Zur methodischen Einleitung der Rekonstruktion von Fichtes "Reden an die deutsche Nation"

Die Frage nach Ursprung und Rekonstruktion des Fichteschen Begriffes der "Nation" hat in unseren Jahren eine geradezu historisch zu nennende Bedeutung. Die rasante und revolutionierende Umwaelzung Ost-Mittel-Europas, der historische Ausgang des real existierenden Sozialismus und der sowjetrussischen Hegemonie im mittel-europaeischen Raum schuf eine Realitaet, die von der neuartigen relevanten Existenz und der ebenfalls neuartigen historischen Praesenz von "Nationen" beherrscht wird.


Unser Ziel ist es, Fichtes Begriff der deutschen Nation durch den Hinweis auf seine Rezeptionsgeschichte, bzw. auf die Tatsache, dass er sich als Vorbild zahlreicher anderer Konzeptionen erwies, zu INTERNATIONALISIEREN und in einen DISZIPLINAEREN ZUSAMMENHANG ZU STELLEN. Hier haben wir aber auch mit jener Schwierigkeit zu kaempfen, dass eine politisch-philosophische Disziplin "geschichtliche Wissenssoziologie der Nation" überhaupt nicht existiert. Zugespitzt gesagt: Es gibt eine "Soziologie" als Wissenschaft DER oder EINER Gesellschaft, es gibt aber keine "Nationologie", die die Objekte der Nationen aehnlich systematisch bearbeiten würde (1).

Diese disziplinaere Lücke erscheint bei der Thematisierung der Genese des Begriffes der deutschen Nation als besonders tief. Ein kaum analytisch auseinanderzunehmendes Gemisch von komplizierten Struktur- und Identitaetsproblemen UND praktisch realisierten historischen Fehlentwicklungen schafft eine Ausgangssituation, die einer Rekonstruktionsarbeit im Anfang wenig Chancen versprechen. Es geht also nicht nur um die positive Tatsache, dass die deutsche historische Entwicklung für unser Verstaendnis der KLASSISCHE FALL DES NICHTKLASSISCHEN ENTWICKLUNGSTYPUS ist (2), sondern auch darum, dass die hier konkret gemeinten historischen Fehlentwicklungen kaum zu lösbare methodische, aber auch Schwierigkeiten induzieren.

Das ebenfalls allgemeine, durch Fichte aber ganz besonders stark akzentuierte Problem einer historischen Rekonstruktion der Nation ist es, dass man mit dem Terminus "Nation" im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts oft Inhalte thematisierte, die entweder überwiegend weltanschaulich-ideologischer oder eben überwiegend politisch-struktureller Provenienz gewesen sind. Ein Beispiel für den ersten Fall liefern uns die Varianten, als in der Forderung der "Nation" evidente, weiterer Erklaerung auch nicht mehr bedürftige LIBERALE Einsichten enthalten waren, d.h. als hinter der Vorstellung einer "Nation" ein nicht-artikuliertes, liberales Weltbild vorausgesetzt worden ist. Ein Beispiel für die zweite Abart liefert die grosse Anzahl der Faelle, als hinter dem Terminus "Nation" letztlich Vorstellungen über eine gewisse STAATSFORM, eine Problematik des modernen Staates aufzufinden ist (3). Es stimmt zwar, was Hans Kohn über die Genese der Problematik der Nation sagt: "Nationalitaeten entstehen nur, wenn Gemeinschaftsgruppen durch bestimmte gegenstaendliche Merkmale von einander abgesondert werden" (4), diese "reine" und beschreibende Phaenomenogie der Selbstbestimmung der Nation verraet überhaupt nichts von den im Konkreten nicht immer artikulierten, oft sogar unbewussten, in den meisten Faellen aber gewiss unreflektierten historischen, ideologischen oder politischen Vorstellungen. Um die hier möglichen Unterschiede anzudeuten, sei nun an jene Auffassung der Nation hingewiesen, in welcher "im Hintergrund" ein emanzipativer Begriff der menschlichen Gattung stand (etwa: die Nation gilt als notwendige Zwischenstation zwischen dem Einzelnen und der Gattung (5)) - im Gegensatz zu jener typologisch ebenfalls wichtigen Version, in welcher die Nation eine Integrationsform darstellt, die sich nicht mehr einer Forderung der emanzipativen Gattungsmaessigkeit stellt (6).

Im Verhaeltnis dazu also, wie unvergleichlich grosse Rolle die Nation in Geschichte und Politik spielt, sind die intellektuellen Schwierigkeiten, die mit ihrer Aufarbeitung verbunden sind, wirklich enorm. Über die immanente wissenschaftslogische (7), inhaltliche (8), psychologische (9), soziologische (10), historische (11) und interkulturelle (12) Problematik können wir nur eine kurze Erwaehnung tun, sie alle spielen aber schon in die möglichen Deutungen schon der Fichteschen Konzeption der Nation hinein.

Die Nation, besser gesagt, ein gewisser Typ des der immanenten Entfaltung der Nation entspringenden Nationalstaates erscheint für Fichte als ein sich sukzessive realisierendes letztes und höchstes Ziel. Dieser, in den meisten Faellen noch nicht existente Nationalstaat galt als eine in der Teleologie der Geschichte tief verankerten Zielvorstellung, wonach eine Nation auf einem einheitlichen Gebiet in einer gemeinsamen Nationalsprache einen einheitlichen Staat bildet und welches einen bis jetzt noch nicht erreichten Grad politischer Freiheit und menschlicher Emanzipation verwirklicht. Ausser dem liberalen (zum Teil AUCH vor-liberalen) Gedankengut haben wir es also in dieser leitenden Vorstellung des (noch nicht-existenten) idealen Nationalstaates als mit einer das Zeitalter am staerksten praegenden Vorstellung zu tun.

Indem also jemand über die Nation redet, die Begrifflichkeit der Nation gegebenenfalls paedagogisch (stilgemaess gesagt: "nationalpaedagogisch") anderen beibringt, denkt er nicht notgedrungen NUR an die Nation, er spricht die Nation an, weil er nur in ihr jenes Element sehen kann, welche die noch nicht existenten sozialen und staatlichen Rahmen, die ebenfalls noch nicht existente moderne Gesellschaft nur herbeiführen kann und mit denen der Terminus "Nation" in gegebenen Zusammenhaengen gleichbedeutend ist. Es heisst also auch, dass die Kategorie "Nation" in vielen Faellen mehrfach über sich hinausweist.

Die Konstitution der Nation bei Fichte ist gleichzeitig ein dramatisches Spiel zwischen Furcht und Hoffnung - ein in der Geschichte in dieser Form zum ersten Male sich abspielende Psychodrama zwischen der Aufarbeitung der kollektiven Gefaehrdung und einer sich sukzessive konstituierenden neuen Hoffnung, einer neuartigen Gemeinschaft. Fichte darf wohl auch in dieser Hinsicht als Bahnbrecher nationalen Denkens im neunzehnten Jahrhundert aufgefasst werden: Es gibt keine Nation, bei deren Konstitution nicht eine Angst steht, die gerade durch die Konstitution einer neuen Gemeinschaft dieser Angst loswerden möchte. Dieser Zug unterscheidet selbst den rein politologischen Begriff der Nation von anderen politologischen oder sozialwissenschaftlichen Kategorien (13).

Diese Angst (und aehnliche Abarten der Mobilisierung und des Mobilisiertseins) gilt als höchstes Motiv der neuartigen Aufeinanderbeziehung von dem Einzelnen und der Nation. Von nun an erscheint die Nation auch als stete Aufgabe, als immer wieder zu konkretisierende Pflicht für das Einzelne. Diese Mobilisierung tatsaechlich in Gang zu setzen, war Fichte's (im Rahmen des nicht-klassischen Raumes) klassische Tat bei der Konstitution des modernen Nationalismus. Es war ja kein rein theoretischer Ansatz, der Fichte folgendes feststellen liess: 'Immerhin mag von nun an der Sieger das, was allein auch er kann, emsiglich tun, naemlich den letzten Teil des Bindungsmittels, die Furcht und Hoffnung für das gegenwaertige Leben, wiederum anknüpfen und verstaerken; damit ist nur ihm geholfen, keineswegs aber uns: denn so gewiss er seinen Vorteil versteht, knüpft er an dieses erneute Band zu allererst nur seine Angelegenheit, die unsrige aber nur insoweit, inwiefern die Erhaltung unsrer, als Mittel für seine Zwecke, ihm selbst zur Angelegenheit wird. Für eine so verfallne Nation ist von nun an Furcht und Hoffnung völlig aufgehoben, indem deren Leitung ihrer Hand entfallen ist, und sie zwar selber zu fürchten hat und zu hoffen, vor ihr aber von nun an kein Mensch sich weiter fürchtet, oder von ihr etwas hofft; und es bleibt ihr nichts übrig, als ein ganz anderes und neues, über Furcht und Hoffnung erhabenes Bindungsmittel zu finden, um die Angelegenheit ihrer Gesamtheit an die Teilnahme eines jeden aus ihr für sich selber anzuknüpfen." (14)

Diese Mobilisierung schreibt schon IN STATU NASCENDI gewisse erzieherische Aufgaben vor und schafft jenes Wechselwirkungsverhaeltnis, in welchem der Einzelne gleichzeitig Instrument und Mittel ist, die Nation zu konstitutieren, bzw. am Leben zu erhalten und die Nation als Instrument und Mittel aufgefasst wird, dem Einzelnen eine moralische und pragmatische Position zu sichern.

An diesem Punkte laesst sich auch schon die Frage zu stellen, inwieweit die so entscheidende Konzeptualisierung der Nation bei Fichte den Elementen seiner Metaphysik, der WISSENSCHAFTSLEHRE also, entspringt oder in welchem Masse als von der Metaphsyik verhaeltnismaessig unabhaengige Antwort auf tatsaechliche und handgreifliche historische Herausforderung entstanden ist. Kein Geringerer, als Max Scheler ist beispielsweise der Auffassung, dass der direkte metaphysische Ursprung der entscheidende ist, was bei ihm soziologisch durch die akademische Position der Kathederphilosophie erklaert werden kann. Auch für Fichte gilt sein Satz, dass er "KRAFT DES INHALTS seiner Metaphysik auch ungewollt einem Staatsinteresse (dient), indem er seinem Staat (und seiner Nation! - E.K.) mit oder wider Willen eine metaphysische Weihe gibt." (15). Unsere vorlaeufige These ist, dass die REDEN AN DIE DEUTSCHE NATION zunaechst als eine Ad hoc-Reaktion von charismatischer Evidenz aufgefasst werden sollten, die nicht unmittelbar und unbedingt von der philosophischen Substanz der Wissenschaftslehre abgeleitet werden dürfte. Gerade in dieser Spontaneitaet der ad hoc-Reaktion erweist sich Fichte als klassischer Vorlaeufer der nationalen Ideologiebildung im neunzehnten Jahrhundert.


ANMERKUNGEN:

(1)An einigen spaeteren Stellen werden wir einen Teil der spezifischen wissenschaftslogischen Schwierigkeiten ansprechen, die bei der Thematisierung der Existenz oder Nicht-Existenz einer solchen Wissenschaft sichtbar werden. All diesen Schwierigkeiten zum Trotz erscheint uns der Grad der Wissenschaftlichkeit des nationalen Diskurses als bedenkenswert niedrig, was gerade im Falle eines so schwierigen Gegenstandes des öffentlichen Interesses nicht sehr hoffnungsvoll ausschaut.
(2)Diese Bezeichnung "Klassiker der nicht-klassischen Entwicklung" stammt von anderen Arbeiten des Verf. (s. unter anderen: "Történelemelmélet és aktualizálás. Viták Nagy Frigyesrõl" (Geschichtstheorie und Aktualisierungen. Friedrich der Grosse in Diskussion), Világosság, 1987/August-September, 572-579. , sowie "István Bibó's Beitrag zur Theorie über den Faschismus. in: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie. 1988/1. 73-82.
(3)Wir möchten an dieser Stelle auf jenes Beispiel aus der Literatur hinweisen, welches bei der Benennung "Vereinte Nationen" auf diesen Zusammenhang (dass es hier bei der Nennung der "Nationen" mit Selbstverstaendlichkeit eben die einzelnen Staaten gemeint sind) aufmerksam macht.
(4)Hans Kohn, Die Idee des Nationalismus. Heidelberg, 1950. 35.
(5)Durchaus richtig sieht beispielsweise Max Scheler diesen im Geiste des klassischen Idealismus wurzelnden Charakter des Fichteschen Nationbegriffes: "(Fichtes - E.K.) Nationalgedanke (war) selbst noch stark kosmopolitisch gefaerbt...und (er dachte) bei dem Wort 'Nation' nicht an nationale 'Arbeit', 'Machtentfaltung', 'Wirtschaft' und dergleichen..., sondern an erster Stelle an NATIONALE GEISTESKULTUR (Sprache)..." (Die Wissensformen der Gesellschaft. Zweite, durchgesehene Ausgabe. Bern und München, 1960. 389.) - Die Schelersche Trennung zwischen diesen Momenten können wir aber, wie unser Gedankengang es zeigen wird, schon nicht mitvollziehen. - Der dynamisch-herakleitische, weil eben stets VERMITTELNDE Charakter dieses Begriffs der Nation entgeht Kenneth R. Minogue, der gerade diese Eigenschaft als theoretischen Mangel Defizit bei Fichte ansieht: "Sie ('Die Reden an die deutsche Nation') redeten vom deutschen Patriotismus und versuchten zu ignorieren, dass das Deutschland, von dem sie sprachen, überhaupt nicht existierte" (Nationalismus. München, 1970. 81.)
(6)Geradezu exemplarisch scheint uns Sprangers Verfahren, der die Fichteschen Attribute über die "Göttlichkeit des Volkes" 1933 und 1944 in zwei grundverschiedenen Varianten in Anspruch nimmt. Zunaechst geht es um sie als Element der Aufbauphase, letztlich als Aufruf zum Opfertod (s. Thomas Laugstien, "Die protestantische Ethik und der 'Geist von Potsdam'", in: Deutsche Philosophen 1933. Hamburg, 1989. 56 und 62.). Es versteht sich von selbst, dass eine in das richtige Koordinatensystem gestellte Rekonstruktion der Fichteschen Konstitutierung der Nation allein schon genügen sollte, solche Instrumentalisierungsversuche zu entlarven. Dass dasselbe Zitat bei demselben Autor zweifach und in zwei Fassungen instrumentalisiert wird, mag auf den ersten Augenblick vielleicht ein merkwürdiger Einzelfall zu sein, verkörpert aber in Wirklichkeit eben das Wesen dieser Instrumentalisierungsprozesse idealtypisch.
(7)Die wesentlichste und bestimmende wissenschaftslogische Problematik bei der Analyse des Begriffs der Nation besteht darin, dass die "Nation" im sozialwissenschaftlich-historischen Sinne ein ganzheitlicher Begriff ist, der nicht restlos auf die bestimmenden Inhalte kleinerer, d.h. nicht so umfassender sozialer Gruppen zurückgeführt werden kann.
(8)Die schwerwiegendste "inhaltliche" Problematik bei der Bestimmung des Begriffs der Nation ist es, dass die einzelnen historischen Erscheinungsformen des Begriffs, bzw. des Bewusstseins der Nation extrem unterschiedlich sind. Es bedeutet nicht nur eine in der Sphaere der Allgemeinheit erscheinende Relativitaet, vielmehr eine bunte Anzahl der verschiedensten inhaltlichen Bestimmungen. So haben wir es mit Auffassungen zu tun, die die Nation als demokratischen oder antidemokratischen Inhalt, als Integrations- oder Modernisationsideologie, als einen gewissen kommunikativen Kreis, als einen Inbegriff der emotionalen Intimitaet usw. auffassen.
(9)Die tiefste psychologische Schwierigkeit bei der Erschliessung des Begriffs der Nation ist in unseren Augen das Ausmass der unbewussten Motivation. Der Anteil der nationalen Komponenten in der individuellen Sozialisation ist nicht einfach betraechtlich, er ist zum Teil auch "unbewusst" und erscheint in der Geschichte zurückgehend in immer erhöhtem Ausmass.
(10)Man übertreibt nicht, wenn man bei jeder relevanten sozio-kulturellen Gruppe eine eigene Perspektive bei der Konstitution ihres Begriffs über die Nation voraussetzt. So sind der aristokratische, der bürgerliche, der proletarische, der baeuerliche Begriff der Nation durchaus unterschiedlich.
(11)Im Kontext der Ideologiekritik der Nation ist vor allem jene Tatsache relevant, dass auch jedes grosse historische Zeitalter ein vollkommen anderes System der wichtigsten Koordinaten aufweist, welches in den anderen Kontexten nicht restlos aufgeht.
(12)Dieser Aspekt berücksichtigt jenen Tatbestand, dass jede Nation auch "inter-kulturell" konstituiert wird. - Für die PAR EXCELLENCE interkulturell motivierten Verzerrungsmöglichkeiten der Fichteschen Ansaetze sei nun A.J.P. Taylors Darstellung angeführt: "Bei Ausbruch des Krieges im Jahr 1813 setzte Fichte demonstrativ seine Vorlesungen 'bis zur Befreiung des Vaterlandes' ab. Sein einziger Beitrag (!) zu dieser Befreiung jedoch bestand darin, sich in sein Studierzimmer zurückzuziehen und dort enthusiastische Regungen zu verspüren; und der einzige Beitrag des deutschen Nationalismus bestand darin, der Schlacht bei Leipzig die romantische Bezeichnung 'Völkerschlacht' zu verleihen." (A.J.P. Taylor, The Course of German History. London, 1961. 39.) - Nicht aber nur die Interpretation des einen Nationalismus durch andere (die anderen Nationen angehören) aktualisiert die inter-kulturellen Dimensionen dieser Sphaere. In gewissem Sinne liesse sich mit Recht sagen, dass schon die Konstitution der modernen Nation ein interkultureller Akt ist. Der Anteil der Napoleonischen Kriege ist für Fichte am entschiedensten. Ein weiteres treffendes Beispiel finden wir in der arabischen Geschichte, wo dieser Nationalismus als Gegenbewegung zu türkisch-ottomanisierenden nationalen Bestrebungen zustande kam, im Typus geschah es nicht sehr anders mit dem jüdischen Nationalismus (s. Schlomo Avineri, "Israelischer und arabischer Nationalismus", in: Nationalismus. Herausgegeben von Heinrich August Winkler. Königstein/Ts. 1978. 232-251. - Dieses inter-kulturelle Element ist ferner auch bei jeder Nationenbildung im Mittel-Ost-Europa vorhanden und darf in jeder Hinsicht als weitgehend historisch bestimmend angesehen werden.
(13)Mit diesem ursprünglichen Angstgefühl haengt auch die positive Emotionalitaet gegenüber der Nation und Nationsbildung zusammen. Dementsprechend scheint uns, dass all die Deutungsversuche, die bei der Deutung der Genese der Nation von den ursprünglich positiven (d.h. nicht von der Angst motivierten) Gefühlen ausgehen, sich mit Notwendigkeit irren. Ein Beispiel dafür ist das folgende, in dem George L. (C.) Mosse Fichtes Nationskonzeption so wiedergibt: "Wahre Liebe heftet sich niemals an das Vergaengliche, sondern muss in dem ruhen, was unwandelbar und ewig ist. Hier lösen sich also individuelle Beziehungen im umfassenden Ganzen der Nation auf, die selbst eine Widerspiegelung des Kosmos ist..." George L.(C.) Mosse, Nationalismus und Sexualitaet. Bürgerliche Moral und sexuelle Normen. München-Wien, 1985. 100.
(14) Johann Gottlieb Fichte, Reden an die deutsche Nation. in: Ausgewaelhte Werke in sechs Baenden. Herausgegeben von Franz Medicus. Fünfter Band. Darmstadt, 1962. 384.
(15)Max Scheler, Die Wissensformen der Gesellschaft, 176.




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