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2. (Positive politische Metaphysik versus
Irrationalismus) Der Begriff "(positive)
politische Metaphysik" war gelegentlich
schon gebraucht worden, ohne dass man den
Standpunkt beziehen müsste, er sei für die
Bezeichnung der betreffenden Phanomene bereits
einmal legitim eingeführt worden. Am offensten
und bewusstesten sprach man über metaphysische
Strukturen in der Politik (in der politischen
Ideologie) in den ausgehenden zwanziger und
den angehenden dreissiger Jahren. In der
besonders reichen ideengeschichtlichen und
philosophischen Literatur, welche die diesbezügliche
Problematik des Nationalsozialismus bearbeitete,
war dieser Begriff heuristisch ebenfalls
nicht eingeführt. Wir schlagen deshalb vor,
die positive politische Metaphysik als Sammelbegriff
für ideologische Ansatze in Anspruch zu nehmen,
die entweder den Nationalsozialismus vorbereiteten
oder von ihm selber produziert worden sind.
Als Sammelbegriff für diese Strömungen galt
bis jetzt meistens der "Irrationalismus".
Nun haben wir gegen den Gebrauch des "Irrationalismus"
gleich diverse Einwande, auch wenn wir keineswegs
leugnen wollen, dass der Irrationalismus
- etwa in der expliziten Argumentation oder
aber auch implizit, d.h. in der offenen,
positiven, nicht-rationalen Strukturen -
ein organischer Bestandteil der betreffenden
Ideologien gewesen ist.
Unser erster Einwand gegen den so aufgefassten
Irrationalismus ist es, dass er innerlich
zu wenig differenziert und strukturiert ist
und dementsprechend der inneren inhaltlichen
Differenzierung und Gliederung der betreffenden
ideologischen Gebilde nicht gerecht wird.
Die positiven inhaltlichen Akzente, die strukturelle
Hierarchie, die in der tagespolitischen Auseinandersetzung
durchaus "rational" klingenden
Einzelaussage gehen unter diesem grossen
Deckmantel verloren, insbesondere gilt es
von der Vorstellung einer universalen, sozio-kosmologischen
Ordnung, die in diesen ideologischen Strömungen
thematisiert ist. (Da die mit der Seinsgsetzlichkeit
identisch gesetzte Vorstellung dieser Ordnung
die tiefste sachliche Begründung der politischen
Metaphysik abgibt, müssen wir sie im spateren
noch ausführlich behandeln.) Somit ist diese
Bezeichnung des Irrationalismus der Schwarze
derjenigen von Hegel beschriebenen Nacht
nicht unahnlich, in der "alle Kühe schwarz"
sind.
Unser zweiter Einwand gegen den Gebrauch
des "Irrationalismus" ist nicht
mehr so ausschliesslich immanent. Im wesentlichen
besteht er darin, dass die Annahme der Irrationalismus-These
mit problematischer Konsequenz zusammengeht.
Man ware etwa gezwungen, die ideologisch-weltanschauliche
Realitat des Dritten Reiches als eine historisch
einmalige Vorherrschaft des offen falschen
Bewusstseins anzusehen. Die Hegemonie von
"irrationalen" Denkstrukturen würde
die Hauptrichtung der Interpretation ins
Nur-Sozialpsychologische verschieben, indem
sie unausweichlich die Frage stellen liesse,
wie war die Aufnahme so offen irrationaler
mentaler Strukturen möglich. Gewiss darf
man in diesem Zusammenhang über Sozialpsychologie,
vielleicht auch über geistige Aberration
reden, sie jedoch als letzte Erklarung aufzufassen,
ware für uns unakzeptabel. Gewiss gegen den
Willen der Vertreter dieser Einstellung führt
somit die Irrationalismus-These in den wesentlichsten
Zügen zur Annahme einer unwiderstehlichen,
im wahren Sinne des Wortes "triumphierenden"
Weltanschauung. Mit anderen Worten: die Akzeptierung
der Irrationalismus-These würde mit der Konsequenz
zusammengehen, dass man im Sieg des Nationalsozialismus
der ideologischen Komponente eine übermassig
grosse Bedeutung zuweisen würde.
Unser dritter Einwand gegen die Irrationalismus-These
lautet so: diese Auffassung gibt eine auf
den ersten Augenblick erstaunlich leere Bestimmung
des Irrationalismus selber. Der Irrationalismus
als Kampf gegen den Rationalismus war sicherlich
ein allgegenwaertiger Bestandteil dieser
Ideologien, aber bei weitem nicht der allerbestimmendste.
Weitere positive Bestimmungen dieses Irrationalismus
fehlen beinahe ganz. Nun bringt die Annahme
der positiven politischen Metaphysik auch
einen Vorschlag für die inhaltliche Bestimmung
des tatsaechlichen Irrationalismus dieser
Denkansatze auf, einen Vorschlag allerdings,
welcher den Irrationalismus nunmehr als legitimen
Bestandteil der Konzeption der positiven
Metaphysik behandelt. Wahrend die Irrationalismus-These
unter "Irrationalismus" meistens
die Konfrontation mit den Gehalten des Rationalismus
(identifiziert mit der Aufklaerung des 18.
Jahrhunderts) verstand, definiert die Konzeption
der positiven Metaphysik den Irrationalismus
selber als eine organische Qualitat der positiven
Metaphysik. Sie besteht darin, dass der als
Seinsgesetzlichkeit aufgefassten positiven
Metaphysik die Spharen der Politik, der Geschichte
und der Wissenschaft untergeordnet werden
und so entsteht der "Irrationalismus"
der positiv-politischen Konstruktion der
Metaphysik.
3. (Versuch einer Begriffsbestimmung) Die
Grundbestimmung der positiven politischen
Metaphysik ist ihre Seinsgesetzlichkeit.
Uns scheint, dass es das effektivste Moment
des ersten Gegenargumentes gegen die Irrationalismus-These
ist. DAS ANDEUTEN VON IRRATIONALEN DENKSTRUKTUREN
KANN UNTER KEINEN UMSTANDEN DEN HINWEIS AUF
DIE MASSIVE POSITIVE SEINSGESETZLICHKEIT
IN DEN POLITISCHEN METAPHYSIKEN ERSETZEN.
Die Seinsgesetzlichkeit der positiven politischen
Metaphysik wird auf keine Transzendenz, sondern
auf die universale Geltung je eines positiven
gegenstandlichen Momentes gegründet. Das
Attribut "positiv" ist im Termin
"positive, politische Metaphysik"
dazu berufen, diesen Tatbestand exakt zum
Ausdruck zu bringen. Die Geltung dieser Metaphysik
wird mit derselben des gewahlten "positiven"
Prinzips untrennbar verbunden. Geht eine
positive Metaphysik beispielsweise von der
metaphyischen Bedeutung des Krieges aus,
so wird sie durch das universale, d.h. auf
jeder Seinsebene positiv ausweisbare Gelten
des Krieges als positiven Seinsgesetzes konstitutiert.
Durch diese Geltung entsteht aber auch Metaphysik
als universales Seinsgesetz. Formuliert man
dies auf der Umgangssprache, so geht es hier
um positive Gehalte, die als Prinzipien das
szientistisch-philosophische Universum durchdringen
und dessen Prozesse beherrschen. Bei dieser
Formulierung stellen sich gleich die folgenden
Fragen: wie stehen diese Seinsgesetze zu
der Geschichte, zu der Politik und gegebenenfalls
zu der Wissenschaft, d.h. wie beeinflussen
die positiven Resultate der historischen
Forschung, der Wissenschaftlichkeit und der
Politik den Geltungsanpruch der positiven
Metaphysik, was geschieht beispielsweise,
wenn eine wissenschaftliche Erkenntnis gegen
die im voraus angenommene Geltung eines positiv-metaphysischen
Prinzips spricht. Es sind genau die Fragen,
die von den Vertretern der entwickelten positiven
politischen Metaphysiken strikt abgelehnt
werden. Die positive politische Metaphysik
gilt für sie als Übergreifendes, ihre Geltung
ist starker als diejenige von Aussagen, die
aus der Geschichte, Politik oder Wissenschaft
kommen. POSITIVE POLITISCHE METAPHYSIK IST
somit EIN UNIVERSALES SEINSGESETZ, WELCHES
AUF EIN aus der positiv-gegenstaendlichen
Sphare ausgewahltes PRINZIP AUFGEBAUT WIRD
UND DEREN GELTUNG STAERKER ALS DIEJENIGE
DER GESCHICHTLICHEN, POLITISCHEN UND WISSENSCHAFTLICHEN
AUS.
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