie die Metapher von der Tragödie der Allmende signalisiert, führt der unbeschränkte Zugang zu Ressourcen auf der Allmende zur Überkonsumption dieser Ressourcen. Allerdings sind nicht alle Ressourcen Opfer dieses Gesetzes, da solche Ressourcen anscheinend unerschöpflich sind bzw. die Grenzen des Wachstums dieser Ressourcen anderer Art sind oder überhaupt nicht gelten. Wissen ist offensichtlich eine solche Ressource. Aufgabe wäre demnach die Förderung des Zugangs, und nicht der Schutz vor einem nicht nachhaltigen Verbrauch der Ressource vorrangige Aufgabe.

(2) Wissen realisiert sich selbst: Soweit ich sehen kann, gibt es zwei parallele Argumentationsstränge, die darauf hinauslaufen, daß sich Wissen – sozusagen weitgehend kontextunabhängig – eigensinnig realisiert, und daß deshalb jede Form von Wissenspolitik, die auf eine Regulierung und das heißt eine Begrenzung in der Realisierung des Wissens abzielt, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist (vgl. Stehr, 2003, 2004)..

Einmal wird argumentiert, die Verwertung des Wissens sei in die Wissensstruktur selbst eingebaut. Die Fabrikation der Erkenntnis impliziere ihre Realisierung und verhindere jede Kontrolle der Anwendung des Wissens. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die einst viel diskutierte begriffliche Bestimmung unterschiedlicher (inhärenter) Erkenntnisinteressen der Wissenschaften (Habermas, 1964). Die oft unsichtbare Kategorie des technischen Erkenntnisinteresses verweist dabei darauf, daß solcherart fabrizierte Erkenntnisse (oder Objekte) einen Drang zur Realisierung mit sich bringen, genauer, von vornherein mit einem eigensinnigen Nutzen verbunden sind. [23] Ein weniger unmittelbarer Weg zur Selbstrealisierung von Erkenntnissen verweist, etwa im Fall der modernen Genetik darauf, daß jeder Versuch die Manipulation das menschliche Genoms, das jetzt weitgehend bekannt ist, zu verhindern, zum Scheitern verurteilt sei. [24]

Zumindest eine Nebenfolge der Arguments, Wissen realisiert sich selbst, wäre der Schluss, dass sich Wissen auf Grund dieser Eigenschaft relativ leicht institutionelle und kulturellen Grenzen überwinden kann. Eine verwandte Annahme, die ebenfalls auf Eigenschaften des Wissens verweisen soll, die seiner Verbreitung dienlich sind, ist der Verweis auf die Differenz von kodifizierten und  impliziten Wissen. Die Entwicklung von Wissen läuft, so wird oft behauptet, von implizitem hin zu kodifiziertem Wissen. Ökonomische Sachzwänge beispielsweise stellen sicher, dass dieser Verlauf in modernen Gesellschaften immer häufiger beobachtbar wird (siehe Cowan und Foray, 1997). [25]

 

VI. Globale Schranken in einer grenzenlosen Welt

 

Die Hoffnung oder Befürchtung, dass wir das Entstehen einer Weltgesellschaft beobachten, hat in der Nachkriegszeit unter den verschiedensten Überschriften zu komparativen Untersuchungen moderner Gesellschaften angeregt. Der jüngst dominierende Begriff der Globalisierung nimmt in diesen komparativen Untersuchungen  den Stellenwert ein, den gesellschaftstheoretische Bemühungen der Vergangenheit mit dem Begriff der Massengesellschaft, der Rationalisierung oder der Modernisierung verbanden. Fast alle diese Untersuchungen der letzten 50 Jahre warnen davor oder stellen fest, dass es zu einer Angleichung oder sogar zu einer Vereinheitlichung der Lebensverhältnisse kommt. Die umfassende These von der unaufhaltsamen Angleichung der Lebensverhältnisse sollte auch, so kann man wohl mit Recht unterstellen, die Entstehung globaler Wissenswelten einschließen oder zumindest befördern. Ich will versuchen zu zeigen, dass diese These fragwürdig ist.

 Dazu zuerst einige generelle Bemerkungen zum Thema Globalisierung; ich gehe dann auf einige spezifischen Grenzen der Möglichkeit globalisierender Wissenswelten ein.

Untersuchungen der kulturellen Globalisierung haben eine besonders enge Affinität zu den Diskussionen der modernen Gesellschaft als Massengesellschaft. In vielen Ländern der Welt existiert zumindest unter Intellektuellen eine ausgeprägte Sensibilität gegenüber Formen des kulturellen Imperialismus. Der kulturelle Imperialismus birgt die Gefahr in sich, dass jede lokale, regionale oder nationale kulturelle Ausprägung angesichts des massiven Drucks primär der trivialen amerikanischen Kultur verdrängt wird. Die Tatsache eines wachsende ökonomischen und ökologischen Interdependenz, aber auch eine Internationalisierung des Wissens und der Informationen werden der rapide wachsenden Literatur zur Globalisierung kaum noch angezweifelt.

Ich kann dies zwar nur sehr verkürzt darstellen, aber die Argumentationslinien der Gegner und Befürworter der Globalisierung widersprechen sich nur auf den ersten Blick. Dazu gehört auf beiden Seiten, wie schon in der Analyse des Phänomens der Massengesellschaft oder der Modernisierung, eine systematische Überschätzung der Effizienz und der Geschwindigkeit mit der es in der Welt zu einer Rationalisierung des Irrationalen kommt.

Selbst in der Ökonomie geht man nur selten davon aus, dass sich alle relevanten wirtschaftlichen Veränderungen ausschließlich in eine Richtung bewegen und sich somit angleichen. Es trifft sicher zu, dass einige der klassischen Ursachen der wirtschaftlichen Zurückgebliebenheit, insbesondere die zögernde Verbreitung von modernen Techniken und wissenschaftlichen Erkenntnissen, die noch in den fünfziger und sechziger Jahren betont wurden, heute nicht mehr gelten. Multinationale Konzerne sind fast überall präsent. Dennoch haben diese Veränderungen nicht zu einer Angleichung wirtschaftlicher Bedingungen oder einer Gleichverteilung in der Produktion von wissensintensiven Gütern und Dienstleistungen geführt. Hochtechnische und wissenschaftlich-basierte Produktionsstätten sind weiter in Regionen und Ländern konzentriert, die eine herausragende Infrastruktur des Wissens und der Technik besitzen (Storper, 1996). [26]

Außerdem ist die Gültigkeit der schon von Adam Smith betonten These von der Bedeutung der ökonomischen Spezialisierung für das wirtschaftlicher Wachstum durch das was als Globalisierung beschrieben wird, keineswegs außer Kraft gesetzt. Hand in Hand mit der weiter signifikanten makro-ökonomischen Spezialisierung geht wohl auch eine Arbeitsteilung im gesamtgellschaftlichen Lernen, das die Entstehung weltweiter Wissenswelten erschweren dürfte (vgl. Stiglitz, 1987). Die unterschiedlichen gesamtgesellschaftlichen Lernfähigkeiten stehen in einer bestimmten Relation zur gesellschaftlichen Geschichte und Kultur. Und unterschiedliche Lernfähigkeiten deuten auf eine voneinander abweichende Zukunft der Gesellschaften.

Schließlich impliziert die oft singuläre Faszination über das rasche Auftreten, die unerbittliche Direktheit und die offenbare Stärke globaler Prozesse, das wir die Hartnäckigkeit “nationaler” und lokaler Realitäten und ihre aktiven Widerstandsmöglichkeiten, aber auch die Persistenz  von traditionellen Handlungsmöglichkeiten unterschätzen [27] und damit zu rasch von der Existenz globaler Wissenswelten sprechen (vgl. Mokyr, 1990:186-190).

 

VII. Die Schranken von globalen Wissenswelten

 

 

            Ich konzentriere mich auf zwei spezifische Formen der Begrenzung in der Entwicklung globalisierender Wissenswelten: (1) gesellschaftsinterne und intergesellschaftliche Schranken, beispielsweise die Rechtspraxis einer Gesellschaft,  ihr Ungleichheitsregime (Formen kognitive Arbeitsteilung; Anreize zu Asymmetrien im Zugang zu Erkenntnissen, etwa zur Verteidigung von Marktmacht), die Grenzen zwischen soaialen Organisation (Firmen, Labors)  und die Handelsschranken zwischen Gesellschaften und (2) auf Eigenschaften, die man unmittelbar auf bestimmte Eigenschaften des Wissens zurückführen kann.

Max Weber hat sich, so weit man dies überhaupt verallgemeinernd feststellen darf, in erster Linie mit den Hindernissen der Anwendung modernen Technik und modernen wissenschaftlichen Denkens außerhalb der westlichen Welt beschäftigt. Er hat sich weit weniger intensiv mit den Frage nach den Gründen für die Anwendung der Technik etwa zur Revolutionierung der Produktionsablaufs in westlichen Gesellschaften befasst. Allerdings macht er in der Protestantische Ethik darauf aufmerksam, dass es ein Stratum von Trägern einer bestimmten Lebensweise sei, die für den Aufstieg der Technik in westlichen Gesellschaften verantwortlich sind..

            Aber hier lässt sich mit Hilfe der Weber’sche Sichtweise, d.h. durch eine  Betonung des besonderen Stellenwerts kultureller Praktiken für die gesellschaftliche Entwicklung und die Migration von Wissen, eine Lücke in der komparativen Analyse Webers füllen: Wir wissen, dass es die Träger technisch-wissenschaftlichen Wissens waren, die eine entscheidende Rolle in der gesellschaftlichen Durchsetzung der moderneren Technik und Wissenschaft gespielt haben. Allerdings ist generell erforderlich, dass die Träger wissenschaftlich-technischen Wissens eine gewisse Autonomie gegenüber den herrschenden Schichten der Gesellschaft haben sollten, um mit traditionellen Wissensformen brechen zu können. Sie brauchen darüber hinaus Zugang zu einer organisatorischen Infrastruktur, um ihr Wissen verbreiten zu können. Der Technikhistoriker Ian Inkster (1991:32-59) nennt die Ergebnisse dieser Prozesse den Transfer „intellektuellen Kapitals“. Da es sich um eine Weber’sche Sichtweise lässt sich daran ablesen, dass die Analyse die Rolle kultureller Trägern und kulturelle Hindernisse (etwa die Herrschaft der Magie) betont, und dass somit kulturelle Bedingungen für den Aufstieg der westlichen (rationalen) Technik verantwortlich macht (siehe Schroeder und Swedberg, 2002:390).

            In der Nachkriegszeit haben sich die Rahmenbedingungen der Erkenntnisproduktion in der Wissenschaft in den USA (und als Konsequenz in anderen Nationen) zweimal radikal verändert. Die erste Revolution, vor etwa 60 Jahren in den USA durch Vannevar Bush (1945) eingeleitet, bestand in der Abkoppelung der Erkenntnisproduktion von militärisch-politischen Zielen. Sie führte zum Aufstieg der großen Forschungsuniversitäten in den USA und kann als Auslöser besserer Bedingungen für die Möglichkeit globaler Erkenntniswelten angesehen werden. Wissen konnte leichter zirkulieren.

In der Betonung der Autonomie der Wissenschaften als Voraussetzung für einen “unkontaminierten“ Erkenntnisgewinn, aber auch praktisch effektiven Wissens sind sich in dieser Zeit so unterschiedliche Wissenschaftstheoretiker wie Karl Popper, Michael Polanyi, Joseph Bernal oder Vannevar Bush einig. Infolgedessen ist der Nutzen der Erkenntnis eine Tochter der Wahrheit der Erkenntnis und die Wahrheit wiederum das höchste Ziel wissenschaftlichen Arbeitens.

            Die zweite Transformation von der hier die Rede sein soll und die den Abbau der Grenzen der freien Zirkulation der Erkenntnisse wieder zähmt, und somit die Chancen dafür, dass Erkenntnisse zu einem globalen öffentliche Gut (Stiglitz, 1999) werden, lässt sich auf die Zustimmung im amerikanischen Senat 1980 zum Bayh-Dole Amendment datieren. Das Bayh-Dole Amendment erlaubte es Forschern ihre Entdeckungen zu patentieren, selbst wenn sie mit Hilfe von öffentlichen Förderungsgeldern realisiert wurden. Ergebnis war eine dramatische Verlagerung der Forschungsaktivitäten in den Privatsektor (siehe Kennedy, 2002). [28]

Die damit verbundenen Veränderungen in der Dissemination von Erkenntnissen oder materiellen Substraten von Erkenntnisse werden heute besonders in den biomedizinischen Wissenschaften deutlich. Es sind nicht nur materielle Substrate der Forschung wie zum Beispiel Zelllinien oder bestimmte Mäuse, deren „Herstellung“ kostenintensiv sind, und die nicht mehr für andere Forschergruppen frei erhältlich sind, sondern es sind auch Methoden, Daten und Forschungsergebnisse aus kommerzieller und akademischer Produktion, die aus Konkurrenzgründen nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. [29] Kurz, Zugang zu den Produktionsbedingungen neuer Erkenntnisse und Zugang zu den Ergebnissen der Erkenntnisproduktion werden zunehmend reguliert (Pottage, 1998). [30]

Gleichzeitig gilt, dass die Schranken zwischen unterschiedlichen sozialen Organisationen, seien es Firmen oder Labors, nicht so durchlässig und einfach zu vernachlässigen sind, sodass man von einer weitgehend ungehinderten Zirkulation von Wissen sprechen kann. In einer Studie von Tausenden von klinischen Untersuchungen neuer Präparate durch Pharmaunternehmen, die zwischen 1995 und 1999 in den USA durchgeführt wurden, zeigt sich, dass wissensintensive Untersuchungen klinische Versuche vorranging intern, durch die Firma selbst ausgeführt wurden. Informationsintensive klinische Versuche, dass die Generierung und/oder Bearbeitung von Symbolen zur Produktion von Daten, werden dagegen häufig an externe Unternehmen (outsourcing) vergeben (Azouley, 2003). [31]

Positiv gewendet: Ein wichtiges intergesellschaftliches Vehikel der Verbreitung von Erkenntnissen und der Entwicklung sich globalisierender Wissenswelten ist der Handel mit Dienstleistungen und Waren. [32] Eine Ausweitun des weltweiten Handels, insbesondere der Abbau der Handelsschranken für sich entwickelnde Wirtschaften, kann so zu einer nicht-intendierten weltweite Diffusion von Ideen und Wissen führen, sowie zu einem Abbau der Information- und Wissensdefizite in der Welt. [33] Allerdings darf man sich darunter nicht ein einfaches Übertragen von Erkenntnissen und Artefakten vorstellen, sondern die Entwicklung von hybriden Wissensformen.

Wissen schützt sich selbst: Die These vom sich selbst schützenden Wissen hat eine Nachfrage- und eine Angebotsseite (siehe Kitch 1980:711-715): [34] Wissen ist äußerst schwer zu stehlen bzw. kaum jemand hat ein Interesse am Diebstahl von Wissen, da es mühsam ist, von Wissen zu profitieren. Auf der Angebotsseite verweist das sich selbst schützende Wissen auf die Erfordernis, daß die Nutzung des Wissens eng mit der Fähigkeit verbunden ist, knappe, aber auch schwer artikulierbare kognitive Fähigkeiten zu mobilisieren. Die Schwierigkeit, Wissen (sekundär) zu nutzen bzw. die Schwierigkeiten es zu transportieren hängt zum Beispiel von der Art und Weise der Organisation der Erkenntnisse ab. [35] Gleichzeitig signalisiert der Selbstschutz der Erkenntnisse, daß Wissen in einer bestimmten Wissensinfrastruktur wie etwa der Fähigkeit, das Lernen zu lernen, verankert ist, und damit weder frei zirkulierbar noch einfach rekonstituierbar ist. [36]

Die selbstschützenden Charakteristika der Erkenntnis auf der Nachfrageseite mögen mit Eigenschaften bzw. mit der Verwendung von Wissen verbundene Prozesse wie zum Beispiel die hohe Wertminderung des Wissens sein. Letzteres bedeutet, daß erworbenes Wissen in Relation zu den Kosten des Erwerbs und zukünftiger Erträge schnell an Wert einbüßt. Darüber hinaus kann im Zusammenhang mit bestimmten Wissensformen gelten, daß die mit dem Wissen verbundenen Eigentumsrechte ähnlich wie im Fall eines berühmten Gemäldes oder eines sehr seltenen Buches wie der Gutenberg Bibel von Anderen unschwer zurechenbar sind und deshalb in erster Linie für den Eigentümer von Wert sind. Man kann den Grad der „Abnutzung“ von Wissen und Informationen beschleunigen, indem man sich entsprechend der Information verhält. Folgt man beispielsweise dem Ratschlag, ein bestimmtes Wertpapier zu kaufen, so mag dieses im Anschluß daran nicht unbedingt mehr preiswert sein. Ein hoher Abnutzungsgrad des Wertes von Informationen impliziert, daß “by the time someone steals the information it is worthless which in turn means there is no incentive to steal it” (Kitch, 1980: 714).

 

Ausblick

 

Wissen gilt häufig als das öffentliche Gemeingut par excellence; das in der Institution Wissenschaft verankerte Ethos verlangt zum Beispiel, dass Wissen - zumindest im Prinzip - allen zugänglich ist. Aber handelt es sich wirklich um "gleiches" Wissen für alle? Brauchen globalisierende Wissenswelten eine (natürliche) globale Sprache (vgl. De Swaan, 2001)? Unterliegt wissenschaftliches Wissen, das in Technologie umgewandelt wurde, noch den gleichen normativen Regeln? Welche Kosten sind mit der Übertragung von Wissen verbunden? Wissen ist fast immer, auch trotz seines guten Rufes, anfechtbar. Diese Eigenschaft gilt in der wissenschaftlichen Theorie als ein großer Vorteil und als Tugend; in der Praxis wird diese prinzipielle Anfechtbarkeit der wissenschaftlichen Erkenntnis häufig verdrängt. Es kommt entweder zu einer gravierenden Überschätzung oder systematischen Unterbewertung wissenschaftlichen Wissens. Da Wissen in anscheinend unbegrenzten Mengen verfügbar ist, ohne dadurch an Bedeutung zu verlieren, verbindet es sich nur sehr begrenzt mit privaten Eigentumsansprüchen (Simmel, [1907] 1978: 438).

Moderne Kommunikationstechniken garantieren anscheinend einen leichteren Zugang zum Wissen und tragen womöglich dazu bei, etwaige, noch bestehende Auflagen aus Besitzansprüchen fast wirkungslos zu machen.  Allerdings besteht auch die Möglichkeit und Gefahr, dass nicht ungehinderte Wissensverbreitung sondern Wissenskonzentration eintritt. Man könnte allerdings genauso gut annehmen, es läge an der größeren sozialen Bedeutung des Wissens und nicht an seiner Besonderheit, dass es seine Ausschließlichkeit verliert. Aber das Gegenteil scheint zuzutreffen. Es stellt sich also erneut die Frage nach der Grundlage für die (an)dauernde "Macht" des Wissens. Trotz seines allgemein guten Rufs ist Wissen selten unstrittig. [37] Im markanten Gegensatz zu den Überzeugungen der klassischen funktionalistischen Theorie der gesellschaftlichen Differenzierung ist die Wissenschaft in vielen Fällen unfähig, kognitive Sicherheit zu  liefern. Der wissenschaftliche Diskurs ist entpragmatisiert, er vermag keine definitiven oder gar wahren Aussagen (im Sinne von bewiesenen kausalen Sätzen) für praktische Zwecke anzubieten, sondern nur mehr oder weniger plausible Annahmen, Szenarien oder Wahrscheinlichkeitsaussagen (vgl. Stehr, 1991a). Die Wissenschaft ist demnach nicht Lieferant zuverlässiger Erkenntnis, sondern eine Quelle von Unsicherheit (Grundmann und Stehr, 2000). [38] Diese Unsicherheit ist nicht Ausdruck von Unwissen oder einem (temporären) Defizit an Wissen. Sie ist ein konstitutives Merkmal von Wissen, wie auch der Kontexte, in denen Wissen arbeiten muss. [39] Und im Gegensatz zu dem, was rationale wissenschaftstheoretische Theorien verlauten lassen, kann man diese Problematik nicht dadurch in den Griff bekommen oder gar lösen, dass man zwischen „guter“ und „schlechter“ (bzw. zwischen pseudowissenschaftlicher und adäquater) Wissenschaft unterscheidet. Wie sollte dies unter Unsicherheitsbedingungen auch möglich sein?


Literatur

 

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[1]           Diese Abschnitte folgen Kettler, Meja und Stehr (1990).

[2]           Begriffe stellen Weichen. Wie Kritiker der modernen Soziologie deshalb schon an dieser Stelle einwenden, der Verweis auf “gesellschaftliche” und nicht soziale Prozesse als Grenzen der möglichen “Universalität’ von Wissen sind Ausdruck einer folgenschweren professionellen Selbstbefangenheit: Soziale Prozesse werden aus der Sicht der Gesellschaft und ihrer Geschichte beobachtet, und nehmen somit keine Rücksicht auf “Tatsachen und Zwänge weltgeschichtlicher Vorgänge und Zusammenhänge” (Tenbruck, [1989] 1996:77; siehe auch Stehr, 2000:28-34).. Es sei deshalb nur angemerkt, dass ich mich im Rahmen des Themas sehr mit der Frage der Globalisierung und der Diffusion von Erkenntnissen über die Grenzen von Gesellschaften beschäftigen werde.

[3]           Dies soll nicht heißen, das die Handlungsfähigkeit handlungstheoretisch am Anfang steht und Handeln vorausgeht. Handlungsfähigkeiten werden durch Handeln erworben und durch Handlungsvollzug realisiert (siehe Stehr, 1991; Janich und Weingarten, 2002:115).

[4]           Es würde zu weit führen, diese Bobachtung an dieser Stelle im Detail zu rechtfertigen; es sei aber zumindest auf Überlegen des experimentellen Physikers Anton Zeilinger (http://www.project-syndicate.org/series/series_text.php4?id=706)  verwiesen, der auf eine neuartige Würdigung der physischen Realität aufmerksam macht: ”This suggests a novel understanding of physical reality, one in which measurement and interpretation have a much stronger influence on the world than is normally assumed in classical physics—or even, for that matter, in everyday life. When we observe the color of a car, for example, we assume that this information is of a secondary nature. What is primary, what is there first, is the car itself with all its physical properties, so that we are doing nothing more than making statements about something that already exists. But in the quantum world, the situation is much more complicated, because the act of observation itself creates reality. What we can say about the properties of a quantum particle in general is not a statement about properties that existed before the measurement was made. In other words, while conventional wisdom, scientific and otherwise, assumes that what can accurately be said about an object is determined by reality, in the view implied by quantum entanglement, an accurate description of reality is determined what can be said.”

[5]           Meine Auffassung von Wissen ist mit einer Reihe von paralleler soziologischer Beobachtungen verwandt, so zum Beispiel mit dem Begriff der Kultur als generalisierte Fähigkeit mit deren Hilfe Akteure Handlungsstrategien produzieren. Wie Ann Swindler (1986:277) unterstreicht, muss man sich Kultur wie ein “’tool kit’ or repertoire from which actors select differing pieces for constructing lines of action [vorstellen]…People may have in readiness cultural capacities they rarely employ; people know more culture than they use..”  

[6]           Ich verwende in diesem Argumentationszusammenhang demnach keine performative Auffassung von Wissen. Eine performative Begriffsbestimmung von Erkenntnis wurde in Analogie zu dem in der Linguistik von Austin (1962) beschreibenden Phänomen der “performative utterance” behaupten, dass Wissen das, was es beschreibt, auch tut (siehe auch Osborne und Rose, 1999). Es ist aber zumindest bedenkenswert, dass es in der modernen Erkenntnisproduktion zunehmend zur Ausweitung der Fabrikation von performativen Wissen kommt (siehe Stehr, 2003:107-108) und damit zu einer progressiven Verschränkung von “Theorie und Praxis” in der Praxis: Die Entdeckung eines Gens ist zum Beispiel zugleich der Test für dieses Gen.

[7]           Den besonderen gesellschaftlichen Ruf den Wissen durch seine Fähigkeit gewann, an der Veränderung gesellschaftlicher und natürlicher Prozesse mitzuwirken, hat aber auch eine Kehrseite, die gegenwärtig besonders deutlich wird und die in den Vordergrund der politischer Auseinandersetzung mit neuen Erkenntnissen rückt. Die Fähigkeit gesellschaftlich verankerte Klassifikationen oder Grenzen der Machbarkeit zu tangieren, führt kurz gesagt zu Bemühungen, neue Erkenntnisse zu disziplinieren (siehe Stehr, 2003).

[8]           Die These von der Kontingenz menschlicher Erkenntnis (siehe Easton, 1997:39-40; 1991) bedeutet aber nicht, dass es keine Konvergenz von Wissen geben kann, etwa im Sinn multipler, aber unabhängigere Entdeckungen von Handlungsmöglichkeiten.

[9]           Die Bestimmung von Wissen als Handlungsfähigkeit macht auf eigentümliche Qualitäten zur Differenzierung von Information und Wissen aufmerksam: Wissen hat ex ante Eigenschaften, während Information ex post facto Attribute hat; d.h. Handeln oder Handlungen (Entscheidungen) kommunizieren oder transportieren Informationen: das Verhalten eines Autofahrers kommuniziert Informationen über sein Auto, empfiehlt eine Bank eine Aktie zum Kauf, dann “sendet” sie damit ihr Vertrauen in einen börsennotierten Konzern oder wenn eine Firma für ihr Produkt eine Garantie abgibt, dann kommuniziert sie damit Glaubwürdigkeit was ihre Ware angeht. Wissen als Handlungsmöglichkeit kommuniziert keine Informationen. Erst die Umsetzung von Wissen tut dies und Informationen wiederum beeinflussen Handeln (siehe Stiglitz, 2001:485).

[10]         Sofern man die Frage nach der Existenz globaler Wissenswelten bejaht, schließt sich unmittelbar daran die Frage an, warum nicht jede Person unbeschränkt Zugang zu dieser Wissenswelt hat und wie sich “universelle” Erkenntnisse von “nicht-universellen” Erkenntnissen unterscheiden würden.

[11]         Aus ökonomischer Sicht liegt es auf der Hand zu argumentieren, dass Wissen, das man in grenzenlosen Mengen kostenlos vervielfältigen und verwenden kann, keine Monopolrente abwirft. Damit sich “Wissenskapital” rentiert, muss es Restriktionen in seiner Migration unterliegen bzw. es darf kein öffentliches Gut sein, sondern muss Eigenschaften des Eigentums annehmen. Aber genau hier liegt ein immenser, zukünftiger Konfliktstoff (vgl. Lessing, 2004).

[12]         Eine weitere relevante Einschränkung meines Themas bezieht sich auf eine nähere Auseinandersetzung mit der verbreiteten These, das wissenschaftliche Erkenntnisse schon deshalb globale Wissenswelten repräsentieren, weil sie unbegrenzt anwendbar seien (z.B. Drori, Meyer, Ramirez und Schofer, 20003:8-9).

[13]         Die amerikanische National Academy of Sciences diskutiert dieser Tage die Frage, ob man die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen aus Gründen der “national security” verhindern sollte und wie man sie verhindern könnte. Das gegenwärtige, herrschende politische Klima in den USA ist auf der Seite derjenigen Argumente, die sich für weitere Restriktionen (denn es existieren schon eine Anzahl solcher Restriktionen) in der Veröffentlichung von Forschungsresultaten aus Sicherheitsgründen, konkreter dem Kampf gegen den Terrorismus, starkmacht (siehe “Scientists discuss balance of research and security,” New York Times, 10. Januar 2003). Und wie die New York Times (“Journals to consider U.S. security February 16, 2003) Monate später berichtet, die Herausgeber von “more than 20 leading scientific journals [including Science and Nature] have made a pact to censor articles that they believe could compromise national security, regardless of their scientific merit.”

[14]         Es gibt zweifellos eine Reihe weiterer, fast intuitiver Einschränkungen des Themas “globale” Wissenswelten auf die ich an dieser Stelle nicht explizit aufmerksam machen kann, die aber deshalb die nicht unbedingt ignoriert werden sollten sind. Dazu gehört beispielsweise die Frage, ob es überhaupt globale Wissenswelten geben kann, wenn man an diesen Begriff etwa die Forderung verknüpft, dass Wissen in einem solchen Fall in etwa gleich verteilt sein müsste oder das -- in Analogie zum neoklassischen Marktmodell – in einem solchen Fall die Transparenz der Erkenntnisse (vollkommen) sichergestellt sei. [Wissen ist immer unvollkommen, d.h. stratifiziert, asymmetrisch und schon deshalb nicht transparent (vollkommen).] Die Problematik einer Differenz von Wissen und Nichtwissen [besser Ignoranz?] -- ist es noch sinnvoll, nach globalen Nicht-Wissenswelten zu fragen? -- will ich ebenfalls aussparen, da es den Rahmen meines Themas einfach sprengen würde (siehe aber Moore und Tumin, 1949; Popitz, 1967; Merton, 1987).

[15]         Der Begriff “globales Wissen” taucht allein etwa 3560 mal in unterschiedlichen Dokumenten im Internet auf (Suchmaschine TEOMA, Zugriff 22.12.2002). Der Begriff “global knowledge”  ungefähr 1.602.000 (TEOMA Search Engine, December 22. 2002).

[16]         Eine sich an die Differenzierung gesellschaftlicher Institutionen anlehnende Konzeption globaler Erkenntnisse würde beispielsweise auf eine politische, wissenschaftliche, technologische und ökonomische Vision globaler Wissenswelten verweisen. Von der ökonomischen und der wissenschaftlichen Vision wird noch die Rede sein. Die gegenwärtig landläufige technologische Vision unterstellt, es sei das Internet bzw. das World Wide Web, dass die Realisierung von globalen Wissen möglich macht. Das Internet transformiert lokales in globales Wissen. Die heute dominierende politische Vision, wie sie sich in Resolutionen der Vereinten Nationen manifestiert (etwa UN World Summit on the Information Society 2003 in Genf) fordert die Überwindung und den nachhaltigen Abbau noch existierender Grenzen unterschiedlichster Art auf dem Weg zu einer globalen Wissenswelt:  Und zwar wird globales Wissen dann möglich sein, sobald die sogenannte „digital divide“ in und zwischen Gesellschaften überwunden ist.

[17]         Das Gegenteil gilt anscheinend auch: Die Hildesheimer Polizei kam zu nachtschlafender Zeit einem 34 Jahre alten Mann aus Gambia zu Hilfe, der sein Auto mit “Farbschmierereien” verunziert sah: “Die geduldigen Polizisten stellten nach eingehender Prüfung fest, daß der ‘weiße Überzug’ auf dem Autodach Schnee war, was der ‘völlig überraschte Afrikaner mit der Frage quittierte: ‘Was? Das ist Schnee?’” (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 8. Dezember 2002, S. 12).

[18]         Der Ökonom Fritz Machlup (1979:408), der sich in den fünfziger und sechziger Jahren intensiv um eine Quantifizierung des Wissen bemüht hat (z.B. Machlup 1962), macht auf den Unterschied von “Wissenskapital” (stock of knowledge) und den “Wissensverkehr” (flows of knowledge) aufmerksam und merkt an, “while the flow [of knowledge] never reduces the stocks of knowledge possessed by the transmitters, it does not does not always increase the recipients’ stocks.” Machlup (1979:408) führt eine Reihe von Gründen an, warum es zu dieser Asymmetrie kommen kann, wie beispielsweise die Unfähigkeit, Wissen auch zu behalten, darüber hinaus es mag schnell  irrelevant oder überholt sein.

[19]         Siehe “New premise in science: get the word out quickly, online,” New York Times,  17. Dezember 2002.

[22]         Die Ergebnisse des Modells der innovativen Kapazität von Stern, Porter und Furman (2000:6) lassen schließen, dass “during the 1970s and early 1980s, the predicted level of per capita international patenting by the United States and Switzerland was substantially above the level of other members of the OECD. Since that time, several countries (most notably Japan, some Scandinavian countries, and Germany) have achieved levels of predicted per capita international patenting similar to that of the United States. Interestingly, the united Kingdom and France have shown little change in their measured level of national innovative capacity over the past quarter century.”

[23]         Im Fall von technischen Objekten gibt es zudem eine verbreitete deterministische Perspektive, durch die unterstellt wird, daß technische Entwicklungen von vornherein ein in ihnen fest verankertes Schicksal kennzeichnet, das ambivalente, ja alternative Entwicklungsformen und somit “interpretative Flexibilität” (Pinch und Bijker, 1984: 419-424) ausschließt.

[24]         Brave (2001:3) vertritt zum Beispiel eine solche Auffassung und rechtfertigt sie wie folgt: „no matter what roadblocks might be placed in the way, the human genome is now and forever in our midst, and its manipulation will be difficult to simply prohibit. Neither the relatively small-scale technology required nor the individual or societal belief in biological benefits will be easily reined in by a regulatory body.” John Kay (1999:12) wiederum spricht davon, dass die Diffusion von Wissensformen, die typischerweise in den Naturwissenschaften gewonnen werden und die auf die Fähigkeit verweisen, wie man etwas anstellt wird (also wie man etwa eine elektronische Post zu verfasst oder eine Viodeabspielgerät herstellt) äußerst leicht zu übermitteln seien und sich infolgedessen kaum wirksam schützen lassen: “scientific knowledge knows no corporate or national boundaries and is easily transmissible.”

[25]   Cowan und Forey (1997:596) definieren die Kodifizierung von Wissen als “the process of conversion of knowledge into messages which can be processed as information.” Und Informationen, so unterstellen diese Autoren, lassen sich sehr viel leichter verbreiten, zumindest zu geringeren marginalen Kosten als nicht-kodifiziertes Wissen.

[26]             Detaillierte Studien zur Verbreitung von industriellen Techniken (z.B. Scranton, 1997) zeigen zudem, dass es nicht zu einer Art spontanen Konvergenz von Techniken kommt, sondern das ihre Konvergenz auf Grund der räumlichen und zeitlichen Diffusion dieser Techniken, die lokalen Ursprungs sind, kommt.

[27]             Außerdem tragen die gut bewachten disziplinären Grenzen in den Sozialwissenschaften tragen dazu bei, die Bedeutung der wechselseitigen Beeinflussung kultureller, politischer und ökonomischer Kräfte zu verdecken.

 

[28]         Die Geschichte der Patentierung von lebenden Entitäten in den USA untersucht Kevles (2001). Es sind pharmazeutische Produkte, die anscheinend besonders von einer Patentierung profitieren, zumal eine nur minimale Änderung in der Zusammensetzung eines Medikaments in der Pharmaindustrie ein neues Patent nach sich ziehen kann. Wenn man die Definition von Wissen auf das sogenannte “branding” oder den Ruf eines Produkts (etwa Coca-Cola, Nike, Mercedes) ausweitet, dann ist die Verbreitung -- in Sinn der „Imitation“ -- einer solchen Wissensform durch das erfolgreiche branding bzw. den Ruf einer Dienstleitung oder Produktes stark eingeschränkt (vgl. Kay, 1999:13).

[29]             Kennedy (2002:125) macht unter anderem auf folgenden Fall aufmerksam: Die Zeitschrift Poceedings of the National Academy of Sciences “has, within the past three years, published two papers in which data essential to conforming the claimed result were available to commercial researchers only for a price, and another in which sequence data were not available at all.”

[30]             Konventionelle, utilitaristisch argumentierende ökonomische Theorien betonen, dass der Schutz geistigen Eigentums durch Patente, Copyright Gesetze und vergleichbare, staatlich sanktionierte Normen zwar eine zeitlich begrenzte Monopolrente zur Folge haben, aber zugleich Innovationsanreize mit sich bringen, die schliesslich dem Gesamtwohl dienen (zuerst Smith, [1776] 1976:277-278; Bentham, 1839:71; Pigou, 1924:151; Arrow, 1962:616-617). In jüngster Zeit vertreten demgegüber Boldrin und Levine (2002) den Standpunkt, dass der (kompetitive) Markt sehr wohl in der Lage sei, unternehmerische Investitionen in Forschung und Entwicklung zu belohnen. Somit wären Patentgesetzte nicht nur überflüssig, sondern sie haben beispielsweise negative Folgen für die Preise neuer Produkte (also Plant, 1934a, 1934b; Hirshleifer, 1971).

[31]        Azoulays empirisch fundierte Beobachtungen über das typische Verhalten einer ganzen Industrie, wenn es um die Vergabe von wissens- bzw. informationsintensiven Vorhaben geht, hilft allerdings kaum weiter, wenn es um die Frage geht, weshalb Firmen –abgesehen von ökonomischen Anreizen -- sich genau in dieser Weise verhalten. Aber es ist sicher nicht auszuschliessen, wie eine Interpretation der Forschungserbenisse der Azoulay Studie erlauben, dass die Entscheidungen auch von Erfahrungen beeinflusst warden, die darauf hinweisen, dass die “Reise” von Erkenntnissen durch systemimmanente Strukturen und Prozesse behindert werden.      

[32]         Siehe die Studie von Parks (1995), die sich allerdings auf die internationale Diffusion von Erkenntnissen aus Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in OECD Ländern beschränkt.

[33]         Wie Stiglitz (2001:515) betont, “one of the most important determinats of the pace of growth is, for developed countries, the investment in research, and for less developed countries, efforts at closing the knowledge gap between themselves and more developed countries.”

[34]         Die These von den möglicherweise selbstschützenden Eigenschaften des modernen Wissens fragt nicht in erster Linie nach bestimmten inhärenten Charakteristiken der Erkenntnis, die es etwa zu einem privaten Gut machen (dies mag besonders in früheren Jahrhunderten der Fall gewesen sein, als wissenschaftliche Erkenntnisse gegenüber Laien schon dadurch geschützt waren, daß Wissen in einer den Wenigsten zugänglichen Sprache formuliert war und sozusagen automatisch geschützt war), sondern verweist auf kontextabhängige, institutionelle Attribute, die einer einfachen Verbreitung des Wissens entgegenstehen. Dazu gehört in der modernen Gesellschaft auch der Zugang zum Bildungssystem und seinem intellektuellen Kapital.

[35]             Organisationsformen des Wissens helfen, Wissen zu schützen: Wie Kitch (1980: 712) zum Beispiel unterstreicht, “managers can avoid increasing the ease with which information can be transmitted by resisting the temptation to assemble the information in organized written form.”

[36]         Der von Eric von Hippel (1991, 1994) geprägte Begriff  der “sticky information” verweist auf den gleichen Tatbestand. Implizite, nur schwer transferierbare Wissensbestände (tacit knowledge), kognitive Fähigkeiten und Erfahrungen reduzieren die Mobilität von Wissen, erleichtern seine Kontrolle und reduzieren die Notwendigkeit für umfassende Rechtsnormen zum Schutz dieser Wissensformen (vgl. auch Polanyi, 1958, 1967; Cowan, David und Forey, 1999:6-7). Antonelli (1999:244) wiederum verweist auf strukturelle oder kulturelle Prozesse und argumentiert, es sei insbesondere das technische Wissen, das kontextabhängig sei; denn technisches Wissen „tends to be localized in well-defined technical, institutional, regional and industrial situations. It is specific to each industry, region and firm and consequently costly to use elsewhere. The localised character of technical knowledge increases its appropriability but reduces its spontaneous circulation in the economic system.“

[37]         Die Entzauberung der Wissenschaft durch die Wissenschaft führt zu dem Ruf nach einer Philosophie der Forschung, da die wissenschaftliche Forschung das sein kann, was die Wissenschaft nicht sein darf. Forschung produziert Dispute und darf strittige Wissensansprüche formulieren. Die Wissenschaft soll Kontroversen beenden und sich von der Gesellschaft distanzieren, die Forschung soll sich involvieren, argumentiert etwa Bruno Latour (1998).

[38]         Silvio Funtowicz und Jerome Ravetz vertreten dagegen die Ansicht, dass die moderne Wissenschaft mit historisch neuen Problemen konfrontiert ist, das es diese Problem sind, die angesprochenen Grad der Unsicherheit in die Arbeit der Wissenschaft injizieren. Funtowicz und Ravetz (1990:7) machen beispielsweise darauf aufmerksam, dass wir “amidst all the great progress in scientific theory and in technological development, … are confronted by a new class of environmental challenges and threats. Among these are hazardous wastes, greenhouse effect and ozone depletion. These give rise to problems of a different sort from those of traditional science, either in laboratory, classroom, or industry. Science was previously understood as achieving ever greater certainty on our knowledge and control of the natural world; now it is seen as coping with increasing uncertainties in these urgent environmental issues.”

[39]         Um nur ein Beispiel aus der Klimaforschung zu nennen: Kaum jemand bezweifelt noch, daß die global gemittelte Erdtemperatur im vergangenen Jahrhundert angestiegen ist. Über die Ursachen und die weitere Klimaentwicklung herrscht allerdings grosse Unsicherheit. Und diese Unsicherheit nimmt trotz intensivierter Forschungsanstregungen keineswegs etwa ab, sondern sie verstärkt sich anscheinend noch. Dies gilt nicht nur für mögliche, zukünftige globale Klimaveränderungen und -folgen, sondern insbesondere auch für regionale klimabedingte und klimabhängige ökologische und gesellschaftliche Transformationen. Eine von Chris E. Forest (2002) und weiteren Autoren verfaßte Studie vermochte die entscheidende Frage nach der Klimasensitivität (d.h. zum Beispiel der Reaktion des Klimas auf eine Verdoppelung des Kohlendioxydgehalts in der Atmosphäre) nicht zu beantworten. Die Forscher dieser Studie geben eine Spanne von 1,4 bis 7,7 Grad an, während das internationale Gremium der Klimaforscher (International Panel on Climate Change) in einer Art Kompromißverfahren von einer Größe von 1,5 bis 4.5 Grad ausgeht. Die Wahrscheinlichkeit, daß die Empfindlichkeit außerhalb der vom IPCC festgesetzten Werte liegt, beziffern die Autoren der genannten Studie auf immer noch dreißig Prozent. Mit anderen Worten: Die Unsicherheit über das entscheidende Maß für Klimaprognosen ist weiter groß, wenn nicht sogar größer geworden.

 

 

 

*          Senior Research Fellow, ITAS, Forschungszentrum Karlsruhe/Institut für Küstenforschung, GKSS. Email: Nico.Stehr@t-online.de. Dieser Beitrag ist eine Ausarbeitung eines im  Zentrum für interdisziplinäre Forschung, Bielefeld am 15. Januar 2003 gehaltenen Vortrags. Ich danke Martin Schulte für seine konstruktiven Hinweise.

 

 

 



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