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Tartalomjegyzék Birth of a New Social Philosophy SELF DESTRUCTIVE DIMENSION OF GLOBALIZATION Utolsó lap

Zum neuesten Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung

Szerző: Werner Röhr

Der Jahresband 2005 ist der zweite, nachdem das 1993 von Hermann Weber in Mannheim begründete Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung in die Trägerschaft der vom Bund finanzierten »Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur« übergegangen ist.




Werner Röhr

Rákosi neu bewertet

»Besonders wertvolle Quelle«. Erkenntnisbringende Analyse der Memoiren eines verfemten Autors. Zum neuesten Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung

In: junge Welt vom 26.11.2005

Der Jahresband 2005 ist der zweite, nachdem das 1993 von Hermann Weber in Mannheim begründete Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung in die Trägerschaft der vom Bund finanzierten »Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur« übergegangen ist. In seinem Herausgeberkreis haben die tragende Stiftung mit Bernd Faulenbach, die Gauck-Birthler-Behörde mit Ehrhart Neubert und der Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin mit Manfred Wilke Sitz und Stimme. Auch wenn die ideologischen Prämissen der Totalitarismusdoktrin von den meisten Autoren recht besinnungslos als wissenschaftliche Kriterien historischer Kommunismusforschung unterstellt werden, ist die Befürchtung, der Modus der Forschungsbeiträge werde à la Neubert zunehmend durch Kommunismusverteufelung ersetzt, bisher nur partiell bestätigt worden.

UdSSR im Krieg

Das 2005er Jahrbuch enthält keine sensationellen Quellenpublikationen oder bahnbrechende Analysen, ist aber dennoch informativ und mit Gewinn zu lesen. Der Hauptartikel von Bernd Bonwetsch befaßt sich mit der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Der Mann ist Gründungsdirektor des dem Auswärtigen Amt unterstehenden Deutschen Historischen Instituts in Moskau. Auf 30 Seiten gibt er eine kompakte und konzise Darstellung der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges, von der tödlichen Bedrohung der UdSSR bis zum Sieg über Nazideutschland. Er umreißt die Kriegsvorbereitungen der Sowjetunion und die Abwehr des deutschen Überfalls und analysiert insbesondere den Preis des Sieges und die erneute Restituierung der Stalinschen Herrschaftspraxis nach dem Sieg. Bonwetsch zeichnet ein im ganzen nüchternes, recht realistisches Bild. Wie in früheren Arbeiten goutiert er aber immer noch die These vom Präventivcharakter des deutschen Angriffs. Zwar konzediert er nun, »daß Stalin eine militärische Auseinandersetzung mit Deutschland, wie auch immer ausgelöst, erst für 1942 erwartete und die sowjetischen Vorbereitungen darauf ausrichtete«. Dennoch beharrt er: »Es ist zumindest keineswegs sicher, daß Stalin nur als Reaktion auf einen deutschen Angriff in den Krieg eingreifen wollte«, obwohl die inzwischen vorliegenden Archivdokumente die Präventivkriegsthese als grundfalsch qualifizieren.

Im Länderschwerpunkt Südosteuropa enthält der Band je einen Beitrag zu Jugoslawien, Bulgarien und Rumänien. Ausgehend von der zeitweise in Mode gekommenen Auffassung des Kommunismus als Zivilreligion untersucht der slowenische Soziologe Sergej Flere, inwieweit sich in den Völkern Jugoslawiens eine gesamtjugoslawische Einstellung heraus- und wieder zurückbildete. Ulf Brunnbauer analysiert die Familienpolitik der bulgarischen Partei. Sein Beitrag veranschaulicht Leistung und Dilemmata mehrerer Texte des Bandes: Er sprengt nämlich die Intention des Autors, das unterstellte historisch notwendige Scheitern kommunistischer Politik auf jedem Sektor des gesellschaftlichen Lebens zu demonstrieren, indem Brunnbauer die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung und Familienpolitik samt ihren widersprüchlichen Wirkungen hochgradig sozialgeschichtlich behandelt.

Peter Steinbach befaßt sich in einer Besprechung des zweiten Bandes vom »Schwarzbuch des Kommunismus« ausschließlich mit dem 161 Seiten umfassenden Einleitungstext von Stéphane Courtois - und verwirft ihn absolut. Bescheinigt er dem Herausgeber noch, der erste Band sei »verdienstvoll« gewesen, so qualifiziert er dessen Einleitung zum Folgeband als »reinen Gesinnungstext, der bei der Lektüre verstimmt«. (319) Steinbach will den moralisierenden Diktaturenvergleich auf eine »funktionale Vergleichsebene« heben. Nur ist die von ihm geforderte Methodik nicht gerade seine Stärke. Er meint, im Vorteil zu sein, »weil ich in die innerkommunistischen Diskussionen niemals involviert war«. (323) Das dürfte für »kritische Diktaturforschung« kaum hinreichend sein.

Kein psychotischer Fall

Ein Beispiel erkenntnisbringender Analyse der Texte verfemter Autoren gibt Endre Kiss mit seiner Rezension der Memoiren von Mátyás Rákosi. Dieser ungarische Kommunist (1892-1971) war der Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Seit 1925 saß er in Horthy-Ungarn im Gefängnis, von 1940 bis 1956 führte er die Ungarische KP. Er gilt vielen als ungarischer Stalin und Mitinitiator der Parteisäuberungen in Osteuropa, beginnend mit dem Rajk-Prozeß 1948. Von Mikojan abgesetzt, lebte er seit der Konterrevolution vom Herbst 1956 bis zu seinem Tod 1971 im sowjetischen Exil. Seine Memoiren erschienen in zwei Doppelbänden 1997 bzw. 2002 in Budapest. Rákosi studierte Orientalistik, er sprach sechs Sprachen und erwarb auf zahlreichen Gebieten solide Fachkenntnisse. »Seine geistige Aufnahmefähigkeit war außerordentlich.« (292) Kiss tritt verbreiteten »Erklärungen« entgegen, nach denen Rákosi ein psychotischer Fall gewesen sei und vor Stalin übermäßige Angst gehabt hätte. »Seine Psychologie (...) ging restlos auf im von der Partei verkörperten richtigen Bewußtsein, in der Selbstidentifizierung mit dem von der Politik der Partei repräsentierten welthistorischen Optimum.« (295) Rákosi habe die Fähigkeit besessen, ausgeprägte Intellektualität und praktischen Verstand zu integrieren, was seinen Erinnerungen sehr zugute komme. Deren frühe Bände bewertet Kiss als professionelle historische Darstellung und schreibt, »daß man mit Rákosis Urteilen über die intellektuelle und politische Geschichte Ungarns vor dem Ersten Weltkrieg in großen Teilen einverstanden sein kann«. (292) Die Periode nach 1945 dagegen habe er vor allem aus apologetischem Blickwinkel geschildert, er gruppiere die Ereignisse nach einer »Logik der Selbstverteidigung«. Auch wenn Kiss keine Notwendigkeit sieht, die Rákosi-Ära in Ungarn nach der Lektüre anders zu bewerten, so hält er gerade die beiden Bände über diese Periode für eine »besonders wertvolle Quelle«.

Hervorhebenswert unter den meist informativen Sammelrezensionen ist des weiteren eine Kritik von Klaus-Georg Riegel (Trier) u.a. an dem Buch von Jörg Baberowski »Der Rote Terror. Geschichte des Stalinismus« (siehe Auszug).

* Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2005, hsg. von Hermann Weber, Ulrich Mählert, Bernhard H. Bayerlein, Horst Dähn, Bernd Faulenbach, Jan Foitzik, Ehrhart Neubert, Manfred Wilke. Berlin: Aufbau-Verlag 2005, 464 S., 75 Euro

Auszug aus dem Jahrbuch: »Stalins Gesellschaftsmodell war die Räuberbande«

Baberowski vertritt seine These von der Geburt des Stalinismus aus der Mentalität archaischer kaukasischer Räuberbanden mit einer Fülle von Hinweisen und Skizzen zur Gewaltkultur des russischen Dorfes. »(-) Stalins Gesellschaftsmodell war die Räuberbande, deren Mitglieder in der rauhen Wirklichkeit nur überlebten, wenn sie einander auf Gedeih und Verderben die Treue hielten. Unter den Bedingungen des Krieges, den die Kommunisten gegen die Bevölkerung führten, wurde die Stalinsche Ideologie der Freundschaft zur Ideologie der Partei. Stalin und seine engsten Vertrauten konnten sich eine Welt, die nicht von Männerbünden regiert wurde, überhaupt nicht vorstellen. Mißtrauen und Verdacht waren freilich Teil des Systems von Freundschaft. Stalin stellte seine Freunde auf die Probe, er erwartete von ihnen, daß sie Opfer brachten und darin ihre Freundschaft unter Beweis stellten.«

Es überrascht nicht, daß Baberowski in diesem Kontext das stalinistische Herrschaftssystem als »feudalen Personenverbandsstaat« beschreibt (-) Der Große Terror (1936 bis 1938), den Stalin auch gegen seine Satrapen entfesselte, erfaßte daher auch deren Gefolgschaften in den Parteiapparaten, der Staatsverwaltung, der Justiz und den Sicherheitsorganen des NKWD (-), schließlich die gesamte Gesellschaft. »Der Massenterror (-) war der Versuch, die Gesellschaft von ihren Feinden zu erlösen. Es war eine sowjetische Variante der -Endlösung-.« Detailliert schildert Barberowski dieses »eliminatorische Programm« (...)

Die obsessive Fixierung Baberowskis auf das stalinistische Laboratorium archaischer Gewalttradition läßt die Frage der Genese der stalinistischen Moderne, einer sozialistischen Industriegesellschaft, die als Teil des europäischen Industrialisierungs- und Modernisierungsprozesses angesehen werden kann, unbeantwortet.

* Aus: Klaus-Georg Riegel: Der Stalinismus als archaischer Gewaltexzeß. Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2005, S. 353 ff.

 



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