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Tartalomjegyzék ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 04 ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 05 Utolsó lap

ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 05

Szerző: Kiss Endre




Es entsteht also die neue Ost-West-Relation im wesentlichen als ein Konglomerat von drei

 

lose oder überhaupt nicht zusammenhaengenden Beziehungen. Wir betonen die

 

Einschraenkung ''im wesentlichen'', weil die Anzahl der tatsaechlich existierenden und

 

funktionierenden Relationen eine unendliche ist, trotzdem scheint uns die dabei vollzogene

 

Reduktion auf die drei Grundrelationen eine sinnvolle zu sein (9).

 

 

 

Es geht also heute (erstens) um eine RELATION FREIHEIT, (zweitens) um eine RELATION

 

KOLLEKTIVSCHULD, sowie (drittens) um eine RELATION VERSCHULDUNG.

 

Was die RELATION FREIHEIT anlangt, so besteht sie in den gemeinsam gewordenen

 

Wertvorstellungen zwischen Ost und West,  in dem Triumph der liberal-demokratischen

 

Wertvorstellungen. In diesem Sinne sind Ost und West schon heute eine Einheit, deren Teile

 

auf eine sehr konsequente Weise ihr Zusammenwachsen, den Ausbau der gemeinsamen

 

Institutionen, die Integration begonnen haben. Wir erleben also heute eine im Prinzip

 

unbeschraenkte Geltung der RELATION  FREIHEIT und der gemeinsamen Wertsetzungen

 

zwischen Ost und West.

 

 

 

Gleichzeitig mit dieser Relation existiert aber auch eine zweite, die der

 

KOLLEKTIVSCHULD. Es ist kein Wunder, dass sich diese Relation vor allem in der

 

ehemaligen DDR in der klarsten Form zum Ausdruck kommt. In einem Zuge mit der

 

RELATION FREIHEIT erscheint also der ''Osten'', sowohl in seinen Gruppen und

 

Kollektiveinheiten wie auch in seinen Individuen als potentiell und reell ''schuldig'' wegen ihrer

 

Zusammenarbeit mit dem oder ''Naehe'' zu dem untergegangenen kommunistischen Staat.

 

Ausnahmen aus dieser stillschweigenden Anklage sind nur die nachgewiesenen Kritiker der

 

untergegangenen komunistischen Systeme, wobei der Schönheitsfehler nur ist, dass für die

 

Bevölkerung der betroffenen Staaten die soziale und politische Herkunft der Dissidenz der

 

letzten zehn Jahre nicht in jedem Fall eine ganz legitime ist (10). Wir wollen uns an dieser

 

Stelle aber selbstverstaendlich nicht in der Analyse der eigenen Widersprüche und der

 

eigenen Problematik der Kollektivschuld vertiefen, wir wollten nur an die pure Tatsache

 

dieser zweiten Relation (aber auch an die Tatsache ihrer Kontroversie gegenüber der

 

RELATION FREIHEIT) hinweisen.

 

 

 

Die ersten beiden Relationen ergeben also ein schwankendes und kontroverses Bild. Das

 

Land der neuen Freiheit und das Land der ehemaligen Kollaborateure lassen sich gewiss

 

nicht ganz leicht in eine einheitliche Vision integrieren. Wir möchten an dieser Stelle aus

 

dieser Tatsache dieser Ambivalenz nichts Deduktives ''ableiten'', es steht aber ausser

 

jeglichem Zweifel, dass diese Ambivalenz einen politischen Raum schafft, welcher die neuen

 

Inhalte einigermassen schon bestimmen kann (11).

 

 

 

Noch bevor wir jede mögliche Konsequenz von der Dualitaet der beider Relationen (FREIHEIT versus KOLLEKTIVSCHULD) ziehen, müssen wir das dritte und ebenfalls grundlegende Verhaeltnis beim Namen nennen, und es ist eine andere ''Schuld'', und zwar die Staatsverschuldung der ehemaligen kommunistischen Staaten zum Teil an die Staaten des Westens, zum Teil an Finanzorganisationen des Westens und endlich an einzelne Banken (ebenfalls des Westens). Dass die Relation ''Glaeubiger-Schuldner'' bereits am Ende der früheren Periode aufgekommen ist, gilt als eine sehr wichtige und auch weiter zu analysierende Tatsache. Die beiden Bereiche hat der ungarische Kabarettist, Geza Hofi miteinander verbunden, indem er im Namen des siegriechen Sozialismus die tödliche Krankheit des Kapitalismus in Rede brachte und nach alldem die Frage stellte, ob es ein wirklich moralisch verantwortbarer Schritt sei, von einem ''Todkranken Geld zu leihen''. Die im Text des Moralisten Hofi noch enthaltene Einheit zwischen (gesunden oder totkranken) Staaten und der Verschuldungsproblematik fiel im Laufe der spaeteren Entwicklung auseinander. Einerseits, wie thematisiert, erschienen die gleichen und freien Staaten (mitsamt der Kollektivschuldproblematik) und andererseits die Relation ''Schuldner-Glaeubiger''.

 

In diesem Zusammenhang wird nicht die an sich sehr wichtige und legitime Frage exponiert, in welcher Korrelation die Verschuldung mit dem möglichen Ausbau von neuen Markwirtschaften in der Region steht (12),  es geht um einen Vergleich der verschiedenen neuen Relationen zueinander.

 

 

 

Die erste grosse Differenz zwischen der Relation FREIHEIT und KOLLEKTIVSCHULD beziehungsweise der Relation VERSCHULDUNG ist, dass waehrend die ersten zwei Konnexionen einen deutlichen und konkreten Sinn für jeden Einzelnen und für jede soziale Gruppe haben, die Relation STAATSVERSCHULDUNG meilenweit ÜBER die Einzelnen und die einzelnen Gruppen artikuliert wird. Frei sein oder schuldig sein hat einen konkreten Bezug auf jeden und auf jede Gruppe, im Positiven wie im Negativen, sie motiviert zum Handeln (oder motiviert nicht zum Handeln), sie bezieht sich auf moralische und andere Dimensionen. Das Problem der Staatsverschuldung bildet aber sowohl für den Einzelnen wie auch für die sozialen Gruppen eine vollkommen ANDERE, ABSTRAKTE Welt, die sich nicht direkt auf  sie bezogen werden kann. Eine Ironie des Geschehens ist es jedoch, dass sich auch niemand für die wirkliche Geschichte der Verschuldung interessiert, so dass nicht einmal jene persönlichen und sozialen Verbindungen rekonstruiert werden,  die mit der Verschuldung tatsaechlich in Beziehung gebracht werden können (13).

 

 

 

Dieses Nebeneinander und diese Gleichzeitigkeit von den Relationen FREIHEIT, KOLLEKTIVSCHULD und VERSCHULDUNG macht die neue Definition des wirklichen Verhaeltnisses zwischen ''Ost'' und ''West'' alles andere als allzu einfach. Man kann sich darüber nachdenken, dass ein Freigewordener schuldig im Sinne der beiden Versionen ist, oder ob ein Kollektivschuldiger frei und verschuldet oder letztlich ob ein Verschuldeter frei und kollektivschuldig sei. Es laesst sich vielleicht aussagen, dass diese nebeneinander existierenden beiden Kategorisierungen hauptsaechlich dafür schuld sind, dass diese Relationen in eine historische Perspektive gestellt heute so konfus aussehen. Es ist nicht schön, von einem totkranken Geld zu verleihen, zitierten wir die tiefe Einsicht des Kabarettisten. Es ist aber auch nicht schön, von einem Freigewordenen die Schulden seiner vorzeitigen Unterdrücker zurückzuverlangen. Oder mit einem anderen Bilde ausgedrückt: Es ist nicht schön, von dem freigewordenen Gefangenen die Schulden des Gefaengnisses ein zufordern.

 

 

 

Die neue Relation zwischen Ost und West ist also vielfach determiniert. Es versteht sich von selbsr, dass die von uns in diesem Zusammenhang hervorgehobenen drei Relationen die Vielschichtigkeit und den sich aus ihr ergebenden konfusen Charakter dieser Koexistenz nicht vollstaendig widergeben.

 

 

 

Wir wollten aus der Tatsache dieser Konfusion zweierlei Konsequenzen ziehen. Zum einen möchten wir nachdrücklich betonen, dass die in Frage stehenden Probleme neuer und theoretischer Natur sind. Sie sind Probleme, die schon aus der Tatsache heraus neu und grundsaetzlich reflektiert werden sollten, weil es in unserer Zeit zum ersten Mal über POSTKOMMUNISMUS die Rede sein kann, d.h. alle Begleitphaenomene dieser Wendung in einem volkommen neuen Zusammenhang erscheinen. Die Inkohaerenz und die Konfusion der verschiedenen Relationen bereitet aber auch theoretisch viele neue Probleme, denn - mit dem liberalen Theoretiker Jozsef Eötvös gesagt- es ist immer problematisch, wenn die ''herrschenden Ideen'' eines Zeitalters miteinander im Konflikt stehen (14).

 

 

 

Ausser den theoretischen Problemen werden sich aus dieser letztlich undefinierten Konfusion auch zahlreiche praktische Schwierigkeiten entstehen. Ohne dass wir hier einige angsteinflössende Szenarien an die Wand malen würden, sollte auf die Möglichkeit hingewiesen werden, dass die Verstaerkung neuer nationalstaatlicher Interessen sowohl im Westen wie auch im Osten anfangen kann. Dies würde heissen, dass hinter den beeindruckenden Fassaden von den integrierten Einheiten eine neue, diesmal im  Osten und im Westen miteinander  selektiv zusammenarbeitenden Nationalstaaten entstehen können.

 

Denn in jeder historischen Situation, in welcher die historischen Horizonte erschüttert werden, gewinnen die ewigen Welten von gestern ihre neuen Chancen. Ob es dann dem Westen gelingen wird, diese ewig-gestrigen Maechte von ihren Grenzen fernzuhalten, sei an dieser Stelle offen gelassen.

 

 

 

 

 

ANMERKUNGEN:

 

 

 

 

 

(1) Diese Instrumentalisierung des Vergessens kann den verschiedensten aktuellen Zwecken dienen. In diesem Sinne können wir erfahren,  dass das Böse nicht immer so böse war, wie es angenommen wird oder weitere und andere Grundkomponenten und Konstituenten dieses Zeitalters doch nicht so ''schwarz-weiss'' ausgesehen haben. Besonders sensibel treten diese Instrumentalisierungen bei der Bestimmung der Grundrelationen der heutigen Weltpolitik auf. Einige amerikanische Politologen werfen in diesem Zusammenhang schon auch auf, dass diese Zweiteilung auch nicht das wesentlichste Problem für die USA bedeutete.

 

(2) Der zweite Teil der Aussage laesst sich selbstverstaendlich nur als theoretischer Satz verstehen. Nur theoretisch entsteht naemlich die Frage, wodurch ''Geschichte'' als Geschichte konstituiert wird. Die Ignoranz in dieser Frage zeigte sich in der Fukuyama-Diskussion auf eine exemplarische Weise, indem nicht wahrgenommen worden ist, dass durch den Ausfall der Zweiteilung eben ein ''Ende der Geschichte'' angenommen werden konnte, WEIL die Zweiteilung eben es war, die die Geschichte konstituiert hatte. Diese Auffassung vertreten auch wir in dieser Arbeit.

 

(3) Der Status dieser zweiten Periode ist  - unter anderen - ebenfalls ein weiter auszuarbeitendes theoretisches Problem. Einerseits deshalb, weil sie klar und eindeutig aus der Tatsache von Stalins 1953 erfolgtem Tode herausgewachsen ist, so dass sie unter keinen Umstaenden als eine ''organische'' oder ''natürliche'' Entwicklung des realen Sozialismus angesehen werden kann. Es besteht kein Zweifel darüber, dass Stalin schon auch Kaukasier, die ja bekanntlich lange leben, haette auch bis 1963 leben können, in welchem Fall dann diese ''zweite'' Periode des realen Sozialismus und der Relationen zum Westen anders haetten ausfallen müssen.

 

(4) Die Bezeichnung ''Lager'' ist ein bleibendes Dokument dieser Homogenisierungskraft

 

der ersten und direkten Periode des Kalten Krieges, auch wenn das eine Lager eben das ''Friedenslager'' war.

 

(5) Auch wenn Vertreter der einzelnen Subsysteme sich nicht daran erinnern, war die Harmonisierung der einzelnen Subsysteme mit den führenden Zielsetzungen ihres Lagers eine so perfekte, dass es fast den Begriff der modernen Gesellschaftlichkeit, der neuzeitlichen Pluralisierung sprengen müsste.

 

(6) Fasst man das Herr-Knecht-Relation nicht in dem strengsten Sinne von Hegel und Kojeve, so laesst sich auspointieren, dass beide grossen Systeme das je andere System als ein par excellence Herr-Knecht-System aufgefasst haben. Die Beziehung dieses Zusammenhanges  auf  die Fukuyama-Diskussion liegt selbstverstaendlich sehr nahe.

 

(7) Hier gilt zu betonen, dass in den siebziger und achtziger Jahren der sogenannte ''ungarische'' Weg der ''normale'' und der Husaks, Honeckers und Ceausescus der deviante war. Kein Wunder, dass auch die Sowjetunion an den ''Erfahrungen'' dieses Weges interessiert war. Es gehört freilich auf einen anderen Blatt, warum die anderen diesen ''normalen'', zum Pragmatismus führenden Weg nicht einschlagen konnten.

 

(8) Dies führte zur Schizophrenie etwa des ungarischen pragmatischen Kommunismus, der trotz seines Pragmatismus eine Legitimitaet erzielen konnte. Über die Problematik der Legitimitaet im Kontext der post-sozialistischen Transition s. Endre Kiss, ''Zur Sozialphilosophie des postsozialistischen Systemwechsels'', in: Karen Gloy (Herausgeberin). DEMOKRATIE - THEORIE. Ein West-Ost-Dialog. Tübingen, 1992. 106-131.

 

(9) Für den Nachweis dessen, dass die von uns für diesen Zusammenhang gewaehlten drei Relation eine sinnvolle Wahl ausmachen, genügt der Hinweis auf die Haeufigkeit des Vorkommens dieser drei Momente in der internationalen Diskussion.

 

(10) Wir wollen damit an den generellen Zusammenhang erinnern, dass es nach dem gelungenen und bis zu seiner Extreme gekommenen Stalinismus erst eine innere Dissidenz des Stalinismus es war, welche die erste Opposition abgab. Ein typologisch wertvolles Beispiel dafür liefert die Imre Nagy - Gruppe in Ungarn nach Stalins Tod. Es ist dann freilich eine sehr delikate Frage für die Bevölkerung, ob sie in dieser einmaligen Situation etwa die Legitimitaet so einer Gruppe bei der Vertretung demokratischer Interessen anerkennt oder nicht.

 

(11) Obwohl die ehemalige DDR nicht das typische post-sozialistische Land ist, zeigt die hier gemeinte Ambivalenz ihre Früchte hier am deutlichsten. Gerade nach den Wahlen im 1994 wurde gegen die PDS die Kollektivschuld-Problematik geltend gemacht. Die Paradoxie, enthalten in dieser nicht-definierten Auffassung, erscheint beispielsweise darin, dass man in Stefan Heym nicht einen Repraesentanten des freigewordenen Landes, vielmehr einen der ehemaligen systemfeindlichen Machthaber erblicken will.

 

(12) Darüber siehe Endre Kiss ''Über die beiden gleichzeitigen Projekte der post-sozialistischen Welt'', in: Peter Gerlich - Krzysztof Glass (Herausgeber), Bewaeltigen oder Bewahren. Dilemmas des mitteleuropaeischen Wandels. Wien-Torun, 1994. 9-14.

 

(13)Waehrend also WEGEN der Verschuldung wieder eine Kollektivverantwortung existiert, mit dem Tenor, dass Herr X oder Y zu viel konsumiert hatte, die politischen und finanziellen Verantwortlichen für diesen Zustand, von Schalk-Golodkowski bis hinab zu den einzelnen grauen Beamten gelten als Fachleute, die mit der Politik direkt nichts zu tun hatten. Dieser Zusammenhang ist ein weiteres Indiz für die Absurditaet der neuen Ost-West-Relationen.

 

(14)S. Die herrschenden Ideen unseres Jahrhunderts, 1851-1854. S. darüber E. Kiss, ''A magyar filozofia az önkenyuralom koraban'',  MAGYAR FILOZOFIAI SZEMLE, 1984/1-2.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mitteleuropa als Gegenstand wechselnder Grenzlandsperspektiven

 

 

 

Fasst man einen der spezifischsten Züge der mittel-europaeischen Region zusammen, so faellt auf, dass sie stets eine der historischen und zivilisatorischen Grenzen gewesen ist. Es lag hier der LIMES des Römischen Reiches (um über noch frühere Formationen ganz zu schweigen), die Grenze von früh-mittelalterlichen Weltreichen, die des Osmanisch-Türkischen Imperiums und des Habsburg-Reichs, um dann - mit Auslassung einiger dazwischenliegenden Grenzbildungen - zum Eisernen Vorhang zu kommen, der direkt mit der Fleischwerdung der zweigeteilten Welt identisch war. Es ist eine ansehnliche Literatur über diese Grenzen von Jenő Szücs zu Samuel P. Huntington, die diese Grenze schon als "Bruchlinien" interpretieren und ihnen dann theoretische, stellenweise metaphysische Bedeutung zuschreiben. Unser Problem im Zusammenhang mit diesen Konzeptionen (ob zivilisatorisch oder strukturell) entstammt nicht einer generellen Skepsis ihnen gegenüber, vielmehr ihrer Faehigkeit, zum Gegenstand der verschiedensten Instrumentalisierungen zu werden. Denn eine theoretisch fixierte Grenze etwa zwischen zwei "Kulturkreisen" oder zwei Zivilisationen, oder gar zwischen "Ost" und "West", zwischen "Mittel-Europa" und "Ost-Europa" mag sachlich korrekt sein oder nicht. In jedem Fall aber dient sie Instrumentalisierungen, die in der internationalen politischen Praxis von der grössten effektiven Tragweite sein können und die grösstenteils bei der Konzipierung der strukturellen oder zivilisatorischen theoretischen Grenzziehung mit der grössten Wahrscheinlichkeit noch nicht vorauszusehen waren. Wer denkt etwa daran, dass eine theoretische Aufassung, die die kulturelle oder zivilisatorische Identitaet einer Region zu formulieren sucht, am anderen Tag schon dazu dienen kann, aus einer anderen zivilisatorischen Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden?

 

 

 

Wer dachte etwa daran, dass Jenő Szücs'' Konzeption über die drei Regionen Europas bald zu einer stillschweigenden Legitimationsideologie der ost-mitteleuropaeischen realsozialistischen Einrichtungen wird (man gehört ja doch nicht in die anderen Region)? Wer dachte ferner aus den Verteidigern der vielen einzelnen Kulturen und Zivilisationen der Erde daran, dass ihr leidenschaftliches Pochen auf die eigene Identitaet für Samuel P. Huntington den glaenzendsten Beweis liefern wird, über "Zivilisationen" zu reden, die meilenweit voneinander entfernt und miteinander kommunikationsunfaehig sind, was selbstverstaendlich deutliche und handgreifliche Konsequenzen für die Gestaltung der internationalen Beziehungen und dadurch der Weltpolitik sein wird.

 

 

 

Grenzen sind immer dialektisch, was so viel heisst, dass sie auch nur im breiteren Kontext ihre wahre Bedeutung erlangen. So konnte es waehrend der Vorherrrschaft des allgewaltigen Eisernen Vorhanges der Fall gewesen sein, dass die Menschen der beiden Weltteile diejenigen des jeweils anderen Weltteiles als Menschen ansahen, die  "eigentlich" als Menschen so waren, wie sie selbst. Man könnte die Paradoxie im spaeteren mit einiger Verblüffung konstatierend verfolgen, dass mit jedem getanen Schritt auf dem Wege der Auflockerung der Geltung des Eisernen Vorhanges die "Eigentlichkeit", dass die "Anderen" "eigentlich" Menschen wie wir sind.

 

 

 

Die Grenzproblematik in der mittel-osteuropaeischen Region ist in vielen Hinsichten ein historisches Produkt, vor allem selbstverstaendlich das des "nation-building", d.h. der im 19. Jahrhundert im Zentrum des politischen Geschehens stehenden Entfaltung der europaeischen Nationalstaatlichkeit. Wegen der Geschichte, vor allem der langen Praesenz des Türkischen Reiches und damit in Verbindung des Habsburger-Reiches entstand eine kritische historische Verspaetung im "nation-building" und wenn man ins Tiefe des Problematik blickt, könnte man hinzufügen, eine ebenfalls kritische Verspaetung der Ausbildung der vielfachen historischen Voraussetzungen der für optimal angesehenen Nationalstaatlichkeit. Diese kritischen Defizite schrieben es beinahe handgreiflich vor, dass in dieser Region schon in der Unmittelbarkeit des historischen Prozesses direkt multinationale Staatsgebilde (oder ein solches Staatsgebilde) entstehen(t). Daher die Bedeutung der Habsburger-Monarchie und des spaeteren Österreich-Ungarn auch für die ganze Region, auch für Teile derselben, die nicht zu ihm gehört haben. Die grundsaetzliche Problematik liegt aber auch nicht darin, ob (und warum nicht) Österreich-Ungarn ein ideales und optimales multinationales Stsatsgebilde war. Die kritische Problematik besteht gerade darin, dass die vielfachen Defizite bei den Voraussetzungen der Nationalstaatlichkeit und der Nationalstaatlichkeit selber praktisch auch eine frühzeitige multinationale Staatenbildung verhindert haben. Aus all









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