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Tartalomjegyzék ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 26 ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 28 Utolsó lap

ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 27

Szerző: Kiss Endre




gegenüber keinen expliziten Widerstand leistet. Schliesslich ist die Postmoderne aber auch ein integranter Teil jener langfristigen Verlagerung der Werte, die auf allen sozialen Ebenen und in jedem konkreten Zusammenhang vor sich gegangen ist. Und weil eben der post-sozialistische Systemwechsel von dem Sieg des einen Wertsystems über andere Wertsysteme herbeigeführt worden ist, ist für uns jedes Detail aus der Geschichte der führenden Werte von dem grössten Interesse.

 

 

 

Gerade die als Geschichtsphilosophie aufgefasste Postmoderne hat deutliche Entsprechungen zu Francis Fukuyama''s Theorie vom “Ende der Geschichte”. Die These vom Ende der grossen Metaerzaehlungen, sowie Fukuyama''s These vom Siege des Liberalismus lassen sich ohne jegliche Schwierigkeit verbinden.

 

 

 

Eine neue und GEMEINSAME Grundstimmung zwischen Ost und West war in der Postmoderne ebenfalls enthalten. Wie einst mit Marx, so wurde auch die Postmoderne zwischen Ost und West ungleich verteilt. Der Westen erhielt die Interdiskursivitaet, die Pluralitaet, die Multikulturalitaet, der Osten bekam die Dekonstruktion.

 

 

 

Jenes Alltagsbewusstsein, welches im Westen, was aber noch wichtiger ist, im Osten die Prozesse des Systemwechsels gestaltet, ist ein postmodernes Alltagsbewusstsein. Von der Beschaffenheit dieses Alltagsbewusstseins lassen sich Faeden zur politischen Praxis des Alltags ziehen. Dass die Intelligenz zur Zeit des Systemwechsels “postmodern” dachte, hat eine weitreichende Konsequenz, deren wirkliche Bedeutung erst einige Jahrzehnte spaeter sichtbar werden kann.

 

 

 

Es scheint metaphorisch zu sein, hat aber auch eine durchaus konkrete Botschaft:  Das, was in dem grossen Strom der Postmoderne als Haupttrend erschien, spielte sich im post-sozialistischen Systemwechsel ebenfalls ab. Die Dekonstruktion hat ihre Arbeit getan, ohne dass es ihr unter den konkreten Umstaenden gelungen waere, ihre freischwebende Arbeit durch Setzung konstruktiver Momente zu ergaenzen. Der Endpunkt unserer hiesigen Analyse über die Postmoderne erscheint somit auch im politischen Kontext. Bis jetzt ist der post-sozialistische Systemwechsel auch aus diesem Grunde ein postmodernes Phaenomen.

 

 

 

Aus dieser kurzen Charakterisierung der politisch gewordenen Postmoderne (die ja keineswegs einen Anspruch auf Vollstaendigkeit erheben möchte) ergibt sich, dass sich die Grundwerte und die Grundorientationen der politisch gewordenen Postmoderne

 

durch ihre neuartige Individualisation (die ja mit derselben der “belle epoque” in keiner Hinsicht zu vergleichen gewesen waere) kaum in die demokratisch oder republikanisch orientierte direkte Demokratie integrieren liessen. Mehr noch, es gibt moderne Formen post-moderner Politik und post-moderner Interessendurchsetzung, die entweder durch ihre Organisation oder durch ihre Rhetorik klassische und legitime Elemente der direkten Demokratie in Anspruch nehmen, wie es mit vielen Phaenomenen der neuen politischen Bewegungen der Fall ist, die ihr mit den Motiven der direkten Demokratie gespeistes Auftreten ohne die Artikulation von demokratischen, republikanischen oder sonst welchen “Gattungswerten” zur Verwirklichung bringen.

 

 

 

 

 

8. (DER DISKURS šBER DEN NATIONALISMUS) - Es war zu erwarten, dass nationale Ideologien und politische Richtungen aller Abschattungen das Zeitalter des post-sozialistischen Überganges dominieren werden. “Nationalismus” jeder Couleur war im wesentlichen ein starker Gegenpol des realen Sozialismus. Nicht so sehr wegen der internationalen Botschaft dieses Systems, vielmehr aus dem praktischen Grunde der imperialen Dimension und der Sowjetunion. Unsere These ist, dass der post-sozialistische Nationalismus trotz seiner einmaligen Chancen eine endgültige Niederlage erlitten hatte. Dies zu betonen ist um so wichtiger, weil der vitale und siegreiche Nationalismus von Anfang an als die Erklaerung von Misserfolgen des post-sozialistischen Systemwechsels ausgespielt worden ist. Gibt es aber keinen siegreichen Nationalismus, so ist die Erklaerung der Frustrationen mit Nationalismus eine auf der Hand liegende Scheinantwort. Alles, was in dieser Zeit (Jugoslawien mit eingeschlossen, welches ja in der Vergangenheit nicht eng mit dem heutigen post-sozialistischen Raum verbunden war) als “Nationalismus” an die Wand gemalt wurde und wird, sind neue Phaenomene, die auf ihre Beschreibung noch lange warten müssen (wir empfehlen etwa: “posthistorischer, gesellschaftlicher Nihilismus”).

 

 

 

Der wirkliche Grund der Niederlage des die anderen Alternativen entweder ausschliessenden oder sie beseitigenden Nationalismus ist ein komplexes Phaenomen. Das alte Ei-Henne-Problem tritt dabei auf. Es laesst sich kaum beantworten, ob die neuen politischen Repraesentanten des Nationalismus im Besitz ihrer frühen und extrem überschaetzten Macht und ihrer breiten Perspektiven ohne Rücksicht auf die grossen Aufgaben der Zeit einen in jeder Komponente überholten und aggressiven Nationalismus auf den Tag legten. Es laesst sich aber auch das Gegenteil behaupten: In der spezifischen und historisch einmaligen post-sozialistischen Situation erwies sich der Nationalismus als Papiertiger, der keiner Modernisierungsaufgabe mehr faehig ist.

 

 

 

Der sich so artikulierende neue Nationalismus als ein Denken der “ewig Gestrigen” hat die ganze Gesellschaft schockiert. Durchaus charakteristisch ist, dass die ersten Jahre insgesamt nur zwei neue Begriffe in die ungarische politische Vokabular gebracht haben, und zwar den “Populismus” (populizmus) und das Verb “ausgrenzen” (kirekeszteni), die beide früher in der politischen Sprache nicht existiert haben.

 

 

 

Viele haben erwartet, dass das post-sozialistische Zeitalter eine neue und historisch laengst faellige Chance dem demokratischen Nationalismus eines István Bibó mit sicht bringt. Aus diesem idealtypisch ersehnten demokratischen Nationalismus wurde keine Realitaet, die in Ost-Mittel-Europa so vielfaeltige Problematik der Nation wurde von den Populisten ergriffen und gegen ihren eigenen Sinn gekehrt. Damit ist aber auch unsere konkrete Frage unter diesem Aspekt beantwortet, denn eine direkte Demokratie in unserem Sinne und eine von den Populisten gegen seinen Sinn gedrehten nationalen Ansatz schliessen einander per definitionem aus. Es ist eine andere Frage, dass gerade die neuen Populisten des post-sozialistischen Raumes die politischen Akteuere sind, die am haeufigsten nach den Mitteln der direkten Demokratie greifen wollen, wie es auch wieder eine andere Frage ist, dass ihre Ansaetze oft wieder antidemokratisch abgelehnt werden. Der in der Ausübung der direkten Demokratie antidemokratisch verhinderte antidemokratische Populist mag vielen sogar ein unglaubliches Bild sein, es ist nichtsdestoweniger eines der allerrealsten Bilder der heutigen post-sozialistischen Sphaere.

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          DIE ZEIT DER NORMALITAET UND/ODER DIE DER NEUEN SINGULARITAET

 

 

 

(Die Gesellschaft und die Kultur in der Transformation)

 

 

 

Die aktuelle Situation Ungarns (Maerz - April, 1995 - E.K.) kann in den folgenden drei Ereignissen vielleicht am adaequatesten sichtbar gemacht werden. Ende Maerz und Anfang April verbreitete sich ein Gerücht in Budapest, wonach die Regierung die Devisenkonten der Bevölkerung einfrieren will (erstaunlicherweise stellten sich die Gründe dieser Panik bis heute nicht geklaert worden - wenn man nach der Frage cui bono? fragt, so ist es der Staat). Die Bevölkerung reagierte auf diese Nachricht in der Form eines der massenpsychologisch-analytischen Feder eines Elias Canetti würdigen Massenwahnphaenomens. Man wollte sein Geld gleich zu sich nehmen, obwohl dieser Akt einem rational nur wenig Vorteil bieten konnte. Es stellte sich heraus, dass man das Geld einfach nach Hause brachte. Die Gegenprobe wurde dadurch erstellt, dass man keinen nenneswerten Zuwachs an den grenznahen österreichischen Banken feststellen konnte und dies ist stets eine klare Sprache. Letztlich erwies sich diese klassische Panik für die Beteiligten als finanzieller Verlust, die in die Panik gefallenen Inhaber der Konten ernteten einen erheblichen Zinsenverlust. Von der grossen Zahl der Kontoinhaber laesst sich jedoch unmittelbar keine wirklich entscheidende Konsequenz ziehen.        

 

 

 

Das zweite, ebenfalls sehr vielsagende Ereignis war die Veröffentlichung einer Umfrage, die das verdienstvolle Meinungsforschungsinstitut SZONDA-IPSOS konzipierte (NÉPSZABADSÁG, am 3. April, 1995). Die Umfrage lautete so: “Wie hoch ist Ihres Wissens die Zahl der Arbeitslosen jetzt in Ungarn?” Die Antwortgebenden machten vier im wesentlichen gleich grossen Gruppen aus: 35% der Befragten konnte keine Antwort geben, 25 % meinte, die Zahl der Arbeitslosen sei höchstens 500 000, 20 % war der Meinung, dass diese Zahl zwischen 500 000 und 700 000 laege, waehrend ebenfalls rund 20 % der Beteiligten die Überzeugung vertrat, dass die gesuchte Zahl mehr als 700 000 ist. Die Umfrage zeigt also, dass die Antwortenden sich in etwa drei gleich grossen Gruppen teilen und die drei für ungarische Verhaeltnisse durchaus unterschiedlichen Meinungen in der gleichen Proportion vertreten.    

 

   

 

Das dritte Ereignis schliesslich, welches für uns diese Etappe der ungarischen Entwicklung zutiefst charakterisiert, war, dass der Populraritaetsindex des ersten Mannes der Partei der Kleinen Landwirte (Kisgazdapárt), József Torgyán jenen von Gyula Horn nicht nur nachgeholt, sondern auch hinter sich gelassen hat. In der untersuchten letzten Periode konnte Torgyán einen Zuwachs von 5% verbuchen, waehrend sich Horn mit einem Verlust von 11% die Periode schliessen musste. Durch diese beiden Modifizierungen kam Torgyán auf 48 und Horn auf 44% auf der Liste der Popularitaet, was angesichts der Ausgangssituation des triumphierenden Horn und des extrem unpopulaeren Torgyán unter keinen Umstaenden als ein Ereignis ohne Bedeutung interpretiert werden darf (NÉPSZABADSÁG, 3. April, 1995).        

 

 

 

Die Panik bei der Verbreitung eines Gerüchtes, die gleichmaessige Dreiteilung der Meinungen über das Ausmass der aktuellen Arbeitslosigkeit, sowie der Platzwechsel zwischen Torgyán und Horn sind drei vielsagende Symptome, deren direkte Interpretation wir an dieser Stelle nicht durchführen wollen. Sie markieren eine Etappe auf dem Wege des post-sozialistischen Systemwechsels, dessen eher theoretische Aspekte unseren Gegenstand ausmachen.

 

        

 

Wir gehören zu denen, die den Prozess des post-sozialistischen Systemwechsels als einen einmaligen und singulaeren ansehen, der nicht nur im nachhinein, sondern auch schon in statu nascendi eine spezifische Richtung des Interesses und der Planung verdient (wahrheitsgetreuer gesagt: verdient haette). Wir wollen nicht lange den breit getretenen Vergleich mit der Gesamtsituation nach 1945 wiederholen, obwohl dieser Vergleich ein durchaus begündeter ist. Wir wollen anstatt dessen wieder auf die Singularitaet des ganzen Prozesses hinweisen, denn ohne eine vorausgegangene Annahme dieser Singularitaet würden wir einer adaequaten Analyse der Gegenwart keine nennenswerte heuristische Chance geben.        

 

 

 

Die Betonung dieser Singularitaet hat gerade in Deutschland und für Deutsche eine besondere Bedeutung. Denn Deutschland war gerade durch die Existenz der DDR ins historische Schicksal des realen Sozialismus in einem relevanten Ausmass involviert. Die damalige Bundesrepublik war das einzige relevante “westliche” Land, welches durch historische, nationale, wirtschaftliche Notwendigkeiten in die Prozesse des damaligen Ostblocks einbezogen war. Ohne laengere (und einmal zu bewerkstelligende) Ausführungen genügt es zur Illustration, wenn dabei die dsmalige Bundesrepublik mit England oder Frankreich verglichen wird. Dadurch war diese Bundesrepublik also zu einer Art der Koexistenz mit dem Ostblock “verurteilt”, die ja ihre (aus den mehreren prinzipiellen Möglichkeiten sich ausselektierende) einzige politische Konkretisierung in der sogenannten “Ostpolitik” tatsaechlich auch gewonnen hatte. Die Betonung der Einmaligkeit der post-sozialistischen Prozesse ist gerade für Deutsche und in Deutschland aus dem Grunde erforderlich, weil mit 1989 diese “Koexistenz” für Deutschland in der früheren Form zu Ende ging. Die ehemalige Bundesrepublik nahm die ehemalige DDR auf, ein vereintes Deutschland entstand, waehrend der frühere Ostblock in einen Zustand sich weiterentwickelt hatte, welcher sich überhaupt nicht nur in einem einheitlichen Zusammenhang kategorisieren liesse. Es war also ein und derselbe Zeitpunkt, nach welchem für den Rest des Ostblocks die Zeit einer neuen Singularitaet, waehrend für das sich vereinigte Deutschland eine Zeit der Normalitaet ausgebrochen hatte. Eine Geschichte von fast einer ganzen Jahrhunderthaelfte geht damit zu Ende.        

 

 

 

Der Prozess des post-sozialistischen Systemwechsels ist aber auch noch aus einem anderen Grunde ein einmaliger. Er hat auch eine hermeneutische Singularitaet, der darin besteht, dass sein Wesen weder von der Innenansicht noch von der Aussenansicht (geschweige denn von einer einfachen Addition der beiden) restlos erschlossen werden kann. Dieser zunaechst nur rein hermeneutische Charakterzug referiert die monumentale Dualitaet der beiden Ansichten. “Von aussen” erscheint dieser Prozess nach dem Muster anderer aehnlicher Prozesse als “normal”, mitsamt seinen sogenannten “Problemen” sowie im Besitz einer Aussenperspektive, die ja per definitionem keinen Anspruch auf die Wahrnehmung der inneren Prozesse erheben kann. “Von innen” erscheint der Prozess des post-sozialistischen Systemwechsels als ein unvergleichlich komplexer Prozess, in dessen praktischen Problemen sich eine Gesellschaft plötzlich mit einer Reihe von den verschiedensten Problemen konfrontiert sah. Noch vor einer Konkretisierung der beiden umfassenden Sichtweisen laesst sich also die politisch-hermeneutische Fragestellung so summieren, dass weder die eine noch die andere Gesamtansicht in sich faehig ist, den Prozess restlos auszudrücken.         Wie früher kurz schon angedeutet, wurden diese beiden an sich und objektiv gegebenen hermeneutischen Perspektiven bald auch mit durchaus unterschiedlichen Inhalten erfüllt - die anfangs inhalts- und wertlos nebeneinander existierenden grossen hermeneutischen Perspektiven treten bald als zwei unterschiedliche inhaltliche Positionen auf. Mit anderen Worten polarisieren sich die Perspektiven der Innen- und der Aussenansicht. Zusammenfassend und abgekürzt gesagt (anders kann es im wesentlichen wegen des staendigen zeitlichen Wechsels der Perspektiven nicht ausgedrückt werden), bietet die Aussenansicht ein durchgehend positives und normales Bild der post-sozialistischen Transition, waehrend die Innenansicht eher ein Bild der Enttaeuschung und der Resignation artikuliert. Dieser tiefgehende Unterschied in der Beurteilung der beiden Ansichten aktualisiert die wissenschaftslogische Problematik, dass naemlich aus einer einfachen Summierung der beiden Ansichten kein tragfaehiges Gesamtbild entsteht. Es bedeutet auch, dass ein irgendwie geartetes Gesamtbild nur als das Produkt einer spezifisch auf dieses Ziel gerichteten differenzierten Aktivitaet entstehen kann.        

 

 

 

Die Differenz der beiden Gesamtansichten, in welcher sowohl die ihnen zugrundeliegenden unterschiedlichen hermeneutischen Grundbedingungen als auch die auf sie sich aufbauenden unterschiedlichen inhaltlichen Einschaetzungen aufbauen, kann jedoch auf mehrere Weisen instrumentalisiert werden. Diese Instrumentalisierungen können von enormer praktischer Tragweite sein. Ein “westliches” Verhalten zum ehemaligen Ostblock, welches davon ausgeht, “im Osten sei alles in Ordnung” kann ebenfalls nachhaltig irreführen als ein “östliches” Verhalten, welches seine aktuellen und tiefgreifenden Frustrationen generalisierend die Gegenwart als historischen Bruch erlebt. Es laesst sich naemlich leicht nachweisen, dass beide Arten der Instrumentalisierung mit Notwendigkeit zu falschen politischen Aktivitaeten führen müssen.

 

 

 

Es laesst sich kein ganz exakter Zeitpunkt ausmachen, als es (für die Innenansicht, versteht sich selbst) klar geworden ist, dass der post-sozialistische Systemwechsel seine prinzipiellen und optimalen Programme nicht verwirklichen kann. Unter “optimalem” Programm verstehen wir stets eine harmonische und dynamische Einheit des Ausbaus der demokratischen politischen Einrichtung und den Strukturen einer (im guten Fall) “sozialen Markwirktschaft”. Dass hierbei der Begriff der “Optimalitaet” eine spezifische Bedeutung hat, kann uns zeigen, dass weder der Ausbau der demokratischen Institutionen ohne eine funktionierende Marktwirtschaft noch der Ausbau einer funktionierenden Marktwirtschaft ohne tatsaechliche demokratische Einrichtungen als ein historisch akzeptierbares Ergebnis interpretiert werden kann. Im Gegenteil, ein Erfolg auf dem einen Gebiet ohne einen Erfolg auf dem anderen würde direkt eine kritische Situation signalisieren. Wie in so vielen anderen Faellen auch, bedeutet “Optimalitaet” auch hier keine Erfüllung abstrakter oder idealer Anforderungen, vielmehr die einzige relevante und geltende Daseinsweise der konkreten historischen Existenz. Es heisst auch, dass der stete Gebrauch dieses Begriffes der Optimalitaet in diesem Fall nicht so sehr eine Wertqualitaet als eben eine spezifische Sachqualitaet haben muss.        

 

 

 

Bei der Wahrnehmung, dass das optimale Programm des post-sozialistischen Systemwechsels nicht optimal verwirklicht werden kann, musste die ungarische Gesellschaft auf ihre einzigartige Weise agieren und reagieren. Dabei denken wir vor allem nicht an Momente, die meistens (und keineswegs ohne Grund) als Elemente der ungarischen Singularitaet ausmachen. Wir denken dabei also nicht an jene “komparativen Vorteile” die üblicherweise in diesem Kontext genannt sind. Wir denken wesentlich an jene ungarische Eigenschaft, dass in diesem Land bereits im Schosse des Systems des real existierenden Sozialismus im Gegensatz zu einer “ersten” Wirtschaft eine “Schattenwirtschaft” und dementsprechend im Gegensatz der “ersten” Gesellschaft und der “ersten” (sozialistischen) Demokratie eine “Schattengesellschaft” und eine “Schattendemokratie” existierte. Für Ungarn war also die “optimale” Aufgabe, aus seiner “Schattenwirtschaft”, “Schattengesellschaft” und “Schattendemokratie” eine wirkliche Marktwirtschaft und eine wirkliche “erste” Demokratie zu machen. Es heisst auch, dass die Einsicht in das Scheitern des optimalen Programms des post-sozialistischen Systemwechsels in Ungarn mit der Einsicht in die Unmöglichkeit dessen identisch gewesen sein sollte, dass man aus den existierenden und damals oft mit vielen Opfern ausgekaempften Errungenschaften dieser “Schattensphaere” kaum etwas auf das Sonnenlicht der Demokratie hinüberretten kann.        

 

 

 

Es erwies sich um so frustrierender für Gesellschaft und Forschung gleichmaessig, dass es in den wichtigsten Zeitstrecken kaum zu nennenswerten Versuchen gekommen ist, diese durch “Schattenphaenomene” gekennzeichnete Singularitaet der ungarischen Gesellschaft überhaupt erst für die Verwirklichung des optimalen Szenarios des post-sozialistischen Überganges fruchtbar zu machen. Denn einerseits war es wir eine allseitige Erwartung, dass man beim Verabschieden der welthistorischen Periode des Kommunismus zu einer Vokabular griff, welche nicht nur aus der Periode des Kalten Krieges überhaupt stammte, sondern auch die Mentalitaet dieser Zeit überhaupt treu bewahrt hatte. Die Rhetorik über die (legitime) welthistorische Dimension des Systemwechsels fiel mit derselben der aktuellen Politik zusammen, was zu einer Verzerrung in der Beurteilung der aktuellen politischen Lage führen musste. Die herrschende Rhetorik (welthistorisch richtig) sprach über GULAG und Stacheldraht, das reale Land war jedoch gleichzeitig von “Schattenphaenomenen” tausendfach durchzogen. Waehrend man von den Sünden des Regimes keinen öffentlichen Abstand nahm, betrieb der kommunistische Nachfolgerstaat bereits rege Börsentaetigkeit an den grossen Börsen der Welt. Im Anfang des Systemwechsels gebrauchte man also nicht nur die Vokabular, die den Realitaeten der spaet-kommunistischen Gesellschaft haette gerecht werden können, auch die wichtigsten politischen Gruppen fanden keinen Anschluss an diese Realitaet. Die rechtskonservative erste Regierung vertrat eine Mentalitaet, welche es klar verraten hat, diese Gruppe geht von einer ungarischen Gesellschaft aus, die in dieser Form intakt zuletzt noch am Ende der vierziger Jahre existierte. Nicht viel anders stand es auch mit den Liberalen, deren meinungsbildende Gruppe aus der damaligen demokratischen Opposition herausgewachsen ist und vermutlich deshalb die durch Schattenphaenomene erfüllte soziale und politische Realitaet zunaechst kaum realisieren konnte und aus diesem Grunde zwischen einem exzessiven Antikommunismus und einer ebenso unerwarteten Versöhnlichkeit den post-kommunistischen Phaenomenen gegenüber oszillierte.        

 

 

 

Wegen des nicht gelungenen Anschlusses der neuen demokratischen Prozesse an die tatsaechlichen Strukturen der Gesellschaft konnten sich auch die zahlreichen meritokratischen Erwartungen kaum erfüllen, die man mit der grösseren Freiheit und Gerechtigkeit der demokratischen Einrichtung durchaus legitim verbunden hatte. Auch an diesem Punkt scheiden sich Innen- und Aussenansicht. “Von aussen” ist es nicht unbedingt erforderlich, dass meritokratische Erwartungen (und ihre eventuelle Erfüllung) im post-sozialistischen Raum überhaupt wahrgenommen werden. “Von innen” besteht kein Zweifel darüber, dass ein “post-sozialistischer” Systemwechsel ohne ”meritokratischen Ausgleich”, ohne die mehrfachen meritokratisch ausgerichteten Kontraselektionen des untergegangenen kommunistischen Systems zu korrigieren, ein mehr Oberflaechenphaenomen bleiben muss. Die Begünstigten der historischen Stunde waren unter solchen Umstaenden zunaechst die eher unteren Chargen der früheren politischen, wirtschaftlichen oder administrativen Macht, die sich in diesen früheren Umstaenden nicht stark exponiert haben und deren neue  demokratische Affinitaet auch nicht nur karrierbedingt, sondern vielmehr auch durch soziokulturelle Neigungen und Identitaeten bestimmt worden ist. Ein weiterer Kreis der Begünstigten setzte sich aus den Motiven der vielfachen Wiedergutmachung zusammen. Dadurch wollen wir als eine Tendenz andeuten, dass der demokratische Systemwechsel sich nicht direkt auf die oft unsichtbare, weil (wo sonst?) in der Schatten wirkende tatsaechliche meritokratische Elite stützte, welche sich verschiedene neue Wege unter den neuen Umstaenden suchte. Es versteht sich von selbst, dass diese Entwicklung auch dem ganzen Land eine - wenn auch nicht auf sehr auffallende und publik gewordene Weise - problematische war.         In der Aussen- und Innenansicht artikulierte sich eine ganze Reihe von den möglichen Relationen zwischen Wirtschaft und Politik unter den spezifischen Bedingungen des post-sozialistischen Systemwechsels. Die ganze Bandbreite dieser Auffassungen können wir









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