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Tartalomjegyzék ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 11 ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 13 Utolsó lap

ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 12

Szerző: Kiss Endre




(4)We have hardly to add this circulation in the past decades were not fully intact. Also an important historical relation is, however, that this social ANOMY appears as alternative for other ANOMIES that are seemingly unavoidable. In other words, the Hungarian ANOMY was more attractive than the Polish, Czech or Yugoslave anomy of the end of the 1970s, moreover, the Hungarian anomy increased also the liberty degree of a part of the society.

 

 

 

(5)See Endre Kiss, A Csécsy-vonal avagy a politikai optimum képviseletének  dicsőségéről és nyomoruságáról. Valóság, 1990/7.

 

 

 

(6)The placing the economic problems in the foreground always turns away the attention from the un-normality phenomenon although the concrete historicism of the reasons for indebtedness, its modes and realization is in itself the consequence of the ANOMY becoming perfect.

 

 

 

(7)It is already a fundamental fact of the social existence that the certain, different socio-cultural groups are never in the same state of ANOMY.

 

 

 

(8)The fact of the social ANOMY is markedly reflected already in the everyday political life. There are also political figures who built their strategies consciously on the reality of the ANOMY. Such a strategy is the following: the political factor in question always trespasses the political, social and citizenly norms starting from the point that both he end the believe in the reality of some rough, realistic force. The strategy based on the regular trespassing of norms are built, however, not only this elements, as related to the completed form of the ANOMY, but also that politically and even morally it refers to former reality of the ANOMY, concretely, that in this field previously the state party also trespassed the norms. Accordingly, he declares his trespassing of the norms, as a justified moral requirement, and describes its totalitarian desires as anti-totalitarian attitude.

 

 

 

(9)One of the most pregnant example is the selling of the Shipyard of  Óbuda by Ádám Angyal. This sympathetic expert simply has not understood for years that he as the socialist director of a great investment had to take certain (realistic and not artificial) norms always in mind. It is not the ANOMY that there is someone who has did enormous efforts that golf-courses should be constructed to the place of the present ship-yard but ANOMY apperas in the fact that he is just the ''comme il faut'' socialist director of the shipyard.

 

 

 

(10)Obviously, this division could be further refined, and doubtlessly other logical division could be also applied (e.e.a. stronger utilization of the power distribution among generations), and it is also certain that the large masses of the population cannot be purely classed in any groups.

 

 

 

(11)The other aspect of the process that the meaning of the wird ''Christian'' is divided into three parts takes place in an interesting manner: 1. it preserves its positive attribute from the period of the prosecution by the (communist) party state, 2. it obtained a meaning by using it for classifying the political trends, as an attribute for marking the value-neutral features, 3. it has also a new, concrete and classifying meaning, first of all in the course of debates on the religious education. In the course of this process it belongs to the world feasible things, and the contents of  ''Christian middle class'' may be renewed in the actual political fights.

 

 

 

(12)A very difficult problem is that which socio-cultural group accepts really internally realistic partners the uther worth for the dialogue. Anyhow its validity may not be restricted to the spheres just in question.

 

 

 

(13)See Endre Kiss, Sztálinizmus és kulturforradalom között. A neomarxizmus szociológiája, Valóság, 1989/11.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6. DER DISKURS ÜBER DAS ''ENDE DER GESCHICHTE''

 

 

 

Francis Fukuyama''s Diagnose der welthistorischen Wendung aufgrund seiner Analyse von Michail Gorbatschow''s Verhalten gilt in ihrem Wesen auch noch in der globalen Situation unserer Tage. Ein ganz besonderes Verdienst Fukuyama''s ist sein Einschalten der philosophischen Universalgeschichte in die Analyse der Gegenwart. Tatsaechlich liess diese welthistorische Wende die Geltung der einzelnen Subsysteme aufheben, dadurch wurde das Totale und das Ganze unmittelbar.

 

 

 

Das ''Ende der Geschichte'' ist ein durchaus treffender Ausdruck für die Ereignisse der Jahre 1989/1990. Er ist es selbstverstaendlich in einem geschichtsmethodologisch begründeten philosophischen Sinne.         

 

 

 

Francis Fukuyama hat mehrfache Verdienste, die im wesentlichen bis heute gelten. So zum Beispiel die Diagnose der welthistorischen Wendung aufgrund seiner Analyse von Michail Gorbatschow''s Verhalten (das wir in unserem Dezisionismus-Kapitel eingehend dargestellt hatten). Man darf dazu nicht vergessen, dass Michail Gorbatschow noch ein legitim amtierender Erster Sekretaer des realen Sozialismus war, als Fukuyama die These vom ''Ende der Geschichte'' bereits formulierte. Wieder ein bis heute andauerndes Verdienst Fukuyama''s besteht in seiner Konzipierung des Liberalismus-Problems als der Inhalt der welthistorischen Wende.                                                                                                                                                               

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gorbatschow als legitimer oder illegitimer Vollender Hegels

 

(Das Ende der Geschichte als eine Theorie der Gegenwart)

 

 

 

Francis Fukuyama publizierte 1989 seine berühmt gewordene Studie über das “Ende der Geschichte”. Hier machte er den ersten Versuch, jenen historischen Prozess in eine Geschichtsphilosophie der Gegenwart aufzunehmen, den man seit etwa 1985 als “Perestrojka” kennengelernt hat. Im Laufe dieses Prozesses verzichtete die eine Grossmacht auf jenen ideologischen Anspruch, auf den sie ihre Ansprüche als Grossmacht aufgebaut hat und nahm in der Form von öffentlichen Erklaerungen die Ideologie, bzw. das Wertsystem ihres liberalen Rivalen an.        

 

 

 

Francis Fukuyama''s theoretische Tat bestand gerade in dieser Einsicht: Er hat es als einer der ersten effektiv wahrgenommen und theoretisch reflektiert, dass hinter dieser “Zurücknahme” des sowjetischen Machtanspruches durch Michail Gorbatschow ein Verhalten steht, welches sowohl auf frühere historische, wie auch auf frühere ideologische UND theoretische Positionen grundsaetzlich verzichtet. Ein so radikaler Verzicht, eine so radikale Zurücknahme von geschichtskonstituierenden Momenten liesse sich tatsaechlich GENERELL mit dem Ausdruck eines “Endes der Geschichte” bezeichnen - und zwar aus dem Grunde, weil ein Grossteil der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts gerade im Zeichen dieser Rivalitaet von den beiden Wertsystemen stand (mit gewissem Rechte könnte man die Vorherrschaft der Rivalitaet dieser beiden Wertsysteme noch weiter zurückdatieren). Hier treffen wir sogar gleich einen der problematischsten Punkte in Fukuyama''s Konzeption: Definiert sich der Begriff des “Endes der Geschichte” als GENERELLE Reaktion auf die Herausforderung der neuen Situation oder definiert er sich anders? Es ist einerseits klar, dass ein Grossteil der Diskussion über das Ende der Geschichte Fukyama''s Thesen als generelle Antwort versteht, wogegen der Denker mit dem Argument antwortet, dass er die These vom Ende der Geschichte in einem ganz spezifischen Sinne versteht. Scheinbar wird die Lage dadurch einfach: Man sollte das KRITERIUM herausfinden, welches über die Definition des “Endes der Geschichte” entscheidet. Ein gravierendes Problem ist es aber, dass selbst Francis Fukuyama seine eigene These manchmal als GENERELLE Antwort auf die neue welthistorische Situation versteht, manchmal aber sich rigoros an seinem eigenen Kriterium festhaelt. In diesem zweiten Falle kann er sich mit Recht darauf berufen, dass Gegenargumente, die darauf hinweisen, dass die Geschichte in der Wirklichkeit trotz Fukuyama weitergeht, stark daneben schiessen. In seiner Antwort auf seine Kritiken konkretisiert Fukuyama sein Verstaendnis der Geschichte in der Marx-Hegelschen Richtung: “Die ’Geschichte’ kann bei Hegel in einem engeren Sinne aufgefasst werden, und zwar als eine ’Geschichte der Ideologie’ oder als eine Geschichte von Ideen, die unter anderen die politische oder soziale Organisation regulieren.” (1)

 

 

 

Fukuyama nennt hier Hegel (und Marx, der in dem hier entscheidenden Zusammenhang mit zu dem Hegelschen Paradigma zu rechnen ist) mit doppeltem Recht: erstens, weil Hegel auch zu jenen Denkern gehört, die den betreffenden Konstitutionsmodus der Geschichte begründet haben, zweitens aber auch deshalb, weil Fukuyama nicht nur diese sozusagen “wissenschaftslogische” Begründung von Hegel, sondern auch “materiell” die Hegelsche Idealtypisierung des Herr-Knecht-Verhaeltnisses übernimmt. Dies sei an dieser Stelle vor allem aus dem Grunde betont, weil eine Interpretation der Zurücknahme der sowjetischen Machtansprüche und die dadurch implizierte Anerkennung der Grundwerte des “westlichen” Liberalismus im Sinne der historischen Konstitution der Geschichte IM PRINZIP nicht nur mit der Hegelschen Konstition der Geschichte, sondern auch mit andere Konstitutionen derselben haette zusammengehen können (2).

 

 

 

In der Darstellung des Francis Fukuyama erscheint eine nicht mehr bipolare, eine ideologisch nicht mehr geteilte Welt. In diesem Zusammenhang erscheinen drei gewaltige Thesen in einer isomorphen Struktur:

 

 

 

a)     Ende der Rivalitaet der beiden Grossmaechte,

 

 

 

b)    Ende der Rivalitaet der beiden grossen Ideologien,

 

 

 

c)     Ende der INNERHALB der einzelnen Gesellschaften vorherrschenden

 

ideologischen Entzweiung. Die zeitweilige Isomorphie dieser drei auch im einzelnen gewiss fundamentalen Tatsachen sagt Fukuyama in expliziter Form nicht aus, die Vereinigung dieser drei Perspektiven ist aber eine legitime Fortsetzung seiner These über das Ende der Geschichte.         Die zeitweilige isomorphe Position dieser drei bestimmenden Aussagen sagt aber noch über das früher schon angesprochene Grundproblem aus: Ist die Theorie vom Ende der Geschichte eine generelle Antwort auf die Herausforderung der neuen Weltsituation oder ist sie eine Theorie, die erst sinnvoll ist, wenn sie unter ein bestimmtes Kriterium gesehen wird.         Wir gehen kaum fehl, wenn wir das THEORETISCH wichtigste Element in dieser Theorie über das Ende der Geschichte in jenem Akt erblicken, in der Francis Fukuyama in der ERSTEN Fassung seiner Konzeption den Gorbatschowschen Verzicht auf die globalen Machtansprüche der Sowjetunion mit dem Ende einer im Zeichen der Herr-Knecht-Relation stehenden Geschichte im Hegel-Kojevschen Sinne verknüpft, sogar im wesentlichen diesen Verzicht mit jenem Ende im praktischen gleichsetzt.

 

 

 

Ohne diese Verknüpfung von Gorbatschow und Hegel würde also Fukuyamas Theorie überhaupt nicht entstehen können. In seiner Hegel-Deutung vertritt Fukuyama etwa die Auffassung: der Motor der Geschichte sei die als Konstituens aufgefasste “Idee”, welche sich letztlich in den konkreten sozialen und politischen Institutionen objektiviert. Dieser Hegelianismus von Francis Fukuyama kann uns aber darüber nicht hinwegtaeuschen, dass er im Laufe der seit dem Erscheinen seines Essays vom “Ende der Geschichte” vergangenen Zeit eine entscheidende und in der theoretischen Substanz qualifizierende Wendung in seinem Hegel-Verstaendnis durchführte, eine Wendung, die RÜCKWIRKEND sogar auch die ganze Theorie vom Ende der Geschichte in neuer Beleuchtung könnte aufscheinen lassen.        

 

 

 

Der theoretisch wichtigste, im wahrsten Sinne des Wortes konstitutive Akt des theoretischen Ansatzes bei Fukuyama war die Verknüpfung des Gorbatschowschen Verzichts auf (allseitige) sowjetische Machtansprüche mit Hegels Interpretation der (europaeischen) Geschichte. Nun, im Laufe der Diskussion entsteht auch ein neues Hegel-Bild, dessen Schwerpunkt ein vollstaendig anderer ist und welches von mehrfacher weiterer theoretischer Relevanz ist.        

 

 

 

Der eine Strang dieser heraufbeschworenen neuen Einstellung zu Hegel enthaelt eine als neu intendierte Deutung der Hegelschen Relativitaet der Wahrheit. Auf einer für Fukuyama''s Methodik charakteristische Weise erscheint wieder ein Argument vor uns, welches auf dieselbe Weise ZWEI unterschiedliche Argumente vereint, wie es selbst bei der Aufstellung der These vom Ende der Geschichte der Fall gewesen ist (erstes Argument: Deutung des Gorbatschowschen Verzichts auf die Machtansprüche der Sowjetunion, zweites Argument: die Entdeckung (Aufdeckung) des Hegelschen Herr-Knecht-Problems in der Struktur des realen Sozialismus, aus welchen beiden Argumenten letztlich die These vom Ende der Geschichte überhaupt entstehen konnte). Fukuyama greift in der Ausführung seiner ZWEITEN Hegel-Deutung EINERSEITS die Hegelsche historische Relativierung “der” Wahrheit auf und ANDERERSEITS (als zweites Argument) sagt er oft das Ende der Geschichte nicht durch die Kategorien der Herr-Knecht-Relation, sondern positiv-unmittelbar aus. Dadurch veraendert er das argumentative Feld erheblich. Hegel erscheint dabei nicht als Theoretiker der Geschichte DURCH die Herr-Knecht-Relation, sondern ein Theoretiker, der 1807 oder 1830 (beide Fassungen werden angedeutet) zu einer Einsicht ins POSITIVE Ende der Geschichte kam (3). Dadurch verwandelt Fukuyama den philosophischen Theoretiker der Geschichte in einen “positiven” Theoretiker der Geschichte, was in seinem Typus eine uralte hermeneutische Problematik jeder Hegel-Deutung wieder heraufbeschwört (4).

 

 

 

Nicht geringer sind aber auch die positiven politischen Konsequenzen dieser Modifizierung. Haette der “Liberalismus” in Europa bereits MIT Hegel gesiegt, so gilt die GANZE post-hegelsche philosophische und politische Entwicklung als ein verfehlter Weg, wir müssten unsere Situation mit derjenigen Hegels identifizieren und die spaetere Entwicklung in dieser oder jener Form verurteilen (5).

 

 

 

In einem seiner neuesten Versuche modifiziert Fukuyama den Rahmen seiner Theorie wieder. In gewissem Sinne laesst sich diese Modifizierung als eine Lösung jener Spannung angesehen werden, welche zwischen den ersten beiden Hegel-Fassungen (“Geschichte ist identisch mit der Vorherrschaft der Herr-Knecht-Relation”, bzw. Hegel diagnostizierte ein Ende der Geschichte schon POSITIV) induziert worden sind.        

 

 

 

Diese neue Konzeption steht auf der Basis einer anthropologisch ausgedehnten Problematik des Kampfes um die Anerkennung. SCHEINBAR steht also die neue Fassung von der ursprünglichen Konzeption der Identifizierung DER Geschichte mit der Vorherrschaft der Herr-Knecht-Relation nicht fern - in Wirklichkeit sind sie aber theoretisch sogar inkompatibel. Um nur auf das Wichtigste hinzuweisen: Waehrend aufgrund der ersten Fassung ein “Ende” der Geschichte möglich werden konnte, hört die Wirkung der zweiten Fassung auch in der post-historischen Zeit nicht auf (6). Dass aber unter anderen aus diesem Kampf um die Anerkennung auch neue Herr-Knecht-Relationen entstehen können (wodurch auch die These von dem Sieg des Liberalismus relativiert werden kann), wird bei Fukuyama überhaupt nicht thematisiert.       

 

 

 

Fukuyama versucht, auf eine neue, in der politisch-philosophischen Praxis unbekannte Weise eine wichtige theoretische Einsicht mit der politologischen Realitaet in Verbindung zu setzen. So gelingt es Fukuyama tatsaechlich, die globalen politischen Ereignisse mit den Einsichten und Prophezeiungen der grossen Geschichtsphilosophien in Verbindung zu setzen. Er diagnostiziert - durch seine merkwürdige politisch-philosophische Wesensschau - im Schicksal eines konkreten historischen Subjektes die Bewahrheitung oder Nicht-Bewahrheitung einer grossen geschichtsphilosophischen These, allerdings so, dass er im vorhinein das betreffende Subjekt theoretisch schon als den eigentlichen Traeger der betreffenden geschichtsphilosophischen These hinstellt. So wird, wie es in diesem Versuch schon oft thematisch geworden ist, Gorbatschows Sowjetunion zur Traegerin einer im Zeichen der Herr-Knecht-Problematik stehenden Realitaet der Geschichte.         

 

 

 

Unsere Einstellung zu dieser konkreten Methode des Aufeinanderbeziehens von Geschichte und Geschichtsphilosophie ist eine ambivalente. Einerseits begrüssen wir sie aufrichtig, als einen neuen Ansatz, das grosse geschichtsphilosophische Denken zumindest für die globalen Probleme unserer Gegenwart wieder anzuwenden. Andererseits haben wir mit diesem Verfahren aber auch erhebliche methodische Probleme. Uns scheint dieses Verfahren in einem kritischen Ausmass nicht-explizit zu sein. Erstens erscheint uns die schon mehrfach heraufbeschworene Vereinigung von zwei unterschiedlichen Argumenten zu EINEM Argument als nicht hinreichend expliziert. Gorbatschows Verzicht IST identisch mit dem Ende der Geschichte - dieses Argument VERDECKT die zwei zugrundeliegenden einzelnen ursprünglichen Argumente: 1) Der reale Sozialismus ist ein System, wo die Herr-Knecht-Relation die vorherrschende ist; 2) Die Geschichte ist (nach Hegel) identisch mit dem Vorherrschen der Herr-Knecht-Relation.        

 

 

 

Die konkrete, von Fukuyama durchgeführte Vereinigung der beiden Argumente kann überhaupt nur denen einleuchten, die diesen Akt der NICHT-EXPLIZITEN Vereinigung wahrnehmen. Ein Teil der kritischen Stimmen, die in der Diskussion der Fukuyama-These bislang in die Öffentlichkeit gedrungen sind, artikuliert Einsichten, die ganz deutlich und sichtbar von der mangelnden Einsicht in dieses Verfahren der Vereinigung der beiden Thesen zeugen (7).        

 

 

 

Das kritische Ausmass der Nicht-Explizierung führt aber auch zu einem anderen, ebenfalls sehr wichtigen Problem. Die nicht explizierte Vereinigung der beiden Ausgangsthesen leitet bei dem Verifikationsprozess zu kaum behebbaren Schwierigkeiten hinüber. Das Verfahren einer nicht-expliziten syllogistischen Vereinigung der beiden Grundargumente bergründet, bewusst oder nicht (und es ist für uns in diesem Augenblick gaenzlich nebensaechlich) dazu, dass die einzelnen Thesen in expliziter Form auch NICHT VERIFIZIERT werden können. Es versteht sich von selbst, dass weder die nicht explizierte These über die (ehemalige) Sowjetunion als das Land des Herr-Knecht-Verhaeltnisses noch die (ebenfalls im wesentlichen nicht-explizierte) zweite These von der Geschichte als geistiger und realer Ort der Herr-Knecht-Relation auf ihren Wahrheitsgehalt hin systematisch untersucht werden können, wenn sie als Thesen überhaupt nicht aufgestellt sind. Das kritische Ausmass der Nicht-Explizitheit der Thesen führt also einerseits zu der schwierigen Identifizierbarkeit der eigentlichen Thesen selber. Es verursacht aber auch, dass die These in engerem Sinne nur unter den grössten Schwierigkeiten auf korrekte Art und Weise verifiziert werden kann. Bedenke man es nun von einer anderen Richtung aus: Korrekt verifizieren kann die Fukuyama-These nur einer, der die nicht-explizite Vereinigung der beiden Thesen überblickt und dann die beiden Grundthesen im einzelnen verifizieren kann.

 

 

 

Diese verdoppelte wissenschaftslogische Problematik bei der Theoriebildung von Francis Fukuyama ist für uns ein genügend ausreichender Grund für die vielen Kommunikations- und Verstaendigungsprobleme der ganzen Diskussion. Die wohl am haeufigsten vorkommende Schwierigkeit, d.h. die Beteuerung, dass die Geschichte nicht “zu Ende gehen kann”, ist in diesem Lichte besonders charakteristisch. Mit vollem Recht kann Fukuyama darauf antworten, dass er das “Ende der Geschichte” in einem ganz spezifischen Sinne gemeint hat, in einem Sinne, der im wesentlichen auf die beiden, miteinander explizit nicht verbundenen Grundargumente aufgebaut ist. Es ist aber auch nicht ganz unverstaendlich, wenn Politologen, Historiker oder Publizisten sich das Recht ausnehmen, in so einem entscheidenden Tatbestand als das “Ende der Geschichte” eben ist, auf den alltaeglichen Begriff der Geschichte rekurrieren. Man kann sich darüber nicht wundern, wenn Fukuyama selber zahlreiche Formulierungen aufstellt, die sich nicht mehr auf dem wirklichen Sinn seiner These aufgebaut sind. Er sagt an einer Stelle beispielsweise folgendes: “Es gibt (in der Geschichte - E.K.) eine Richtung auf ein Ziel hin, und dieses Ziel - die liberale Demokratie - ist im wesentlichen erreicht.” (8) Vergleicht man die ursprüngliche Schlussthese (“Gorbatschow''s Verzicht auf die Machtansprüche der Sowjetunion ist









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