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ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 16

Szerző: Kiss Endre




Liberalismus lassen sich ohne jegliche Schwierigkeit verbinden. Sie können eine einheitliche geschichtsphilosophische Charakterisierung der Gegenwart abgeben.

 

 

 

Eine neue und GEMEINSAME Grundstimmung zwischen Ost und West war in der Postmoderne ebenfalls enthalten. Wie einst mit Marx, so wurde auch die Postmoderne zwischen Ost und West ungleich verteilt. Der Westen erhielt die Interdiskursivitaet, der Osten bekam die Dekonstruktion.

 

Jenes Alltagsbewusstsein, welches im Westen, was aber noch wichtiger ist, im Osten die Prozesse des Systemwechsels gestaltet, ist ein postmodernes Alltagsbewusstsein. Von der Beschaffenheit dieses Alltagsbewusstseins lassen sich Faeden zur politischen Praxis des Alltags ziehen. Dass die Intelligenz zur Zeit des Systemwechsels ''postmodern'' dachte, hat eine weitreichende Konsequenz, deren wirkliche Bedeutung erst einige Jahrzehnte spaeter sichtbar werden kann.

 

 

 

Es scheint metaphorisch zu sein, hat aber auch eine durchaus konkrete Botschaft: Das, was in der grossen Postmoderne als Haupttrend erschien, spielte sich im post-sozialistischen Systemwechsel ebenfalls ab. Die Dekonstruktion hat ihre Arbeit getan, ohne dass es ihr unter den konkreten Umstaenden gelungen waere, ihre freischwebende Arbeit durch die Setzung konstruktiver Momente zu ergaenzen. Der Endpunkt unserer Analyse über die Postmoderne erscheint somit auch im politischen Kontext. Bis jetzt ist der post-sozialistische Systemwechsel auch aus diesem Grunde ein postmodernes Phaenomen.

 

 

 

 

 

Aesthetik und Politik & Ost und West

 

(An der Schwelle der Verwirklichung des europaeischen Traumes)

 

 

 

Endre Kiss, Budapest

 

 

 

Um auf die Frage nach der Relation zwischen Aesthetik und Politik eine fundierte Antwort zu finden, würden wir gerne die Frage in allen vier grossen historischen Stationen aktualisieren, die die neuzeitliche europaeische Menschheit durchgemacht hat. Für uns gilt es als Selbstverstaendlichkeit, dass die Ausgangsfrage nicht nur vor einem historisch fundierten EUROPAEISCHEN HORIZONT, sondern auch in einer Reflexion auf den EUROPAEISCHEN TRAUM gestellt werden muss.

 

Wir gebrauchen dabei eine geschichtliche Konzeption, eine historische Einteilung des modernen europaeischen Bewusstseins. Diese ''Archaeologie'' des modernen europaeischen Bewusstseins zeigt eine konsequente Entwicklungslinie, einen vielleicht ZU logischen und ZU konsequenten Entwicklungsweg. Dieser ZU logische, ZU kohaerente Entwicklungsweg ergab sich allerdings aus vielen Einzelforschungen.

 

 

 

In dieser Archaeologie des modernen europaeischen Bewusstseins unterscheiden wir VIER grosse Etappen, und zwar das Zeitalter des INDIVIDUALISMUS, des TOTALITARISMUS, des KONSUMS und der POSTMODERNE. Die Relation Aesthetik-Politik wird in allen diesen Perioden neu thematisiert, es wird aber wieder unvorstellbar sein ohne eine bis ins Ende durchgezogene Parallelisierung zwischen der ''westlichen'' und der ''östlichen'' Entwicklung.

 

 

 

Das Zeitalter des modernen INDIVIDUALISMUS schuf eine Reihe von Bedingungen, die alle dazu beigetragen haben, dass Aesthetik und Politik in einer eigentümlichen Art und Weise ineinander übergegangen sind. An der Wiege dieses schon PAR EXCELLENCE modernen Zeitalters steht ein Werk wie Friedrich Nietzsche''s DIE GEBURT DER TRAGÖDIE, in der die Aesthetik, sowohl in der Gestalt der griechischen Tragödie wie auch in derselben von Richard Wagners musikalischem Gesamtkunstwerk, auf griechisch-substantielle Weise gleichzeitig auch Politik zu sein beanspruchte. Das griechische Drama erschien in Friedrich Nietzsches Vision als Konstituens der griechischen Gesellschaft, als die Form der sozialen und daher auch der politischen Existenz. Diese Konzeption arbeitete auf explizite Weise mit einem Stilbegriff, welcher die Geltung eines ''Stils'' weit über die Aesthetik hinaus verlegt hat und ihn etwa mit der Summa der Lebensaeusserungen eines Volkes identisch setzte. Und in der Tat, eine der schönsten Linien in den europaeischen künstlerischen und aesthetischen Prozessen war DIESE Art des Verstaendnisses der POLITISCHEN Bedeutung des AESTHETISCHEN. Genannt werden müssen dabei Ruskin, William Morris, die Prae-Raffaeliten, sowie die zahlreichen Künstler-Gruppen, Kolonien und lebensreformatorischen Bestrebungen, wie beispielsweise die ''Nabis''-Gruppe in Frankreich, die entweder direkt oder erst durch ihre Folgeerscheinungen nicht selten auch ins Politische übergangen. Durch den Stil, durch die Konturierung eines neuen Menschen oder durch andere Motive (vor allem in der steten Revolutionierung der künstlerischen Wahrnehmung) produzierte die Kunst, bzw. die Aesthetik im individualistischen Zeitalter stets eine Politik nach ihren Begriffen. Diese spezifisch individualistische, im Zeichen der historisch schöpferischen, idealisierten Persönlichkeit stehende Vermischung von Aesthetischem und Politischem artikulierte sich aber auch von der anderen Richtung, d.h. von der Politik her. Zahlreiche politische Karrieren wiesen in dieser Zeit aesthetische Dimensionen und Velleitaeten aus. In unterschiedlichem Ausmass und mit ebenso unterschiedlichen Inhalten verfolgten ein Bismarck, ein Wilhelm II, ein Clémenceau, ein Mussolini, ein Trockij oder ein Lenin politische Konzeptionen, die IN IHRER GANZHEIT auch aesthetische Bedeutung abgaben, über politische Attitüden eines Marinetti, eines D''Annunzio, eines Majakowskij oder eines Salvador Dali ganz zu schweigen, bei denen das Aesthetische und das Politische in der allerunmittelbarsten Form identisch geworden sind.

 

 

 

Der wahre idealtypische Zug des individualistischen Zeitalters bestand in der Prioritaet des kulturschöpferischen Individuums und auf diese Weise in der sehr breit aufgefassten Aesthetik. Die Vorherrschaft des Idealismus der schöpferischen Persönlichkeit erwies sich in dieser Zeit als so hegemon, dass eine weitere Differenzierung schon aus ihm allein ausgegangen ist. Gerade diese schöpferisch-idealistische Persönlichkeit rief ihre Alternative, einen Individualismus ohne Idealismus, auf den Plan. Ein Individualismus also, der Gattungswerte verwirklichen wollte, überliess den Raum einem Individualismus, der seine individuelle Befriedigung AUF KOSTEN der idealistisch aufgefassten Gattungswerte zu erzielen meinte. Auf diese Weise entstand aus einem trivialen und selbstverstaendlichen Bündnis zwischen (metaphorisch gesagt) Schönem und Gutem ein Individualismus, welcher das Schöne AUF KOSTEN des Guten realisieren wollte. So entstand die wahre und selbstbewusste, also nicht ideologisch aufgefasste Aesthetik der Dekadenz, die die Relation Aesthetik und Politik wieder neu entstehen liess.

 

Das Zeitalter des Individualismus verdient diesen Namen vor allem deshalb, weil es - in idealtypischer Verallgemeinerung - JEDEM ermöglichte, an den emanzipativ-individualistischen Bewegungen der Zeit teilzunehmen, so dass die Möglichkeit einer Partizipation an dem jeweils konkretisierten emanzipativen Individualismus ein wahrhaft allgemeine war. In diesem Zusammenhang ist es nur scheinbar überraschend, dass der Osten und der Westen Europas gerade in dieser Zeit, im Zeitalter des Individualismus, einander geistig am naechsten standen. Es war gerade der westliche emanzipative Individualismus, dessen Auswirkungen im Osten den bisher ergebnisreichsten Modernisationsprozess in Gang gesetzt haben, aber auch umgekehrt, es waren die ''östlichen'' Formulierungen des emanzipativen Individualismus (von der grossen russischen und ost-europaeischen Literatur und Kunst angefangen bis etwa zur ihre Mittelstellung einnehmenden Wiener Moderne), die den westlichen emanzipativen Individualismus in allen ihren Inhalten, Gattungen und Abschattungen mit stets neuen Impulsen versehen haben. Ganz im Gegenteil zu den gaengigen Klischees also, nach welchen es die ''Entwicklung'' immer im jeweiligen Heute ihren Höhepunkt erreicht, müssen wir klar feststellen: ''Ost'' und ''West'' standen einander geistig und zivilisatorisch gerade im Zeitalter des Individualismus am naechsten.

 

 

 

Die Relation zwischen Politik und Aesthetik wird in der naechsten Phase der intellektuellen Geschichte Europas, im Zeitalter des TOTALITARISMUS anders. Ganz im Gegensatz zur Hegemonie des Aesthetischen im Zeitalter des Individualismus, erweist sich hier die Politik als hegemon, die sich das Aesthetische eindeutig unterwirft. Waehrend der rechte Totalitarismus die Politik - mit Walter Benjamin zu reden - aesthetisiert, der linke Totalitarismus die Aesthetik politisiert. In der Dualitaet der POLITISIERUNG DER AESTHETIK (linker Totalitarismus), sowie der AESTHETISIERUNG DER POLITIK (rechter Totalitarismus) artikuliert sich der tiefere Unterschied der beiden Totalitarismen auf eine ausgezeichnete Weise. Zum linken Totalitarismus, der das Unterbewusste einfach überflüssig macht, ein Weltbild des vulgaeren Rationalismus hochzieht und stets mit der gewaltsamen, wenn nicht eben mörderischen Auslöschung der mit Notwendigkeit auftretenden ''kognitiven Dissonanzen'' zwischen Propaganda und Realitaet kaempfen muss, gehört die Politisierung der Aesthetik, in der dieses System aus Kunst und Literatur für sich ein einfaches Machtinstrument macht. Zum rechten Totalitarismus hingegen, welcher das politische Unterbewusstsein im Gegensatz zum linken Totalitarismus überhaupt nicht ausmerzen will, es vielmehr auf eine selektive und instrumentelle Weise mobilisiert, gehört eine ''Aesthetisierung'' der Politik, in welcher sich die ihren rationalen Zusammenhaengen beraubten politischen Inhalte mit den instrumentell und selektiv mobilisierten Inhalten des politischen Unbewussten vermischen können.

 

 

 

Im Zeitalter des Totalitarismus - und dies spricht wieder gegen gaengige Vorstellungen, die sich vornehmlich erst NACH der Errichtung des Eisernen Vorhanges artikulierten - stand die intellektuelle Welt im Osten und im Westen auch noch nicht so fern voneinander. Der Rückfall von einer Welt des emanzipativen Individualismus in eine des Totalitarismus spielte sich im Osten wie im Westen zwar anders ab und die europaeische Gesellschaft teilte sich tatsaechlich je nach Siegern und Verlierern. Trotz diesen vielen Differenzen erlebten und erlitten aber die einzelnen europaeischen Gesellschaften die totalitaere Periode sehr aehnlich. Der Totalitarismus war auch in dem Sinne ein gesamteuropaeisches Phaenomen, dass in Laendern, wo eine totalitaere Ordnung überhaupt nicht oder nur für kürzere Zeit vorherrschte, dieses Phaenomen ebenfalls ein vieldiskutiertes und zentrales Objekt des geistigen Interesses war. In einem anderen Sinne vertreten wir den hier auesserst relevanten Standpunkt, dass der Totalitarismus kein spezifisch ''östliches'', sondern ein gesamteuropaeisches Phaenomen ist, so dass die historisch bekannten totalitaeren Systeme keine Differenz zwischen ''Ost'' und ''West'' schaffen.

 

 

 

Die dritte Periode der europaeischen intellektuellen Geschichte, die KONSUMGESELLSCHAFT gestaltet die Relation zwischen Politik und Aesthetik neu. Waehrend das Zeitalter des Individualismus die Hegemonie der Aesthetik über der Politik, das Zeitalter des Totalitarismus die Hegemonie der Politik über die Aesthetik mit sich brachte, entstand in der Konsumgesellschaft eine neue Situation: die industrielle Konsumgesellschaft ordnet sich sowohl die Politik wie auch die Geschichte unter. Ausser einigen traditionellen Funktionen war seitdem die höchste Aufgabe der Politik, um das Funktionieren der Konsumgesellschaft zu sorgen. Da so eine Aufgabe dem Aesthetischen im engeren Sinne überhaupt nicht zugeschrieben werden konnte, aenderte sich auch das reflexive Verhalten Politik & Aesthetik grundlegend, vor allem in der Richtung des Unbedeutendwerdens. Eine andere Seite dieser Medaille ergab die weitere Entwicklung jeder Kunst und kunstaehnlichen Gattung, die in die Konsumgesellschaft integriert werden konnten.

 

 

 

Das Aufkommen der Konsumgesellschaft baut eine tiefgehende Kluft zwischen Ost und West. Einerseits in dem Sinne, dass waehrend im Westen das Zeitalter der Konsumgesellschaft ausbricht, im Osten der Totalitarismus sich noch intakt erhalten kann. Die sich daraus resultierende Kluft braucht nicht ausführlich dargelegt zu werden. Andererseits definieren sich diese beiden gesellschaftlichen Varianten darber hinaus auch noch als Gegenwelten, die ihre eigene Identitaet im wesentlichen aus ihrer Feindschaftsrelation gegen einander beziehen. So wird das einfache Anderssein zu einem dialektischen Gegensatzverhaeltnis, welches die Entfernung, wenn nicht direkt die Fremdheit, zwischen Ost und West ins Unermessliche wachsen laesst.

 

 

 

Zur inneren Logik dieser Entwicklung gehört es auch, dass die Konsumgesellschaft im wesentlichen die Negation des Zeitalters des Individualismus ist, indem sie jenes historische Individuum der allseitigen Emanzipation nicht mehr zum Ziel setzen kann, seine vitalen Bestrebungen auf das Ausleben von Konsumwünschen konzentriert. Andererseits ist die Konsumgesellschaft sowohl eine Negation als auch eine Konsequenz des Totalitarismus.

 

 

 

In der vierten Etappe der europaeischen intellektuellen Geschichte, im Zeitalter der POSTMODERNE, gestaltet sich die Relation Politik-Aesthetik wieder anders. Es ist wohl aus dem Grunde so, weil das Zeitalter der Postmoderne in wesentlichen Bestimmungen mit allen drei vorausgehenden Etappen verbunden ist. Einerseits ist es das postmoderne Zeitalter, welches nach seinen Begriffen wieder ''individualistisch'' ist, in dieser Hinsicht erinnert es ans Zeitalter des Individualismus sehr, allerdings ohne auch über dessen kulturschöpferische und geistig-heroische Züge zu verfügen. Andererseits ist die Postmoderne konsequent und entschlossen anti-totalitaer, sein Totalitarismusverdacht geht sehr tief auch noch ins Logisch-Erkenntnistheoretische hinein. Und drittens ist die Postmoderne auch eine Negation der Konsumgesellschaft, wobei die führende Einstellung eher eine Nicht-Zur-Kenntnisnahme, eine Nichtberücksichtigung, d.h. eine Ignoranz gegenüber der Konsumgesellschaft ist.

 

 

 

Über eine PAR EXCELLENCE postmoderne Relation zwischen Politik und Aesthetik zu reden, ist vor allem deshalb schwierig, weil die Umrisse der postmodernen Politik kaum genügend erschlossen sind. Unsere Option waere es, die postmoderne Politik als eine Einheit von Konsensus und Kommunikation zu definieren. Allerdings hat zwar die postmoderne Politik keine ALTERNATIVE, sie hat aber deutlich ihre GRENZEN und wie sie mit diesen traditionellen und sachlichen Grenzen fertig wird, ist heute noch nicht abzusehen.

 

 

 

Die Relation ''Politik & Aesthetik'' erweist sich als weniger bestimmend als früher, weil das Zeitalter der Postmoderne in der Hinsicht ein Erbe der Konsumgesellschaft ist, dass das Funktionieren der Konsumgesellschaft als Selbstzweck eine umfassendere integrative Rolle als Politik und Aesthetik spielt. Man könnte sogar sagen, dass in diesem Zusammenhang die Politik kaum die traditionelle Relation zur Aesthetik hat und umgekehrt, ihre Relation wird durch technokratische Integrationsmechanismen vermittelt und überschattet. Jedenfalls erscheinen Aesthetik und Kunst schon von der Politik in weiter Entfernung, was mit auch ein Grund dafür sein kann, dass auch ihre soziale Existenzweise eine andere geworden ist.

 

 

 

Was die postmoderne Aesthetik und Kunst ohne ihre Konnexion zur Politik anlangt, so schuf das postmoderne Zeitalter die Möglichkeit einer gewaltigen und riesigen Kreativitaet in ihrer Freiheit von Totalitarismus und Konsum und in ihrer relativierenden Reflexion über alles Historische und Absolute. Nun scheint es bis jetzt der Fall zu sein, dass diese Aufforderung zur Kreativitaet nicht die erwarteten Ergebnisse gezeitigt hat, das Prinzip des ''anything goes'' machte sich eher in der DE-Konstruktion als in der Konstruktion geltend, die dem postmodernen Denken organisch innewohnende Hermeneutik hat sich verselbstaendigt und richtet sich nicht mehr auf die RE-Konstruktion von etwas Sachlichem und (historisch) Gegenstaendlichem, sondern führt zur Blosslegung jedes Sachlichen und Historischen als eine ''Interpretation'', wobei dann zwischen ''Interpretation'' und ''Interpretation'' kein Unterschied mehr gemacht wird. Anstatt also die riesigen neuen Möglichkeiten der Kreativitaet zu verwirklichen, führte die uferlos gewordene Hermeneutik zur Demontage der historischen Gegenstaendlichkeit.

 

 

 

Dem Zeitalter der Postmoderne fiel die Aufgabe, aber auch die historische Mission zu, eine intellektuelle und zeitgeschichtliche Gemeinsamkeit zwischen Ost und West zustandezubringen. Die postmoderne (postsozialistische, postindustrielle etc.) Einstellung ist in beiden Teilen Europas in der Tat schon gemeinsam. Der europaeische Traum scheint in die Naehe der Verwirklichung gekommen zu sein. Diese Gemeinsamkeit ist die gemeinsame Spitze von zwei Eisbergen, die lange Zeit einen anderen Weg hinter sich gelegt haben.

 

 

 

Ein Traum wird die Gestaltung des neuen Europa gewiss nicht. Sie wird eine schwierige Realitaet sein. Eine Realitaet aber, die aufgearbeitet werden muss, damit Traeume wieder möglich werden.

 

 

 

 

 

 

 

Von der Chance der Interdiskursivitaet zur Wirklichkeit der Dekonstruktion

 

 

 

 

 

Die in den vergangenen Jahrzehnten sich geradezu triumphal expandierende Kategorie der Post-Moderne etablierte sich in drei gewaltigen semantischen Bereichen. Einerseits bezeichnet sie eine in den Einzelheiten gewiss schwer definierbare Denkweise, sozusagen eine post-moderne PHILOSOPHIE. Andererseits erscheint sie als ebenfalls zusammenfassende Bezeichnung für einen neuen KUNSTSTIL. Letztlich erscheint sie, drittens, als GESCHICHTSPHILOSOPHISCHE Kategorie, die entweder unmittelbar oder durch die eben vorhin genannten Objektivationen der Philosophie oder die Kunst auf eine neue historische Etappe der Menschheitsentwicklung umreisst und sie gleichzeitig auch zu interpretieren versucht.

 

 

 

Aus dieser Tatsache ergeben sich die drei Möglichkeiten auch des historisch-analytischen Zuganges zum Phaenomen Post-Moderne. Für uns gilt das Phaenomen der Postmoderne als Signal, aber auch als unmittelbare Realitaet einer möglichen neuen menschheitsgeschichtlichen Etappe. In diesem Sinne sympathisieren wir mit jenen Auffassungen, die die Post-Moderne vor allem als Sammelname von einer von relevanten geschichtsphilosophischen Motiven getragenen ganzen Kultur verstehen. Es sprechen aber auch weitere methodische Überlegungen dafür, dass man die Rekonstruktion der Post-Moderne auch dann unter geschichtsphilosophischem Aspekt in den Griff bekommt, wenn man das Spezifische der Post-Moderne primaer nicht auf diesem Gebiet sieht. Ein rein philosophischer Bestimmungsversuch der Post-Moderne hat mit jenen Schwierigkeiten zu kaempfen, der spezifisch post-modernen Interdiskursivitaet ihren gerechten Platz unter den übrigen philosophischen Schulen zuzuweisen (1). Die kunsthistorische oder kunstwissenschaftliche Rekonstruktion der Postmoderne hat es in dieser Hinsicht vielleicht noch schwieriger. So eindeutig die künstlerische Aussensicht von post-modernen Kunstprodukten auch umrissen werden kann, ein Rekonstruktionsversuch von diesem Ansatz her scheitert von Anfang an an der Tatsache, wie man diejenige Moderne definiert, zu welcher verglichen man über die ''Post-Moderne'' sprechen kann (2).Mit dieser Einbettung in die geschichtsphilosophische Lage gewinnt auch das post-moderne Denken eine grosse Chance: Seine Faehigkeit, durch Interdiskursivitaet und Intertextualitaet neue philosophische Diskurse zu errichten, gewinnen ihre Bedeutung im Umfeld einer neuen historischen Situation und umgekehrt, die post-historische Geschichte und Geschichtsphilosophie schreiben etwa die Artikulation einer neuen Denkweise geradezu vor. Wir wollen auf diese Konnexion von post-historischer Geschichtsphilosophie und neuer Denkweise in dieser Arbeit noch mehrfach zurückkommen, allerdings scheint uns gerade dies ein Punkt zu sein, an dem das post-moderne Experiment auf dem Gebiet der Philosophie wie spektakulaer, wenn auch gewiss nicht endgültig gescheitert hat (3).

 

 

 

Die Hauptantinomie des post-modernen Komplexes besteht demnach für uns nicht in der Unterscheidung ''Moderne-Postmoderne'', sondern in derselben ''Historisches-Posthistorisches''. Es geht nicht nur um das folgende Argument: ''Es gibt Gründe zu der Annahme, dass für eine starke Majoritaet von Zeitgenossen die substantielle Moderne noch gar nicht da war'' (4), welches auf seine Art wieder nur auf das Fragliche der Identifizierung der Begriffe der ursprünglichen ''Moderne'' hinweist. Ebensowenig löst die bei der mit der Moderne gegenübergestellten Postmoderne entstehenden Schwierigkeiten der Lösungsversuch von Wolfgang Welsch: ''..die Post-Modern (sei) die exoterische Einlösungsform der einst esoterischen Moderne dieses Jahrhunderts...'' (5). Es besteht durchaus kein Zweifel, dass es für eine betraechtliche Anzahl von postmodernen Erscheinungen vor allem in den bildenden Künsten diese Beschreibung zutrifft, ohne eine eingehendere Analyse ist es aber ebenso klar, dass diese Definition beispielsweise schon bei der Rekonstruktion des post-modernen Denkens kaum adaequat ins Spiel gebracht werden dürfte (6). Die geschichtsphilosophische Einbettung des Gesamtphaenomens ''Post-Moderne'' naehrt sich aus zahlreichen Quellen. Zum Teil artikulieren sich klare und explizite Einsichten in ein Ende von historisch organisierten politischen, sozialen oder sonst welchen Zeitinhalten (Ende des Neomarxismus, entscheidende Umgruppierung der westlichen Arbeiterklasse, etc.). Zum Teil erscheinen diese geschichtsphilosophischen Einsichten in der Vermittlung von kulturkritischen, zivilisationsanalytischen oder aesthetischen Diagnosen und Prognosen (Ende der Herrschaft des Würfels in der Architektur, Ende eines anti-ornamentischen Einstellung in derselben, etc.). Und drittens haben wir es mit Inhalten zu tun, die dieses Bewusstsein von einem geschichtsphilosophischen BRUCHS weder direkt noch indirekt formulieren, deren Rekonstruktion aber ohne einen so hypostasierten Bruch so gut wie unmöglich erscheinen muss (Neokonservativismus, Verschwinden von traditionell utopischen Vorstellungen, etc.). Auf eine sehr vereinfachte Formel gebracht, geht es bei den neugesetzten post-modernistischen Diskursformen um Denkweisen, die allein durch ihre Existenz und durch ihre eigenen Inhalte auf eine neue geschichtsphilosophische Gesamtsituation hindeuten, waehrend auch









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