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Schaut man sich diese Prozesse, sowie die
im Zuge dieser Prozesse wachsende Begrifflichkeit
an, so wird es schnell klar, dass die Bedeutung
und die inhaltlichen Bestimmungen des Begriffs
des "Wissens" so gut wie kaum begründet
definiert werden. Dieser Mangel wird um so
auffallender, weil ebenfalls im Zuge dieser
Diskussion der Prozess der Wegdifferenzierung
der Begriffe "Information" und
"Wissen" einen weiten Fortschritt
machte und das Fehlen eines klaren Begriffs
des Wissens mit der Zeit zum spektakulaeren
Hindernis des weiteren Erkenntnisvorganges
wird.
Es stellte sich heraus, dass die Philosophie
als solche sich bis jetzt der Erschliessung
eines allgemeinen Begriffs des Wissens kaum
oder überhaupt nicht gewidmet hatte. Die
Gründe dieser Ignoranz sind noch nicht erforscht.
Man kann aber mit Recht vermuten, dass nicht
einmal die jeweilige Philosophie in der Rekonstruktion
eines allgemeinen Begriffes der Philosophie
interessiert war, weil man das Wissen nur
mit jenem gültigen Wissensbestand identifizierte,
die man aktuell vertrat.
Max Schelers umfassende und multiperspektivistische
Arbeit über das "Wissen", die enger
verstandene "Wissenssoziologie"
mit einbegriffen, bietet eine einmalige Möglichkeit,
zu einem allgemeinen (d.h. nicht disziplinaer
definierten) Begriff des Wissens zu kommen,
von dem es vielleicht auch noch zu erwarten
ist, in der aktuellen Diskussion über Wissen
und Wissensgesellschaft produktiv angewandt
zu werden.
Der Vortrag setzt sich in diesem Zusammenhang
ein dreifaches Ziel.
Erstens, er sammelt die Stellen und Hinweise
aus dem umfassenden Werk, die einen nicht
konkret-thematisch gebundenen Begriff des
Wissens einerseits allgemein thematisieren
oder andererseits konkret umreissen.
Zweitens, er versucht die Dreiertypologie
des Wissens bei Scheler ("Erlösungswissen",
"Bildungswissen", "Herrschafts"-
oder "Leistungswissen") auf eine
Möglichkeit eines umfassenden Wissensbegriffs
hin, zu analysieren.
Drittens, er untersucht Schelers konkrete
Vorschlaege zu einer Universitaetsreform
vor dem Horizont seiner Interpretationen
über das Wissen und die Wissensarten. Dieses
Element erscheint uns als eine praktische
Anwendung der theoretischen Auffassung über
das Wissen, deren Lehren mit unseren aktuellen
Herausforderungen konfrontiert werden dürften.
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