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Unser Ziel ist es, Fichtes Begriff der deutschen
Nation durch den Hinweis auf seine Rezeptionsgeschichte,
bzw. auf die Tatsache, dass er sich als Vorbild
zahlreicher anderer Konzeptionen erwies,
zu INTERNATIONALISIEREN und in einen DISZIPLINAEREN
ZUSAMMENHANG ZU STELLEN. Hier haben wir aber
auch mit jener Schwierigkeit zu kaempfen,
dass eine politisch-philosophische Disziplin
"geschichtliche Wissenssoziologie der
Nation" überhaupt nicht existiert. Zugespitzt
gesagt: Es gibt eine "Soziologie"
als Wissenschaft DER oder EINER Gesellschaft,
es gibt aber keine "Nationologie",
die die Objekte der Nationen aehnlich systematisch
bearbeiten würde (1).
Diese disziplinaere Lücke erscheint bei der
Thematisierung der Genese des Begriffes der
deutschen Nation als besonders tief. Ein
kaum analytisch auseinanderzunehmendes Gemisch
von komplizierten Struktur- und Identitaetsproblemen
UND praktisch realisierten historischen Fehlentwicklungen
schafft eine Ausgangssituation, die einer
Rekonstruktionsarbeit im Anfang wenig Chancen
versprechen. Es geht also nicht nur um die
positive Tatsache, dass die deutsche historische
Entwicklung für unser Verstaendnis der KLASSISCHE
FALL DES NICHTKLASSISCHEN ENTWICKLUNGSTYPUS
ist (2), sondern auch darum, dass die hier
konkret gemeinten historischen Fehlentwicklungen
kaum zu lösbare methodische, aber auch Schwierigkeiten
induzieren.
Das ebenfalls allgemeine, durch Fichte aber
ganz besonders stark akzentuierte Problem
einer historischen Rekonstruktion der Nation
ist es, dass man mit dem Terminus "Nation"
im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts oft
Inhalte thematisierte, die entweder überwiegend
weltanschaulich-ideologischer oder eben überwiegend
politisch-struktureller Provenienz gewesen
sind. Ein Beispiel für den ersten Fall liefern
uns die Varianten, als in der Forderung der
"Nation" evidente, weiterer Erklaerung
auch nicht mehr bedürftige LIBERALE Einsichten
enthalten waren, d.h. als hinter der Vorstellung
einer "Nation" ein nicht-artikuliertes,
liberales Weltbild vorausgesetzt worden ist.
Ein Beispiel für die zweite Abart liefert
die grosse Anzahl der Faelle, als hinter
dem Terminus "Nation" letztlich
Vorstellungen über eine gewisse STAATSFORM,
eine Problematik des modernen Staates aufzufinden
ist (3). Es stimmt zwar, was Hans Kohn über
die Genese der Problematik der Nation sagt:
"Nationalitaeten entstehen nur, wenn
Gemeinschaftsgruppen durch bestimmte gegenstaendliche
Merkmale von einander abgesondert werden"
(4), diese "reine" und beschreibende
Phaenomenogie der Selbstbestimmung der Nation
verraet überhaupt nichts von den im Konkreten
nicht immer artikulierten, oft sogar unbewussten,
in den meisten Faellen aber gewiss unreflektierten
historischen, ideologischen oder politischen
Vorstellungen. Um die hier möglichen Unterschiede
anzudeuten, sei nun an jene Auffassung der
Nation hingewiesen, in welcher "im Hintergrund"
ein emanzipativer Begriff der menschlichen
Gattung stand (etwa: die Nation gilt als
notwendige Zwischenstation zwischen dem Einzelnen
und der Gattung (5)) - im Gegensatz zu jener
typologisch ebenfalls wichtigen Version,
in welcher die Nation eine Integrationsform
darstellt, die sich nicht mehr einer Forderung
der emanzipativen Gattungsmaessigkeit stellt
(6).
Im Verhaeltnis dazu also, wie unvergleichlich
grosse Rolle die Nation in Geschichte und
Politik spielt, sind die intellektuellen
Schwierigkeiten, die mit ihrer Aufarbeitung
verbunden sind, wirklich enorm. Über die
immanente wissenschaftslogische (7), inhaltliche
(8), psychologische (9), soziologische (10),
historische (11) und interkulturelle (12)
Problematik können wir nur eine kurze Erwaehnung
tun, sie alle spielen aber schon in die möglichen
Deutungen schon der Fichteschen Konzeption
der Nation hinein.
Die Nation, besser gesagt, ein gewisser Typ
des der immanenten Entfaltung der Nation
entspringenden Nationalstaates erscheint
für Fichte als ein sich sukzessive realisierendes
letztes und höchstes Ziel. Dieser, in den
meisten Faellen noch nicht existente Nationalstaat
galt als eine in der Teleologie der Geschichte
tief verankerten Zielvorstellung, wonach
eine Nation auf einem einheitlichen Gebiet
in einer gemeinsamen Nationalsprache einen
einheitlichen Staat bildet und welches einen
bis jetzt noch nicht erreichten Grad politischer
Freiheit und menschlicher Emanzipation verwirklicht.
Ausser dem liberalen (zum Teil AUCH vor-liberalen)
Gedankengut haben wir es also in dieser leitenden
Vorstellung des (noch nicht-existenten) idealen
Nationalstaates als mit einer das Zeitalter
am staerksten praegenden Vorstellung zu tun.
Indem also jemand über die Nation redet,
die Begrifflichkeit der Nation gegebenenfalls
paedagogisch (stilgemaess gesagt: "nationalpaedagogisch")
anderen beibringt, denkt er nicht notgedrungen
NUR an die Nation, er spricht die Nation
an, weil er nur in ihr jenes Element sehen
kann, welche die noch nicht existenten sozialen
und staatlichen Rahmen, die ebenfalls noch
nicht existente moderne Gesellschaft nur
herbeiführen kann und mit denen der Terminus
"Nation" in gegebenen Zusammenhaengen
gleichbedeutend ist. Es heisst also auch,
dass die Kategorie "Nation" in
vielen Faellen mehrfach über sich hinausweist.
Die Konstitution der Nation bei Fichte ist
gleichzeitig ein dramatisches Spiel zwischen
Furcht und Hoffnung - ein in der Geschichte
in dieser Form zum ersten Male sich abspielende
Psychodrama zwischen der Aufarbeitung der
kollektiven Gefaehrdung und einer sich sukzessive
konstituierenden neuen Hoffnung, einer neuartigen
Gemeinschaft. Fichte darf wohl auch in dieser
Hinsicht als Bahnbrecher nationalen Denkens
im neunzehnten Jahrhundert aufgefasst werden:
Es gibt keine Nation, bei deren Konstitution
nicht eine Angst steht, die gerade durch
die Konstitution einer neuen Gemeinschaft
dieser Angst loswerden möchte. Dieser Zug
unterscheidet selbst den rein politologischen
Begriff der Nation von anderen politologischen
oder sozialwissenschaftlichen Kategorien
(13).
Diese Angst (und aehnliche Abarten der Mobilisierung
und des Mobilisiertseins) gilt als höchstes
Motiv der neuartigen Aufeinanderbeziehung
von dem Einzelnen und der Nation. Von nun
an erscheint die Nation auch als stete Aufgabe,
als immer wieder zu konkretisierende Pflicht
für das Einzelne. Diese Mobilisierung tatsaechlich
in Gang zu setzen, war Fichte's (im Rahmen
des nicht-klassischen Raumes) klassische
Tat bei der Konstitution des modernen Nationalismus.
Es war ja kein rein theoretischer Ansatz,
der Fichte folgendes feststellen liess: 'Immerhin
mag von nun an der Sieger das, was allein
auch er kann, emsiglich tun, naemlich den
letzten Teil des Bindungsmittels, die Furcht
und Hoffnung für das gegenwaertige Leben,
wiederum anknüpfen und verstaerken; damit
ist nur ihm geholfen, keineswegs aber uns:
denn so gewiss er seinen Vorteil versteht,
knüpft er an dieses erneute Band zu allererst
nur seine Angelegenheit, die unsrige aber
nur insoweit, inwiefern die Erhaltung unsrer,
als Mittel für seine Zwecke, ihm selbst zur
Angelegenheit wird. Für eine so verfallne
Nation ist von nun an Furcht und Hoffnung
völlig aufgehoben, indem deren Leitung ihrer
Hand entfallen ist, und sie zwar selber zu
fürchten hat und zu hoffen, vor ihr aber
von nun an kein Mensch sich weiter fürchtet,
oder von ihr etwas hofft; und es bleibt ihr
nichts übrig, als ein ganz anderes und neues,
über Furcht und Hoffnung erhabenes Bindungsmittel
zu finden, um die Angelegenheit ihrer Gesamtheit
an die Teilnahme eines jeden aus ihr für
sich selber anzuknüpfen." (14)
Diese Mobilisierung schreibt schon IN STATU
NASCENDI gewisse erzieherische Aufgaben vor
und schafft jenes Wechselwirkungsverhaeltnis,
in welchem der Einzelne gleichzeitig Instrument
und Mittel ist, die Nation zu konstitutieren,
bzw. am Leben zu erhalten und die Nation
als Instrument und Mittel aufgefasst wird,
dem Einzelnen eine moralische und pragmatische
Position zu sichern.
An diesem Punkte laesst sich auch schon die
Frage zu stellen, inwieweit die so entscheidende
Konzeptualisierung der Nation bei Fichte
den Elementen seiner Metaphysik, der WISSENSCHAFTSLEHRE
also, entspringt oder in welchem Masse als
von der Metaphsyik verhaeltnismaessig unabhaengige
Antwort auf tatsaechliche und handgreifliche
historische Herausforderung entstanden ist.
Kein Geringerer, als Max Scheler ist beispielsweise
der Auffassung, dass der direkte metaphysische
Ursprung der entscheidende ist, was bei ihm
soziologisch durch die akademische Position
der Kathederphilosophie erklaert werden kann.
Auch für Fichte gilt sein Satz, dass er "KRAFT
DES INHALTS seiner Metaphysik auch ungewollt
einem Staatsinteresse (dient), indem er seinem
Staat (und seiner Nation! - E.K.) mit oder
wider Willen eine metaphysische Weihe gibt."
(15). Unsere vorlaeufige These ist, dass
die REDEN AN DIE DEUTSCHE NATION zunaechst
als eine Ad hoc-Reaktion von charismatischer
Evidenz aufgefasst werden sollten, die nicht
unmittelbar und unbedingt von der philosophischen
Substanz der Wissenschaftslehre abgeleitet
werden dürfte. Gerade in dieser Spontaneitaet
der ad hoc-Reaktion erweist sich Fichte als
klassischer Vorlaeufer der nationalen Ideologiebildung
im neunzehnten Jahrhundert.
ANMERKUNGEN:
(1)An einigen spaeteren Stellen werden wir
einen Teil der spezifischen wissenschaftslogischen
Schwierigkeiten ansprechen, die bei der Thematisierung
der Existenz oder Nicht-Existenz einer solchen
Wissenschaft sichtbar werden. All diesen
Schwierigkeiten zum Trotz erscheint uns der
Grad der Wissenschaftlichkeit des nationalen
Diskurses als bedenkenswert niedrig, was
gerade im Falle eines so schwierigen Gegenstandes
des öffentlichen Interesses nicht sehr hoffnungsvoll
ausschaut.
(2)Diese Bezeichnung "Klassiker der
nicht-klassischen Entwicklung" stammt
von anderen Arbeiten des Verf. (s. unter
anderen: "Történelemelmélet és aktualizálás.
Viták Nagy Frigyesrõl" (Geschichtstheorie
und Aktualisierungen. Friedrich der Grosse
in Diskussion), Világosság, 1987/August-September,
572-579. , sowie "István Bibó's Beitrag
zur Theorie über den Faschismus. in: Archiv
für Rechts- und Sozialphilosophie. 1988/1.
73-82.
(3)Wir möchten an dieser Stelle auf jenes
Beispiel aus der Literatur hinweisen, welches
bei der Benennung "Vereinte Nationen"
auf diesen Zusammenhang (dass es hier bei
der Nennung der "Nationen" mit
Selbstverstaendlichkeit eben die einzelnen
Staaten gemeint sind) aufmerksam macht.
(4)Hans Kohn, Die Idee des Nationalismus.
Heidelberg, 1950. 35.
(5)Durchaus richtig sieht beispielsweise
Max Scheler diesen im Geiste des klassischen
Idealismus wurzelnden Charakter des Fichteschen
Nationbegriffes: "(Fichtes - E.K.) Nationalgedanke
(war) selbst noch stark kosmopolitisch gefaerbt...und
(er dachte) bei dem Wort 'Nation' nicht an
nationale 'Arbeit', 'Machtentfaltung', 'Wirtschaft'
und dergleichen..., sondern an erster Stelle
an NATIONALE GEISTESKULTUR (Sprache)..."
(Die Wissensformen der Gesellschaft. Zweite,
durchgesehene Ausgabe. Bern und München,
1960. 389.) - Die Schelersche Trennung zwischen
diesen Momenten können wir aber, wie unser
Gedankengang es zeigen wird, schon nicht
mitvollziehen. - Der dynamisch-herakleitische,
weil eben stets VERMITTELNDE Charakter dieses
Begriffs der Nation entgeht Kenneth R. Minogue,
der gerade diese Eigenschaft als theoretischen
Mangel Defizit bei Fichte ansieht: "Sie
('Die Reden an die deutsche Nation') redeten
vom deutschen Patriotismus und versuchten
zu ignorieren, dass das Deutschland, von
dem sie sprachen, überhaupt nicht existierte"
(Nationalismus. München, 1970. 81.)
(6)Geradezu exemplarisch scheint uns Sprangers
Verfahren, der die Fichteschen Attribute
über die "Göttlichkeit des Volkes"
1933 und 1944 in zwei grundverschiedenen
Varianten in Anspruch nimmt. Zunaechst geht
es um sie als Element der Aufbauphase, letztlich
als Aufruf zum Opfertod (s. Thomas Laugstien,
"Die protestantische Ethik und der 'Geist
von Potsdam'", in: Deutsche Philosophen
1933. Hamburg, 1989. 56 und 62.). Es versteht
sich von selbst, dass eine in das richtige
Koordinatensystem gestellte Rekonstruktion
der Fichteschen Konstitutierung der Nation
allein schon genügen sollte, solche Instrumentalisierungsversuche
zu entlarven. Dass dasselbe Zitat bei demselben
Autor zweifach und in zwei Fassungen instrumentalisiert
wird, mag auf den ersten Augenblick vielleicht
ein merkwürdiger Einzelfall zu sein, verkörpert
aber in Wirklichkeit eben das Wesen dieser
Instrumentalisierungsprozesse idealtypisch.
(7)Die wesentlichste und bestimmende wissenschaftslogische
Problematik bei der Analyse des Begriffs
der Nation besteht darin, dass die "Nation"
im sozialwissenschaftlich-historischen Sinne
ein ganzheitlicher Begriff ist, der nicht
restlos auf die bestimmenden Inhalte kleinerer,
d.h. nicht so umfassender sozialer Gruppen
zurückgeführt werden kann.
(8)Die schwerwiegendste "inhaltliche"
Problematik bei der Bestimmung des Begriffs
der Nation ist es, dass die einzelnen historischen
Erscheinungsformen des Begriffs, bzw. des
Bewusstseins der Nation extrem unterschiedlich
sind. Es bedeutet nicht nur eine in der Sphaere
der Allgemeinheit erscheinende Relativitaet,
vielmehr eine bunte Anzahl der verschiedensten
inhaltlichen Bestimmungen. So haben wir es
mit Auffassungen zu tun, die die Nation als
demokratischen oder antidemokratischen Inhalt,
als Integrations- oder Modernisationsideologie,
als einen gewissen kommunikativen Kreis,
als einen Inbegriff der emotionalen Intimitaet
usw. auffassen.
(9)Die tiefste psychologische Schwierigkeit
bei der Erschliessung des Begriffs der Nation
ist in unseren Augen das Ausmass der unbewussten
Motivation. Der Anteil der nationalen Komponenten
in der individuellen Sozialisation ist nicht
einfach betraechtlich, er ist zum Teil auch
"unbewusst" und erscheint in der
Geschichte zurückgehend in immer erhöhtem
Ausmass.
(10)Man übertreibt nicht, wenn man bei jeder
relevanten sozio-kulturellen Gruppe eine
eigene Perspektive bei der Konstitution ihres
Begriffs über die Nation voraussetzt. So
sind der aristokratische, der bürgerliche,
der proletarische, der baeuerliche Begriff
der Nation durchaus unterschiedlich.
(11)Im Kontext der Ideologiekritik der Nation
ist vor allem jene Tatsache relevant, dass
auch jedes grosse historische Zeitalter ein
vollkommen anderes System der wichtigsten
Koordinaten aufweist, welches in den anderen
Kontexten nicht restlos aufgeht.
(12)Dieser Aspekt berücksichtigt jenen Tatbestand,
dass jede Nation auch "inter-kulturell"
konstituiert wird. - Für die PAR EXCELLENCE
interkulturell motivierten Verzerrungsmöglichkeiten
der Fichteschen Ansaetze sei nun A.J.P. Taylors
Darstellung angeführt: "Bei Ausbruch
des Krieges im Jahr 1813 setzte Fichte demonstrativ
seine Vorlesungen 'bis zur Befreiung des
Vaterlandes' ab. Sein einziger Beitrag (!)
zu dieser Befreiung jedoch bestand darin,
sich in sein Studierzimmer zurückzuziehen
und dort enthusiastische Regungen zu verspüren;
und der einzige Beitrag des deutschen Nationalismus
bestand darin, der Schlacht bei Leipzig die
romantische Bezeichnung 'Völkerschlacht'
zu verleihen." (A.J.P. Taylor, The Course
of German History. London, 1961. 39.) - Nicht
aber nur die Interpretation des einen Nationalismus
durch andere (die anderen Nationen angehören)
aktualisiert die inter-kulturellen Dimensionen
dieser Sphaere. In gewissem Sinne liesse
sich mit Recht sagen, dass schon die Konstitution
der modernen Nation ein interkultureller
Akt ist. Der Anteil der Napoleonischen Kriege
ist für Fichte am entschiedensten. Ein weiteres
treffendes Beispiel finden wir in der arabischen
Geschichte, wo dieser Nationalismus als Gegenbewegung
zu türkisch-ottomanisierenden nationalen
Bestrebungen zustande kam, im Typus geschah
es nicht sehr anders mit dem jüdischen Nationalismus
(s. Schlomo Avineri, "Israelischer und
arabischer Nationalismus", in: Nationalismus.
Herausgegeben von Heinrich August Winkler.
Königstein/Ts. 1978. 232-251. - Dieses inter-kulturelle
Element ist ferner auch bei jeder Nationenbildung
im Mittel-Ost-Europa vorhanden und darf in
jeder Hinsicht als weitgehend historisch
bestimmend angesehen werden.
(13)Mit diesem ursprünglichen Angstgefühl
haengt auch die positive Emotionalitaet gegenüber
der Nation und Nationsbildung zusammen. Dementsprechend
scheint uns, dass all die Deutungsversuche,
die bei der Deutung der Genese der Nation
von den ursprünglich positiven (d.h. nicht
von der Angst motivierten) Gefühlen ausgehen,
sich mit Notwendigkeit irren. Ein Beispiel
dafür ist das folgende, in dem George L.
(C.) Mosse Fichtes Nationskonzeption so wiedergibt:
"Wahre Liebe heftet sich niemals an
das Vergaengliche, sondern muss in dem ruhen,
was unwandelbar und ewig ist. Hier lösen
sich also individuelle Beziehungen im umfassenden
Ganzen der Nation auf, die selbst eine Widerspiegelung
des Kosmos ist..." George L.(C.) Mosse,
Nationalismus und Sexualitaet. Bürgerliche
Moral und sexuelle Normen. München-Wien,
1985. 100.
(14) Johann Gottlieb Fichte, Reden an die
deutsche Nation. in: Ausgewaelhte Werke in
sechs Baenden. Herausgegeben von Franz Medicus.
Fünfter Band. Darmstadt, 1962. 384.
(15)Max Scheler, Die Wissensformen der Gesellschaft,
176.
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