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Tartalomjegyzék ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 18 ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 20 Utolsó lap

ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 19

Szerző: Kiss Endre




(26)Es geht hier um die gegenstaendliche Legitimation des postmodernen Denkens. Es sollte jedoch betont werden, dass die Koordinaten der Legitimation von der INNEREN Sicht dieser Bewegung, bzw. der AEUSSEREN Einsichten durchaus unterschiedlich ausfallen können. Die INNERE Sicht gründet sich einerseits auf die uferlos breite Ideologiekritik, die praktisch jede Objektivation der bisherigen Wissensformen und Wissensordnung bis in die Sprache und Logik hinein problemlos relativiert. Darüber hinaus spielen auch geschichtsphilosophische Evidenzvorstellungen eine gewisse Rolle in der Selbstlegitimation. Die AEUSSERE Sicht kann sich damit nicht begnügen, hier erweist sich notwendigerweise das Verhaeltnis zwischen Gegenstaendlichkeit und Interpretation als Schlüsselproblem.

 

 

 

(27)Michel Foucault, Die Ordnung der Dinge. Eine Archaeologie der Humanwissenschaften. Frankfurt am Main, 1966. 62.

 

 

 

(28)EINE Konzeption über die Bestimmungen des Alltagsbewusstseins s. Endre Kiss, ''A mindennapi tudat tizenhárom alapelve'' (Die dreizehn Grundprinzipien des Alltagsbewusstseins), in: Valóság, 1986/11.

 

 

 

(29)Vor allem geht es hier um eine Grenzproblematik: Die interpretative Beschreibung des symbolischen Kapitals erklaert die real-genetische Problematik zum Beispiel des wirklichen Kapitals nicht, der Rückschluss aus der hermeneutisierten Gegenstaendlichkeit zur wirklichen wird kritisch schwierig.

 

 

 

(30)Deleuze-Guattari, Kafka. Pour une littérature mineure. Paris, 1975. 90.

 

 

 

(31)Jean-Francois Lyotard, Heidegger und die ''Juden''. Wien, 1988. 11.

 

 

 

(32)In dieser Abwertung des Gegenstaendlichen zementiert das post-moderne Denken eine Auffassung, welche sich - wie wir es oben zu beweisen suchten - GEGEN seine eigene uferlose Vorstellung des Interpretationsgedankens gerichtet ist.

 

 

 

(33)Der Idee der Interpretation wertet das Subjekt, die These vom Ende der Meta-Erzaehlungen das Objekt nicht auf. Diese Konnexion und Verbundenheit des Subjekt- und Objektproblematik ist gewiss ein Schlüsselproblem der Rekonstruktion des post-modernen Denkens, allerdings haben wir selbst noch heute die dazu gehörige historische Distanz nicht.

 

 

 

(34)S. Wilhelm Dilthey, Die Entstehung der Hermeneutik (1900). Gesammelte Werke, Band V. Göttingen-Stuttgart, 6. unveraenderte Auflage, 1957.

 

 

 

(35)Peter Sloterdijk, Der Denker auf der Bühne. Nietzsches Materialismus. Frankfurt am Main, 1986. 10.

 

 

 

(36)Ebenda, 18.

 

 

 

(37)Ulrich Horstmann, ''Die Apokalypse der Zeichen. Ein Buch von Jacques Derrida'', Neue Züricher Zeitung, 5. Februar 1986.

 

 

 

(38)Ihab Hassan, ''The Critic as Innovator: The Tutzing Statement in X Frames'', in: Amerika-Studien, Jg. 22. Heft 1, 1977, 55.

 

 

 

(39)Wolfgang Welsch, ''Einleitung'', in: Wege aus der Moderne, a.a.O. 16.

 

 

 

(40)Manfred Frank, Was ist Neostrukturalismus? Frankfurt am Main, 1984. 30.

 

 

 

 

 

(1988-1989)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8) DER DISKURS ÜBER DEN NATIONALISMUS

 

 

 

A) EINLEITUNG         Der post-sozialistische Nationalismus stand von Anfang an im Mittelpunkt jedes Interesses. ''Nationalismus'' jeder Couleur war im wesentlichen ein starker Feind des realen Sozialismus. Nicht so sehr wegen der internationalen Botschaft dieses Systems, vielmehr aus dem praktischen Grunde der imperialen Dimension und der Sowjetunion. Unsere These ist, dass der post-sozialistische Nationalismus trotz seiner einmaligen Chancen eine endgültige Niederlage erlitten hatte. Dies zu betonen ist um so wichtiger, weil der vitale und siegreiche Nationalismus von Anfang an als die Erklaerung von Misserfolgen des post-sozialistischen Systemwechsels ausgespielt worden ist. Gibt es aber keinen siegreichen Nationalismus (wie wir diese Frage einmal noch in unserem Abschlusskapitel stellen werden), so ist die Erklaerung der Frustrationen mit Nationalismus eine auf der Hand liegende Scheinantwort. Alles, was heute (Jugoslawien mit eingeschlossen, welches ja in der Vergangenheit nicht eng mit dem heutigen post-sozialistischen Raum verbunden war) als ''Nationalismus'' an die Wand gemalt wird, sind neue Phaenomene, die auf ihre Beschreibung noch lange warten müssen (wir empfehlen etwa: ''posthistorischer, gesellschaftlicher Nihilismus'').

 

 

 

Es war also zu erwarten, dass nationale Ideologien und politische Richtungen aller Abschattungen das Zeitalter des post-sozialistischen Überganges dominieren werden. Und tatsaechlich nahm die Entfaltung des Systemwechsels mit vielen nationalen Schwerpunkten ihren Anfang. ''Nationalismus'' jeder Couleur war im wesentlichen ein starker Feind des realen Sozialismus. Nicht so sehr wegen der internationalen Botschaft dieses Systems, vielmehr aus dem praktischen Grunde der imperialen Dimension und der Sowjetunion. Jeder Nationalismus erschien als ''systemfeindlich'', weil er gewollt oder ungewollt sich gegen die Abhaengigkeit von der Sowjetunion gerichtet war. Die spannungsgeladene Relation zwischen Nationalismus und realem Sozialismus war ferner vor der ganzen Bevölkerung wohl bekannt.                                                                                                                       

 

 

 

Der wirkliche Grund der Niederlage des die anderen Alternativen entweder ausschliessenden oder sie beseitigenden Nationalismus ist ein komplexes Phaenomen. Das alte Ei-Henne-Problem tritt dabei auf. Es laesst sich kaum beantworten, ob die neuen politischen Repraesentanten des Nationalismus im Besitz ihrer frühen und extrem überschaetzten Macht und ihrer breiten Perspektiven ohne Rücksicht auf die grossen Aufgaben der Zeit einen in jeder Komponente überholten und aggressiven Nationalismus auf den Tag legten. Es laesst sich aber auch das Gegenteil behaupten: In der spezifischen und historisch einmaligen post-sozialistischen Situation erwies sich der Nationalismus als Papiertiger, der keiner Modernisierungsaufgabe mehr faehig ist.

 

 

 

Der sich so artikulierende neue Nationalismus als ein Denken der ''ewig Gestrigen'' hat die ganze Gesellschaft schockiert. Durchaus charakteristisch ist, dass die ersten Jahre insgesamt nur zwei neue Begriffe in die ungarische politische Vokabular gebracht haben, und zwar den ''Populismus'' (populizmus) und das Verb ''ausgrenzen'' (kirekeszteni), die beide früher in der politischen Sprache nicht existiert haben.

 

 

 

Bei der Aufarbeitung des post-sozialistischen Überganges in Ost-Mittel-Europa stellt die aktuelle ''östliche'' Problematik der Nation schwierige Fragen, unter anderen auch an den Westen.

 

        

 

Unsere leitende These war es, dass der jetzt wahrnehmbare, manchmal sogar als triumphant scheinende Nationalismus in den Nachfolgestaaten des realen Sozialismus zwar ein zweifellos ernstzunehmendes, nichtsdestoweniger aber ein sekundaeres Phaenomen ist. Die Bevölkerung dieser Staaten will nicht einen national eingerichtetes neues politisches Gebilde, sie will einen Staat und ein politisches System, in welchem das erreichbar Mögliche der globalen liberalen Werte (parlamentarische Demokratie + freie Markwirtschaft) mit gerade noch zu ertragenden wirtschaftlichen Konditionen zusammengehen kann.

 

        

 

Dieses Bild des aktuellen, post-sozialistischen Nationalismus wird erst spaeter mit manchen Zügen ergaenzt werden müssen. Es wird erst dann in manchen Schattierungen anders werden können, wenn empirische historisch-positive Forschungen auch jene semantischen Anwendungsbereiche der Nation, bzw. des Nationalismus durchleuchten werden, die im realen Sozialismus vorherrschten und hinter denen vollstaendig andere pragmatische politische Gehalte standen. Der Grossteil dieser Fragestellungen wird ja mit dem System selber untergehen und höchstwahrscheinlich historisch werden. Es ist aber trotzdem nicht ausgeschlossen, dass ein gewisser Teil derselben sich in indirekter Form auch die aktuelle Problemlage beeinflusst. Ganz gewiss ist es, dass Antonio Gramsci''s Konzeption über eine national hegemone Klasse ausserhalb des realen Sozialismus in unseren Tagen wenig konkrete Aktualitaet aufweisen wird. Der Stellenwert also, den diese Theorie in manchen Konstellationen des realen Sozialismus bei einer möglichen ''gesamtnationalen'' Ausdehnung des Systems innehatte, geht verloren. Ebenfalls wird der Name ''Nation'', ''nationale Selbstaendigkeit'', etc. gewiss nicht mehr als Code für den wirklichen Freiheitsraum eines Staates INNERHALB eines politischen Bündnisses stehen. In diesem Kontext kam es dazu, dass vor allem Rumaenien und Ungarn für den grossen Spielraum der einzelnen Nationen innerhalb des Ostblocks waren, die letzteren im Interesse der Wirtschaftsreform, die ersteren für nationalistische Ziele innerhalb des realen Sozialismus. Ebenfalls werden diejenigen Dimensionen des ''Nationalismus'' verschwinden, die nur die aeussere Legitimationsbasis von politischen Machtkaempfen im System des realen Sozialismus abgaben. Die klassische Form dieser Konflikte erschien erstens im Machtkampf von herrschenden Eliten, die nicht in demselben Masse ''national'' eingestellt waren. Selbstverstaendlich erwies es sich für die Sowjetunion als nicht ganz gleichgültig, welche Gruppe zur Herrschaft kommen sollte, so dass diese ''nationalen'' Kaempfe in jedem Fall in sowjetischer Richtung internationalisiert worden sind. Zu diesem Komplex gehört auch der Komplex des politischen Antisemitismus im realen Sozialismus, welcher mit dem ''Nationalismus'' in demselben Rahmen stets verbunden blieb. Kaum weniger wichtig war ferner auch die Tatsache, dass die polnischen Ereignisse Anfang der achtziger Jahre die ''nationalen'' Werte mit grossem Nachdruck in strategisch wichtige Position gebracht haben und sie mit weitgehender globalstrategischer Wichtigkeit versehen haben. Eine Parallele zu dieser wachsenden globalstrategischen Wichtigkeit entstand in der Wahrnehmung der wachsenden Bedeutung der nationalen Opposition im Vielvölkerstaat Sowjetunion, der bald auch eine gestiegene Sensibilitaet für Minoritaetsfragen folgte. Der Weg vom ''Nationalismus'' als Etikette für den Machtkampf führender Oligarchien zum ETHNONATIONALISTISCHEN Interesse von Politik und Politologie war ein langer. Waehrend Mitte der sechziger Jahre der Ukrainer Shelest die ukrainische Sprache offiziell machen wollte, trat sein Rivale, Stscherbitskij direkt mit der russischen Sprache auf. Heute ist die Ukraine ein selbstaendiger Staat, wo man gewiss nicht mehr so grosse Aufmerksamkeit auf diese Differenz widmet.

 

        

 

Um unsere These vom ''primaeren'' und ''sekundaeren'' Nationalismus voll zu praezisieren, deuteten wir auf einige wichtige semantisch-pragmatische Möglichkeiten der Anwendung der Begriffe ''Nation'' und ''Nationalismus'' hin, die die unmittelbare Vergangenheit bestimmt haben. Wir kamen dabei zum Schluss, dass die Prioritaeten der nahen Vergangenheit heute an Bedeutung so weitgehend eingebüsst haben, dass die wissenschaftliche Vorsicht es sagen muss, sie trotzdem etwas im Auge zu behalten. Dies bedeutete aber auch, dass die Problemgeschichte des Nationalismus innerhalb des realen Sozialismus heute so gut wie keine bedeutende Rolle spielt. Wir würden diese vielleicht erstaunliche Tatsache im Komplex der Identitaet aufheben. Jede Fragestellung, die sich auf ''Nation'' und ''Nationalismus'' im realen Sozialismus bezogen hat, hatte einen selbstverstaendlichen Identitaetsbezug. Es stellte sich aber heraus, dass die Identitaetsproblematik innerhalb des realen Sozialismus und ausserhalb desselben nicht am entferntesten identisch ist.

 

        

 

Als Gavrilo Prinzip 1914 den Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo erschossen hat, schwebte ihm ein ganzes System von politischen Zukunftsvisionen vor. Er war absolut überzeugt, dass die unabhaengig werdenden einzelnen süd-slawischen Nationen, die alle ihren eigenen Nationalstaat nach dem Muster von schon bestehenden Nationalstaaten ausbauen sollten, eine kollektive Existenz verwirklichen werden, die sowohl den historischen Anforderungen der menschlichen Gattung, als auch den eigenen national-sigulaeren Anforderungen restlos entsprechen werden. Hinter dem Gewehr des Gavrilo Princip stand also eine voll vertretene und restlos durchdachte konkrete Utopie. Diese Utopien, und seien sie von der verschiedensten Natur, fehlen den ganzen und schon aus diesem Grunde diabolischen Kaempfen des heutigen Balkans. Der Krieg auf dem Balkan mangelt an jeder Zukunftvision, und zwar auch an jeder ''nationalen'' Zukunftsvision. Es ist auch nicht nur eine leere Rhetorik, wenn auch noch heute alle Teilnehmenden sich in defensiver Position darstellen. Nicht die einzelnen Teilnehmehr haben auch noch heute bestimmte ''positive'' nationale Ziele, sondern sie nehmen an, ''andere Nationen'' haben offensive Ziele gegen sie. Der Balkankrieg ist strikt nihilistisch. Er ist aber auch in nationaler Hinsicht nihilistisch. Dies sagt unsere These über einen Krieg, der in gewisser Hinsicht tatsaechlich ein ''nationaler'' Krieg ist. Nichtsdestoweniger hat heute niemand einen Gavrilo Princip. Es gibt heute keinen primaeren Nationalismus in der post-sozialistischen Region, auch wenn die Konflikte scheinbar fast ausschliesslich als ''nationale'' Konflikte ausgetragen werden.

 

        

 

Wir haben eine sehr schwer zu deutende Realitaet. Einerseits ersteht vor uns eine ganze Reihe neuer Nationalismen, die scheinbar nicht nur die politische Szene beherrschen, sondern auch noch den ideologischen Raum auszufüllen scheinen. Andererseits stellen wir uns, trotzdem, auf den Standpunkt, dass dieser neue Nationalismus wenn nicht eine klare Artikulationsform von sichtbar anderen Inhalten und Motiven ist, so NUR als ein sekundaeres Phaenomen und als solches eben als Ausdruck tiefer Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit aufgefasst werden kann.

 

        

 

Die Erklaerung für diese janusköpfige Erscheinung des post-sozialistischen Nationalismus liegt in einer noch tieferen Ambivalenz, die die Prozesse des post-sozialistischen Systemwechsels nicht nur bestimmt, sondern für sie fast unlösbare Schwierigkeiten bereitet. Es geht um die Gleichzeitigkeit von zwei, in vielen einander entgegenwirkenden Prozessen.

 

        

 

Einerseits bedeutet der Zerfall des real-sozialistischen Weltsystems die Entstehung von neuen staatlich-politischen Einheiten, die mehrheitlich mit neuen oder alten Nationalstaaten identisch sind. Dabei soll es nicht unbedingt immer um kleine Nationalstaaten gehen, letztlich entstehen im neuen Kontext beispielsweise auch neue Mittelmaechte in diesen Tagen, wie es das Beispiel Türkei oder andere schon bestehende oder noch in Entstehung begriffene Staaten zeigen. Staatlich-politisch entstehen also in diesem Prozess zahlreiche, mehrheitlich nationale Einheiten (waehrend die Bedeutung und der Stellenwert schon bestehender Einheiten auch anders werden kann). Dieser Prozess geht aber, andererseits, in einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umfeld vor sich, welches sich seit langem in einen übernationalen Raum verlagerte. Die tiefere Ambivalenz des post-sozialistischen Nationalismus besteht in dieser Spannung zwischen der gerade in Entstehung begriffenen, im Zeichen der Nation stehenden STAATLICH-POLITISCHEN und der bereits übernational fixierten WIRTSCHAFTLICH-INTEGRATIVEN Dimension.

 

 

 

 

 

 

 

EIN VERSUCH, DEN POST-SOZIALISTISCHEN NATIONALISMUS ZU INTERPRETIEREN

 

 

 

Der post-sozialistische Nationalismus, selber ein umfassender Begriff, unter welchem eine Vielzahl von Auffassungen und gedanklichen Strömungen auf den Plan trat, ist eines der schillerndsten Phaenomene unserer Zeit. Er ist es THEORETISCH, denn einerseits gab es in der Geschichte noch nie ein System des real existierenden Sozialismus und folglich es gibt keine Parallelen für die ganze "Phaenomenologie" des Post-Sozialismus und andererseits taucht die Problematik der Nation jetzt im post-sozialistischen Raum in einer Region wieder auf, in welcher der klassisch-normale Weg des "nation-building" bereits in der praesozialistischen Zeit kaum aufzuweisen war. Eines der schwierigsten Probleme ist der post-sozialistische Nationalismus aber auch PRAKTISCH. Nach innen so, dass eine schlechte Entwicklung auf diesem Feld die Qualitaet des ganzen post-sozialistischen Transformationsprozesses in Frage ziehen kann, nach aussen jedoch so, dass die Turbulenzen auf diesem Feld imstande sein könnten, das Gesamtbild von dieser Transformation ins negative Licht zu rücken.

 

Nach mehreren Versuchen zu diesem Thema ( 1) unternehmen wir jetzt den Versuch, eine von uns ursprünglich für die klassischen Phaenomene des neunzehnten Jahrhunderts aufgestellte Typologie des Nationalismus auf die Phaenomene der post-sozialistischen Transition anzuwenden. Dadurch zeigt sich das Spezifische unserer Fragestellung auch gleich, und zwar die Frage, ob diese Typologie nicht dabei helfen könnte, den post-sozialistischen Nationalismus wahrheitstreu, d.h. adaequat  zu verstehen.

 

Wir wollen diese Typologie in dem aktuellen Zusammenhang in relativer Kürze darstellen, ohne den eigentlichen und in vielem alternativen historischen Hintergrund des europaeischen "nation building" gleichzeitig voll zu entwerfen.

 

Für alle drei Typen gilt es, dass sie als Reaktion auf die historischen Herausforderungen von bewussten und voluntaristischen Motiven ins Leben gerufen, d.h. eine Art DEZISIVEN Charakters aufweisen. Ebenfalls für alle drei Typen gilt, dass sie in ihrem spezifischen Sinne auch STRATEGISCH sind, d.h. um eine einzelne Konzeption des "nation-building" herum laesst sich unschwer eine kompakte Konzeption von einer ganzen Gesellschaft ausbauen. Mit anderen Worten könnte man sagen, dass keine der Typen des Nationalismus im neunzehnten Jahrhundert laesst sich denken, ohne dass nicht eine vollstaendige politische Konzeption nicht mit gemeint waere.

 

Sowohl in ihrem Charakter der Dezisivitaet wie auch des strategischen Ansatzes erscheint Fichtes REDEN AN DIE DEUTSCHE NATION als das gemeinsame Urbild aller drei Konzeptionen. Die drei grossen Typen nehmen zu Fichtes Urkonzeption drei sich voneinander deutlich unterscheidende Stellungen ein, auf die wir wirklich detailliert hier nicht eingehen können. Waehrend der romantisch-autopoietische Typus des Nationalismus als genuine Fortsetzung des Fichteschen Urtyps ausschaut, erweist sich sowohl der struktur-modernisierende wie auch der etatistisch-defensive Nationalismus schon als eine Überwindung des gemeinsamen Ausgangspunktes. Der struktur-modernisierende Typus will die akkumulierende Dynamik des Urtypus in die strukturreformerische und demokratisch sich verwirklichende Bewusstheit der sozialen Reform hinüberkanalisieren, waehrend der etatistisch-defensive Nationalismus im Falle seiner Machtübernahme mehr und mehr einen Gegner in dem romantisch-autopoietischen Nationalismus erblickt, denn er kann durch seine Spontaneitaet und Dynamik seine vornehmlich politisch-pragmatische Natur entlarven.

 

Die bestimmende Grundvision des struktur-modernisierenden Typus des Nationalismus bezieht sich auf die Problematisierung und dann die Lösung  jener Aufgabe, die der "Staat" der Nation (im Falle der Nichtexistenz  des eigenen Nationalstaates gesellt sich zu dieser Aufgabe auch noch die Gründung dieses eigenen Nationalstaates) bewaeltigen muss, um die eigene Gesellschaft in jeder in einer konkreten Zeit in jener Richtung zu modernisieren, dass das eigene Land an Kultur, Wirtschaft und politischem Einfluss den fortgeschrittensten Staaten der Zeit ebenbürtig werden sollte. Es versteht sich aber von selber, dass dieser Wunsch nach Ebenbürtigkeit von ebenso massiven politischen Aengsten motiviert wurde, wie es mit dem klassischen Urbild, mit Fichtes REDEN AN DIE DEUTSCHE NATION der Fall gewesen ist. Aus diesem Grunde ist jeder struktur-modernisierende Nationalismus ein langfristiges Projekt, was auf der einen  Seite ihn mit vielen wertvollen Attributen auszeichnet, auf der anderen Seite aber in der politischen Praxis mit ebenso vielen massiven Schwierigkeiten zusammengeht   (2). Im Falle des struktur-modernisierenden Nationalismus erweist sich die Sublimierung dieser ursprünglichen Angst als vollkommen, sie verschwindet sowohl aus der Grundvision wie auch









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