Schelers Wissensphilosophie vor dem Horizont des neuen Begriffes des Wissens und der Wissensgesellschaft

(Kurzfassung)

Endre Kiss, Budapest

Im Zuge der gewaltigen Transformation der Globalisierung, sowie der Informatisierung von praktisch allen Bereichen des sozialen Lebens wurde der Begriff "Informationsgesellschaft" in vielen Varianten vorherrschend. In diesem Zusammenhang entstand spaeter auch die Vorstellung von einer "Wissensgesellschaft" und/oder einer auf "Wissen gegründeten Produktion" ("knowledge-based society - knowledge-based production").



Schaut man sich diese Prozesse, sowie die im Zuge dieser Prozesse wachsende Begrifflichkeit an, so wird es schnell klar, dass die Bedeutung und die inhaltlichen Bestimmungen des Begriffs des "Wissens" so gut wie kaum begründet definiert werden. Dieser Mangel wird um so auffallender, weil ebenfalls im Zuge dieser Diskussion der Prozess der Wegdifferenzierung der Begriffe "Information" und "Wissen" einen weiten Fortschritt machte und das Fehlen eines klaren Begriffs des Wissens mit der Zeit zum spektakulaeren Hindernis des weiteren Erkenntnisvorganges wird.

Es stellte sich heraus, dass die Philosophie als solche sich bis jetzt der Erschliessung eines allgemeinen Begriffs des Wissens kaum oder überhaupt nicht gewidmet hatte. Die Gründe dieser Ignoranz sind noch nicht erforscht. Man kann aber mit Recht vermuten, dass nicht einmal die jeweilige Philosophie in der Rekonstruktion eines allgemeinen Begriffes der Philosophie interessiert war, weil man das Wissen nur mit jenem gültigen Wissensbestand identifizierte, die man aktuell vertrat.

Max Schelers umfassende und multiperspektivistische Arbeit über das "Wissen", die enger verstandene "Wissenssoziologie" mit einbegriffen, bietet eine einmalige Möglichkeit, zu einem allgemeinen (d.h. nicht disziplinaer definierten) Begriff des Wissens zu kommen, von dem es vielleicht auch noch zu erwarten ist, in der aktuellen Diskussion über Wissen und Wissensgesellschaft produktiv angewandt zu werden.

Der Vortrag setzt sich in diesem Zusammenhang ein dreifaches Ziel.

Erstens, er sammelt die Stellen und Hinweise aus dem umfassenden Werk, die einen nicht konkret-thematisch gebundenen Begriff des Wissens einerseits allgemein thematisieren oder andererseits konkret umreissen.

Zweitens, er versucht die Dreiertypologie des Wissens bei Scheler ("Erlösungswissen", "Bildungswissen", "Herrschafts"- oder "Leistungswissen") auf eine Möglichkeit eines umfassenden Wissensbegriffs hin, zu analysieren.

Drittens, er untersucht Schelers konkrete Vorschlaege zu einer Universitaetsreform vor dem Horizont seiner Interpretationen über das Wissen und die Wissensarten. Dieses Element erscheint uns als eine praktische Anwendung der theoretischen Auffassung über das Wissen, deren Lehren mit unseren aktuellen Herausforderungen konfrontiert werden dürften.




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