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Tartalomjegyzék POLÁNYI KÁROLY ÉS A MAGYAR MODERNSÉG "BELLE EPOQUE"-JA DIE PHILOSOPHIE DER SCHULE UND DER WELT Utolsó lap

Umfang und Verteilung des Bewusstseins oder Denkökonomie als sozialphilosophisch

(Über die Budapester Mach-Rezeption Karl Polányi's)
Szerző: Endre Kiss

Einerseits versucht Polányi, diese Theorie über Umfang und Verteilung des Bewusstseins in seiner Analyse des modernen Kapitalismus in historischer Sicht zur Geltung zu bringen und andererseits versucht er es ebenfalls, dieselbe Theorie bei Konzipierung einer idealen Gesellschaft produktiv in Anwendung zu bringen.




Umfang und Verteilung des Bewusstseins oder Denkökonomie als sozialphilosophischer Konstituens

(Über die Budapester Mach-Rezeption Karl Polányi''s)

 

Es ist nicht schwierig, den bedeutendsten Budapester Beitrag der mehr oder weniger zeitgenössischen mittel-europaeischen Mach-Rezeption in historischer Perspektive auszuwaehlen. Károly Polányi''s Einleitung zu Ernst Machs erstem ungarischem Band (1), aber auch seine zerstreuten Bemerkungen und Hinweise repraesentieren nicht nur einen enthusiastischen Mach-Kenner, sie ergeben darüber hinaus auch in ihrer Summe eine kohaerente Konzeption, die ihre berechtigte Stellung innerhalb der ins Soziale und Politische hinüberschlagenden Rezeptionsvariante des Machschen Positivismus (und etwas allgemeiner: des modernen Positivismus überhaupt) erhalten sollte. So erscheint uns Károly Polányi''s Mach-Rezeption als ein Glied in einer Kette, in welcher Bogdanow''s Empiriokritizismus oder die Mach nahestehenden Fassungen des Austromarxismus auf legitime Weise schon ihren Platz haben.

 

Über die Budapester Mach-Rezeption generell ein Bild zu machen ist aber ein, nach dieser Einleitung vielleicht unerwartet schwieriges Unternehmen. Das Budapester Geistesleben seit der Jahrhundertwende entfaltete naemlich einen kaum überschaubaren Reichtum von geistigen Bewegungen. Die Umrisse des Grundmodells der Budapester intellektuellen Geschichte dieser Zeit sind durch das Ineinanderspielen von zwei Komponenten gezeichnet worden. Die eine Komponente war soziologisch. Die intensive Industrialisierung, die Modernisierung der sozialen Verhaeltnisse erzeugte einen immer grösseren Kreis von soziokulturell durchaus unterschiedlichen Kreisen (2), die sich sehr dynamisch auch geistig zu artikulieren suchten. Die andere Komponente ergab sich aus der Tatsache, dass in Ungarn - wie im wesentlichen auch in ganz Europa (3) - die verschiedensten Impulse der politischen, aesthetischen, lebensreformatorischen und allen anderen Variationen des Erneuerungsdenkens gleichzeitig angekommen sind. Trotz der unvermeidlichen Vereinfachung laesst sich die folgende These vertreten: Die an sich „ungleichzeitigen” Inhalte der drei grossen Wellen der europaeischen Moderne (4) in Politik, Wissenschaft und Aesthetik erwiesen sich im Budapester Kontext als „gleichzeitige” Phaenomene. Das Aufeinanderwirken dieser beiden erwaehnten Komponenten führte dazu, dass die in rasendem Tempo entstehenden und sich ebenso rasend artikulierenden soziokulturellen Gruppen eine grosse Auswahl aus den gleichzeitig angekommenen, in ihrem Ursprung aber ungleichzeitigen modernisierenden Strömungen und Inhalten vorfanden und sich deshalb sehr leicht mit einer dieser Strömungen gruppenmaessig identifizieren konnten. So war in Budapest beispielswiese der Herbert Spencersche Positivismus durch den Kreis der Zeitschrift Huszadik Század, die symbolistische französische Poesie seit Baulelaire durch die Zeitschrift Nyugat, die Umwertung Friedrich Nietzsches (5) durch die Umwertungsprogramm gleich mehrerer Intellektuellengruppen, der Wiener Impressionismus und dessen zahlreiche Überwindungsmodi durch den jungen Lukács und seinen Kreis (6) sowie eben - und hier war keine Vollstaendigkeit dieser Bewegungen angestrebt - der Positivismus Ernst Machs durch eine weitere, noch jüngere Gruppe von Intellektuellen vertreten.

 

Dieser Reichtum an Schulen, Gruppen, Kreisen und Richtungen schuf eine intellektuelle Situation, die selbstverstaendlich auch mehrere weitere, unter anderen soziologische Folgen nach sich gezogen hat. Einerseits entstand ein geistiges Tempo, in welchem sich der mündliche oft wichtiger als der schriftliche Austausch erwiesen hat, so dass ein grosses Material an geistigen Auseinandersetzungen nicht in direkter schriftlicher Form vorliegt. Damit haengt andererseits auch zusammen, dass in diesem Umfeld auch die Übersetzungsliteratur zweitrangig geworden ist. Die Beteiligten dieser Diskussionen konnten auf hohem Niveau zumindest deutsch, kaum weniger aber französisch und ebenfalls kaum weniger englisch. Dies führt zur merkwürdigen kultursoziologischen Tatsache, dass man beispielsweise aus Umfang und Verteilung der Übersetzungsliteratur keine allzuweit führenden Feststellungen über das Ausmass und den Charakter eines konkreten Rezeptionsvorganges machen kann. Einer der am meisten diskutierten und tatsaechlich am meisten wirkenden Denker jener Zeit war Friedrich Nietzsche. Es erschienen aber aus vielen Werken Nietzsches nicht einmal in den höchsten Jahren der über ihn geführten Diskussionen keine Übersetzungen, und zwar einfach aus dem Grunde, weil die Diskussion im wesentlichen auch ohne ungarische Fassungen durch die Bühne gehen konnte (7).

Sowohl der typologische, wie auch der intellektuelle Wert von der Mach-Rezeption Károly Polányi''s wird durch die Tatsache nur noch erhöht, dass Polányi einer der intellektuell prominentesten Familie der damaligen Stadt Budapest entstammte. Geboren 1886 in Wien, war Károly Polányi wie Ludwig Wittgenstein, Sohn eines erfolgreichen Unternehmers, der für den Ausbau des Eisenbahnnetzes Österreich-Ungarns mit seiner Familie von Wien nach Budapest gezogen ist. Durch die drei Schwestern des Vaters, sowie spaeter durch deren Familien errang die Familie Pollacek-Polányi den Rang einer bürgerlichen und geistigen Dynastie, einer ganzen soziokulturellen Sphaere, die schon durch Herkunft aber auch Wertvorstellungen am naechsten zur sozialen, wie auch intellektuellen „Gleichzeitigkeit” der modernsten Strömungen stand. Ein Neffe Károly Polányi''s war beispielsweise jener Ervin Szabó, der der berühmteste ungarische Sozialist und Syndikalist, ferner auch der Erzieher mehrerer Generationen ungarischer Radikaler und Sozialisten.

 

Károly Polányi studierte vor allem beim positivistischen Aufklaerer Gyula Pikler Jus, der durch seine ursprünglich streng juristisch-sachliche „Einsichttheorie” (8) zum Zielpunkt von Attacken konservativer Studentengruppen geworden ist. Weil auch Polányi an der Verteidigung seines Meisters teilnahm, wurde er von der Universitaet entfernt. Dieser Streit um Pikler führte geradlinig zur Gründung des freiheitlichen Galilei-Kreises, dessen erste führende Gestalt Károly Polányi geworden ist und in dessen Geist unter anderen, nicht zuletzt wegen Polányi, auch die antimetaphysische Attitüde Ernst Machs eine bedeutende Rolle spielte. 1912 wird Károly Polányi, nach einem Abschluss seiner Studien an einer Provinzuniversitaet, Advokat. Diese Jahre sind die Zeit, in der Károly Polányi''s tiefe Beschaeftigung mit Ernst Mach vor sich geht, eine Arbeit, die sowohl mit der geistigen wie auch mit der politischen Szene des damaligen Ungarn untrennbar verbunden ist und ihre einmalige Qualitaet auch dieser Dimension verdanken kann (9).

Károly Polányi''s Grundintention in seiner Rezeption von „Ernő Mach” ist die volle und bedingungslose Übernahme des metaphysik-kritischen Ansatzes. Dieser Ansatz stellt kultursoziologisch übrigens auch eine relevante Vermittlung unter den zahlreichen, vital wirkenden Denkrichtungen im damaligen Ungarn. In relativer Unabhaengigkeit von den einzelnen konkreten Bestimmungen dieser Strömungen erschien diese Gegenüberstellung von absolut gesetzten, „metaphysischen” und relativierenden, anti-metaphyischen Wertvorstellungen von dem Kult Spencers bis zu demselben Friedrich Nietzsches in fast jedem Rezeptionsvorgang und selbstverstaendlich auch in jenen selbstaendigen intellektuellen Prozessen, die diesen Rezeptionsvorgaengen entwachsen sind (10). Polányi''s Mach-Deutung unterscheidet sich im wesentlichen von dieser beherrschenden Haupttendenz der damaligen ungarischen intellektuellen Szene nur in dem Anspruch, durch Ernst Mach einen Antimetaphysiker von neuer Qualitaet zu haben, der den „gleichzeitigen” exakten wissenschaftlichen und logischen Anforderungen am weitesten entsprochen hat.

 

An einer Stelle thematisiert Polányi auch unmittelbar die Differenz zwischen dem neuen Stand des antimetaphysischen Positivismus, verkörpert durch Mach, sowie dem früheren Monismus, der zwar nicht direkt mit Haeckel, vielmehr mit seinem damaligen ungarischen Schüler und geistigen Vertreter, Samu Fényes assoziiert wird (11). Dieses allertiefste Motiv von Polányi''s Identifikation mit Ernst Mach (dessen Namen er gemaess den damaligen ungarischen Schreibgewohnheiten in intimistisch-magyarisierter Form als „Mach Ernő” schrieb) wird mit grosser Selbstverstaendlichkeit schon von ihm selber als direkter politischer Anspruch formuliert. So wird Ernst Mach bei Polányi ein unmittelbarer weltanschaulicher und dadurch politischer Faktor. Ein Beispiel: „Ernst Mach hat nicht nur die Luft des Denkens gesaubert, indem er die Wissenschaft aus dem Nebel der Metaphysik auf eine klare und handgreifliche Weise herausgehoben hat, er hat dadurch auch für das Handeln den Horizont befreit...In der transparenten Aura können die Waffen der Wissenschaft ihre Ziele verfehlen...” (12) An einer anderen Stelle formuliert Károly Polányi die politische Umsetzung von Ernst Machs Denken so: „Im Gegensatz zum im Sozialismus vorherrschenden deterministischen Materialismus haben wir den damals grundsaetzlich neuen - in ganz Europa war es neu - aktivistischen Idealismus vertreten” (13). Als also Károly Polányi Ernst Mach den „wichtigsten und den hervorragendsten Denker der Jahrhundertwende” nennt (14), wird in dieser Charakterisierung die soziale und die politische Fortsetzbarkeit der antimetaphysischen Einstellung Ernst Machs stets mitgemeint. Zum antimetaphysischen Ansatz gehört es ferner, dass Károly Polányi eine deutliche Unterscheidung zwischen Religion und Metaphysik, diesen beiden vor-kritischen und nicht-kritischen Denkweisen trifft. Direkt strategisch betont er dabei in genealogischer Hinsicht folgendes: „Die höchste Gefahr der Religion besteht nicht darin, dass sie Lügen enthaelt, sie besteht darin, dass sie auch etliche Wahrheiten enthaelt und deshalb es schwierig war, sie von den Wissenschaften zu trennen” (15). Zu dieser strategischen und pragmatischen Unterscheidung gehört aber auch, dass er die Metaphysik aktuell gefaehrlicher als die Religion ist, weil man in der aufgeklaerten Gegenwart die Wissenschaft und die Religion voneinander schon deutlich zu unterscheiden sind, waehrend die Metaphysik „eine gefaehrliche und irreführende Übergangsform” darstellt, weil sie Worte wie „Idee”, „das Unbekannte”, „das Ideal”, „das Ziel”, „die Endursache” etc. (16) legitimiert, deren Sinn wir nicht kennen und die trotzdem von der Spekulation für wichtig gehalten werden. Daraus folgt auch die ebenfalls strategische Konsequenz, dass der einst gegen die Religion ausgefochtene aufklaererische Kampf jetzt gegen die Metaphysik ausgefochten werden muss (17).

An einer wichtigen Stelle, gleichzeitig auch auf eine wichtige Herausforderung definiert Ernst Mach die Denkökonomie auf zweierlei Weise: „Wenn man die Denkökonomie auch als blosses teleologisches, also provisorisches Leitmotiv auffasst, so ist hiermit die Zurückführung desselben auf tiefere Grundlagen nicht ... ausgeschlossen worden...” (18) Damit zeichnet Mach zwei Deutungsvarianten der Denkökonomie vor: Einerseits beharrt er darauf, dass die Denkökonomie „ein sehr klares logisches Ideal” ist (19) - dadurch wehrt er die von seiten Husserls kommende Herausforderung gleichzeitig auch ab. Andererseits formuliert er den Anspruch der Denkökonomie, „die biologisch-psychologische Untersuchung ihres (der Wissenschaften - E.K.) Werdens” auch weiterhin zu erschliessen (20). Für uns ist an dieser Stelle nicht die wissenschaftslogische Bedeutung dieser Aussage, in welcher eine Harmonisierung des logischen Ideals und der historisch-genealogischen Perspektive formuliert wird. Diese Selbstbestimmung Ernst Machs ist für die Rezeption Károly Polányi''s in diesem Kontext vor allem von erheblicher Bedeutung, weil er darin diejenige konkrete Richtung der Ausdehnung des denkökonomischen Prinzips nicht in Sicht hat, die bei Pol nyi Wirklichkeit wird.

 

Eine Weiterentwicklung des denkökonomischen Ansatzes Ernst Machs erscheint in Károly Polányi''s Konzeption über die Verteilung des Bewusstseins. Dabei erscheint das Denken zunaechst in positivistisch-genealogischer Sicht als ein Element der menschlichen Selbsterhaltung nebst der Nahrung und der Arbeit (21). Diese pragmatisch-vitale Funktion des Denkens, so interpretiert Polányi weiter Mach, richtet sich auf die Vermeidung des Leidens und der Sorge, sowie auf die Suche nach Freude. Auf diese, sozusagen primaere Sphaere der primaeren Selbsterhaltung erscheint aber das Denken auch auf einer sekundaeren Ebene. Ob und wie wir unsere Gedanken am zweckmaessigtesten brauchen und gebrauchen können, entscheidet auf eine sensiblere Weise über unsere Selbsterhaltung (22).

 

Durch die Analyse der Gewöhnung, des Lernens, bzw. der Erklaerung und der Interpretation gelangt Polányi dann zum Begriff einer Quantitaet des Bewusstseins. Bei Mach dient dieser Begriff zu einer funktionalen Neudefinierung des Denkens. Haetten wir naemlich ein Bewusstsein von unendlichem Umfang, so würde unser Denken auch keine festen Gebilde haben. Von dieser Perspektive aus kann auch die Wissenschaft neu definiert werden, sie ist naemlich ein ”Denken über unser Denken selber”, welches unter anderen auch unser zur Verfügung stehendes Bewusstsein am ökonomischsten „verteilt” (23).

Diese Konzeption über ein als Kontinuum aufgefasstes Bewusstsein, welches in seinem Kampf um die Selbsterhaltung nach grösstmöglicher Ökonomie streben muss, führt bei Károly Polányi selbst über Ernst Mach hinaus. Einerseits versucht Polányi, diese Theorie über Umfang und Verteilung des Bewusstseins in seiner Analyse des modernen Kapitalismus in historischer Sicht zur Geltung zu bringen und andererseits versucht er es ebenfalls, dieselbe Theorie bei Konzipierung einer idealen Gesellschaft produktiv in Anwendung zu bringen.

 

In seiner Analyse des kapitalistischen Systems setzt sich Polányi mit den Anforderungen dieser Gesellschaft an das „Bewusstsein” (im vorhin angeführten, Machschen Sinne) auseinander. Für diese Periode ist nach Polányi eine hohe Einschaetzung des Bewusstseins charakteristisch. Sie praeferiert die Bewusstseinskultur und richtet die moralische Wertschaetzung nach der „Grösse des Ich-Bewusstseins des Einzelnen” (24) ein. Diese Periode der kapitalistischen Ordnung schaetzt die „Persönlichkeit” auch sehr hoch ein und misst jedes menschliche Tun und Handeln an der Bewusstheit des Einzelnen (25). Dasselbe ist auch auf dem Gebiet der Künste in dieser Phase des Kapitalismus der Fall. Polányi fasst die Eigentümlichkeiten dieser Phase mit seiner neuen, hauptsaechlich Mach entliehenen Sprache so zusammen: „Das kulturelle Ideal der kapitalistischen Gesellschaft ist diejenige Persönlichkeit, deren Bewusstsein am labilsten ist und die in jedem gegebenen Fall alles erleben kann” (26). Für diese Phase ist aber eine Allgemeinheit von „grossen Bewusstseinsquanten” kennzeichnend, die im wesentlichen bei jedem Individuum vorhanden sein müssten (27).

 

In der zweiten, konsolidierten (bei Polányi wörtlich: „arrivierten”) Phase des Kapitalismus verliert das Ich-Bewusstsein und dementsprechend auch das extrem hohe Ausmass von Bewusstseinsquanten seine Bedeutung. Das individuelle Eigentum, das persönlich motivierte Unternehmen löst sich in der neuen Entwicklung auf. Das Niveau der Organisation waechst, die Einförmigkeit der einzelnen Bewusstseinsgebilde wird direkt befördert, die geordneten Verhaeltnisse entziehen den Individuen den Boden. Die Unbefangenheit, welche Attitüde par excellence mit „viel” Bewusstsein zusammengeht, verschwindet. Die „nützlichen” Vorurteile der Wissenschaft werden sie ablösen, damit auch die Machsche Denkökonomie wieder explizit genannt wird (28). Polányi''s heuristische Perspektive, mit welcher er die aktuelle Weltgeschichte, den modernen Kapitalismus durch die Kategorien der Machschen Denkökonomie erschliesst, führt zu einer erstaunlichen, keineswegs aber unbegründeten Identifizierung: Polányi kommt in seiner Analyse der zweiten Phase zum Schluss, dass jenes Bewusstsein, welches die zweite, konsolidierte Phase des Kapitalismus hervorruft, eben ein „sozialistisches” Bewusstsein sein wird. Die Ausführung dieser Idee lautet so: Die unterschiedlichen Gebilde, die ein Bewusstseinsmaximum darstellen, werden nicht mehr befördert, bzw. anerkannt, der konsolidierte Kapitalismus entwickelt Werte, an die sich das ideale Individuum mit einem Bewusstseinsminimum anschliessen kann. So führt diese Phase des Kapitalismus bei Károly Polányi wie selbstverstaendlich zum Sozialismus oder wie er es selber formuliert: „In der konsolidiereten Phase der kapitalistischen Ordnung werden sozialistische Ansichten vorherrschen” (29).

 

Der zweite und nicht weniger originelle Beitrag Károly Polányi''s in der sozialen und politischen Umsetzung von dem Denkökonomie-Ansatz Ernst Machs ist seine Konzeption des Gilde-Sozialismus. Diese ebenfalls aus der Vorkriegszeit stammende Idee versucht naemlich gerade mithilfe des Machschen Ansatzes der Denkökonomie eine Alternative sowohl zum kollektivistisch-kommunistischen wie auch syndikalistischen Sozialismus (30). Die politologischen Dimensionen dieser Konzeption sind für unsere Betrachtung jetzt von geringerer Bedeutung. Die neue Organisation der Produzenten, die praktisch auch mit den existierenden Gewerkschaften zusammenfallen kann, kann faehig werden, sowohl die Interessen der Konsumenten, wie auch diejenigen der Produzenten zu vertreten. Die Mach heraufbeschwörende Dimension dieser Idee besteht in der neuen Ökonomie dieser Struktur. Durch die Gilden kann es naemlich möglich werden, dass die ganze Gesellschaft am ökonomischsten aufgebaut wird. So entsteht eine neue Gesellschaft, die auch Menenius Agrippa''s Maerchen in neuem Licht aufscheinen laesst (31).So entsteht eine Gesellschaft, die auch als eine „harmonische Kooperation von funktionalen Organisationen” aufgefasst werden kann (32).

 

Es geht in dieser Konzeption nicht mehr um das in die Gesellschaft und Politik projizierte Prinzip der Denkökonomie, es geht vielmehr um eine, auf Ernst Machs Spuren vorgestellte und schon in die Wirklichkeit umgesetzte Idee einer neuen, „ökonomischen” sozialen Ordnung.

 

 

ANMERKUNGEN:

 

(1) Die ungarische Übersetzung von Die Analyse der Empfindungen unter dem Titel Az érzékletek elemzése erschien 1910 in Budapest in einer vornehmen philosophischen Reihe, die von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben worden ist. Eine der wichtigsten Mach-Arbeiten von Károly Polányi erschien als „Einleitung” zu diesem Band.

(2)Selbst Károly Polányi war sich der damaligen Generationsproblematik absolut bewusst. Ein Beispiel: „Für die Geschichte wird eine Generation geboren, als sie zum Bewusstsein ihrer Sendung kommt. Und jede Generation hat genau so viel Wert, wie viel sie aus dieser ihrer Sendung auch verwirklicht. Erkennt sie diese allein ihr zugeschriebene Aufgabe nicht, wollte oder könnte sie diese Aufgabe nicht wahrnehmen, wird ihr das Schicksal jener Magd zuteil, die ihr Talent nicht richtig vermehren liess.” (”A mai nemzed‚k hivatása” (Die Berufung der heutigen Generation), 1918-19. S. in: Károly Polányi, Fasizmus, demokrácia, ipari társadalom. Budapest, 1986, 165.

(3)Die einzelnen „nationalen” Kulturen im modernen Europa liessen sich geradezu durch die Reihenfolge und anderen Bestimmungen dieses Nacheinanders der verschiedensten neuen Richtungen exakt beschreiben. Es sollte dabei auch nicht vergessen werden, dass die Verbreitungsrichtung dieser Impulse überhaupt nicht nur eine west-östliche war. Mit ebenso vielem Recht könnte man über eine ost-westliche und (unter anderen!) auch noch über eine nord-westliche sprechen!

(4)Über die drei grossen „Wellen” der intellektuellen, politischen und aesthetischen Moderne s. Endre Kiss, Szecesszió egykor és most. Budapest, 1984.

(5)Eine monographische Bearbeitung der ungarischen Nietzsche-Rezeption s. Endre Kiss, A világnézet kora. Friedrich Nietzsche abszolutumokat relativizáló hatása a századelőn. Budapest, 1982. Auf deutsch zusammengefasst: „Die Rezeption Friedrich Nietzsches in Ungarn bis 1918-1919”, Nietzsche-Studien. 1980/9. 268-284.

(6)Darüber ausführlich s. Endre Kiss, „Lukács, Vienna, Belle Epoque. On the Significance of Vienna in the Development of Young Lukács”. in: East European Quarterly, XX. no 2. June 1986. 141-155.

(7)Eine sehr informative Tatsache ist es jedoch, dass im Ungarn der Vorkriegszeit nebst zwei vollstaendigen Übersetzungen auch noch vier (!) vollstaendige ungarische Zarathustra-Nachdichtungen von ungarischen Autoren entstanden sind. S. darüber Endre Kiss, „Nietzsches ''Zarathustra''”: Vorbild philosophischer Dichtung in Osteuropa. in: Nietzsche-Studien, Band 17. S. 298-314.

(8)Diese Theorie von Gyula Pikler ist in einem auch in wissenschaftslogischer Sicht relevanten positivistischen Auffassung geschrieben worden. Anstatt eines den offiziellen Kreisen eher genehmen historistischen Sicht begründete Pikler einige juristische Grundkategorien aufgrund der „Einsicht” der einzelnen beteiligten Subjekte.

(9)Über das weitere, ebenfalls sehr interessante und auch im Geistigen reiche Leben Károly Polányi''s s. Kari Polányi - Levitt und Marguerite Mendell, Polányi Károly. in: Fasizmus, demokrácia, társadalom, a.a.O. 7-51.

(10)S. die unter Anmerkung 5) genannte Monographie über die ungarische Nietzsche-Rezeption, in deren Mittelpunkt gerade die Ausweisung der allseitig relativierenden Wirkung Friedrich Nietzsches steht.

(11)S. „A Galilei Kör mérlege” (1929), in: Fasizmus, demokrácia, társadalom, 189.

(12)Die politische Konkretisation dieses Gedankenkreises redet von den „...von derselben Metaphysik inaugurierten überheblichen Phrasen über die Ideen des ‘Staates’ und der ‘Persönlichkeit!, sowie über den ‘ewigen Wert’ anderer ‘hochfahrenden’ Sachen...” („Kultura- álkultura” (1909 - 1910), a.a.O. 384. (Sperrung im Original - E.K.)

(13)”A Galilei Kör mérlege” (1929), a.a.O. in: 189.

(14)”Bevezetés Mach Ernő: Az érzékletek elemzése cimű könyvéhez” (Einleitung zu ‘Die Analyse der Empfindungen’ von Ernst Mach), a.a.O. 385.

(15)”Kultura-álkultura” (1909 - 1910), a.a.O. 380.

(16)Ebda, 382.

(17)Ebda,

(18)Ernst Mach, Die Mechanik in ihrer Entwicklung historisch-kritisch dargestellt. Kapitel 4, Abschnitt 4. S. Ernst Mach. Wegbereiter der modernen Physik. Herausgegeben von K.D. Heller. Wien - New York, 1964. 60.

(19)Ebda.

(20)Ebda.

(21)”Bevezetés Mach Ernő: Az érzékletek elemzése cimű könyvéhez”, 1910. in: Fasizmus, demokrácia, ipari társadalom, 386.

(22)Ebda, 387-388.

(23)Die analytische Beschreibung des Machschen Gedankenganges bei Károly Polányi s. ebda, 389.

(24)”Nézeteink válsága” (Die Krise unserer Ansichten), 1909., a.a.O. 367.

(25)Ebda.

(26)Ebda, 368. (Sperrung im Original - E.K.)

(27)Ebda.

(28)Ebda, 368-369.

(29)Ebda, 369. (Sperrung im Original - E.K.)  - Polányi interpretiert es im spaeteren so, dass dadurch der Sozialismus in die Sphaere zurückgeht, von wo er gekommen war. Das ist aber gleichzeitig der Punkt, wo die historische Mission des Sindikalismus anfaengt.

(30)”A gildszocializmus” (1922), a.a.O. 371.

(31)”Gilde és állam” (1923), a.a.O. 377-378.

(32)”A gildszocializmus”, (1922), a.a.O. 374.

 

 (1988)

 



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