Filozófia

Tartalomjegyzék DIE HOFFNUNGSLOSIGKEIT DES PROGRAMMS ODER DER UNVERSÖHNLICHE KAMPF DER SUBSYSTEM Ludwig Feuerbachs Eudaemonismus als universalgeschichtliche Option Utolsó lap

LUDWIG FEUERBACHS PHILOSOPHISCHE POSITION

Szerző: Endre Kiss, Budapest

Trotz eventuell selbstverstaendlich anmutenden Assoziationen erweist sich die semantische Sphaere des so zentralen Feuerbachschen Begriffs des "Wesens" weder als "spekulativ" im Sinne des Hegelianismus oder des Posthegelianismus, noch als einer, dessen Bedeutung sich in einer Kritik der spekulativen Begriffsbildung erschöpft, einer Kritik, die einzig auf den spekulativen Charakter der hegelisierenden Begriffsbildung hinweist.


Es besteht kein Zweifel, dass die Bezeichnung "Wesen" tatsaechlich mehrere solche Interpretationen zu erlauben schien und immer noch scheint. Jedenfalls erscheint der Begriff "Wesen" bis heute in seiner durchschlagenden Positivitaet eher ein polemischer Begriff gegen hegelisierende Negativitaet. Sein Charakter der Positivitaet bewahrt jedoch sowohl für die unmittelbaren Zeitgenossen wie auch für die überwiegende Mehrheit der spaeteren Feuerbach-Literatur einen Zug der unüberwindlichen Spekulativitaet. Der Schlüssel für die Interpretation der Grundcharaktere der Feuerbachschen Philosophie liegt also ohne Zweifel in der Interpretation des Begriffs des "Wesens" (1). Gerade naemlich im Kontext der philosophischen Gegenstaendlichkeit, die ja im ganzen Philosophieren von Ludwig Feuerbach so unendlich bedeutungsvoll ist (2), erscheint der Begriff des "Wesens" wenig differenziert. Bei der Bestimmung der positiven Charakteristik der Feuerbachschen Philosophie laesst sich die These des philosophischen Realismus zunaechst auch dadurch untermauern, dass es eine Reihe philosophischer Standortbestimmungen bei Feuerbach aufzufinden ist, die nicht nur in ihrer Kritik gegen die Spekulation, sondern auch in positiv realistischem Sinne zu deuten sind. Ein Beispiel : "Die ORDNUNG und der ZUSAMMENHANG der IDEEN ist IDENTISCH mit der ORDNUNG und dem ZUSAMMENHANG der DINGE" (3). Die Bestimmung des ''Wesens'' als eine Summe der relevantesten Bestimmungen des betreffenden Gegenstandes laesst sich aus einer beliebig grossen Zahl der Feuerbachschen Definitionen herauslesen. An einer Stelle steht beispielsweise folgedes: ''Das erste, was das wirkliche SEIN und WESEN DES MENSCHLICHEN WESENS ausmacht, ist nichts weiter als die IDEE EINES NATÜRLICH EXISTIERENDEN DINGES'' (4). Uns scheint, dass diese Terminologie ebenfalls eine realistische Einstellung zur Welt zum Ausdruck bringt. Das ''Wesen'' als eine ''Idee'' des ''natürlich existierenden Dinges'' gilt in dieser Betonung der nicht weiter bestimmten, ''natürlichen'' Existenz gerade in dieser Reduktion als Zeichen einer realistischen Einstellung. Das ''Wesen'' als ''Komplex'' der positiven Bestimmungen eines Gegenstandes liegt auch hinter anderen, weiteren Kategorisierungen, die bei Feuerbach - nicht wie bei Hegel! - zu keinen selbstaendigen begrifflichen Hypostasierungen werden. Wir haben für diesen Komplex bei Feuerbach eine Reihe von Kategorisierungsversuchen. Was somit das ''Wesen'' eines Gegenstandes sei, erfahren wir aufgrund der nicht-formalisierten Erfahrung, wobei dieses ''Wesen'' ein stets aktuell sich konstituierender Komplex der wichtigsten Eigenschaften und nicht ein spekulativer oder ein quasi-spekulativer Begriff ist. Eine wichtige Dimension dieses Gebrauchs des Begriffs ''Wesen'' macht der folgende Satz über Bacon einsichtig: ''...die Natur (könne) nicht an mathematische, logische und theologische Voraussetzungen, Antizipationen, sondern nur aus sich selbst begriffen und erklaert werden...'' (5). Für die durchgehend PRAESENTISTISCHE, sich auf die aktuell sich erschliessenden Sphaeren der Realitaet konzentrierende Sichtweise hat Feuerbach eine geradezu UNIVERSALGESCHICHTLICHE Begründung. Sie zeigt nunmehr wieder von einer neuen Seite, wie in seinem Denken die universalgeschichtliche Dimension stark vertreten ist, wiewohl auf eine merkwürdige Weise weder der philosophische Realismus, noch der diesem sogar scheinbar entgegengesetzten universalgeschichtliche Ansatz auf die gleiche Weise von der spaeteren Forschung ausreichend wahrgenommen und erschlossen worden ist (6). Fragt man ferner auch noch nach weiteren funktionellen Zusammenhaengen des realistischen Ansatzes bei Ludwig Feuerbach, so faellt die spezifisch wissenssoziologische und ideologiekritische Orientierung ins Gewicht. Feuerbach ist nicht der einige Vertreter der klassischen deutschen Philosophie und deren spaeteren Nachfolgerinnen, die philosophische Initiativen erzielt haben, deren adaequate paradigmatische Einordnung erst lange Jahrzehnte spaeter möglich geworden ist. Dies ist auch mit einigen funktionalen Konsequenzen von Feuerbachs realistischem Ansatz der Fall. Denn dieser Realismus eröffnete Wege zu einer spezifisch philosophischen Wissenssoziologie, die in den einzelnen gedanklichen Objektivationen, Philosophien wie Religionen, gewisse Einstellungen und Wertfixationen entdeckte, allerdings so, dass DIESE Wissenssoziologie die spaeter vor allem bei Karl Mannheim in den Mittelpunkt gestellte "Zuordnung" der einzelnen gedanklichen Positionen zu gewissen soziologisch identifizierbaren Gruppen bei ihm noch ganzheitlich fehlt (7). In diesen Kontext gehört die stets in neuen Gestalten sich verwirklichende Funktion dieses philosophischen Realismus, den "realistischen" Ansatz in der Kritik des jeweiligen "falschen" Bewusstseins und für die Artikulation des jeweiligen "richtigen" Bewusstseins zur Geltung zu bringen (8). Die Hervorhebung des realistischen Ansatzes der Feuerbachschen Philosophie induziert gleich einen philosophischen Zweifrontenkrieg gegen einerseits eine philosophische Spekulation und andererseits eines seiner eigenen theoretischen Momente beraubten Empirismus. Das jeweilige historische Umfeld dieser Philosophie bewirkte es allein, dass aus diesen beiden leitenden Perspektiven bis jetzt eher nur die erste tatsaechlich ausgearbeitet worden ist. Gerade in dieser Zwischenposition faellt es aber auf, dass die mangelnde Ausarbeitung seiner Konstitution des Positiven auf eine nicht ganz unverstaendliche Weise die eigene Position als eine der unmittelbaren Gewissheit aufscheinen liess. Feuerbachs realistischer Ansatz weist ferner auch eine voll ausgearbeitete Konzeption, und zwar eine voll ausgearbeitete realistisch gefaerbte Konzeption über die Gegenstaendlichkeit, die nicht nur mit den realististischen Impulsen zusammenfaellt, sondern (wie in diesem Versuch noch des öfteren die Rede sein wird) auch noch über die Normalposition des Realismus in der realistischen Richtung hinausgeht, um damit etwa eine Potenzierung des Realismus mit sich zu bringen. Feuerbachs wesentlichster Gedanke erscheint in der folgenden Formulierung etwa so: "Der Mensch ist NICHTS OHNE GEGENSTAND. Grosse exemplarische Menschen - solche Menschen, die uns das Wesen des Menschen offenbaren, bestaetigen diesen Satz durch ihr Leben. Sie hatten nur eine herrschende Leidenschaft: die Verwirklichung des Zwecks, welcher der wesentliche Gegenstand ihrer Taetigkeit war. Aber der Gegenstand, auf welchen sich ein Subjekt wesentlich, notwendig bezieht, ist nichts anderes als das EIGNE ABER GEGENSTAENDLICHE WESEN dieses Subjekts..." (9). In diesem Zitat sind beide vorhin angesprochenen Elemente klar ausgedrückt, und zwar einerseits die Betonung der allseitigen Relevanz des Gegenstandes für jede Erkenntnis und andererseits die spezifische Ausdehnung des realistischen Ansatzes ins Praxisphilosophische und Anthropologische, worüber wir an dieser Stelle nur zu sagen haben, dass diese Ausdehnung des realistischen Ansatzes auch von den spaeteren und szientistisch viel staerker aufgebauten realistischen Richtungen haette vielfach durchgeführt werden sollen, wie es beispielsweise bei Nietzsche in seiner Neuformulierung des menschlichen Wesens auf realistischer Basis tatsaechlich auch durchgeführt worden ist (10). Gerade diese explizit nicht ausgeführte (realistische) Konstitution des Feuerbachschen ''Wesens'' führte auch bei Marx zu einer im letzten ungenauen Einschaetzung dieses Begriffes (11). Gerade der mit Vorliebe als "spekulativ" angesehene Begriff des Wesens enthielt und enthaelt in sich vielfache Möglichkeiten, die ihn für den philosophischen Realismus unmittelbar geeignet machen. Es geht beispielsweise um die Eigenschaft des "Wesens" (als des Inbegriffs jeder wichtigen Bestimmung des Gegenstandes in ihren wichtigsten Zusammenhaengen und Relationen), dass es für die Bestimmung und Bezeichnung der gegenstaendlichen Sphaere zwar geeignet ist, aber so, dass seine Referenz auf dieses Sphaere nicht mit der Gegenstaendlichkeit einer einzigen konkreten Wissenschaft zusammenfaellt. Er macht weitgehende realistische Implikationen möglich, so aber, dass der so entstehende philosophische Realismus nicht notgedrungen auf eine der konkreten Wissenschaften aufgebaut werden muss. Mit einem Beispiel konkretisiert: der Begriff "Wesen" - diesmal selbstverstaendlich nicht mehr in spekulativem Sinn - referiert und integriert die gegenstaendliche Sphaere, ohne dass diese Sphaere in Terminologie und Anschauung etwa mit derselben der Physik oder der Biologie zusammenfallen würde, was jede realistische Philosophie von Anfang an in mehrfache Verlegenheit bringen würde (12). Die Option für einen (noch nicht in jedem Zusammenhang naeher bestimmten) philosophischen Realismus hat gewisse Folgen, die auch andere Positionen bei und um Feuerbach modifizieren kann. So laesst sich etwa die Kategorisierung ''Anthropologie'' umkehren, indem man nicht um eine philosophische Anthropologie, vielmehr um einen realistischen Ansatz bei Feuerbach redet, der dann durch seine zentrale Kategorie des "Wesens" in die Naehe der Disziplin "Anthropologie" kommt, wenn er ursprünglich disziplinaer damit auch nichts zu tun gehabt hatte. So überzeugt wir auch sind, dass hinter Feuerbachs "Anthropologismus" ein genuin realistischer philosophischer Ansatz steht (der ja selbstverstaendlich in vielem seiner Zeit und seinem Kontext verpflichtet ist), können wir etwa das folgende Urteil Friedrich Albert Langes aus diesen Gründen einigermassen auch verstehen: "In dieser einseitigen Hervorhebung des Menschen liegt ein Zug, der aus der Hegelschen Philosophie stammt und der Feuerbach von den eigentlichen Materialisten trennt" (13). Eine weitere Facette des Feuerbachschen Realismus ist, dass die realistischen Grundansaetze, wie etwa eben der Begriff des Wesens selber, bei ihm oft mit einem eigentümlichen Pathos thematisiert werden, so dass gerade die obligatorische primaere Wert- und Wertungslosigkeit des realistischen Denkens scheinbar Schaden erleidet. Nicht zuletzt aus dem Grunde mochte einer der führenden Repraesenten des philosophischen Realismus Feuerbach diese Etikette in der allerexplizitesten Form nicht zuerkennen: "Wir konnten ihn (Feuerbach - E.K.) jedoch nicht als den Vertreter eines umfassenden Systems behandeln und etwa einem Comte, mit welchem er in seiner Religionsauffassung am meisten übereinstimmte, an die Seite stellen. Hierzu fehlte es bei ihm an einer universelleren und in dieser Eigenschaft zugleich logisch abgegrenzten Auffassung der Philosophie", wozu Dühring noch hinzufügte: "Er operierte von vornherein im Wesentlichen mit seinen eigenen Gedanken, produzierte dieselben aber mit jenem Gepraege, welches ihnen die Hegelsche Schulung aufgedrückt hat" (14). Die Feuerbach-Kritik des Verfassers des DIE GESCHICHTE DES MATERIALISMUS stellt einen der wesentlichsten Versuche dar, die tatsaechliche Problematik der Einordnung der "realistisch" ausgerichteten Philosophie Feuerbachs für ein Zeitalter, welches zwischen hegelischer Sprache und hegelischen Intentionen nicht mehr klar zu unterscheiden vermochte (und es versteht sich daher von selbst, dass er diese Differenzierung zwischen der sogenannten "aeusseren" Form und dem ebenfalls sogenannten "inneren" Kern der hegelischen Philosophie ebenfalls nicht mehr durchzuführen wusste). Diese Situation erwies sich, wie wir eingangs schon darauf hingewiesen hatten, als paradox, denn in dieser Optik erscheint Feuerbachs Realismus als "Spekulation", waehrend es manchmal sich auch zeigt, dass sein Realismus in vielem an Potenzen diejenige Richtung übertrifft, die ihn kritisiert. Zunaechst ist es klar, dass Feuerbachs Philosophie schon als Gesamtkonzept kein zeitgemaesses Bild, kein gestaltpsychologisch identifizierbares Ganzes für Friedrich Albert Lange abgibt, der diesen Tatbestand folgendermassen abreagiert: "Der Nerv seines Philosophierens blieb, wie in der idealistischen Epoche überall, die Divination...Sein System schwebt in einem mystischen Dunkel, welches durch die Betonung der Sinnlichkeit und Anschaulichkeit keineswegs hinlaenglich erhellt wird" (15). Diese Gesamtansicht Langes wollen wir hier nicht eingehend interpretieren, es genügt, wenn sie als "gestaltpsychologisches" Faktum gesehen und erkannt wird. Denn die generelle Wahrnehmung der Feuerbachschen Philosophie als eines "mystischen Dunkels" ist eines und die Qualifizierung derselben Philosophie für ein spezifisch "anthropomorphes" Denken ist ein anderes und Feuerbach scheint mit seiner Terminologie des "Menschlichen", bzw. des "menschlichen Wesens" dieser generellen Bezeichnung wie willentlich entgegengekommen zu sein. Und kein Wunder, wenn Lange diese Richtung der philosophischen Kritik gleich einschlaegt: "In dieser einseitigen Hervorhebung des Menschen liegt ein Zug, der aus der Hegel''schen Philosophie stammt und der Feuerbach von den eigentlichen Materialisten trennt" (16). Im folgenden stellt Lange die Positionen des klassischen sogenannten naturwissenschaftlichen Materialismus in Hinsicht auf Mensch und Anthropomorphismus dar, der einerseits schon weitere, in diesem Zusammenhang nicht beantwortbare Fragen nach seiner Interpretation dieses Materialismus aufwirft (im wesentlichen nach den Gründen seiner Kritik an diesem Materialismus), andererseits aber, wie wir es im spaeteren durch Heraufbeschwörung von Feuerbachs treffender Distinktion zwischen dem Menschen als "Gegenstand des Denkens und Bewusstseins", bzw. dem Menschen, der "hinter dem Bewusstsein" steht, etwas naeher zu beantworten suchen, geht er an den modern-materialistischen und realistischen Dimensionen der Feuerbachschen Philosophie vorbei. Trotz diesen Möglichkeiten einer Klaerung der wirklichen anthropologischen Dimension des Feuerbachschen Realismus ereignete sich in der ersten wirklichen posthegelianischen Phase der Rezeption (wie etwa bei Lange und Dühring, die beide auch als Gründer spaeter sehr produktiv werdender Schulen angesehen werden sollten), dass der anthropologische Zug stets als "Spekulation", wenn nicht direkt als "Metaphysik" angesehen wird. Ein Beispiel dafür: "Wenn dennoch die ganze Philosophie so gestellt wird, als sei der Mensch der einzige, ja das einzig denkbare Wesen von gebildeter, geistiger Sinnlichkeit, so ist das natürlich absichtliche Selbstbeschraenkung. Feuerbach ist darin Hegelianer und huldigt sammt Hegel dem Grundsatze, dass der Mensch das Mass der Dinge sei" (17). In dieser für Feuerbach nicht sehr vorteilhaften und adaequaten Perspektive kommt es in mehreren Faellen sogar auch noch dazu, dass selbst manche anti-spekulative, in der Mehrheit antihegelianische Initiativen als "spekulativ" identifiziert werden. Indem beispielsweise Feuerbach das Denken und die Wahrnehmung einander im Zuge einer antispekulativen Initiative gegenüberstellt, dürfte er gewiss nicht auf jenen Angriff denken, der diese Initiative nicht viel spaeter von realistischer Position treffen wird: "Das Vorurtheil, dass es ein empfindungsloses, ganz reines, ganz abstraktes Denken gebe, teilt Feuerbach mit der grossen Menge...Wenn ich den Ton einer Glocke höre, wird meine Empfindung schon in ihrer ersten Unmittelbarkeit durch meine Kenntnis der Glocke bestimmt...Das Allgemeine ist im Besonderen, das Logische im Physiologischen, wie der Stoff in der Form. Was Feuerbach metaphysisch (!) auseinanderreisst, ist bloss logisch zu trennen. Es gibt kein reines Denken, welches blos das Allgemeine zum Inhalt hat. Es gibt auch keine Empfindung, welche nichts Allgemeines in sich haette" (18). Abgesehen jetzt von den systematischen und den einzelnen epistemologischen Positionen wird aus diesem Text von Friedrich Albert Lange klar, dass ihm nicht einmal die trivialsten historisch-kontextuellen Informationen bei Feuerbachs Beurteilung fehlten und ihm dadurch nicht einmal die trivialsten kontextuellen Einsichten zur Verfügung standen. Dies ist so, auch wenn zwischen Feuerbachs realistischem Ansatz und etwa dem Realismus der sechziger oder der siebziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts erhebliche Unterschiede bestanden (19). Es gereicht zur Ehre von Albrecht Rau, dass er angesichts dieser Kritik - allerdings ohne eine Artikulation der Realismus-Problematik - auf folgende Weise reagiert: "Es waere mir ein Leichtes zu zeigen, dass Lange sich hier vollstaendig auf Grund und Boden der Feuerbach''schen Philosophie befindet..." (20). Denn Feuerbach wird von Lange wegen einer "Metaphysik" attackiert, die "antimetaphysisch" intendiert worden ist, denn in diesem Fall geht es um eine scheinbar hegelianische Formulierung einer antihegelianischen Position, was - wir weisen wieder darauf hin - gerade von Lange (Dühring und den anderen) in den sechziger und siebziger Jahren haetten mit Notwendigkeit verstanden werden müssen. Als Lange ausrief: "Was Feuerbach metaphysisch auseinanderreisst, ist bloss logisch zu trennen" (21), ermangelt er gerade die Rücksichtnahme auf realistische Prinizipien, waehrend er nicht nur eine FRÜHERE und anders beschaffene Form des Realismus, sondern auch eine in vielem schon ausgedehnte Gestalt desselben nicht wahrnimmt. Wie es früher einmal schon thematisch geworden ist, vermischen sich die Elemente der Kritik an dem Anthropomorphismus und an der "Spekulativitaet der Feuerbachsachen Philosophie. An der folgenden Stelle laesst sich ausreichend demonstrieren, wie Feuerbach - zugegeben, auf seine von den spaeteren Zeitgenossen nur schwer verstaendliche Sprache - die Unmöglichkeit einer Abstraktion vom Menschen, bzw. der "menschlichen" Natur nicht ein spekulativer, sondern ein realistischer Ansatz gewesen ist. Diese Stelle liefert auch dafür ein vielsagendes Beispiel, wie eine scheinbar spekulativ und anthropomorph anmutende Diktion in einer realistische hinübergeht: "Ist es möglich, dass Du von Deinem Wesen abstrahierst? Abstrahierst Du denn nicht als Mensch? ...Die Gedanken sind =abgeschiedene Seelen=. Gut; aber ist nicht auch die abgeschiedne Seele noch ein treues Bild des weiland leibhaften Menschen? Aendern sich nicht selbst die allgemeinsten metaphysischen Begriffe, die Begriffe von Sein und Wesen, SO WIE SICH DAS WIRKLICHE SEIN UND WESEN DER MENSCHEN AENDERT? " (22) Das Bewusstsein über die gattungsgebundenen Veraenderlichkeit der eigenen Grundkategorien, das Bewusstsein der so begründeten "Relativitaet" gilt als legitimer Bestandteil jedes anspruchsvolleren Realismus. Feuerbach macht sogar, obwohl wieder nicht auf der spaeter sich verfestigenden szientistischen Basis von Lange und Dühring, eine fast sensationell klare Unterscheidung in Hinsicht auf die "anthropomorphe" Dimension seines Denkens: "Was heisst also: ich abstrahiere von der menschlichen Natur? nichts weiter als ich abstrahiere vom Menschen, wie er Gegenstand meines Bewusstseins und Denkens ist, aber nimmermehr vom Menschen, der hinter meinem Bewusstsein liegt, d.h. von meiner Natur, an die nolens volens unauflöslich meine Abstraktion gebunden ist. So abstrahierst Du denn auch als Psycholog in Gedanken von Deinem Leibe, aber gleichwohl bist Du im Wesen aufs innigste mit ihm verbunden, d.h. Du DENKST Dich unterschieden von ihm, aber Du bist deswegen noch lange nicht von ihm wirklich unterschieden" (23). Kein Zweifel, Feuerbachs Unterscheidung trifft ins Schwarze, denn der philosophische Realismus muss eben abstrahieren von dem Menschen als "Gegenstand des Bewusstseins und des Denkens", man muss aus den Bewusstseinsinhalten die PAR EXCELLENCE menschlichen Bewustseinsinhalte aussondieren, waehrend den "hinter" dem Bewusstsein stehenden Menschen kein Realismus wirklich aussondieren kann! Eine weitere Möglichkeit für die Rekonstruktion der Feuerbachschen Philosophie als eine (im deutschen Kontext) frühe und spezifische Form des Realismus bietet die Analyse von manchen Aussagen des Philosophen selber. Einerseits kann gerade in diesem Kontext der Wahrheitsgehalt einer seiner Bemerkungen eindeutig bewahrheiten: "Sie sind...in den Fehler der meisten Kritiker verfallen, dass Sie dem relativ Gesagten absolute, und dem Vorübergehenden bleibende Bedeutung gaben..." (24). Was er naemlich "relativ" (vor allem gegen die systematisch verstandene Hegelsche Philosophie) gesagt hat, wurde meistens "absolut" (d.h. auch ohne den Hegelschen Kontext) verstanden, was er aber (im Sinne seiner realistischen Tendenz) "absolut" aussagte, erschien in der falschen Wahrnehmung der tatsaechlichen realistischen Tendenz als "relativ". Besonders grosse Bedeutung kann aber auch der folgenden Aussage Feuerbachs zugeschrieben werden, die sicherlich eine der wesentlichsten Selbstbestimmungen des Philosophen ist: "Sie sind von vornherein mit Vorurtheilen (dass ich ein Hegelianer sei) an mich gegangen, haben mich a priori deduziert und eben deswegen nur negativ konstruiert. ...waehrend DOCH DER HAUPTGRUNDSATZ MEINER PHILOSOPHIE, D.H. MEINES DENKENS UND SCHREIBENS IST, DAS ALLGEMEINE STETS IN CONCRETO DARZUSTELLEN, Grundsaetze nicht in der Form von Grundsaetzen, sondern von Handlungen oder Beispielen auszusprechen..." (25). Feuerbach versucht in seinen philosophischen Reaktionen ebenfalls nicht selten, die von anderen für "hegelisch" deklarierte Vorstellung über den Begriff des "Wesens" aus dieser Beleuchtung herauszureissen und ihn in nüchternere, weil realistische Darstellung zu rücken. Ein wichtiges Beispiel ist das folgende: "Was einmal in Raum und Zeit eintritt, das muss sich auch in die Gesetze von Raum und Zeit fügen. Der Deus Terminus steht als Waechter am Eingang in die Welt...Was nur immer wirklich wird, - es wird nur wirklich als ein Bestimmtes. Eine Inkarnation der Gattung in ihrer ganzen Fülle...waere ein absolutes Wunder, eine gewaltsame Aufhebung aller Gesetze und Prinzipien der Wirklichkeit - waere in der That der Untergang der Welt" (26). Interessante Antizipation des spaeter sich artikulierenden realistisch-empirischen Positionen ist Feuerbachs frühe Formulierung des denkökonomischen Prinzips, die wegen ihrer typologischen Wichtigkeit von grosser Relevanz bei der Beurteilung seiner Philosophie ist. Ein Beispiel für diese Versuche: "...denn der Verstand hat überhaupt gar keinen anderen Zweck und Beruf, als die Data der Sinne zu generalisieren, um uns der laestigen Mühe der Wiederholung zu überheben, die sinnliche Erfahrung und Anschauung zu antizipieren, zu ersetzen, zu ersparen" (27). Eine weitere und für die spaeteren Überlegungen entscheidende Seite des Feuerbachschen Realismus ist seine Auffassung über Kant, die - aus vor allem historischen Gründen verstaendlicherweise - letztlich nicht so sehr die ursprüngliche Konzeption des Kantschen Kritizismus wie die erst nach seinem Tod sich herauskristallisierende durchnittliche neokantianische Einstellung im voraus treffend zu charakterisieren wusste: "Aber dieser Standpunkt war selbet noch ein unzureichender und beschraenkter; denn eine bestimmte, in engen Grenzen eingeschlossene Idee der Philosophie galt für das wahre und daher für das Ziel, dessen Realisation die Philosophen mehr oder weniger erfolgreich angestrebt haetten. Die SCHRANKE der Vernunft, die Kant unter der Vorstellung des leidigen Dings an sich fixierte, war das Mass, nach dem die Philosophien betrachtet und beurtheilt wurden" (28). Diese Arbeit versteht sich als einer der ersten Schritte einer realistischen Interpretartion der Feuerbachschen Philosophie, die nicht nur die systematischen Bestimmungen des philosophischen Realismus vor Augen haelt, sondern auch mit den spezifischen historischen Prozessen der philosophischen Entwicklung im Deutschland der 50-er und 60-er Jahre des neunzehnten Jahrhunderts vor Augen haelt, welche ihrerseits eine grosse Anzahl von spezifischen hermeneutischen Voraussetzungen schuf, Voraussetzungen, die ohne diesen historischen Prozess sicherlich unbekannt bleiben würden. Dass für diese Interpretation noch manches zu tun ist, zeigen unter anderen auch die Aeusserungen von Friedrich Jodl, der die realistischen Elemente in Feuerbachs Philosophie nur in einer extrem allgemeinen Form und selektiv formuliert hatte (29). ANMERKUNGEN: (1)S. darüber vom Verf. "Zur Bestimmung von Ludwig Feuerbachs Philosophie", in: PRIMA PHILOSOPHIA, Band 9/1996, S. 95-102. (2)Auch an mehreren anderen Stellen wird an die bei Feuerbach in ausgezeichneter Position thematisierte Sphaere der philosophischen Gegenstaendlichkeit hingewiesen. Es geschieht immer aus dem Willen, nicht "nur" den realistischen Charakter dieser Einstellung auszuweisen, sondern auch die Dimensionen aufscheinen zu lassen, die bei ihm eine Überwindung der Normalpositionen des Realismus markieren, auch wenn diese Problematik in voller Ausführlichkeit in dieser Arbeit nicht erscheinen kann. (3)Ludwig Feuerbach, GESCHICHTE DER NEUEREN PHILOSOPHIE VON BACON VON VERULAM BIS BENEDIKT SPINOZA. Leipzig, 1976. S. 342. (Hervorhebungen im Original) (4)Ebenda, S. 343. (Hervorhebungen im Original) (5)Ebenda, S. 37. (6)S. vom Verf. "Ludwig Feuerbachs Eudaemonismus als philosophische und universalgeschichtliche Option", in: SOLIDARITAET UND EGOISMUS. Studien zu einer Ethik bei und nach Ludwig Feuerbach. Herausgegeben von Hans-Jürg Braun. Berlin, 1994. S. 81-89. (7)Das heisst in anderer Formulierung, dass bei Feuerbach das eine notwendige Moment jeder Wissenssoziologie da (die Verbindung der einzelnen gedanklichen Positionen mit einzelnen konkreten Attitüden) grundsaertzlich und in vielem immer noch unerforscht da ist, waehrend ein anderes notwendige Moment (die Verbindung der einzelnen Attitüden mit einzelnen sozialen-soziologischen Gruppen) bei ihm noch weitgehend fehlt. Wie gesagt, es ist nicht der einzige Fall einer Entwicklung in der deutschen Philosophie des neunzehnten Jahrhunderts, die angesichts der spaeteren Entwicklung als praeparadigmatisch gelten soll. (8)Die staendige Rekurrierung, aber auch die stete positive Benennung des jeweiligen "richtigen" Bewusstseins ist ein seltener Zug von Feuerbachs praeparadigmatischer Wissenssoziologie, der nicht zuletzt auch dazu führte, dass bei ihm das "Wesen" oft auch als Wertkategorie aufscheinen konnte. (9)DAS WESEN DES CHRISTENTUMS. Leipzig, 1966. 39. (Hervorhebungen - E.K.) (10)S. vom Verf. FRIEDRICH NIETZSCHE FILOZÓFIÁJA. Budapest, 1993. (11)Es versteht sich von selbst, dass eine realistische Interpretation des Feuerbachschen "Wesens" auch mit der berühmten und durchaus folgenreichen Marxschen Feuerbach-Kritik konfrontiert werden muss, da ihr Tenor gerade eine Auffassung ist, wonach das "''Wesen" eine merkwürdige und nicht mehr Hegelsche spekulative Beschaffenheit hat. S. darüber die in der Fussnote 1) genannte Arbeit. (12)Das "Wesen" hat die Potenz, eine gegenstaendliche Sphaere für den philosophischen Realismus abzugeben, welche nicht mit derselben einer konkreten führenden Wissenschaft zusammenfaellt. Für unsere Auffassung ist dieser Schritt unerlaesslich für jede Philosophie des realistischen Typus. (13)Friedrich Albert Lange, GESCHICHTE DES MATERIALISMUS UND KRITIK SEINER BEDEUTUNG IN DER GEGENWART . Besorgt und mit einem Vorwort versehen von Hermann Cohen. Iserlohn, o.J. S. 428. (14)Eugen Dühring, KRITISCHE GESCHICHTE DER PHILOSOPHIE VON IHREN ANFAENGEN BIS ZUR GEGENWART. Berlin, 1869. S. 497. - An einer Stelle dieser Arbeit wird ein Grund für diese spezifische Mischung von der Wertlosigkeit und Wertung im Begriff des Wesens konkret hingewiesen. (15) Zitiert von Albrecht Rau, in: "Beurtheilung der Philosophie L. Feuerbachs", im Band. LUDWIG FEUERBACH''S PHILOSOPHIE, DIE NATURFORSCHUNG UND DIE PHILOSOPHISCHE KRITIK DER GEGENWART. Leipzig, 1882. S. 83. (16)EBENDA (17)EBENDA, S. 93. (18)EBENDA, S. 95. (19)Die konzeptionelle Verschiebung der einzelnen aufeinander folgenden realistischen Ansaetze erfolgt im wesentlichen nach dem Rhytmus der Verarbeitung der einzelnen wissenschaftlichen Veraenderungen, wenn eben nicht Revolutionen. Es dauert aber auch eine Zeit, bis die realistische Philosophie ihre Identitaet nunmehr gegenüber der neuen Phalanx der Wissenschaften finden wird. (20)"Beurtheilung der Philosophie L. Feuerbachs", S. 96. (21)EBENDA, ld. S. 95. (22)EBENDA, S. 96. Sperrung nicht im Original. (23)EBENDA, 96-97. (24)EBENDA, 81-82. (25)EBENDA. - Wir weisen nochmals darauf hin, dass diese Prinzipien auch bei der Rekonstruktion des philosophischen Marxismus mit grossen heuristischem Nutzen in Anspruch genommen werden sollten. (26)EBENDA, 90. (27)EBENDA, 153. (28)"Hegels Geschichte der Philosophie", in: PHILOSOPHISCHE KRITIKEN UND GRUNDSAETZE. Durchgesehen und neu herausgegeben von Friedrich Jodl. Stuttgart- Bad-Canstatt, 1959. 1-2. (29)Ein Beispiel: "Feuerbach (hat) der spekulativen Methode den Scheidebrief gegeben, (war) niemals gewillt, die Bedeutung des Denkens für die Wissenschaft zu ignorieren". EBENDA, XI.






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