Kritikai pozitivizmus és nemzet
(Alfred Fouillée szociológiai felfogása a nemzetről)

Mind a mai napig bizonyára Alfred Fouillée 1898-ban megjelent monográfiája a nemzet, illetve a modern nacionalizmus problematikájáról az a mü, ami a modern tudományosság, az egzakt szcientizmus követelményeinek a legjobban megfelel.


E mü összefüggésében a releváns szempontok sokszorosan keverednek egymással. Mult és jelen egymástól eltérő evidens tartalmai, a "két századforduló" szellemi történései, a társadalmi makrodimenziókkal foglalkozó tudományok forradalmainak több hulláma, a nemzetként definiált nagycsoport történelmének fordulatai, funkció- és strukturaváltozásai, valamint a fogalommal és a konkrét csoporttal minden esetben (de nem minden esetben azonos iránnyal és tartalommal) együttjáró politikai dimenziók egyként kritikusan nehezitették e "csoport" problémátlan beillesztését a szociológia tudományának tárgyai közé.

Politikailag kélnyes, de egyben politikai magáóértetődés a legtöbb réteg számára - ez ia a tárghyi szingularitás regyik eleme


E tematika minden korszakban és minden lényeges perspektivában ujra aktualizálódó politikai szenzibilitása éles ellentétben áll tehát ugyanennek a problémakörnek a mindennapi tudatban szinte változatlanul magas szinten megjelenő természetességével, magátólértetődőségével, a posztmodern nyelvén megfogalmazva, a nemzeti diskurzus kimerithetetlen vitalitásával. Ez a kettősség már önmagában is szélsőségesen komplexxé teszi a nemzet-problémát, mint tudományos tárgyat, s még csak mind ehhez jönnek a sajátosan tudománylogikai nehézségek, amelyeknek eredete mindenekelőtt a szociológiai kiterjesztés lehetetlenségére, azaz a nemzet, mint a szociológia természetes tárgya megfogalmazásának lehetetlenségére vezethetők vissza.

A nemzet diskurzusát ez az alaphelyzet kezdettől fogva meghatározta, különösen aktuálissá vált azonban a mult század utolsó éveitől kezdve. Az emancipativ tudományosság e nagy évtizedei ugyanis kézzelfogható közelségbe hozták a par excellence tudományos diskurzus korlátlan kiterjeszthetőségét a tárgyi szférák mindegyikére, miközben ez a holnapra már valóra váltható utópia ráadásul még azt a reményt is felcsillantotta, hogy a makulátlan tudományos megközelités segithet feloldalni az ebben a diskurzusban rejlő számos hatalmas feszültséget, igy a politikai szenzibilitás és a diskurzus megtörhetetlen vitalitása közötti feszültséget is.





Der Diskurs einer nur latent existierenden wissenschaftlichen Sprache vermischt sich unaufhörlich mit den verschiedensten und im breitesten Sinne verstandenen politischen Sprachansaetzen.

Auf eine einmalige Weise wird die Bedeutung von Fouillée's Versuch einer "Psychologie der französischen Nation" (die ja ohne grössere Schwierigkeiten zu einer "Psychologie der Nation" erweitert werden könnte) dadurch erhöht, dass Fouillée einer der ausgezeichnetsten französischen Sozialwissenschaftlern ist, die eine wahre Pionierarbeit in der Ausarbeitung der Methodik und der Methodologie der Sozialwissenschaften geleistet haben. Diese Wissenschaftler, wie beispielsweise Durkheim, Guyot, Tarde, standen an der unter dem Aspekt der Wissenschaftslogik allergünstigsten Stelle der Wissenschaftsentwicklung. Sie waren (in Frankreich) die führenden Repraesentanten der Sozialwissenschaften, denen es gegeben war, eine kürzlich vollzogene wahre wissenschaftliche Revolution als (von ihrem Zeitalter tatsaechlich als solche anerkannte) wirkliche Pioniere, als Gründergestalten in ihren eigenen Wissenschaften einzuführen, bzw. zur Geltung zu bringen. Ohne argumentative Unterstützung sei zu all dem noch hinzugefügt, dass diese theoretische Diskussion, durch welche die neue (einheits)wissenschaftliche Vision des kritizistischen Positivismus von ihren philosophischen Ausgangspunkten in die einzelnen Wissenschaften hineingedrungen ist (und in vielen Faellen in diesem Zuge der Dynamik gleich neue Wissenschaften gründete) wohl die bedeutendste Methodendiskussion aller Zeiten gewesen ist. Dass Alfréd Fouillée diesen ausgezeichneten wissenschaftlichen Augenblick für die methodische Begründung gerade einer vollkommen bewussten und den Erwartungen der progressivsten Wissenschaftlichkeit voll entsprechenden Rekonstruktion der "Nation" in Anspruch nahm, erhöht nur die Bedeutung seines Unternehmens.

Der Positivismus im Rahmen der oben geschilderten wissenschaftlichen Revolution wurde zunaechst zum kritizistischen Positivismus wurde (was so viel heisst, dass er in seine Prinzipien die des philosophischen Kritizismus aufgenommen hatte) und dann bei vielen Vertretern dieser Richtung aus diesem kritizitischen Positivismus ein perspektivistischer-kritizistischer Positivismus geworden ist (wofür gleich auch Alfred Fouillée einige schöne Beispiele liefert). Uns scheint, der oben schematisierte Weg der Wissenschaft in nuce die wesentlichsten Tendenzen auch der von Alfred Fouillée in Anspruch genommenen Wissenschaftslogik wiedergeben kann.

Es ist gleich ein Moment des philosophisch-szientivischen Perspektivismus, der nicht nur Fouillée's Auffassung der Gesellschaft im allgemeinen auszeichnet, sondern auch in seiner Konstitution des Gegenstandes "Nation" eine bestimmende - und im Gegensatz zu den üblichen Anschauungsweisen der Soziologie - spezifische Rolle spielt. Indem naemlich Fouillée die sogenannten "Ideenkraefte" ("idée-force") in den Mittelpunkt seiner "soziologischen" Anschauung stellt, findet er damit gleich ein heuristisches Element, welches einen spezifischen Zug der Nation als "Gruppe" gegenüber anderen (eher von der Soziologie eher als eigenen Gegenstand angesehenen) Gruppen darstellt. Waehrend eine auf die übliche Weise "soziologisch" kategorisierte Gruppe als "neutraler" und nicht in ihren "Ideenkraeften" anvisierter Gegenstand erscheint, dürfte eine Definition der Nation ohne dieses Element ab ovo nicht korrekt sein, da die Nation ein Gegenstand ist, der gleichzeitig für seine Konstitution und Reproduktion gerade "Ideenkraefte" mobilisiert. An dieser Stelle, man dürfte sicher sagen, schon an dieser Stelle, waeren aber bereits zwei prinzipielle Bemerkungen zu machen. Erstens waere die These über die "Ideenkraefte" bei weitem nicht mit jenen neueren, vor allem nach 1945 und - wie es kaum anders vorzustellen ist - auf den unvorstellbar starken und komplexen intellektuellen und theoretischen Druck des nationalsozialistischen Phaenomens entstandenen Erklaerungsmodellen identisch, die Nation als Kommunikationsgemeinschaft zu beschreiben und zu definieren. Es liegt in der Natur der Sache, dass es durchaus vorstellbar ist, dass in gewissen Kontexten die mobilisierenden Ideenkraefte und die gemeinschaftlich ausgeführte Kommunikation einfach zusammenfaellen, weder inhaltich, noch methodisch waere aber diese Erklaerung als Identitaet akzeptierbar. Zweitens erfolgt bei Fouillée ein explizit kritizistisch-positivistischer Erklaerungsversuch, welcher aber auch auf eine legitime Weise soziologisch arbeiten will es auch tatsaechlich tut. Denn die "ethnischen Voraussetzungen" erscheinen als realkausale Erklaerungen eben als Folgen, wenn nicht Konsequenzen der physischen Aktion des Milieus, wodurch die soziologische Kohaerenz zwischen der Thematisierung der Nation und anderen Thematisierungen voll hergestellt ist. Ebenfalls kurz sei an dieser Stelle auch noch an die allgemein bekannte, jedenfalls überhaupt nicht voll erklaerte Tatsaeche hingewiesen, dass im Interesse dieser frühen, kaum schon paradigmatischen Soziologie eben die Problematik des sozialen Handelns stand, was sich übrigens auch in dieser Thematisierung der Nation klar sichtbar wird. Um einen sehr wichtigen Zusammenhang schon hier zu antizipieren, gilt die Nation unter diesem Aspekt deshalb so schwer zu definieren, weil die Nation im eigentlichen Sinne des Wortes keine Institution ist. Es heisst auch so viel, dass die Merkmale eines statischen, strukturierten Bezugsrahmens die Nation nie - wie eben der Staat oder andere wirkliche Institutionen - ausstellen kann. Die Nation, als Nation, versteht sich, ist aber eine latente, eine virtuelle Institution, die gelegentlich, aktuell realisiert wird. Aus diesem Grunde trifft Ernest Renans Beschreibung der Nation ins Schwarze. Denn das taegliche Plebiszit ist gerade jener Akt, durch welchen diese latente oder virtuelle Organisation tatsaechlich realisiert wird und sie existiert nur, wenn sie realisiert wird. Sei aber an dieser Stelle auch noch so viel fixiert, dass hier auch die genuinen Schwierigkeiten des soziologischen Ansatzes über die Nation sichtbar werden können. Die von vielen Akteuren als unsichtbare oder virtuelle Institution aufgefasste Nation ist letztlich keine Institution würde die Nation als einen soziologischen "Normalgegenstand" konstituieren. Dies ist - vorlaeufig sei nur so viel gesagt - nicht möglich. Es eröffnen sich aber auch andere "soziologische" Möglichkeiten, die einerseits sich makellos unter die Normalgegenstaendlichkeit der Soziologie einordnen, andererseits aber die Nation als Nation und als Gegenstand gleichzeitig reduktiv auflösen. Hier sei vorlaeufig nur der allerschaerfste Kontrast aufgezeichnet: Waehrend die Nation als latente Institution soziologisch nicht beschrieben werden kann, laesst sich die soziologische Gliederung einer Nation beschreiben, in deren Ordnung die einzelnen soziologischen Gruppen ihre eigenen Visionen über die Nation haben. Im ersten Fall laesst sich also eine im spezifischen Sinne virtuelle Realitaet nicht beschreiben, waehrend im zweiten Fall eine Realitaet so beschrieben werden kann, dass sich indessen
der Gegenstand als Gegenstand aufgelöst wird.

Gerade diese Farbe der Einsicht in die Aktualisierung, bzw. Aktualisierbarkeit der Nation als virtueller Institution macht auch Alfred Fouillées' Bestrebungen so exzeptionell in unserem Bereich. Als virtuelle Institution erweist sich die Nation aber als eine, an der alle Einzelne sich beteiligen, auch wenn diese Beteiligung sich nicht nur auf jene Gebiete konzentriert, von denen die Einzelnen es denken, dass diese die relevantesten Gebiete dieser Beteiligung sind.

Immer noch mit einer etwas modernisierten Terminologie ausgedrückt entfaltet Alfred Fouillée eine funktionale, pragmatische und interaktionistische Anschauung. .Im Sinne der virtuellen Institution wird Nation als ein Komplex dargestellt, für welches eine allgemeine Weise des Gefühls, der Wahrnehmung, des Denkens und des Wollens charakteristisch ist. Die gegenseitigen Aktionen der Individuen ergeben ein gemeinsames, ein "kollektives" Bild, welches dann für die Einzelnen gemeinsam charakteristisch ist. Eine merkwürdige historisch motivierte und verursachte Verschiebung laesst sich jedoch in diesen wahren Grundzügen von Fouillées Definition wahrnehmen. Etwas vereinfacht gesagt, zeigt die sich stets aendernde historische Perspektive, dass für Fouillée die oben angedeuteten gemeinsamen Akte im wesentlichen problemlos als subjektiv erlebbar gedacht worden sind, waehrend dieselben etwa für die heutige Analyse eher als objektiv, oder exakter als objektiviert vorkommen.

Ungeachtet aber dieser historischen Verschiebung umfasst Fouillées pragmatische und funktionale Definition praktisch alle relevanten Facetten dieser Einstellung. So erscheint die Nation als eine soziologisch determinierte Gruppe, ohne dass sich diese Soziologie illegitimerweise mit der Soziologie anderer Gruppen mischen würde. Der Nationalcharakter erscheint als eine besondere Kombination von psychischen Kraeften, die sich gegeneinander fortwaehrend austauschen, welcher Austausch dann auf das Innere der Individuen auswirkt. In diesem gegenseitigen Austausch multiplizieren und homogenisieren sich die Eindrücke und diese gleichzeitige und aufeinander abgestimmte Homogenisierung macht die einzelnen Individuen in derselben Nation einander aehnlich. Es ist jetzt der erste Ort in dieser Arbeit, an dem wir den qualitativ wohl wichtigsten Unterschied zwischen Fouillées "pragmatisch-funktionaler" Definition der Nation und den erst nach 1945 sich artikulierenden "pragmatisch-funktionalen" Definitionen beim Namen nennen können. Dieser relevante (und im spaeteren mit immer neueren Bestimmungen zuz versehende) Unterschied besteht eben darin, dass die nach 1945 entstehenden Definitionen ein kommunikativ-pragmatisches Modell von soziologischer Provenienz auf die Gesellschaft auch als Nation wie von oben anwenden, womit sowohl der tautologische Wahrheitswert wie auch letztlich die inadaequate Anwendung und der Verlust der spezifischen Züge der Nation als gesichert gelten kann. Fouillée tut bei jeder scheinbaren Aehnlichkeit etwas ganz anderes. Er baut das kommunikativ-pragmatische Modell der Nation nicht von oben, sondern von unten auf und verliert dabei die spezifischen Züge einer Nation für keinen Augenblick aus den Augen. Diese Richtung des Aufbaus "von unten" garantiert es auch, dass Fouillées Verfahren für keinen Augenblick zu einem theoretischen Vorgehen im problematischen Sinne wird, d.h. jedes Element dieses Ansatzes letztlich ein klar nachvollziehbares, problemlos verifizierbares Moment darstellen kann. Selten wird sowieso auf dieses Moment hingewiesen. Denn die beiden unterschiedlichen Ausgangspunkte enthalten die Gefahr einer unbegründeten theoretischen Verallgemeinerung, einer unsichtbar ihre Wirkungs ausübenden Metaphysik oder eines metaphysischen Residuums ebenfalls unterschiedlich und es kann darüber kein Zweifel bestehen, dass das Verfahren "von unten" in dieser Hinsicht die viel vorteilhaftere Position besitzt (1)

Jede gemeinsame Determination, die eine Nation ausmacht, wirkt "momentenhaft", jede kann realisiert werden und dann funktioniert sie tatsaechlich (und funktioniert mit ihnen auch die Nation), keine Determination, bzw. keine Gruppe der Determinationen existiert jedoch kontinuierlich und wird auf diese Weise statisch-metaphysisch. Uns scheint dieser Punkt von ausgezeichneter Wichtigkeit zu sein. Nicht vor allem wegen Fouillée, bzw. seiner Konzeption der Nation, vielmehr wegen jener Meinungen, die es sich auf die gegenteilige Art und Weise vorstellen. Der Zusammenhang naemlich, der hier vorherrscht, ist ein besonders schwieriger. Der Gegenstand, um welchen es hier geht, ist die Nation, scheinbar ein problemloser und von allen leicht vorstellbarer Gegenstand, ein Gegenstand, der schon zur Zeit der Abfassung dieses Buches eher ein tradionelles und keineswegs ein allzu modernes Objekt war. Der von Fouillée (meisterhaft und den fortgeschrittensten methodischen Idealen voll entsprechend) gehandhabtes Verfahren konstitutiert diesen scheinbar so problemlosen und selbstverstaendlichen Gegenstand auf eine methodisch so komplizierte Weise, was eine deutliche Spannung zwischen der scheinbaren Problemlosigkeit des Gegenstandes und der avancierten Methode markiert. Dies kann - unter anderen hier ansprechbaren und nicht weniger erklaerungsbedürftigen Phaenomenen - erklaeren, warum hinter den beiden entgegengesetzten Positionen über die Nation (wie auch über die Modernisierung generell) nicht nur zwei politische oder kulturelle, sondern auch zwei erkenntnistheoretische oder kognitive Positionen stehen können.

Die Konstitution der Nation erfolgt durch das Aufweisen von einer allgemeinen Weise des Gefühls, der Wahrnehmung, des Denkens und des Wollens, von Elementen, die sich in den gegenseitigen Aktionen und Interaktionen realisiert aber auch in ihnen entwickeln kann. Die gemeinsame Praxis, die miteinander ausgeführten Interaktionen produzieren "kollektive Bilder", die auch die Geschichte der Nation mit einbeziehen. Wir können jedoch sicher sein, dass sich auch diese historischen Dimensionen sich in gegenwaertigen Interaktionen verkehren. Die Hinwendung zur Geschichte zeigt uns die wesentlichste wissenschaftstheoretische und methodologische Eigenschaft Fouillée's viel klarer es dies praesentistisch-gegenwartsorientierte
Momente illustrieren könnten. Diese Eigenschaft verdankt Fouillée seiner eigenen Schule, dem kritizistischen Positivismus oder dem positivistischen Kritizismus. Sie kann sich auch an die wohl problematischsten Gegenstaende heranwagen, weil sie vor jeglicher Gefahr einer Implementierung der metaphysischen Gefahr geschützt ist. Fouillée kann - und jetzt kommen wir zu unserem ursprünglichen Ausgangspunkt zurück - mit dem ruhigsten wissenschaftlichen Gewissen über historische Bilder sprechen, die der Nation gemeinsam sind, weil er durch eine ganze Reihe von methodischen Vorkehrungen vor jeglicher Metaphysik geschützt ist.

Uns scheint es doch, dass die soziologische Interpretation der Problematik und der Gegenstaendlichkeit der Nation von unveraenderter Anziehungskraft einer nicht den eher trivialen Einstellungen verpflichteten sozialwissenschaftlichen Methodik oder theoretischen Gesellschaftsanalyse sein muss. Und die Arbeit an Alfred Fouillée's Konzeption kann uns zu einer Erkenntnis führen, deren Bedeutung vielleicht auch noch über die unmittelbare Bedeutung einer Rekonstruktion hinausgeht und deren konsequente Weiterführung die Chance für neue Interpretationsansaetze versprechen kann.

Alfred Fouillée's "soziologischer" Ansatz beschreibt eine Nation auf pragmatisch-funktionale Weise. Dass es ein einwandfrei soziologischer Ausgangspunkt versteht sich von selber. Gleichzeitig aber erscheint die damals stark werdende Soziologie auch im Kontext anderer Fragestellungen auf diesem Plan. Es ist eher ein zufaelliger Zuzsammenfall, dass wir in dieser Arbeit und an dieser Stelle eben Max Weber nennen können, nach dem die eigentlich "soziologische" Fragestellung der Nation gerade diejenige ist, die genuin "soziologische" Problematik jener Schichten zu untersuchen, die die Nation tragen, bzw. ausmachen. Dieser Ansatz wird gleich sinnvoll, wenn man an den unbezweifelbaren Tatbestand denkt, dass jede Konzeption über die Nation, jeder "Nationalismus" also, die Vision oder der Nationalismus einer bestimmten und soziologisch zu kategorisierenden Klasse, bzw. Gruppe ist. Bevor wir auf eine etwas naehere Beschreibung der beiden Grundeinstellungen eingehen würden, muss klar gemacht werden, dass dadurch die soziologische Annaeherung an die Nation von Anfang an zweigeteilt wird, dass also mit der einen "soziologischen" Konzeption" die andere "soziologische" Konzeption gegenübersteht. Die diesem Tatbestand entstammende Konsequenz und These ist, dass man hypothetisch zumindest annehmen muss: Die Erfolglosigkeit der Soziologie auf dem Gebiet der Nation (ausser zahlreichen anderen Komponenten, vetsteht sich von selber) folgt aus der Tatsache, dass zwei, einander schaetzungsweise aehnlich grosse soziologische Konzepte einander gegenüberstanden.

Wie schon vorhin darauf hingewiesen worden ist, kann man mit gutem Recht annehmen, dass der soziologische Ansatz über die Nation (neben anderen Faktoren, versteht sich von selber) zum Opfer eines so gearteten, nichtsdestoweniger sich in zahlreichen konkreten Erscheinungsformen manifestierenden Begriffskonfliktes geworden ist. Auf der einen Seite steht die moderne Nation als Ganzes als ein mögliches Objekt der Soziologie. Verschiedene Variationen dieser strukturellen Position sind die pragmatisch-funktionalistische Interpretation Alfred Fouillée's oder eben die auch mit Fouillée in Verbindung zu bringende Auffassung über die Nation als eine virtuelle Institution, in welchem Zusammenhang auch der real existierende und gegebenenfalls sogar erfolgreiche Nationalstaat oder andernfalls der erst für die Zukunft projizierte und erst noch auszubauende Nationalstaat nur unvollkommene Realisierungen der wahren und klassischen
virtuellen Institution "Nation" sind. Es ist höchst interessant, dass die hier gemeinte virtuelle Institution auch noch in Konzeptionen erscheinen kann, in denen die Problematik der Nation und des Nationalstaates mit übernationalen Integrationen konfrontiert wird, dabei kann auch die Nation als virtuelle Institution mit dem gleichen Recht teilnehmen (2).

Der wohl artikulierte Begriffskonflikt zwischen einer Soziologie der Nation als "virtueller Institution" und einer Soziologie der Nation als einer Rekonstruktion des jeweiligen Nationalismus der einzelnen soziologisch adaequat beschreibbaren sozialen Gruppen zeigt aber auch eine weitere Schwierigkeit jeglicher begrifflicher Deskription dieser Sphaere. Dieser Begriffskonflikt entsteht naemlich überhaupt nicht durch die verschiedenen heuristischen Ansaetze der einzelnen Wissenschaftler (und wenn sie eben durch sie entstanden waeren, so ist es mit Notwendigkeit kontingent). Dieser Begriffskonflikt (neben vielfachen anderen, hier nur teilweise oder überhaupt nicht berührten Begriffskonflikten) entsteht in den allermeisten Faellen durch die unterschiedliche Beschaffenheit des Gegenstandes (der Nation) selber. Wenn man beim konkreten Fall bleibt, so ist es klar, dass Fouillée's pragmatisch-funktionale Beschreibung die französische Entwicklung zum Ausgangspunkt nimmt, wie sehr es bei ihm nicht intendiert und wie vielfach er sich mit dieser Situation auseinandersetzt. Wie eindeutig es der Fall ist, laesst sich durch die Gegenprobe leicht nachweisen. Selbst zur Zeit Fouillée's ist es die französische Nation (Nationalstaat, Nationalismus, etc.) die einzige, auf welche die pragmatisch-funktionale Beschreibung voll zutrifft. Es laesst sich aber ebenso leicht nachweisen, dass Max Webers Ansatz (welcher, wie gesagt, für viele andere steht), einen umfassenden und amorphen Nationalismus auf seine soziologisch klar identifizierbaren Traeger hin zu untersuchen, einen Fortschritt im Kontext des nicht einmal noch soziologisch beschriebenen und pragmatisch-funktional wegen einfacher politischer Zwaenge und Beschraenkungen nicht zu beschreibenden deutschen Nationalismus ist (3). Mit anderen Worten: Alfred Fouillée's Arbeit manifestiert einen der wesentlichsten Begriffskonflikte, die unter anderen mit Sicherheit verantwortlich dafür gemacht werden könnten, warum es der Soziologie und den modernen Sozialwissenschaften generell so selektiv gelungen ist, die Problematik der modernen Nation und des (ohne Wertdimensionen verstandenen) modernen Nationalismus verstanden zu haben (4). Gleichzeitig müssen wir nochmals unterstreichen, dass zu diesen Begriffskonflikten auch die einmalige gegenstaendliche Situation wohl beigetragen hatte, dass die auf die Beschreibung wartende Basis der einzelnen Grundsituationen in Europa in dem Ausmass unterschiedlich war, in dem die unterschiedlichen gegenstaendlichen Bestimmungen (Existenz oder Nichtexistenz der eigenen Staatlichkeit, Existenz oder Nichtexistenz nationaler Kommunikation, Gliederung oder amorpher Charakter der tragenden Schichten der Nation, pro- oder antinational eingestellte Machtelite, etc.) es einfach unmöglich machen konnten, einheitliche soziologische (oder generell: sozialwissenschaftliche) Beschreibungen für diesen Problemkreis in Anspruch zu nehmen. Wiederum mit anderen Worten: Es wird immer wieder stets neu definiert, es hat aber die Erklaerung, dass stets neue heuristische Ansaetze auf immer andere national-gegenstaendliche Komplexe angewandt werden (müssen), wobei, wie es uns schien, die gegenstaendlichen Differenzen einen grösseren Anteil in dieser Vielfalt der Beschreibungen als die unterschiedlichen heuristischen Ansaetze
haben. Weil aber der überwiegende Grossteil der wissenschaftlichen Diskussion auf das Nacheinander der stets wechselnden heuristischen Ansaetze über eine als stets gleichbleibend gedachte Gegenstaendlichkeit fixiert ist, erscheint
auch die von der Diversizitaet der gegenstaendlichen Sphaere verursachte Veraenderlichkeit als eine der einander folgenden neuen wissenschaftlichen Einstellungen (5).


LITERATUR:

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Haupt, Heinz-Gerhard, Nationalismus und Demokratie. Zur Geschichte der Bourgeosie im Frankreich der Restauration.
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Kaltenbrunner, Gerd-Klaus, Vom Konkurrenten des Karl Marx zum Vorlaeufer Hitlers: Eugen Dühring. in: Karl Schwedhelm (Hrsg), Propheten des Nationalismus, 36-55.

Lemberg, Eugen, Ideologie und Gesellschaft. Eine Theorie der ideologischen Systeme, ihrer Struktur und Funktion. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz, 1971.

Lichtenberger, Henri, L'Allemagne Moderne. Son évolution. Paris, 1908.

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Sugar, Peter F., External and Domestic Roots of Eastern European Nationalism. in: Sugar, Peter F. and Lederer, John (eds), Nationalism in Eastern Europe. Seattle- London, 1969. 3-54.

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Wundt, Wilhelm, Die Nationen und ihre Philosophie. Ein Kapitel zum Weltkrieg. Zweite Auflage. Leipzig, 1915.


ANMERKUNGEN

(1) Es ist durchaus lehrreich zu studieren, wie überlegen Fouillée's intellektueller Apparat (der des kritizistischen Positivismus) selbst im Vergleich zu Otto Bauer ist, der zu seiner Zeit nicht nur auf der sozialdemokratischen Seite als einer der hervorragendsten Theoretiker dieser Thematik galt. Wir können diesem Vergleich in dieser Arbeit nicht voll nachgehen, nichtsdestoweniger markiert Bauers folgender Text die wichtigsten Punkte des Vergleiches: "Hier handelt es sich aber nicht etwa darum, zu bestimmen, wie der inhaltlich bestimmte deutsche Nationalcharakter entstanden ist, also etwa zu untersuchen, welche Eigenschaften den deutschen Nationalcharakter zusammensetzen und nun zu forschen wie jede einzelne dieser Eigenschaften in der Geschichte der deutschen Nation entstanden ist; sondern es handelt sich uns nur darum, an dem Beispiel der deutschen Nation zu zeigen, wie überhaupt der Nationalcharakter ... durch die Überlieferung der geschichtlich entstandenen Kulturgüter bestimmt werden kann, wie wir ja auch bei der Besprechung der Nation als Naturgemeinschaft nicht die Entstehung irgend eines bestimmten Nationalcharakters überhaupt durch die natürliche Vererbung der im Daseinskampf angezüchteten Eigenschaften verstaendlich zu machen suchten." S. Die Nationalitaetenfrage und die Sozialdemokratie, S. 22. Sperrung im Original. - Zu dieser Fragestellung gehört auch, dass gerade diese funktionalistische Definition ohne wesentliche Schwierigkeiten mit jener unter anderen auch für dir marxistische Soziologie charakteristischen soziologischen Interpretation verbunden und vermittelt werden kann, welche die Entwicklung des Nationalstaats und des Nationalismus mit der Entfaltung das Kapitalismus und der liberalen Demokratie in unzaehligen Faellen assoziierte. Hinter dieser trivialen Verbindung sind aber die Momente der funktionalistischen Anschauungsweise ebenfalls zu entdecken, darüber ganz zu schweigen, dass die Variationen der zeitlichen Ordnungen (des Nationalismus und des Kapitalismus, vereinfacht gesagt) gleich eine Typologie ausmachen könnten, welche dann mit schon bereits bestehenden Typologien mit grossem Nutzen zu vermitteln waere. - Hierzu gehört ferner noch auch, dass Interpretationen wie diejenige von Karl W. Deutsch stellenweise wie eine ungewollte Karikatur der funktionalen Beschreibung und Interpretation erscheinen (s. beispielsweise "Nation und Volk", a.a.O.). Da erscheint der Funktionalismus als illegitime und eindeutige Praesentmachung eines gleichzeitig historischen und gegenwaertigen (praesentistischen) Gegenstandes (wie eben die Nation es ist). Dies ist aber mit einer gegenstaendlichen Reduktion gleich, die nicht einmal "funktionalistisch" legitimiert werden kann. Uns scheint, viele Probleme dürften viel früher gelöst werden, wenn so rein funktionalistische Definitionen wie "Ein Volk...ist ein ausgedehntes Allzweck-Kommunikationsnetz von Menschen" ("Nation und Volk", 50) richtig waeren, uns scheint sogar, waere es einleuchtend, so gaebe es überhaupt keine Diskussion über diesen Gegenstand. In dieser Beleuchtung kann aber auch unschwer demonstriert werden, dass Alfred Fouillée seinen funktionalistischen Ansatz niemals reduktiv handhabt.

(2) Es ist mehr als ein Zufall, dass es eben Alfred Fouillée ist, bei dem die als virtuelle Institution aufgefasste Nation durchaus faehig gemacht wird, an übernationalen Formationen teilzunehmen, mit anderen Worten, es wird hier die Problematik der Nation mit derselben der universalen Werte konfrontiert. S. A. Fouillée, La démocratie politique et sociale en France, a.a.O. ab 87. - Zu diesem sehr interessanten Komplex (sozialwissenschaftliche, bzw. soziologische Beschreibung der Nation im Kontext einer unterhalb, aber auch einer jenseits der Nationalstaatlichkeit liegenden Integration, in der Gleichzeitigkeit von mehrfachen supra- und inter-nationalen Formationen) gehört auch diejenige Vermischung von nationalen, sozialen, sozialistischen, avantgardistischen, anarchistischen, christlichen oder konservativen Inhalten, die das Ende des neunzehnten Jahrhunderts ausmachten und deren Folgen zum Teil auch die Entwicklungen des zwanziger und dreissiger Jahre bestimmt hatten. Einige sehr lehrreiche Beispiele bringt Gerd-Klaus Kaltenbrunner ("Vom Konkurrenten von Karl Marx zum Vorlaeufer Hitlers: Eugen Dühring", 37.)

(3) Max Weber Grunddefinition lautet so: "Zwischen der emphatischen Bejahung, epmhatischen Ablehnung und endlich völliger Indifferenz gegenüber der Idee der 'Nation'...steht eine lückenlose Stufenfolge sehr verschiedenen und höchst wandelbaren Verhaltens zu ihr bei den sozialen Schichten auch innerhalb der einzelnen Gruppe, denen der Sprachgebrauch die Qualitaet von 'Nationen' zuschreibt. Feudale Schichten, Beamtenschichten, erwerbstaetiges 'Bürgertum' der untereinander verschiedenen Kategorien, 'Intellektuellen'-Schichten verhalten sich weder gleichmaessig noch historisch konstant dazu..." (Wirtschaft und Gesellschaft, a.a. O. 55).


-adatok, egy-két mondat-Eher noch auf der Ebene der Metaphorik oder einer Option, nichtsdestoweniger nicht chancenlos für eine der möglichen Interpretationen dieser gegenstaendlichen Vielfalt der einzelnen "Nationen", bzw. "Nationalismen" erscheint uns Lembergs folgende Idee: "Einen Hinweis, auf das Funktionieren der hier in Rede stehenden Integrationsideologien - man könnte sagen: Aggregatzustaende - , in denen nationale oder quasinationale Grossgruppen auftreten. Er zeigt solche Gruppen auf verschiedenen Stufen der Festigkeit, Konsistenz, Organisation, Intensitaet des Bewusstseins" (Ideologie und Gesellschaft, 210.- Sperrung: E.K.) - Schon an dieser Stelle waere aber die Überlegenheit Fouillée's selbst noch über Lemberg unter Beweis zu stellen. Waehrend Lembergs Begriffe nach Masseinheiten, Proportionen und Grössenordnungen schreien und bei ihrer Definition gleich zu metaphysischen oder zumindest quasi-metaphysischen Kriterien werden sollten, bleibt Fouillée stets bei den Akten der realen menschlichen Interaktionen. An dieser Stelle sei darüber hinaus nochmals stark unterstrichen, dass die in diesem Begriffskonflikt einander gegenüberstehenden zwei soziologischen Ansaetze die von der Soziologie immer wieder ausgehenden Impulse, die Nation soziologisch zu interpretieren, überhaupt nicht erschöpfen. Ein Beispiel für einen dritten Ansatz s. Bálint Balla, "Nation and Expansionism - Viewed by a Sociology of Scarcity", a.a.O. - Zu Webers wahrlich "klassischen" soziologischen Ansatz (unter anderen: die Suche nach den soziologisch identifizierbaren Gruppen, die ihren Nationalismus artikulieren) gehört auch der Vergleich mit jenen noch "vor-soziologischen" Auffassungen, die den Nationalismus etwa direkt, d.h. ohne soziologische, psychologische oder sonst welche sozialwissenschaftliche Kategorisierung als eine "Objektivation" beschrieben haben, die eine geistige Existenz hat. Dass die Aehnlichkeit dieser Einstellung zu Hegel an dieser Stelle diesen Richtungen wenig helfen kann, versteht sich von selbst. Ein typisches Beispiel: "Dass der Charakter einer Nation in ihren geistigen Schöpfungen einen allen sonstigen Zeugnissen überlegenen Ausdruck findet, weil die Dokumente der Geistesgeschichte mehr als die der aeusseren Kultur in die Tiefe der Volksseele blicken lassen, ist bekannt genug " (Wilhelm Wundt, Die Nationen und ihre Philosophie, a.a.O.III.).


(5) Treffend beschreibt die Situation auch Eugen Lemberg: "Je mehr sich im Zeitalter der Selbstkonstituierung und Abrenzung der modernen Nationen und der daraus entstehenden Nationalitaetenprobleme die Gelehrten bemüht haben, ihre Definitionen auf einem eindeutigen oder wenigstens dominierenden Kriterium zu begründen, desto resigniertere Töne schlagen sie an. Sie ziehen sich auf verschiedene Kombinationen solcher Merkmale zurück." Ideologie und Gesellschaft, 199. - Aehnliche Einsichten formuliert auch Peter F. Sugar: "Most writers concerned with nationalism, national minorities, national self determination, and other related problems have tried their hand at defining the meaning of the numerous terms and concepts that must be clearly understood if the discussion of these complex issues is to result in their clarification and not in additional confusion. That they are seldom understood, let alone clearly, is proved both by the ever recurring need to define the same terms and by the fact that these definitions have not been universally accepted" (Peter F. Sugar, "External and Domestic Roots of Eastern European Nationalism", a.a.O. 3.).




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