Kiss Endre főoldal   Germanisztika






Tartalomjegyzék Franz Kafkas geheimer Doubleur A filozófia rejtett Bábele Utolsó lap

Adam Müller-Guttenbrunn und Ungarn

homepage civic education
Szerző: Hans Dama

Seine durch die erfolgreiche dramatischen Tätigkeit erwiesene Kompetenz sowie seine durchschlagende Wiener Theaterkritik verhalfen AMG am 1.10.1893 zur Übernahme der Direktion des errichteten RAIMUND  Theaters, dem er bis zu seiner Suspendierung im Februar 1896 vorstand. Es war schon lange AMGs künstlerisches und kulturpolitisches Ziel gewesen, ein Volkstheater auf österreichischer Grundlage zu gründen, und so konnte unser Dichter im Mariahilfer Burgtheater [52], wie Kritiker das RAIMUND Theater zu bezeichnen pflegten, seinen Traum verwirklichen.




    Civic Education   Team   Authors   Partners   Guestbook   Links  

 

Home » News, Artikel » Kultur & Bildung » Geschichte & Kulturwissenschaften » Adam Müller-Guttenbrunn und Ungarn

  

  

Adam Müller-Guttenbrunn und Ungarn 

Hans Dama  

  

  

   

 

„...und nicht dein Gast...“ - Adam Müller-Guttenbrunn zum 150. Geburtstag 

 
AMGs Bedeutung im Prozeß der ethnischen Bewußtseinsbildung der Banater und - im übergeordneten Sinne - die der Donauschwaben im transleithanischen Ungarn, ist durch seine Tätigkeit als Romancier, als Kulturpolitiker, als Publizist und Theaterreformator und nicht zuletzt als „Volkserzieher“ weit über die Siedlungsgebiete der Donauschwaben hinaus gewachsen. Er fiel im binnendeutschen Sprachraum durch seine Angleichsfähigkeit überregional auf, realisierte in seinen Romanen die Symbiose donauschwäbischer mit der allgemein österreichischen Thematik aus der Geschichte und Kulturgeschichte der Doppelmonarchie. Es gelang ihm vorzüglich, die brennenden Fragen und Probleme des Deutschtums seiner Zeit im Südosten Europas dem binnendeutschen Kulturraum zu offenbaren und der dortigen Öffentlichkeit zu Bewußtsein zu bringen, daß auch „dort unten" unschätzbare geistig - kulturelle Werte von latentem Potential, das es zu fordern und zu fördern gelte, geschaffen wurden und werden. AMGs eigentliches Wirken entfaltet sich im cisleithanischen Österreich: in Linz und vorwiegend natürlich in Wien..
 

 

Eine belastete Kindheit... 

  Adam Müller-Guttenbrunn, Foto um 1890.
© Copyright by Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien .
Dem am 22.10.1852 als unehelichem Kind Geborenen - seiner Mutter, der Wagnerstochter EVA MÜLLER, wurde, obwohl versprochen, die unstandesgemäße Ehe mit dem Großbauernsohn ADAM LUCKHAUPT verwehrt – blieb der Anteil an der geachteten Stellung seiner väterlichen Familie infolge starrer, unüberwindlicher Sozialstrukturen im damaligen Dorfleben versagt. Andererseits sollte der sensible Knabe diese soziale Kluft und deren Auswirkungen auch von einer anderen Seite her allzu früh kennenlernen. Seine Mutter fiel einem unvorstellbarem Dorfklatsch zum Opfer: eine unberechtigte und entehrende Beschuldigung wegen Giftmordes wurde gegen sie eingebracht, was den Sohn ein Leben lang bedrückte.

Erst als 65jähriger hat AMG sich durch eine literarische Beichte in seinem Roman Meister Jakob und seine Kinder (Leipzig, 1918) seinen bereits im Kindesalter aufgestauten Frust von der Seele geschrieben: „Die Scheu, ein uneheliches Kind zu sein, verfolgt einen durch das ganze Leben“ [1]

Ein weiteres Unglück ereilte den Buben, der auf Betreiben seines Lehrers HECKMÜLLER (als HECKMANN in Meister Jakob und seine Kinder; siehe auch Die Glocken der Heimat und Götzendämmerung) und Pfarrer DOLLENZ (als Dechant SCHUH in Meister Jakob und seine Kinder und in Götzendämmerung) als Zehnjähriger nach der Volksschule an das Temeswarer Piaristengymnasium kam und dort plötzlich Magyarisch als Unterrichtssprache eingeführt worden war:

„...ich kam in meinem zehnten Jahre nach Temeswar, wo ich die Normalschule und die ersten Klassen des Piaristengymnasiums besuchte. Mitte der 60er Jahre bereitete die plötzliche Einführung der magyarischen Vortragssprache am Temeswarer Gymnasium meinem Studienfortgang ungeahnte Schwierigkeiten. Der Unterricht verwandelte sich mit einem Schlage in eine mechanische Abrichtung, wir plapperten unverstandene magyarische Sätze, wir beteten sogar magyarisch und sangen in der Kirche in dieser Sprache. Die Schule verlor infolge dieser Vorgänge (mitten im Schuljahre mußten an Stelle der deutschen Lehrbücher magyarische angeschafft werden!) jeden Reiz für mich, sie wirkte entsittlichend auf mich zurück und ich verlumpte ein bißchen als junger Student. Alsbald ging ich statt in die Schule auf den Fischfang, und die Leute, deren Obhut ich anvertraut war, ließen dies ruhig geschehen. Sie brieten die prächtigen Karpfen, die ich im Bega-Kanal fing, und bekümmerten sich nicht weiter um mich. Der Schluß des Schuljahres aber brachte alles ans Licht, mein Zeugnis war niederschmetternd.“ [2]

Die Kette der erlittenen Schmerzen erweiterte sich 1863 um ein Glied durch die Heirat seiner Mutter mit dem Witwer NIKOLAUS LANNERT: „Das war ein Schmerz für den Buben, wie er noch keinen empfunden..“ [3]

Die Illusion höherer Zielsetzungen schien für den am Temeswarer Piaristengymnasium gescheiterten AMG dem Ende nahe. Nun sollte er bei seinem Oheim JOHANN GUTHIER, Bader und „Dorfarzt“, ebenfalls dieses Handwerk erlernen, was den Lehrling jedoch bald verdrießen sollte, und er wechselte 1868 aus der Barbierstube ans Deutsche Gymnasium in Hermannstadt.[49] Der Enttäuschte schrieb wutentbrannt sein erstes Gedicht:

Mein Gott, wer reißt mich aus dem Staube,
Eh‘ ganz vergiftet ist mein Glaube
An Dich, o Menschheit, eh mein Wissen
Verstumpft in stetem Müssen, Müssen!“
 

 

Der Aufstieg in Wien... 

 
Im Frühsommer 1870 geleitete ihn sein Onkel nach Wien: Bei Mag. ULRICH, wo er das Bader - Handwerk erlernen sollte, war er zunächst Volontär, allerdings führte ihn sein Wissensdrang immer öfter als außerordentlichen Hörer an die Universität und in deren Bibliothek.
Auch am literarischen Leben Wiens fand der junge Mann zusehends gefallen: Theaterbesuche sowie die Feiern zum 80. Geburtstag Grillparzers und später dessen Begräbnis schienen seinen weiteren Lebensweg bestimmt zu haben.

Gleichzeitig mit dem Besuch (ab 15.5.1873) der Handelsschule, die ihm den Brotberuf eines Telegraphisten sichern sollte – AMG war anfangs auch tatsächlich in Linz und Bad Ischl im Telegraphendienst engagiert - , arbeitete er an seinem ersten Theaterstück Im Banne der Pflicht, dessen Erfolg und ein positives Echo in der Theaterkritik in der LINZER TAGESPOST (Januar 1876) den Dichter bestärkten, mit Hilfe seines Protektors, des Burgtheaterdirektors HEINRICH LAUBE, im Dezember 1879 nach Wien zu übersiedeln.

Als AMG im Frühsommer 1870 nach Wien kam, blieben lediglich geringe seelische Bindungen an seine Heimat, aus der ihm viel Schmach, Erniedrigungen und Enttäuschungen erwachsen waren, zurück, hatte er doch bloß die Mutter, deren Heirat für den Buben eine neue Enttäuschung bedeuten sollte, zurückgelassen.

Auch zur Mutter begann sich die Bindung zu lockern, je mehr er sich im Treiben der Großstadt anderen Prioritäten zuwandte. Zunächst dem Theaterleben und der Publizistik zugetan, wird seine Wandlung zum aktiven Volkspolitiker ab 1907 nicht etwa als ein plötzlicher Umbruch, sondern als die logische Folge einer ihm immer schon innewohnenden Haltung erfolgen.

Und erst nach der Aufgabe seiner gewissenhaft durchgeführten Theatertätigkeit konnten die nun freigewordenen Kräfte zu totalem Einsatz gelangen, seiner Heimat und seinen Schwaben aktiv dienlich zu werden. Eine erste große Entscheidung mußte während des Deutsch - Französischen Krieges (1879/71) mental getroffen werden: jeder Österreicher war vor die Wahl gestellt worden, eng österreichisch oder gesamtdeutsch zu denken. In Kürze sollte dann auch die Zeit des „slawenfreundlichen Ministeriums TAFFEE (1879-1893) einsetzen, in der man sich erneut nur zwischen zwei Parteien entscheiden konnte: Deutschbewußte oder „National Indifferente“.[5]

AMG schloß sich - wie hätte es auch anders sein können –dem „Deutschen Klub“an, trat im Juni 1886 der „Deutschen Zeitung“, dem Organ des „Deutschen Klubs“ als Schriftleiter für den literarischen Teil bei. Nach eigenem Bekenntnis war AMG davon beseelt, in der Volksbildung Akzente zu setzen, was er im März 1886 mit der Flugschrift „Die Lektüre des Volkes“ begonnen hatte.

Mit dieser Schrift war der erste Schritt zur Gründung des Wiener VOLKSBILDUNGSVEREINS (der heutigen Volkshochschulen) sowie der Volksbüchereien getan: am 22.1. 1887 fand die Konstituierende Versammlung des Zweigvereins Wien und Umgebung des Allgemeinen NÖ Volksbildungsvereins statt, zu deren Gründungsmitglieder AMG, EDUARD LEUSCHING, MICHAEL HAINISCH, EMIL FÜRTH und ALEXANDER PECZ gehörten.

Vor seiner infolge sachlicher und persönlicher Meinungsverschiedenheiten am 1.10.1892 erfolgten Ausscheidung aus der Redaktion veröffentlichte AMG als letzten Artikel mit volkserzieherischem Inhalt „Die Kunst der Besitzlosen“. AMG ist diese Haltung hoch anzurechnen, zumal in jener Zeit kaum jemand mit solcher Vehemenz und mit derartigen Forderungen sich an ein solches Thema heranzuwagen traute.

Abschließend resümierte der Dichter: „Ich habe viel Gutes bewirkt in diesem Land im Laufe von vier Jahren, den Volksbildungsverein gefördert, die Theaterkritik unter höhere Gesichtspunkte gebracht, der ‚neuen Kunst‘ leise die Wege geebnet usw. Auch pflegte ich den guten deutschen Roman an Stelle des Übersetzungsfutters aus allen Sprache“ [6] Der Dichter vertrat als Theaterkritiker die Meinung, daß nicht für das Volk berechnete Stücke zu schreiben und aufzuführen seien, etwa im Sinne mit- und wehleidiger Proletarierdramen, sondern die Kunst sei dem Volke zu geben. [7]

AMG distanzierte sich vom übertriebenen klischeehaften Patriotismus und vertrat die Meinung, „weniger Deutschtümelei wäre jedoch deutscher“, schreibt er in einer Kritik von PAUL HEYSEs „Elisbath Charlotte“ in sein Tagebuch. [8] Diese Haltung des Dichters änderte sich gleich am Anfang des Ministeriums (Eduard) TAFFEE, als er sich dann dem „Deutschen Klub“ angeschlossen hatte.

Wenn wir in AMGs Kindheit zurückversetzt und an seine Erlebnisse im deutsch-bestrebten transleithanischen Ungarn – Schulzeit am Temeswarer Piaristengymnasium – erinnert werden, ist es verständlich, daß der Dichter wußte, wo er hingehörte. AMG scheint als Mitbegründer des „Wiener Allgemeinen deutschen Schulvereins“ auf [9] und leitete den Kalender des Vereins von 1886-1892, als er mit der Übernahme des RAIMUND Theaters sich anderen Aufgaben widmen mußte.

Als AMG 1877 in seine Heimat reiste, konnte er als „Gebildeter“, als frischgebackener Staatsbeamter vor seinen Landsleuten erscheinen und nutzte die Gelegenheit, um ihnen zu zeigen, was aus dem einstigen verschmähten unehelichen Kind geworden ist. Doch mit seiner liberalistischen Haltung mag er wohl bei seinen Landsleuten nicht gut angekommen sein.

Bitter enttäuscht, nimmt er sich vor, sie überhaupt nicht mehr zu besuchen. Doch bereits fünf Jahre später, nachdem sich AMGs Denkweise inzwischen gewandelt hatte – weg vom Liberalismus zu betont deutscher Haltung – trägt dieser zweite Banater Aufenthalt wesentlich bessere Früchte. Ab diesem Zeitpunkt datiert die volkspolitische Tätigkeit AMGs, die auch der Dichter selbst in die anfänglichen 80er Jahre setzt (siehe den Brief an den Temeswarer Bgm. GEML vom 18.6.1916).[10]

Der Dichter strebte Verbindungen mit Männern des volkspolitischen Kampfes an und wurde von diesen selbst aufgesucht. Entscheidend war die Bekanntschaft mit EDMUND STEINACKER, dem politischen Vorkämpfer des ungarländischen Deutschtums, die wohl seit den 80er Jahren bestand und in der Zeit, als AMG Direktor des RAIMUND-THEATERs war, erneuert wurde.[11]

Wenn diesbezüglich wenig schriftliches Material vorliegt, so darum, weil die beiden Herren über diese Thematik mündlich debattiert hatten, was ja kaum verwunderlich war, denn AMG weilte in Weidling und Steinacker in Klosterneuburg, in unmittelbarer Nachbarschaft also. So gab es auch andere Verbindungen AMGs in der Volkstumsbewegung wie z.B. zu dem ebenfalls in Klosterneuburg ansässigen PAUL SAMASSA.

In der Gestalt von GEORG TRAUTMANN in den „Glocken der Heimat“, vor allem aber in der „Götzendämmerung“ hat der Dichter dem Volkspolitiker E.Steinacker ein unverkennbares Denkmal gesetzt. Deutlich schält sich in der „Götzendämmerung“ das Gedankengut E.Steinackers heraus, offen schon darin zugegeben, daß in der Gestalt Georg Trautmanns immer wieder Lebenszüge des Abgeordneten hervortreten.

Auf Ersuchen des Akademischen Verlages Wien im April 1907 sollte AMG einen Roman über Ungarns Verhältnisse (!) zu Österreich schreiben. Voller Eifer reiste der Dichter für einige Tage (12. – 18. Mai) zwecks Gewinnung von Eindrücken nach Ungarn. Auf dieser Reise gelangte AMG auch in seinen Heimatort, wo er nach aufmunternden Worten zu den Bauern vor ungarischen Gendarmen flüchten mußte. Diesbezüglich hält LUDWIG ROGL [12] anekdotisch fest: „Belustigend wirkt die Verwirrung, die auch bei treuen ‚Patrioten‘ das ungarische Ortsnamengesetz anrichtet. Nach dem Bericht der ‚Südungarischen Reform‘ (22. Mai 1907) über die Jagd auf den ‚pangermanischen Giftmischer‘ floh M.-G. von Gutttenbrunn nach Temeshidekut, was aber nur der madjarische Name für G. ist.“

Seine Empörung über die in Transleithanien vorgefundenen Zustände finden in dem mit Wut und Zorn verfaßten Roman Götzendämmerung ( Ein Kulturbild aus dem heutigen Ungarn - als Untertitel) ihren Niederschlag, in dem neben der Trautmannhandlung zwei Nebenhandlungen eingeflochten wurden: Die Vorgänge im rumänischen Dorf Czibova wollen auf die Zustände bei der rumänischen Volksgruppe hinweisen und stehen im Zusammenhang mit der Haupthandlung, während die Handlung um den Rechtsanwalt BOLDOG selbständig ist.

Hier der unter dem Deckmantel des Patriotismus agierende Geschäftemacher, der es bis zum Minister bringt, indessen dort der selbstlose, seiner Heimat beraubte Patriot, der für das Wohl seines Vaterlandes (Donauregulierung im Torontaler Komitat zwecks Bannung der Überschwemmungsgefahr) keinen Einsatz scheut.

Die durch den Roman aufgedeckten Zustände in Ungarn lösten in der magyarischen Presse nach Erschienen des Buches eine Hetzkampagne gegen AMG aus, denn mit BOLDOG war der Rechtsanwalt GÉZA POLONYI, Justizminister, gemeint. In einer Beleidigungsklage des Ministers gegen den Abg. ZOLTÁN LENGYEL hat dieser in zehn Fällen die Vergehen des Politikers nachgewiesen: Bordellgeschäfte, Erpressung, Fälschung, Hehlerei, Meineid u.a. Eine zwielichtige Rolle spielte in der Presse die Baronin ROSA SCHÖNBERGER, über die POLONYI zugunsten der Unabhängigkeitspartei der Kossuthisten im kaiserlichen Umfeld politische Spionage und Beeinflussung – in der Götzendämmerung als NELLY BÁRDY – betrieb.[13]

In dem wohl bekanntesten, 1910 veröffentlichten Roman "Die Glocken der Heimat" geht es nicht mehr um den ungarischen Staat und seine Probleme, sondern um ein mit den Fluten der Donau und Theiß ringendes schwäbisches Dorf, das in diesem Überlebenskampf unterliegen muß, weil chauvinistischen Behörden die Entnationalisierung wichtiger ist als die Sicherheit seiner Staatsbürger. Das Romandorf KARLSDORF entspricht schilderungsgemäß dem Heimatort Guttenbrunn, doch tatsächlich handelt es sich um RUDOLFSGNAD und die Überschwemmungen des Jahres 1907, Ereignisse, die den Dichter auf einer Dampferfahrt nach Peterwardein bewogen, diese in einen Roman zu gießen: „Rudolfsgnad – Rudolfsgnad...von der Theiß und der Donau bedroht. – Der Kampf um die selbstgeschaffene Heimat...Ein herrlicher Stoff!“, so der Dichter.[14]

Im Roman läßt der alte Lehrer HECKMANN (eigentlich AMGs Lehrer in Guttenbrun), der seinen Beitrag zur Heranbildung einer einheitlichen ungarischen Nation verweigerte, kurz vor seiner Entlassung, als seine letzte Schulhandlung, die Kinder erstmals öffentlich, vor dem Schulinspektor, das Schwabenlied singen.

In der Strophe

„Wer mag den Schwaben fremd in Ungarn schelten?
Hier saß vor ihm der Türke, der Tatar.
Er will als Herr auf seiner Scholle gelten,
Ist Bürger hier und nicht Dein Gast, Madjar!“


wurde fürderhin mitunter das letzte Wort der vierten Versezeile durch fürwahr (!) ersetzt...

Durch die trianonische Dreiteilung des Banats wurde auch das Schwabentum zerrissen: bei den Schwaben im nachmaligen Jugoslawien hat sich das Lied als Volkshymne durchzusetzen vermocht; im rumänischen Banat wurde es wohl in Ehren gehalten, doch es setzte sich hier das Lied eines Siebenbürger Sachsen durch „Gruß an Deutschland“, das nach dem Ersten Weltkrieg und besonders aufgrund der zwischenkriegszeitlichen Vorgänge zur „Schwäbischen Hymne“ anvancierte.

Die Ungarndeutschen hielten sich neben ERNST IMRICHS „Seid gegrüßt, ihr deutschen Brüder!“ auch an JAKOB BLEYERs „Schwabenlied“, das AMGs Gedicht bis in wörtliche Anklänge hinein nahesteht.[15] Wenn die wahrscheinlich 1880 in Rudolfsgnad entstandene Melodie in vielen Dörfern des Banats als Volkslied gesungen wurde, zeugt das für seine Beliebtheit.[17] AMG beabsichtigte durch diesen Roman, den Schwaben ihr Selbstbewußtsein wiederzugeben.

PETER ROSEGGER schreibt AMG nach Erscheinen des Romans (Graz, 27.11.1910): „...Ihre Glocken der Heimat habe ich (trotz Krankheit ; Anmerk.: H.D.) lesen können, aber erst im nächsten, noch vor Weihnachten erscheinenden Heimgartenhefte kann ich meine Meinung darüber sagen. Jetzt will ich Ihnen nur von Herzen danken, daß sie dieses Buch geschrieben haben, dieses bedeutsame Buch, das in der ganzen deutschen Welt einen Schrei des Schmerzes und einen Ruf der Bewunderung auslösen muß...Mich deucht, es ist kein Buch, es ist eine That und sie müßte den Deutschen im Banat zu gute kommen...Und auf die Stirn, der Die Glocken der Heimat entsprungen, will ich einen dankbaren Kuß drücken.“

Der Verfasser erhält am 18. 2. 1911 für diesen Roman den Bauernfeldpreis von der 1894 gegründeten gleichnamigen Stiftung.
Das Interessante daran ist jedoch, daß E. Steinacker erst nach dem Erscheinen des Romans von der Verfasserschaft AMGs erfuhr. [16]
Mit Rudolf Brandsch, dem engagierten Verfechter einer Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Schwaben und Sachsen noch im alten Ungarn trat AMG erst 1910 in Briefwechsel. (Den Brief von R. Brandsch vom 13.8. 1910 beantwortet AMG am 18.8.1910.) Dieser Briefwechsel sollte nur vom Tode des Dichters unterbrochen werden. [17] Bereits im ersten Jahr seines Wiener Aufenthaltes schloß AMG sich an einige Studenten an, die er in einem studentischen Speisehaus kennengelernt hatte.

In späteren Jahren sandte der fast gleichaltrige Josef Gabriel d. Ä. aus Mercydorf AMG einige seiner ersten Mundartgedichte zu [18], während ein befreundeter Dorfschullehrer aus der Nähe von Temeswar ihm Dialektproben aus dieser Gegend zukommen läßt, was auf weitgehendes Interesse für Mundart und Volkstum schließen läßt. 1897 ging man dann in den Kreisen des Ungarländischen Deutschtums an die Schaffung eines publizistischen Mittelpunkts für die Belebung bzw. Wiederbelebung des (Donau-)Schwabentums. In diesem Sinne wandte sich Johann ANHEUER an AMG in Wien um Nachweisung eines geeigneten Redakteurs. Der Dichter verwies ihn an Edmund STEINACKER, von dem Anheuer nicht einmal wußte, ob er noch am Leben sei. [19] Das war der Anteil AMGs an der Gründung des „Deutschen Tagblattes“ in Ungarn.

Dieser Zeitung galt, seit 1903 fortgesetzt im „Deutschungarischen Volksfreund“ als einem Faktor der Deutschtumspflege im Banat, sein dauerndes Interesse. Der Dichter warb im Nov. 1908 in einem mit seinem Namen gezeichneten vertraulichen Rundbrief für die Rettung dieser Zeitung, die unterdessen das Organ der Ungarländischen Deutschen Volkspartei geworden war. [20] Der wirtschaftliche Ruin ihres Druckers gefährdete auch die Zeitung, die durch Übernahme der Druckerei mit finanzieller Unterstützung aus Österreich mittels Anteilscheinen gerettet werden konnte.

Doch tauchten neue Schwierigkeiten unter der Leitung des siebenbürgisch-sächsischen Dichters und Schriftstellers VIKTOR ORENDI-HOMMENAU auf, der sich den finanziellen Anforderungen nicht gewachsen zeigte. Auch diesmal nahm AMG ratend, helfend und warnend regen Anteil am Geschicke der Zeitung. [21]

Als Journalist wußte AMG die Wichtigkeit der Presse als wesentlichen Teil der volkserzieherischen und bewußtseinsbildenden Arbeit so zu schätzen, daß er schon sehr früh verschiedene deutschfreundliche Zeitungen Ungarns für seinen Zweck gewinnen konnte, was auch darauf hinzuweisen vermag, wie sehr er schon vor seiner „Götzendämmerung“ am Deutschtum in Ungarn interessiert war.

Es gab kaum in der bewußtseinsbildenden Arbeit tätige Personen, mit denen AMG nicht in engster Verbindung gestanden hatte; so war er auch in allen in diese Richtung agierenden Vereinen und Zirkeln quasi „zu Hause“, waren doch dies die Einzigen in diesen Belangen aktiv tätigen Pflegestätten des ungarländischen Deutschtums. Je mehr für AMG die engere Heimat wieder in sein akzentuiertes Betätigungsfeld rückte, desto mehr zog er sich allmählich von der Mitarbeit am „Deutschen Schulverein“ zurück, um sein Kräftepotential nicht zu verzetteln. Er ging sogar so weit und äußerte die Meinung, es sei z. B. Gedankenlosigkeit und Quertreiberei, für den Kalender des „Deutschen Schulvereins“, der doch nur die deutschen Belange in Cisleithanien vertrete, in Ungarn zu werben, wenn für die Deutschen in Ungarn ein eigener deutscher Volkskalender bestehe, der noch dazu erst in den Anfängen war und um seine Existenz zu ringen hatte. So äußerte sich AMG in seinem Brief vom 29.10. 1912 an Viktor Orendi-Hommenau. [22]
Nicht verschwiegen werden darf jedoch, daß der Dichter gerne aufklärende Vorträge in den Wiener Ortsgruppen des „Vereins zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn“ hielt. [23]

Besonders fruchtbringend wurde die Begegnung des Dichters mit der „Vereinigung deutscher Hochschüler aus den Ländern der ungarischen Krone in Wien“, mit der er von Anfang an intensiv zusammenarbeitete: „Zu einer Versammlung - es war im Winter 1900 – erschien uneingeladen ein älterer Herr, der sich als Edmund Steinacker, ehemaliger deutscher Abgeordneter in Ungarn, vorstellte. Er hielt eine Ansprache, und Adam Müller-Guttenbrunn war auch dabei... Nachdem sich zwei so gewichtige Namen an die Spitze der Bewegung gestellt hatten,...rührte es sich auch in der Heimat.“ [24]

Der Druck der Magyarisierungsbestrebungen wurde um die Zeit der ungarischen Jahrtausendfeiern (1896) mit besonders geistiger Brutalität geführt. Deshalb hatten sich immer mehr deutsche Studenten aus Ungarn der Wiener Uni zugewandt und dort einander kennengelernt. Im WS 1899/1900 wurde dann die „Vereinigung...“ gegründet. Von Anbeginn sind zwei Männer dazugestoßen und wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt - Steinacker und Brandsch. Sie erkannten sofort die Bedeutung der „Vereinigung...“ für den Überlebenskampf der Ungarndeutschen und blieben zeitlebens die treuen Mentoren der „VEREINIGUNG...“, zumal sich in ihrem Sinne sich auch die Arbeit und die weitere Entwicklung der „VEREINIGUNG...“ vollziehen konnte.

Schon mit ihrem Namen war die Einbeziehung aller deutschen Studenten aus Ungarn in die „VEREINIGUNG...“ gefordert, auch die der Siebenbürger Sachsen, die in Wien ihre eigene Verbindung – Verein der siebenbürgisch - sächsischen Hochschüler in Wien – unterhielten.
Durch die junge Generation sollte die erforderliche Einigung der Deutschen Ungarns erfolgen, sollte die Abspaltungs- und Absonderungspolitik der siebenbürgisch-sächsischen Abgeordneten überwunden werden, ein Ziel, für das Edmund Steinacker und Rudolf Brandsch kämpften, das AMG in seinem „Kleinen Schwab“ in so treffender Weise literarisch gegossen hat. Erst 1910 wurde in diesem kleinen aber wichtigen Vorhaben Erfolge verbucht: beim 10. Stiftungsfest der „VEREINIGUNG...“ am 8.3.1910 traten die Sieb. Sachsen geschlossen bei. So war es erstmals gelungen, in einer Körperschaft alle ethnischen deutschen Gruppen Ungarns zu einen. Die „Vereinigung...“ erfüllte schon dadurch einen großen Zweck, daß sie eine kommende leitende Schicht des Deutschtums vorerst lediglich zu 90% aus der ehemaligen Militärgrenze zu bewußter deutscher Haltung heranzog.

Mit dem Beitritt der Sachsen waren jedoch neue Aussichten für eine fruchtbare Zusammenarbeit aller Deutschen Ungarns eröffnet worden.
Bereits in den 80er Jahren war es ein Hauptanliegen AMGs gewesen, den Schwaben im Banat deutsche Mittelschulbildung und damit die Heranziehung einer deutschen Führungselite zu ermöglichen, ging doch die schwäbische studierende Jugend an magyarischen Schulen dem Deutschtum in Ungarn fast gänzlich verloren. [25]

In den Schriften des Dichters war gelegentlich die Idee aufgetaucht, nachdem die magyarische Schulpolitik deutsche Mittelschulen im Banat nicht zugelassen hatte, schwäbische Studenten an den siebenbürgisch - sächsischen Mittelschulen studieren zu lassen, was auch in seiner programmatischen Festrede „Die Einheit des Deutschtums in Ungarn“ [26] am 8. März 1910 anläßlich des 10. Stiftungsfestes der „Vereinigung...“ zum Ausdruck gebracht wurde. Im Verlauf des Jahres 1910 nahm das Vorhaben konkrete Formen an, nachdem auch von den zur Unterstützung infrage kommenden Vereinigungen bestimmte Zusicherungen verabschiedet worden waren und so die Gründung der Organisation erfolgen konnte.

Am 16.2.1911 erwuchs folglich auf Anregung AMGs aus den Reihen der „Vereinigung...“ ein „Deutsch - Ungarischer Kulturrat“. In einer nicht für die Presse bestimmten vertraulichen, von Stefan KRAFT, dem nachmaligen Vorkämpfer der Deutschen in Südslawien, unterzeichneten DENKSCHRIFT wurden die ( weiter oben erwähnten ) Ziele festgehalten. Die Mittel zu dieser „Deutsch-Ungarischen Schulstiftung“ flossen durchwegs aus dem Deutschen Reich. Von den privaten Spenden kamen vor allem solche vom Geheimrat KIRCHDORF. [27]

Zahlreiche – Statistiken befinden sich im Nachlaß von Edmund Steinacker – schwäbische Studenten konnten auf diese Weise unterstützt werden. Doch Krieg und Inflation bescherten den baldigen Untergang des Unternehmens. Das Ziel, deutsche Mädchen aus Ungarn und Siebenbürgern erziehen zu lassen, konnte somit keiner Verwirklichung zugeführt werden.

Die politische Entwicklung nach dem Ersten Weltkrieg ließ jedoch das Unternehmen wieder aufkeimen; auf anderer Grundlage baute Edmund Steinacker weiter an dem Vorhaben, den deutschen Volksgruppen im Südosten als „Südostdeutsche Schulstiftung“ eine Führungsschicht zu sichern, unter den neuen Gegebenheiten aber in der Beschränkung auf die Unterstützung der in Wien und Graz studierenden auslandsdeutschen Hochschüler. In AMGs Absicht stand es, dem Schwabentum eine führende Schicht sichern zu wollen. Deshalb sollte Schülern mit mangelndem Erfolg die Unterstützung entzogen oder diese an Gewerbe- und Landwirtschaftsschulen überwiesen werden. [28]
AMG warnte allerdings in Zeitungsartikeln und Vorträgen mitunter vor einseitiger Berufswahl: „Die allzuvielen Banater Friseure überschwemmen die Welt, aber für das Deutschtum im Banat selbst seien sie verloren. In allen Berufen sollten tüchtige, aufrechte Deutsche stehen.“ [29]

Darum begrüßte es auch der Dichter, als Markgraf PALLAVICINI von sich aus AMG mitteilen ließ, daß er (Pallavicini, Anm. H. D.) auf seinen ungarischen Gütern vier Stellen für akademisch gebildete Landwirte frei habe, die madjarisch sprächen, und rät Brandsch dringend, ähnliche Verbindungen, die sich diesem als ungarischen Abgeordneten leichter ergäben, auszunutzen. [30] AMG verfolgte diesen Gedanken, nachdem auch andere dem Beispiel des Markgrafen gefolgt waren. Die Sorge für die deutsche Erziehung und Erhaltung der Jugend ergeht auch daraus, daß der Dichter vor einem Projekt eines an sich verdienstvollen Schwaben – gemeint ist Johann ANHEUER – warnt, der in Temeswar ein deutsches Schülerheim zu gründen bemüht war: „Man braucht dort eine deutsche Schule. Gebt uns die und Ihr habt auch das Konvikt, antworte ich. Das ist eine wirtschaftliche Aktion der Herren und keine völkische! Die Leute, die solch ein Schülerheim brauchen, die können es sich auch errichten. Die Schulbehörde wird es dann so beaufsichtigen, wie die Szegediner Anstalt.“ [31]
 
 
Eine intensive Zusammenarbeit der verschiedenen deutschen Volksgruppen (VG) in Ungarn sollte dem Bestreben, den Schwaben eine Führungselite angedeihen zu lassen, eine tragfähige Basis sichern. Dieses Bewußtsein der Zusammengehörigkeit sollte schon der Jugend anerzogen werden. Dafür warb AMG in Gesprächen und im Briefwechsel mit den Siebenbürger Sachsen Dr. SCHULLER, LUTZ KORODI und RUDOLF BRANDSCH, damit in den dort gebräuchlichen Lesebüchern „harmlose Schilderungen von Fahrten zu den anderen Deutschen in Ungarn eingeflochten werden. [32]

Jugenderinnerungen werden in der Erzählung Der kleine Schwab (1910) aufgerollt, die, von einem Dorfschulzen erzählt, in die Hermannstädter Zeit des Dichters zurückführen: Als JOHANN MERGL gelangt der wegen der an der Temeswarer Piaristenschule einsetzenden Magyarisierungsmaßnahmen (2 Stunden Deutsch , 4 Latein, 16 Magyarisch) gescheiterte Bub nach Siebenürgen. AMG weilte in den Jahren 1867/68 in Hermannstadt. MERGLs Vater, ein Unternehmer, der allherbstens seinen Schnaps nach Siebenbürgen verkaufte und seinen Sohn zur sächsischen Schule bringt, kehrte von einer seiner Fahrten nicht mehr zurück. Auf der Suche nach den Mördern seines Vaters stößt der Sohn auf die Spur einer Zigeunerbande, die schlußendlich verhaftet wird. Der Sohn ist durch den Tod des Vaters zum Studienabbruch gezwungen: Er kehrt ins Bäuerliche zurück... Durch dieses Werk hat AMG einen Beitrag zum Solidaritätsgefühl in den problematischen Beziehungen zwischen Sachsen und Schwaben geleistet.

Parallelen zu MIHAIL SADOVEANUs Roman „BALTAGUL“ („Das Beil“) sind offensichtlich: auch hier findet VITORIA LIPAN die Spur der Mörder ihres Mannes, VASILE BACIU, eines ermordeten Hirten... Der Dichter war sich der volkspolitischen Bedeutung seiner Bücher bewußt, und sein Bemühen um ihre Verbreitung war von einem Gefühl der Selbstlosigkeit geprägt. Zwar hoffte er, daß „Götzendämmerung“, „Der kleine Schwab“ und „Die Glocken der Heimat“ allmählich eine Wandlung in den Auffassungen breiter Bevölkerungsschichten im Deutschen Reich bewirken werden, doch „ob die Bücher auch in der Heimat selbst zu wirken vermögen, weiß ich nicht. Im Banat sicherlich wenig. Da sind sie noch weit zurück.“ [33]

Deshalb dachte er vielmehr bei den Plänen für die Verteilung dieser Bücher an die Deutschen Ungarns. Jedes Dorf mit deutscher Bevölkerung in Ungarn sollte zwei-drei Bücher erhalten. Weiters sollten diese Bücher an Kasinos, Turn- und Gesangvereine, Lehrer, an Familien, aus den Studenten kommen, ebenfalls verschenkt werden. [34] Es ist anzunehmen, daß Hunderte von Exemplaren auf diese Art ins Banat und in die Hände zuverlässiger Leute gelangten und von diesen weiter verliehen wurden, so daß die Lektüre einen breitgestreuten Leserkreis zu erreichen vermochte.

AMG hatte nicht den Ehrgeiz, sich ins politische Kräftespiel seiner Zeit einzuschalten, obwohl es ihm an Verbindungen nicht mangelte. Er erkannte seine Aufgabe, und die bestand in der Aufrüttelung des Deutschtums in Ungarn mittels der Kraft seines dichterischen Wortes. Daß er auch Publizist, Theatermann u.a.m. sein konnte und wollte, beengte diese Tätigkeit in keiner Weise. Er war sich dessen bewußt, daß er durch aktives politisches Wirken kein Mißtrauen auf sein dichterisches Werk lenken durfte. Immerhin war ihm durch seine Freundschaft mit Persönlichkeiten wie Edmund Steinacker, dem großen Vorkämpfer der ungarländischen Deutschen im Parlament, und Josef KRISTÓFFY, dem Mahner zur Mäßigung im magyarischen Lager, der 1905/6 in dem nationalitätenfreundlichen Kabinett FEJÉRVÁRY als Innenminister fungierte, die beide Mitglieder des Kreises um Thronfolger Erzherzog FRANZ FERDINAND waren, politische Einblicke gegeben, die AMG natürlich sowohl publizistisch als auch dichterisch für seine volkspolitischen Gedanken zu verwerten wußte.

Dem engeren Kreis um Erzherzog FRANZ FERDINAND gehörte der Dichter jedoch nicht an. Zwar verzeichnete er in einer sich bei Adam THIM (Mistelbach) befindenden Notiz insgesamt 15 Begegnungen mit dem Thronfolger, wobei es in einigen Fällen um Einladungen als Theaterdirektor handelte, bei denen vermutlich auch AMG mitunter zu Wort gekommen sein dürfte. Gerade vom Thronfolger versprach sich AMG immer wieder eine gerechte Behandlung der Nationalitäten in Ungarn. [35]

In einem einen Monat nach der Ermordung des Thronfolgers Erzherzog FRANZ FERDINANDs veröffentlichten Artikel äußerte AMG die Meinung, daß sich Franz Ferdinand eine Wiederholung des Ausgleichs von 1867 in seiner wirklichen Absicht hätte erwarten lassen. [36] AMG bewegte sich also in Wien lediglich am Rande der großen Politik....

Nach dem Zusammenbruch von 1918 hatte AMG auch ein kurzes politisches Intermezzo: von seinen Freunden, die einen Mann mit klangvollem Namen benötigten, bedrängt, kandidierte AMG für die „Großdeutsche Volkspartei“ in einem für diese Partei bisher kaum zugänglichen Bezirk Wiens und konnte sich, wie er ironisch bemerkte „mit den Stimmen seiner Leser den Durchbruch schaffen...“
AMGs Hauptsorge als Parlamentarier war die Angliederung Westungarns, des sogenannten „Heinzenlandes“, an Österreich.
Bereits 1907 hatte der Vorsitzende des „Vereins zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn“, Prof. Josef PATRY, Deutsch-Westungarn für Österreich reklamiert [37] und diesen Gedanken seitdem nicht mehr aufgegeben.

Aufsehen erregte 1906 in der breiten Öffentlichkeit das Buch von AUREL POPOVICI „Die Vereinigten Staaten von Großösterreich“ [38], in dem der Verfasser für die Erhaltung der Doppelmonarchie durch Umstrukturierung des Habsburgerreiches in Bundesländer auf der Gundlage der Sprachgebiete eintrat, was eigentlich auf den 1848/49 vorangegangenen Plan der Gliederung Ungarns in nationale Kronländer zurückgriff. Ähnliche Umgestaltungsabsichten nach den Ideen von AUREL POPOVICI, KARL RENNER, dem späteren so bedeutenden Politiker der Ersten und Zweiten Republik Österreich, hegte auch der österreichischeThronfolger EHZ FRANZ FERDINAND, ein wesentliches Motiv für seiner Ermordung 1914 in Sarajewo.

Welche Rolle dem sich in diesem Dunstkreis bewegenden AMG zukam, ist nicht genau bekannt: aus seinem Tagebuch fehlen die Blätter mit den Eintragungen vom August 1911 bis Dezember 1914. Auch der Angliederungsgedanke Westungarns an Österreich war nicht neu, denn schon 1907 hatte der Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn, Prof. JOSEF PATRY, Deutsch - Westungarn für Österreich reklamiert [39] und beharrte, sich auf historische Komponente berufend, auf der Idee (erscheint bereits 1754 in einer Ausarbeitung, mit der Niederösterreich jene Gebiete Westungarns beanspruchte, die ab 1445 rund 200 Jahre unter seiner Verwaltung gestanden waren), daß ganz Westungarn bis zur Raab und die beiden Schüttinseln zu Österreich kommen sollten. [40]

Im Jahre 1916 überwarf er sich sogar mit AMG, als er diese Frage wieder einmal in einer Vereinssitzung zur Debatte brachte. AMG vertrat die Meinung, daß eine derartige Einmischung in die Politik den Verein gefährden und so sein volkserzieherisches Ziel vereiteln könnte. [41]

Als die Monarchie jedoch auseinander gebrochen war, konnte der Dichter seine diesbezügliche Zurückhaltung aufgeben, so daß es im November 1918 zu einem Treffen in Wien lebender Führer der deutschen Bewegung in Ungarn, Edmund STEINACKER, AMG, Stefan KRAFT, Reinhold HEEGN u.a. gekommen war, bei dem über das Los des ungarländischen Deutschtums beraten wurde. Es wurde der Beschluß gefaßt, den Versuch wagen zu wollen, das geschlossene deutsche Sprachgebiet von Westungarn für Österreich zu gewinnen. Lediglich E. STEINACKER schloß sich aus, weil er wie Jakob BLEYER [42] den Stadtpunkt vertrat, eine derartige weitere Schwächung des ungarländischen Deutschtums eine völlige Preisgabe der bei Ungarn verbleibenden Deutschen bedeuten würde.

Die massive Agitationsarbeit hinsichtlich der Angliederung des Burgenlandes wurde hauptsächlich von der Ortsgruppe „Deutsche Landsleute aus Ungarn“ des „Vereins zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn“ [43] getragen, also NICHT von außen her, im Gegenteil: die österreichischen Stellen hatten selbst dann noch bedenken, das Land von Ungarn in Anspruch zu nehmen, als es ihnen im Vertrag von St. Germain zugesprochen worden war.

Unter der Obmannschaft des Ödenburger Prof. Dr. Alfred WALHEIM erreichte das Agitationskomitee in Presseaufrufen und Volksversammlungen, durch wiederholte Vorsprachen von Delegationen bei österreichischen Regierungsstellen und, vor allem, bei den diplomatischen Vertretungen der GB, F, USA, daß die Notwendigkeit der Einverleibung dieses Landes allgemein eingesehen wurde.

Der nunmehrige Nationalratsabgeordnete AMG unterstützte diese Bestrebungen auf das lebhafteste. Er verfaßte selbst eine in drei Auflagen erschienene Flugschrift „Wohin gehört Westungarn?“ (3.Aufl. 1919), die die historischen, ethnischen und ökonomischen Gründe für die Angliederung darlegte. In Versammlungen, vor allem aber als parlamentarischer Sachbearbeiter für das Burgenland war er äußerst aktiv tätig.

In einer im Februar 1920 gehaltenen Parlamentsrede wandte sich AMG gegen den vom Bundeskanzler Dr. Karl RENNER auf ungarischen Vorstellungen erwogenen Plan, [44] in eine Volksabstimmung in Westungarn einzuwilligen, nachdem selbst das Diktat von St. Germain das Gebiet bedingungslos Österreich zugesprochen hatte. Den dafür versprochenen wirtschaftlichen Zugeständnissen an Österreich tritt AMG nicht mit wirtschaftlichem Gegenargument des vergrößerten Hinterlandes für Wien entgegen, sondern weist lediglich hin auf die Unterdrückung der deutschen Minderheiten seit vielen Jahrzehnten, auf die drastischen Wahlmethoden auch bei den Wahlen nach dem Zusammenbruch und läßt vor allem in rhetorischer Diktion den ideellen Beweggrund sprechen. Er schilderte, wie alle Nationalitäten Ungarns nach dem Zusammenbruch dorthin strebten, wohin sie hingehörten. Dem Dichter ging es darum, das an der Grenze mehrheitlich von Deutschen bewohnte Land dem binnendeutschen Sprachraum zuzuführen, denn zu nah zurück lagen noch die Zeiten der ethnischen Integrationsbestrebungen im transleithanischen Teil der ehemaligen k.u.k. Monarchie.

AMG gilt als geistiger Pate des Namens Burgenland. „...Komitate PRESSBURG, ÖDENBURG, WIESELBURG UND EISENBURG. Es fällt auf, daß in jedem dieser deutschen Namen eine BURG enthalten ist“ [45] In mehreren Parlamentsreden und Aufsätzen rechtfertigte der Dichter die Einverleibung des Burgenlandes, beklagte aber mitunter, daß er zu alt sei, um Berufspolitiker zu werden, denn er wolle auch als Nationalratsabgeordneter das bleiben „Was ich immer gewesen bin: ein deutscher Schriftsteller, der nie etwas Höheres kannte, als für sein Volk zur wirken“ [46]

Bereits im August 1920 legte er aus Resignation vor der Macht des Parteigedankens (– welch edler Charakter!) – sein Abgeordnetenmandat zurück. Nach seinem Rückzug aus der Politik erlitt der Dichter im November 1920 zwei asthmatische Anfälle; ab diesem Zweitpunkt war er seiner Arbeitsfähigkeit beraubt. Dank seines ungebrochenen Arbeitswillens und eiserner Disziplin schaffte er aber eines noch: das als sein politisches Vermächtnis geltende Schwabentestament bestehend aus 21 Maschinschreibseiten, das der Dichter im April 1922 in Weidling (heute Klosterneuburg / NÖ, am Nordrand Wiens), bereits von der Krankheit gezeichnet, diktiert hatte.
FERDINAND ERNST GRUBER 1958 veröffentlichte dieses Testament [47] erstmals aus dem Nachlass des Dichters fast vier Jahrzehnte nach dessen Niederschrift.

Obwohl AMG in zahlreichen Novellen, Erzählungen und Romanen Themen aus der Geschichte des Banats, der Donauschwaben und/oder des pannonische Raumes behandelt ( Die Magyarin, Götzendämmerung, Der kleine Schwab, Die Glocken der Heimat, Schwaben im Osten, Der Große Schwabenzug, Meister Jakob und seine Kinder), fußt die Gesamtproblematik seiner Werke in ihrer Themenvielfalt auf mitteleuropäischer Grundlage und ist daher berechtigterweise als eine gesamtösterreichische anzusehen. Werke wie Trost- und Trutzbüchlein der Deutschen in Österreich, Im Jahrhundert Grillparzers, Das Raimundtheater, Aus Polenkreisen, Die Dame in Weiß, Arme Komödianten, Es war einmal ein Bischof, Österreichs Beschwerdebuch, Altwiener Wanderungen und Schilderungen, Wiener Historien, die Romantrilogie Von Eugenius bis Josephus. Ein deutsches Jahrhundert in Österreich (1. Der Große Schwabenzug, 2. Barmherziger Kaiser, 3. Joseph der Deutsche), die Lenau -Trilogie (Sein Vaterhaus; Dämonische Jahre ; Auf der Höhe) veranschaulichen die breitgefächerte Beschäftigung AMGs in seinem schriftstellerischen Schaffen. So gesehen, geschieht AMG Unrecht, wenn man ihn lediglich unter die donauschwäbischen Heimatdichter einreihen wollte, denn die in seinen Werken behandelte Thematik überschreitet bei weitem die Belange donauschwäbischer Siedlungsgebiete, ist gar ein gesamteuropäisches Spiegelbild gewaltiger Umwälzungen des 18. und 19. Jahrhunderts mit ihren wirtschaftlichen, politischen, ethnischen, religiösen und kulturellen Begleiterscheinungen, eine literarische Sammlung von Geschichtebüchern im wahrsten Sinne des Wortes.

Wer von Soziologie als moderne Wissenschaft des 20. Jahrhunderts zu sprechen versucht ist, täte gut, AMGs Bücher zu lesen, um schlußfolgern zu können, daß uns der Dichter eine reichhaltige soziologische Fundgrube hinterlassen hat. In der Dekade 1911-1921 schuf der Dichter seine meisten Romane; als sein reifstes und schönstes Werk bezeichnet die AMG-Forschung seinen donauschwäbischen Familienroman mit autobiographischem Charakter "Meister Jakob und seine Kinder".

Zwar sind die agierenden Personen aus der Erinnerung des Dichters verständlicherweise mit Namensänderungen bedacht worden, doch in der Gestalt des Meister Jakob ist Wagnermeister MÜLLER, der Großvater des Dichters, und in SUSI WEIDMANN die Mutter des Dichters auszumachen.

Der Roman bietet ein Spiegelbild dörflichen Lebens mit all seinen wohl nur für Mitglieder der Dorfgemeinschaft nicht aber für Außenstehende zu unterscheidenden Nuancierungen, die im ruralen Milieu als Alltag oder außeralltäglich erscheinen. AMGs „volkspädagogische Absicht tritt naturgemäß hier nicht so deutlich, vor allem nicht so aufdringlich wie in den beiden anderen Heimatbüchern“ in den Vordergrund. [48]

Die glasklare, unschwer durchschaubare Handlung erwächst den Kindheitserinnerungen des Dichters und birgt einiges an überlieferungswürdigen Brauchtumsschilderungen: Maibaumsetzen, Kirchweihbräuche, die „Klatta“ - d. i. die freiwillige und unentgeltliche Nachbarschafts- und Verwandtschaftshilfe beim Hausbau usw. Man könnte diesen Roman als schriftliches Fotoalbum einer Familie wie der gesamten Dorfgemeinschaft einstufen.

Den vielseitigen Bestrebungen, mit allen erdenklichen Mitteln den Schwaben im Osten Minderwertigkeitsgefühle einzuimpfen und deren nachweisbare Pionierleistungen unter fremden Völkern zunichte zu machen, setzte AMG seine große Romantrilogie "Von Eugenius bis Josephus. Ein deutsches Jahrhundert in Österreich" (1. Der Große Schwabenzug, 2. Barmherziger Kaiser, 3. Joseph der Deutsche) insbesondere in "Großer Schwabenzug" entgegen - eine literarisch gestaltete Geschichte der Schwaben, ihrer Herkunft, die gefahrvollen Donaufahrten auf den „Kehlheimer Pätten“ und „Ulmer Schachteln“ hinunter ins ferne Ungarlande, der Kampf gegen Unbillen der Natur und mit dem „Ausbeutergesindel“ in Pest, die Fußfassung in der neuen Heimat usw. Die ständige Existenzbedrohung und der Stolz der Menschen, ihrer Herkunft bewußt, schweißt Gemeinschaften zusammen.
Dem Dichter war es dank gründlichen Quellenstudiums in Wiener Archiven und durch Anregungen aus den volkskundlichen Arbeiten von WILHELM WETTEL, von denen AMG in seiner Karte vom 13. 2. 1917 an G. C. STEIN (Graz), betreffend Banater Gestalten aus dem Roman Joseph der Deutsche, spricht, gelungen, ein historisch objektives Bild der Geschehnisse mit dem Grafen FLORIMUNDUS MERCY, dem Organisator im Banat, im Mittelpunkt, in Prosa zu fassen.

Der Roman "Barmherziger Kaiser" setzt diesen in früheren Werken begonnenen roten Faden fort und präsentiert das Banat als kaiserliche Kronprovinz sowie die Bindung an die Kaiserstadt: Banater Söhne der Folgegeneration(en) studieren in Wien, um als spätere Ärzte und Rechtsanwälte ihrer Heimat dienlich sein zu können. Im Roman wird der Entwicklungsprozeß der neuen Provinz Banat eindrucksvoll beleuchtet, wobei der Schriftsteller auch die Banat - Reisen Kaiser Josephs II in die Handlung einbindet. Zudem wird dem interessierten Leser ein aufschlußreicher Einblick in das josephinische Wien, in die Szenerie der Literaturcafés und Salons der kaiserlichen Hauptstadt gewährt.

Viele Literaturhistoriker sehen in der Lenau Trilogie Das Dichterherz der Zeit (Sein Vaterhaus, Dämonische Jahre und Auf der Höhe) als Spätwerk AMGs den literarischen Höhepunkt seines Schaffens; vermutlich ist es das Thema um die Person des unglücklichen Dichters NIKOLAUS LENAU, auf den die Banater Anspruch als einen der Ihren erheben.

AMGs Werke waren während der Zeit der Doppelmonarchie in Ungarn verboten; nach 1918 änderte sich vorerst die Situation um das Erscheinen seiner Arbeiten im donauschwäbischen Siedlungsraum, wo sie außerordentlich rasche Verbreitung fanden und das in großer Zahl.
Selbst im von Revolutionswirren heimgesuchten Ungarn, wo der alte magyarisierungsbestrebende Kurs der Regierung nicht mehr wirken konnte und die Tätigkeiten von deutscher Seite sehr rührig waren, wurde im donauschwäbischen Siedlungsraum Ungarns die ungehinderte Verbreitungs AMGs Bücher rasch ermöglicht.

Doch bald nach 1918 sollte sich das Blatt wieder wenden: Die ungarischen Behörden begannen erneut mit der Beschlagnahmung von AMGs Werken [49], was wiederum ein Beweis für die zahlenmäßig große Verbreitung seiner Bücher bedeutete, und selbst in gemäßigten Kreisen, wie z.B. in der „Landpost“ vom 8. November 1925 (Pécs-Fünfkirchen), stieg die Kritik an der Person und am Wirken AMGs.
Erstaunlich war auch die Haltung Jakob BLEYERs, des seit 1921 mehr und mehr zum anerkannten Führer des ungarländischen Deutschtums aufgerückten, zu AMG, zu dem er nicht das richtige Verhältnis finden konnte, obwohl beide noch im Jahre 1917 in Verbindung getreten waren. [50] Jakob Bleyer ließ AMG einige seinerAufsätze zukommen, für die sich der Dichter in lobenswert anerkennender Weise bedankt hatte. Doch diesem Briefwechsel erwächst bereits die Skepsis, daß von einem wirklichen Einvernehmen nicht die Rede sein könnte. Bleyer scheint im Begleitschreiben seiner Sendung AMG freimütig als Gegner bezeichnet zu haben,während AMG der Fehler unterlaufen ist, daß er das gemäßigte Programm Bleyers auf Verstellung verdächtigte. Bleyer stellte bzw. kannte jedoch keine anderen Forderungen als die von ihm in jenem Schreiben vertretenen.

Aus den beiden erhaltenen Briefen AMGs an Jakob Bleyer (vom 26. Sept. 1917 u. 3. Okt.1918) kann festgestellt werden, daß dieser von einem richtigen und bemerkenswerten Instinkt geleitet, die volkspolitische Größe Bleyers vorausgeahnt und ihn sichtlich nicht mit rauhen Händen angepackt hatte. „Wenn man weiß, wie sehr Bleyer am Anfang seiner volkspolitischen Tätigkeit gerade von der Seite bekämpft und abgelehnt wurde, mit der er sich später auf Grund seiner Entwicklung zusammenfand, muß man in diesem vorausschauenden Fingerspitzengefühl des Dichters einen neuen Beweis für sein volkspolitisches Einfühlungsvermögen erblicken. Bleyer selbst anerkannte die dichterischen Fähigkeiten AMGs, die Kraft seiner Persönlichkeit, hielt aber von ihm, daß er seiner Heimat entfremdet sei, zu ihr also nicht mehr das richtige Verhältnis finden könne. Seine Romane seien daher nicht in allem richtig, sie seien zu scharf, daher von der Regierung verboten.“ [51]
 

 

Sozial- , Kultur- und Volkspolitiker 

 
Nach den literarischen Erfolgen mit seinen Romanen Götzendämmerung und Die Glocken der Heimat schickte sich AMG erneut an, einen Volkskalender für „seine“ Schwaben herauszugeben. AMG suchte dafür einen Redakteur im Banat und erwog, zunächst MICHAEL KAUSCH, später JAKOB STEIN ( alias FRANZ FELD) die Aufgabe zu übertragen, doch beide sagten ab. Der Dichter gab den Kalender schießlich unter dem Pseudonym VETTER MICHEL – wohl eine Tarnung vor den magyarischen Behörden – anfänglich selbst heraus, eine mit dem Prädikat besonders wertvoll einzustufende Leistung des Dichters.

Aufgrund pekuniär - inflationär bedingter Schwierigkeiten nach dem Ersten Weltkrieg mußte AMG die Herausgabe 1918 einstellen und übertrug sie 1920 dem Deutsch-Schwäbischen Kulturverband in Temeswar. Nicht nur wegen seines didaktisch-erzieherischen, sondern nicht minder wegen seiner literarischen Beiträge beachtet, ist AMGs Herausgabe des Volkslesebuches Der schwäbische Hausfreund (1912), in dem trotz aller sich dem Herausgeber aufbäumenden Hindernisse namhafte Mitarbeiter wie z.B. LUDWIG ANZENGRUBER, PETER ROSEGGER, ELLA TRIEBNIGG, OTTO ALSCHER, EDMUND STEINACKER, RUDOLF BRANDSCH, EMIL NEUGEBOREN, VIKTOR ORENDI – HOMMENAU, JOSEF GABRIEL d. Ä., NIKOLAUS SCHMIDT, AMG selbst u.a. in einer den breiten Volksmassen verständlichen Sprache gehaltenen Beiträge die Leserschaft erfreuten, was verständlicherweise dem Buch einen großen Erfolg bescherte, galt es ja immerhin und immer noch, das Volksbewußtsein und den Stolz auf die kolonisatorischen Leistungen der Schwaben in einer Zeit zu bestärken, als die magyarische Gegenpropaganda von Herbeigelaufenen und Geduldeten die Entwürdigung der schwäbischen Bauern zu betreiben in vollem Gange war.

AMGs engagierte Kulturpolitik wurde von den Wienern vielfach gewürdigt: Er stand in Verbindung mit Männern, die für das Deutschtum in Ungarn kämpften, ebenso mit donauschwäbischen Bauern. In Wien regte AMG die Schaffung des Wiener Volksbildungsvereins (der heutigen Volkshochschulen) sowie der Volksbüchereien an (siehe seine volkserzieherischen Maßnahmen als Theaterdirektor!): am 22.1. 1887 fand die Konstituierende Versammlung des Zweigvereins Wien und Umgebung des Allgemeinen NÖ Volksbildungsvereins statt, zu deren Gründungsmitgliedern AMG, EDUARD LEUISCHING, MICHAEL HAINISCH, EMIL FÜRTH und ALEXANDER PECZ gehörten.

Im Jahre 1897 wurde von verschiedenen Kreisen versucht, AMG für die seit 1895 bestehende Wiener Schriftsteller-Genossenschaft zu interessieren. Der Dichter forderte die Schaffung eines Allgemeinen Österreichischen Vereins, weil der Journalisten - und Schriftstellerverein CONCORDIA, dem AMG als Mitglied angehörte, eine auf Wien beschränkte Organisation war. So wurde im Februar 1897 die "Deutsch–österreichische Schriftsteller-Genossenschaft" gegründet, zu deren erstem Präsidenten AMG bestellt wurde. Drei Jahre später legte der amtsmüde Dichter diese Funktion zurück, wurde aber zum Ehrenmitglied der Genossenschaft ernannt.
 

 

Leidenschaft und Schicksal: das Theater 

 
Über seine Begegnung mit LAUBE schreibt AMG in seiner 1918 (in Leipzig und Wien) erschienen Publikation "Österreichisches Literatur-und Theaterleben" folgendes: „Man gab mir ohne meine Zustimmung den Namen Adam, dessen ich mich 28 Jahre lang schämte. So alt war ich nämlich (also im Jahre 1880; Anmerkung H.D.), als ich mit HEINRICH LAUBE persönlich bekannt wurde, und da ich mich bis dahin selbst auf meinen Büchern bloß Müller aus Guttenbrunn nannte, so fragte Laube eines Tages: ‚Wie heißen Sie denn eigentlich?‘ Ich war über die Frage ganz erstaunt. Wie ich heiße...? ‚Nun ja‘ - Sie müssen doch einen Namen haben?‘ Darauf antwortete ich verschämt: Adam. ‚Oh!‘ sagte der Alte. ‚So heißt niemand.‘ Wir lachten herzlich und, weiß Gott, von diesem Tage an gefiel mir mein Name, und ich habe ihn seitdem nie wieder unterdrückt.“

Den Durchbruch schaffte er jedoch 1881 mit dem Stück Des Hauses Fourchambaults Ende. Dazu äußerte sich der Dichter in Das Wiener Theaterleben (Leipzig und Wien 1890) wie folgt: „Jetzt war ich am Ziel – und jetzte krachte das Wiener Stadttheater in allen Fugen, Laube trat für immer vom Schauplatz. Das war einer der härtesten Schläge, die mich getroffen haben. Laube schrieb mir für Des Hauses Fourchambaults Ende ein Vorwort, er ließ sich Im Banne der Pflicht widmen zum Zeichen, daß er auch dieses Stück aufgeführt hätte. Er schrieb sogar ein Lustspiel mit mir, aber auf seine werktätige Förderung auf dem Theater mußte ich für immer verzichten. Und einen Mann seinesgleichen habe ich im ganzen Bereiche des deutschen Theaters nicht mehr gefunden. Ich schrieb Stück um Stück – umsonst! Und eines Tages warf ich die Leier zu Boden, ging unter die Novellen- und Zeitungsschreiber, unter die Kritiker; da erntete ich Lob und Beifall und mein Schreiben ist seitdem ein öffentliches Wirken geworden in Wien. Ich konnte meine Amtsstellung aufgeben und wurde Feuilleton-Redakteur der ‚Deutschen Zeitung‘.“

Seine durch die erfolgreiche dramatischen Tätigkeit erwiesene Kompetenz sowie seine durchschlagende Wiener Theaterkritik verhalfen AMG am 1.10.1893 zur Übernahme der Direktion des errichteten RAIMUND – Theaters, dem er bis zu seiner Suspendierung im Februar 1896 vorstand. Es war schon lange AMGs künstlerisches und kulturpolitisches Ziel gewesen, ein Volkstheater „auf österreichischer Grundlage zu gründen, und so konnte unser Dichter im ‚Mariahilfer Burgtheater“ [52], wie Kritiker das RAIMUND –Theater zu bezeichnen pflegten, seinen Traum verwirklichen.

Intrigen und subversives Betreiben gutbetuchter Mitbesitzer, die unentwegt in die dramaturgischen Belange der Theaterleitung Einfluß zu nehmen bestrebt waren, bewirkten bei der Ausschußabstimmung - 671 Aktien von 60 Personen gegen 616 Aktien von 340 Personen [53] die Entlassung des Theaterdirektors. Doch seiner Kampfnatur zufolge gab AMG nicht auf: Er übernahm am 14.12.1898 als Pächter das KAISER-JUBILÄUMS-STADTTHEATER (heute VOLKSOPER), wobei in der Eröffnungsvorstellung KLEISTs „Hermannsschlacht“ (1899 erschien eine Bühnenbearbeitung des Dramas mit einer Einleitung von AMG) gegeben wurde.

Im Jahre 1903 kam dann zum zweiten Mal das Aus für den Theaterdirektor AMG, der sich trotz dieser widrigen Umständen um das Wiener Theater besonders verdient gemacht hatte. Auf ihn geht die Einrichtung von Schülervorstellungen an Samstagsnachmittagen zurück, die, vom RAIMUND-Theater ausgehend, bald auch an anderen Wiener Bühnen Schule machten. So fällt AMG die Rolle des geistigen Schöpfers des Wiener „Theater der Jugend“ zu, dem heute noch eine außerordentliche Bedeutung in der künstlerischen Erziehung der Jugend zugestanden werden muß.

Als Theaterdirektor handelte AMG im Sinne Schillers - Theater als Erziehungsmittel - und gestaltete den Spielplan indem er „sein Theater“ als eine Bildungsanstalt für das Volk sah, den Zuschauern aus bescheidenen Bevölkerungsschichten „durch 30 -Kreuzer-Sitzplätze“, 300 an der Zahl, [54] den Theaterbesuch ermöglichte. Er bevorzugte entgegen bisheriger Gepflogenheiten, überwiegend französische und italienische Stücke auf den Spielplan zu setzen, eine deutsche Volksbühne mit Klassikern zu präsentieren.

Weil die Gründung des KAISER–JUBILÄUMS-STADTTHEATERs ohne die Beteiligung gewisser Wiener Kulturkreise erfolgt war, wurde seitens dieser das Haus als Parteitheater LUEGERs [55] abgestempelt. Infolgedessen wurde AMG besonders nach dem Zweiten Weltkrieg Antisemitismus vorgeworfen. Tatsächlich verteidigte sich der Dichter gegen seine Widersacher in kulturellen Belangen, und weil viele diese Gegner Juden waren, versuchte man AMG als Antisemiten zu brandmarken. Der durch AMGs Tätigkeit als Theaterdirektor am KAISER–JUBILÄUMS-STADTTHEATER entstandene Schuldenberg bewog den Dichter, ab 1903 wieder den journalistischen und schriftstellerischen Weg einzuschlagen, galt es doch, sich von seinen angehäuften Schulden freizuschreiben.
 

 

Kritiker, Journalist , Feuilletonist .... 

 
Im Oktober 1882 reiste AMG als Mitarbeiter der Münchner „Allgemeinen Zeitung“ und der Wiener „Deutschen Zeitung“ nach Guttenbrunn: Er hatte seine Heimat wiederentdeckt...

Unter dem Pseudonym FIGARO veröffentlichte er ab November 1883 als ständiger Mitarbeiter theaterkritische Aufsätze in der „Deutschen Wochenschrift“, und seit dem 10. Mai 1886 mit HEINRICH FRIEDJUNG, Redakteur an der Wiener DEUTSCHEN ZEITUNG, und ab Februar 1907 arbeitete der Dichter dann auch für die WIENER ZEITUNG. Unter dem Titel Gegen den Strom (Flugschriften) setzte sich die von AMG gegründete „Literarisch-künstlerische Gesellschaft“ für die Reform des Wiener Kulturlebens ein. Aufsehen erregte seine Studie „Wien war eine Theaterstadt“ (Heft 2/1884), was als nachhaltigen Erfolg die Gründung des „Deutschen Volkstheaters“ (heute: VOLKSTHEATER) bedeutete; eine weitere kritische Schrift (Heft 9) „Die Lektüre des Volkes“ führte zur Entstehung des WIENER VOLKSBILDUNGS-VEREINS (1887), in dessen leitender Funktion AMG über viele Jahre erfolgreich tätig war.

Im Nachlaß des Dichters fand FERDINAND ERNST GRUBER [56] ein Manuskript unter dem Titel: „Im Volksbildungsverein“. Darin schilderte AMG aufschlußreich das Volksbildungswesen zu Ende der achtziger Jahre: „Wie sich die Wiener Theaterenthusiasten durch Anstellen den Eintritt in das Burgtheater erzwingen, so stellen sich heute die bildungsbeflissenen Elemente der Vororte bei den Freibüchereien an, um nur ja das Buch zu erhalten, auf das sie es besonders abgesehen haben... Ein unermeßlicher Strom des Schönen, des geistig Erhebenden, des Nützlichen und Vernünftigen ergießt sich gerade in jene Kreise, die vor der Errichtung dieser Büchereien solcher Wohltaten gänzlich entbehrten... Es sei ein Bildungshunger in den Massen des Volkes vorhanden, den zu befriedigen und noch weiter zu steigern, eine gar herrliche Aufgabe für die Wiener Volksbildungsfreunde geworden ist.“

Seit 1886 redigierte AMG den Kalender „Das literarische Jahrbuch des Deutschen Schulvereins“. Mittlerweile war sein literarischer Ruf so bedeutend geworden, daß die Leipziger Monatszeitschrift „Die Gesellschaft“ sein Bild samt autobiographischer Skizze sowie eine detaillierte Studie über den Dichter veröffentlichte. [57] Nach seiner am 7.8.1886 erfolgten Vermählung mit der Hauptmannstochter ADELE KRUSBERSKY wurde 1887 Sohn HERBERT geboren, dessen Frau ÄNNE FRITSCHE, die Schwägerin des späteren Leipziger Müller – Guttenbrunn - Verlegers ALFRED STAACKMANN, dem Schwiegervater wohl zu dessen Veröffentlichungen in Leipzig eine nicht unwichtige Verbindung geknüpft zu haben scheint.

Weit zurückgreifend, gelang AMG der literarische Durchbruch mit dramatischen Werken (Im Banne der Pflicht und Des Hauses Fourchambaults Ende), durch die er auch als erfolgreicher Bühnenschriftsteller mit HEINRICH LAUBE in Verbindung geraten war und dessen Freundschaft gewonnen hatte. Doch 1888 gab der Dichter gemeinsam mit GUSTAV PAWIKOVSKY das Trost- und Trotzbüchlein der Deutschen in Österreich (man denke hier an den cisleithanischen Teil der Doppelmonarchie) heraus, eine Sammlung von Gelegenheits-Gedichten von ROBERT HAMMERLING, FELIX DAHN, LUDWIG ANZENGRUBER, EDUARD von BAUERNFELD, PAUL HEYSE, GOTTFRIED KELLER, FRIEDRICH SPIELHAGEN, ERNST von WILDENBRUCH, FRANZ GRILLPARZER u.a.

Wenn in diesem Band mehrheitlich das österreichische Gesamtdeutschtum (bezogen auch die ehemalige k. u. k. Monarchie) zu Wort gekommen ist, so beschränkt sich die auf Veranlassung des Heilbronner EUGEN – SALZER - Verlages (Schwaben im Osten. Ein deutsches Dichterbuch aus Ungarn, Heilbronn 1911) herausgegebene Gedichtsammlung auf das ungarländische Deutschtum. In der Einleitung weist der Herausgeber AMG darauf hin, daß im Ungarlande „mehr Schwaben als im ganzen Königreich Württemberg“ [58] leben und daß durch die Magyarisierung den Deutschen ein kulturelles Eigenleben unmöglich gemacht werde: „Der Stamm blüht, aber die Früchte fallen größtenteils in einen fremden Garten“ [59]

In dieser Sammlung erschienen Gedichte von NIKOLAUS LENAU, JAKOB STEIN (Pseudonym: FRANZ FELD /nach dem Ort Franzfeld/), OTTO KRAUSE u.a. Sie bezweckte, im binnendeutschen Sprachraum zu zeigen, daß auch im Südosten kulturell Wertvolles von einer unter mißlichen Umständen lebenden Gemeinschaft geschaffen wird.

Nach der KAISER – JUBILÄUMS - STADTTHEATER – Pleite von der Öffentlichkeit wie von der Presse vielseits geächtet, nahm AMG das Angebot EDUARD PÖTZLs, des Feuilletonredakteurs des NEUEN WIENER TAGBLATTES, an und veröffentlichte ab Juni 1904 unter dem Pseudonym IGNOTIUS regelmäßig seine Feuilleton-Beiträge (insgesamt ca 400). Gleichzeitig schrieb er auch für den PRESSBURGER GRENZBOTEN, und ab 1. 4. war ausgerechnet der durch seine Kindheit geprägte, selten lachende AMG Chefredakteur der humoristisch-satirischen Zeitschrift DER LIEBE AUGUSTIN, und ab Februar 1907 arbeitete der Dichter dann auch für die WIENER ZEITUNG.

Als Publizist beweist AMG Geschick, Sachlagenkenntnis und ein Gespür für das Praktische. Sein Verdienst ist es, unter anderem als erster aus dem donauschwäbischen Siedlungsgebiet als Schriftsteller und Dichter im umfassenden Sinn des Wortes hervorgegangen zu sein.
 

 

Ehrungen als späte Ernte 

 
Nachdem die Stadt Wien AMG bereits zum 60. Geburtstag (1912) für die historische Sammlung der Stadt durch den akademischen Maler Swoboda porträtieren ließ – das Bild (Inventar-Nr. 38 222) befindet sich im Depot des „Historischen Museums“, -wurde dem Schrifsteller am 6. 11. 1922 „in Anerkennung seiner hervorrragenden Verdienste um das deutsche Schrifttum“ (Neues WienerTagblatt vom 8.11.1922) das Ehrendoktorat der Philosophischen Fakultät der Universität Wien verliehen: „Den Professoren der philosophischen Fakultät der Wiener Universität gereicht es zu herzlicher Freude, AMG zu seinem siebzigsten Geburtstag mit ihren Glückwünschen zugleich das höchste Geschenk darzubringen...:die Würde eines Doktors honoris causa. Eine an sich seltene Würde...“ der ALMA MATER RUDOLPHINA. [60]

Der Wiener Gemeinderat beschloß, AMG „in Würdigung seiner Verdienste um das Wiener Kunstleben“ zum Ehrenbürger der Stadt Wien zu ernennen. Ebenso wurde er Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde Guttenbrunn (rum. Zãbrani, bei ARAD) und von Weidling (Klosterneuburg), wo er durch Jahre mit seiner Familie in der „Marienburg“ sommerte und viele seiner großen Romane verfaßt hatte.

Am 5.1. 1923 verschied das Große Schwabenherz und der Dichter wurde am 8.1. in ein Ehrengrab der Stadt Wien (Zentralfriedhof, Gruppe 0, Reihe 1, Nr. 98) beigesetzt.

Die noch zu Lebzeiten des Dichters aufgeworfenen und bis in unsere Gegenwart hinein andauernde Frage, welchen Anteil seine praktische, publizistische und dichterische Tätigkeit an den Bemühungen um die Belebung des deutschen Volksbewußtseins bei den Donauschwaben hat, kann im Handumdrehen wohl nicht so leicht beantwortet werden.
Um den Dichter, seine Anschauungen und deren Wandel besser verstehen zu können, ist die Erforschung und Beleuchtung des gesamten Entwicklungsprozesses seiner Persönlichkeit, hineingebettet in die Ereignisse, Strömungen und mannigfachen Beeinflussungen erforderlich.

Leben und Werk – vor allem die schriftstellerischen Leistungen – runden dieses Persönlichkeitsbild ab und bieten eine Brücke, uns vor falschen Schlüssen in der Einschätzung seiner Leistungen zu bewahren. Viele seiner gegenwärtigen Kritiker täten gut daran, sich durch all seine Schriften durchzuarbeiten und könnten dann wohl mit revidierten Einstufungen AMG entsprechend verstehen.

Adam Müller-Guttenbrunn bleibt vor allem durch seine großen Prosawerke von bedeutendem Interesse; der Journalist hingegen zeichnet als genauer und kritischer Beobachter ein scharfes soziokulturelles Bild seiner Zeit, einer Zeit des Umbruchs, in die wir durch seine meisterhaften Feuilletons einen tieferen Einblick gewinnen können.
 

 

Anmerkungen und Erläuterungen: 

  Mitunter wurden zwecks Vorbeugung von Irritation aufgrund verschiedener Textausgaben Seitenangaben aus der Primärliteratur unterlassen.

1 Adam Müller - Guttenbrunn: „Der Roman meines Lebens“, hgg. von RODERICH MÜLLER - GUTTENBRUNN aus dem Nachlaß seines Vaters. Leipzig,1927, S.302.
2 AMG: „Der Roman meines Lebens“, siehe auch „Meister Jakob und seine Kinder“.
3 AMG: „Meister Jakob und seine Kinder“.
4 s. AMG „Der kleine Schwab. Abenteuer eines Knaben“.
5 LUDWIG ROGL: „Der Anteil AMGs am völkischen Erwachen des Donauschwabentums.“ Südosteuropäische Arbeiten 33, München 1943, S. 8.
6 AMG, Der Roman, a.a.O., S.145
7 vgl. ebenda, S. 185 f.
8 vgl. ebenda, S.111; Tagebucheintragung vom 14.4.1879.
9 vgl. Erwin Barta u. Karl Bell: „Geschichte der Schutzarbeit am deutschen Volkstum“, Dresden 1930, S.114.
10 vgl. AMG, Der Roman, a.a.O., S.161.
11 vgl. Edmund Steinacker, Lebenserinnerungen. S. 213.
12 s. LUDWIG ROGL, a.a.O., S. 42.
13 vgl. „Neue Züricher Zeitung“, 21.1. und 5.2.1907; siehe auch „Neues Wiener Tag-blatt“, 23. 6. u. 26. 6. 1907.
14 AMG: „Deutsche Sorgen in Ungarn. Studien und Bekenntnisse“, Wien - Leipzig, 1918, S.26.
15 vgl. GOTTFRIED FITTBOGEN:“ Stammeslieder deutscher Volksgruppen im Südosten“. In: Südostdeutsche Forschungen, Jg. 1, München 1936, S.190 - 1932; s. auch ders.: „Verbreitung der ‚Schwäbischen Hymne‘ im Banat“. In: Südostdeutsche Forschungen, Jg. 2, München 1937, S. 394 - 396.
16 s. Brief Steinackers vom 6.12. 1907 (Steinackernachlaß) an Prof. Paul Samassa.
17 Rudolf Brandsch, Briefe AMG aus der deutschen Bewegung im ehemaligen Ungarn. Temeschburg 1939.
18 vgl. AMG, „Deutsche Kulturbilder aus Ungarn“. Leipzig 1896, S.17
19 Eduard Steinacker, „Lebenserinnerungen“, S. 138.
20 Im Winter 1906/7 gegründet; vgl. Isolde Schmidt, „Beiträge zur Geschichte des südostdeutschen Parteiwesens 1848-1914“.München 1939. S. 2 ff.
21 Diesbezüglich findet sich im Nachlaß von Edmund Steinacker (Südostinstitut, München) eine aufschlußreiche Korrespondenz.
22 zitiert nach R. Brandsch, a.a.O., S. 104.
23 Deutsch - Ungarn/Mitteilungsblatt des Vereins zur „Erhaltung des Deutschtums in Ungarn“, I (1907)- VI(1912).
24 Gründung und Entwicklung der Vereinigung schwäbischer Hochschüler in Wien. Wien 1924, S.9.
25 vgl. Otto Alscher, „Die deutsche intelligenz Ungarns: Deutsch - Österreich I/1, 1913,S. 365.
26 Erschienen in ADAM MÜLLER-GUTTENBRUNN, „Deutsche Sorgen in Ungarn“,
Wien 1918, S.128-130.
27 vgl. R. Brandsch, a.a.O., S.25
28 s. „Deutsch - Ungarische Schulstiftung. 1. Jahrsbericht“. November 1911.
29 AMG an R. Brandsch, 30.6.1914. In: R. Brandsch, a.a.O., S.51.
30 AMG an R. Brandsch, 20.3.1913. In: R. Brandsch, a.a.O.,S.40.
31 AMG an Brandsch, 27.9.1914.In: R.Brandsch, a. a.O., 54 f.
32 AMG an Brandsch, 2.7.1913. In: R. Brandsch, a. a. O., S.42.
33 AMG an R. Brandsch, 18.8. 1910. In: R. Brandsch, a.a.O., S. 8.
34 AMG an R. Brandsch, 16. 10. 1910. In: R. Brandsch, a. a. O., S. 8-12.
35 vgl. AMG, Götzendämmerung, S. 193 ff.
36 vgl.AMG, Wiener Historien. Kosntanz 1916, S. 65 - 77. In: Müller - Guttenbrunns Franz- Ferdinand-Roman (Wien 1915), anonym erschienen.
37 vgl. Johann Umlauf u. Thomas Polz, Die Geschichte des Anschlusses des Burgenlandes an Österreich. Wien 1931, S.
38 Diesbezüglich findet sich im Nachlaß von Edmund Steinacker (Südostinstitut, München) eine aufschlußreiche Korrespondenz.
39 zitiert nach R. Brandsch, a.a.O., S. 104.
40 Deutsch - Ungarn/Mitteilungsblatt des Vereins zur „Erhaltung des Deutschtums in Ungarn“, I (1907)- VI(1912).
41 vgl. AMG an Steinacker, 5. April 1916, Nachlaß Steinacker.
42 vgl. Ludmila SCHLERETH, Die politische Entwicklung des ungarländischen Deutschtums während der Revolution 1918/19. München 1939, S.61.
43 siehe Anmerk. 37.
44 vgl. F. Kaindl, Die Erwerbung des Burgenlandes. Österreichische Rundschau, 18.Jg., Wien 1922.
45 AMG: „Wohin gehört Westungarn?“ Flugschrift. 3. Aufl. Wien 1919. S. 3.
46 AMG::Tagebucheintragung vom 17.2.1919. In: „Der Roman meines Lebens“, hgg. von RODERICH MÜLLER - GUTTENBRUNN aus dem Nachlaß seines Vaters. Leipzig,1927.
47 s. FERDINAND ERNST GRUBER: „Das Schwabentestament.“ In: Hans Diplich /Hg./ Südostdeutsche Vierteljahres-blätter, München, Jg. 8, 1958, Heft 2, S.126-137.
48 LUDWIG ROGL, a.a.O., S.55.
49 siehe „Sonntagsbaltt für das deutsche Volk in Ungarn“, 14. März u. 20.Juni 1926
50 vgl. HEDWIG SCHWIND, Jakob Bleyers Eintritt in den Kampf für das ungarländi-sche Deutschtum: Südostdeutsche Forschungen I (1936), S.90, 105; siehe auch
LUDWIG ROGL, Aus dem Briefwechsel AMGs: Südostdeutsche Forschungen IV (1939), S.176.
51 LUDWIG ROGL „Der Anteil AMGs am völkischen Erwachen des Donauschwabentums.“ Südosteuropäische Arbeiten 33, München 1943, S 67.
52 FERDINAND ERNST GRUBER: „Der Kulturpolitiker AMG“. In: „Die Donauschwa-
ben zwischen gestern und heute. Festschrift zur fünfzig-Jahr-Feier des Schwaben-vereins Wiens“, hgg. v. Nikolaus Britz, Wien 1957, S.81.
53 vgl. LUDWIG ROGL: „Der Anteil AMGs am völkischen Erwachen des Donauschwabentums.“ Südosteuropäische Arbeiten 33, München 1943, S. 5.
54 vgl. FERDINAND ERNST GRUBER, a.a.O, S. 81.
55 KARL LUEGER ( 1844-1910); volkstümlicher viermaliger Wiener Bürgermeister; besondere Verdienste um den kommunalen Aufstieg Wiens; Gründer ( 1893) der Christlichsozialen Partei. Bekannt sind Luegers antisemitische Sprüche wie „Juden und Sozialdemokraten werden nicht angestellt“ bzw. „Wer ein Jud‘ ist, bestimm‘ ich!“
Zitiert nach Hellmut Andics: Der Untergang der Donaumonarchie. Österreich- Ungarn
von der Jahrhundertwende bis zum November 1918. Erschienen in der Reihe Austriaca, Bd. 2. Goldmann–Taschenbuch, München, S.45.
56 vgl. FERDINAND ERNST GRUBER, a.a.O., S. 80 ff.
57 s. HANS WECHSLER, „Adam Müller-Guttenbrunn“, in: „Die Gesellschaft“, Leipzig, 1889, S.1318-1330.
58 AMG.: „Schwaben im Osten. Ein deutsches Dichterbuch aus Ungarn“, Heilbronn 1911, S. 2.
59 Ders., a. a. O., S. 5.
60 Water Brecht: „Er hat einen Volksstamm gerettet“. In: Adam Müller-Guttenbrunn. Ein Lebensbild. Hg. Nikolaus Britz, München 1966. S.99 ff . 


További információk: http://www.pointernet.pds.hu/kissendre







Hirdessen itt! A szükséges információkat elolvashatja, ha erre a szövegre kattint.


A fenti dokumentummal kapcsolatos felelõsség meghatározása