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Tartalomjegyzék ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 28 ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 30 Utolsó lap

ZUR SOZIALPHILOSOPHIE DES POSTSOZIALISTISCHEN SYSTEMWECHSELS - 29

Szerző: Kiss Endre




von der aktuellen Gleichsetzung von Monetarismus und Liberalismus, die in unseren Augen die auffallendste aktuelle Reduktion des Liberalismus ist - Reagan oder Thatcher heute mit der eisernen Notwendigkeit des Begriffsgebrauchs ebenfalls als Liberale vor der Öffentlichkeit auftreten. Setzt man diese Linie im Gewdankengang fort, so kann man auch die entgegengesetzte Version wahrnehmen. Nicht nur "Monetaristen" gab es in der betreffenden letzten Zeit, die nicht Liberale waren, es gab auch ausgezeichnete Liberale, die Stellung gegen den Monetarismus bezogen, unter anderen beispielsweise von Hayek.

 

 

 

Es ist selbstverstaendlich verraeterisch, dass das heute hegemone politisch-wirtschaftliche System "keinen Namen" hat. So ist es einigermassen dem Musilschen Kakanien aehnlich, welches aber daran tatsaechlich zugrundeging, dass es keinen Namen hatte. Abgesehen von dem Namen freilich existiert diese politisch-wirtschaftliche Weltordnung durchaus als eine "Einheit", sie wird nicht nur so erlebt, sie erweist sich jeden Rag in ihrer Funktion als eine Einheit, obzwar diese Einheit bislang eher als ein Prozess der "Globalisierung" wahrgenommen und beschrieben wird. Der Mangel an dem Namen führt jedoch zur allgemein erlebbaren Einstellung, dass die aktuelle Situation von breiten Kreisen als allgemein "normal" und "problemlos" angesehen wird. Es gibt letztlich tatsaechlich "normale" wirtschaftliche Situationen und eine "normale" Politik, die allernormalste, die es eben nur geben kann, und zwar die liberale Demokratie. Eine stattliche Liste liesse sich aus Aeusserungen zusammenstellen, nach denen die aktuelle Situation als "normal" (bei vielen besser noch als normal, denn auch reformbefördernd) geschildert wird. Der monetaristische Komplex erscheint in diesen Aeusserungen als volkommen problemlos, ohne jegliche geistige Herausforderung. Wir wollen freilich an dieser Stelle nicht den monetaristischen Komplex an sich analysieren. Wir wollen nur darauf hinweisen, dass gerade in dieser Wahrnehmung des monetaristischen Komplexes als "normal" auch die illegitime Gleichsetzung des monetaristischen Komplexes mit dem Liberalismus verborgen ist. Alle Motive und Argumente in dieser Richtung können hier nicht aufgezaehlt werden. Das allerwesentlichste Argument ist, immer wieder und in stets anderer Form, dass der monetaristische Komplex mitsamt seinen drei Komponenten von der liberalen Grundvision des "freien Spiels der freien Kraefte" in so einer kritischen Distanz steht, dass der Terminu s "liberal" als klarer Etikettenschwindel vorkommen muss. Der monetaristische Komplex verengt den sozialen Spielraum von so vielen (wenn er ihn bei ebenso vielen nicht gerade vernichtet), führt an vielen Punkten der Wirtschaftsregelung so eine extreme Zentralisierung ein, dass er dadurch nicht mehr zum liberalen Feld gezaehlt werden kann. Seine Einstellung des Staates ist wiederum keine prinzipielle. In dem er dessen soziale Funktionen in jedem Sinne abbaut, errichtet er auf den sensiblen geldwirtschaftlichen Gebieten eine Bürokratie, die in "normalen" Demokratien kaum je existierte. Bei diesem Abbau des Sozialen muss man stets die feine Differenz vor Augen halten, dass der von der Verschuldung verursachte Abbau formell nicht vom monetaristischen Komplex durchgeführt wird, das Wesentliche dieses Aktes nichtsdestoweniger darin besteht, dass der monetaristische Komplex willens ist, zahlreiche TABUs zu brechen oder die Brechung derer zu befördern. Der Abbau von gewissen sozialen Leistungen kann freilich auch als fiskalisch-monetaristische Tatsache aufgefasst werden, die betreffenden Tatsachen sind aber, ANDERERSEITS, gesellschaftliche Tabus, die zumindest seit den zweitausend Jahren der europaeischen Zivilisation in Geltung waren, zum Teil sind sie aber Tabus, die nach 1945 als diejenigen der neuen industriellen Gesellschaft und der nachhitlerschen europaeischen Demokratie als neue SINE QUA NON der westlichen Gesellschaften fungierte. Nach dieser Reflexion kann man den Terminus "Abbau der sozialen Hilfsleistungen" schon einigermassen anders sehen und in dieser Arbeit der Brechung von Tabus kann der Anspruch auf die Bezeichnung "Liberalismus" auch nicht mehr ganz ernst genommen werden, denn der Liberalismus versteht das "freie Spiel der freien Kraefte" stets in der Grundvision in einem emanzipativen Sinne. Mit den bisher Gesagten geht zusammen, dass das ganze politische Feld radikal umgewertet wird. In dieser Welt des monetaristischen Komplexes wird das ganze Subsystem des Politischen radikal abgewertet, der Politiker ist ein Mann, der zwar vieles vor der Wahl versprechen kann und muss, aus eigener Kraft jedoch kaum eine Chance hat, die Aktivitaeten des monetaristischen Komplexes durchzubrechen und seine höchste und komplexeste Aufgabe ist, den Kreis jener demokratisch auszuwaehlen, die den naechsten restriktiven Massnahmen zum Opfer fallen werden.

 

 

 

Uns scheint, dass auch diese Transformation des Politischen nicht gerade ein Phaenomen ist, welches den Namen des Liberalismus ganz und gar verdienen würde. Eine andere, ebenfalls gravierende Abweichung zwischen liberaler Grundvision und dem grossen monetaristischen Komplex ist, dass waehrend in der Grundvision tatsaechlich ein "freies Spiel von freien Kraeften" vorgesehen wird, aus dem dann ein wirklich lebendiges Ganzes entsteht, das in grossen Zügen "freies" System des Monetarismus an einigen allerwesentlichen Stellen von bewussten und willkürlichen Interventionen, von politischen Entscheidungen, im Sinne Carl Schmitts also von "dezisiven" Eingriffen abhaengt. Diese Differenz ist eine so gewaltige und relevante, dass ihre theoretische Relevanz vollkommen ausser Diskussion steht. Diese dezisiv entschiedenen Eingriffe werfen ferner im naechsten Augenblick schon die tiefsten demokratietheoretischen Probleme auf, denn letzten Endes man sollte auch darüber Rechnung tragen, wer und aufgrund welcher öffentlichen und demokratischen Legitimation diese "letzten" Interventionen macht, letztlich kann es demokratietheoretisch nicht ausreichen, dass über einen perfekten Sprecher der monetaristischen Sprache in den einflussreichen Medien einfach "festgestellt" wird, dass er so "begabt" und so "guter Fachmann" ist, dass er auf dieser Grundlage die in Frage stehenden letzten Entscheidungen zu machen die Legitimation haben. Aufgrund dieses Tatbestandes denken und sagen viele ehrliche, nichtsdestoweniger etwas oberflaechliche Kritiker des Monetarismus, dass der Monetarismus eben "nicht demokratisch" ist. Man kommt immer wieder und in jedem Kontext zu einem latent schon angegebenen ersten Punkt zurück - dem Monetarismus bleibt als Legitimation immer wieder der "reale Sozialismus", mit seinem anderen Namen, der Kommunismus, denn immer wieder stellt es sich heraus, dass die Symbiose des politisch-demokratischen und des monetaristisch-restriktiven Liberalismus erst im Zusammenhang und vor dem Horizont des real existierenden Sozialismus so etwas wie einen "Sinn" aufweisen kann. Legitimationen "liberalen" Typs kommen nicht nur nicht vor, sie würden sich aber auch in jenem Fall so im Lichte der einfachsten Kritik wie Schnee verschmelzen. Wir können selbstverstaendlich mit der Tatsache zusammenleben, dass der "Liberalismus" wie auch zahlreiche andere politische Termini, vage, vieldeutig und blass ist - man soll aber bei jedem Terminus ein Minimum an Zusammengehörigkeit und an Verbindung mit der Grundvision ausfordern und das ist in diesem Fall viel mehr als eine terminologische Frage. Die Bezeichnung "Liberalismus" für den grossen monetaristischen Komplex ist - abgesehen jetzt von dem Horizont des real existierenden Sozialismus, der ja heute einfach auch nicht mehr existiert - auf dieser Grundlage ein Etikettenschwindel. Es gibt eine einzige Relation, in welcher der grosse monetaristische Komplex und der Neoliberalismus miteinander doch etwas WIRKLICH zu tun haben. Diese Relation ist aber nicht die der Inhaerenz oder der Substantialitaet, auch nicht die der Interdependenz (wie die vorherrschende Rhetorik die eine oder die andere Variation nahelegen würde). Die einzig wirklich bestehende Relation ist eine einfach KOEXISTENZ, die aber keine schicksalhafte und metaphysische ist. Unter ganz bestimmten konkreten historischen Umstaenden entstand die Koexistenz der politischen Einrichtung  der liberal-menschenrechtlich begründeten Demokratie und des engeren monetaristischen Komplexes und unter noch konkreteren historischen Umstaenden entstand die Koexistenz der politischen Einrichtung der liberal-menschenrechtlich begründeten Demokratie und des engeren monetaristischen Komplexes im Zeichen einer eigenartigen liberalen Ideologie und Rhetorik. Das ist die wahre Relation und die ist die der Koexistenz, denn diese Koexistenz kann von beiden Seiten im Prinzip aufgekündigt werden (nehmen wir die Faelle, in denen der engere monetaristische Komplex mit den konservativen Spielarten derselben Demokratie, aber auch mit den konservativen Spielarten nicht-demokratischer politischen Systeme (Faschismus, Post-Kommunismus) ebenfalls produktiv zusammen existieren konnte.

 

 

 

Der grosse monetaristische Komplex ist bis jetzt noch sehr lückenhaft beschrieben worden, obwohl er sowohl für die Wirtschaft, wie auch für die Politik, aber auch noch für die Gesellschaft einen gut und adaequat WAHRNEHMBAREN Gegenstand darstellt. Er praesentiert sich als eine "Wirtschaftspolitik" liberaler Couleur, obwohl er nicht nur nicht "liberal" (unter anderen auch aufgrund der bisher angeführten Überlegungen können wir es schon in expliziter Form aussagen), sondern im engeren Sinne des Wortes auch nicht eine "Wirtschaftspolitik" ist, denn er hat mit der Wirtschaft im engeren Sinne nur wenig zu tun. Er ist eine "Wirtschafts-Politik" oder "politische Wirtschaft", die sich ausschliesslich um den Geldverkehr kümmert, mit besonderer Aufmerksamkeit für die "weichen" Stellen  der staatlichen Finanzangelegenheiten, bei denen durch die zweifache Verschuldung des Staates immer grosse Geldflüsse aus der staatlichen Sphaere in andere Sphaeren transferiert werden können, NICHT deshalb, weil in diesen staatlichen Sphaeren das Bedürfnis nach diesen  Resourcen nicht mehr bestünde, sondern aus dem viel einfacheren und frappanteren Grund, dass dieses Resourcen einfach unter gegebenen Umstaenden transferierbar werden. Diese Grundeinstellung des grossen monetaristischen Komplexes weist jedem Akteur seinen neuen Spielraum zu, ohne dass er, wie gesagt, unmittelbar viel mit den wirklichen wirtschaftlichen Prozessen zu tun haette. Und er kann es auch nicht tun, denn er vertritt die Logik eines bürokratischen und fiskalischen Verfahrens, welches aber dann definitionsmaessig eine "Welt auf dem Papier" errichtet, in welcher die wirklichen wirtschaftlichen Prozesse in schlechtem Fall ganz leicht zu kurz kommen können. Aus diesem Grund ist der monetaristische Komplex auf seine Art eine "Wirtschaftspolitik", seine wirtschaftliche Komponente kann sich von der politischen ebenso wenig ablösen, wie seine politische Komponente von der wirtschaftlichen. Dass wir es hier mit einer neuen Mischung von Wirtschaft und Politik zu tun haben, verdient angemerkt zu werden. Jeder monetaristische (wirtschaftliche) Schritt ist politisch, jeder monetaristische (politische) Schritt ist wirtschaftlich. Der monetaristische Komplex hat mit Wirtschaft und Gesellschaft nur in Grenzfaellen zu tun, gewiss ist es ihm nicht gleichgültig, wenn die Gesellschaft es versucht, Widerstand gegen ihn zu leisten. Für den Monetaristen ist der im Sinne Carl Schmitts genommene "Ausnahmezustand" der einzige soziale Zustand, der seine Aufmerksamkeit verdient, selbst um die wirtschaftlichen Prozesse kümmert er sich nicht, sie sind naemlich "frei" und haben nur die notwendige Pflicht, sich in die monetaristischen Rahmenbedingungen einzuordnen. Und wenn wir schon bei der "Freiheit" sind, sind nicht nur die wirtschaftlichen Prozesse frei, sondern auch die

 

sozialen Prozesse und Akteure "frei", was auch so viel auf der monetaristischen Sprache bedeutet, dass sie können tun und erleben, was eben ihnen zustiesst, alles ist gut und legitim. Darin besteht ein weiterer entscheidender Unterschied zur liberalen Grundvision, denn diese letztere hat doch in mehreren Periode wirklich gelernt, dass er TABUs nicht bricht, was - wie wir vorhin darauf zu sprechen gekommen sind - von dem monetaristischen grossen Komplex überhaupt nicht zu sagen ist. Der grosse monetaristische Komplex lebt mit der Gesellschaft in einer Ehe, in welcher er sich über den Zustand seiner Gattin einzig nach ihren Angstschreien ein Bild machen kann.

 

 

 

Es ist die logische Konsequenz im Falle eines grossen Komplexes, welcher ja Politik und Wirtschaft auch untrennbar vereinen kann, dass er seine eigene Sprache entfaltet, die ja - trotz der Einstellung vieler Sprachphilosophen - nicht "nur" Sprache ist, sondern im Grundriss eine Neubesetzung der Begriffe mit Inhalten, die seinen ursprünglichen Perspektiven entsprechen. So vergisst die Sprache des grossen monetaristischen Komplexes jegliche Differenz zwischen der Makro- und der Mikorebene der Prozesse, woraus konsequent folgt, dass Lehrerinnen und Pflegeschwester durch ihren Verzicht auf ihre "Nachfrage nach Konsumgütern" die Schulden von Armeen, Schwerindustrien oder Wasserkraftwerken begleichen. So erscheint ein Zustand der fiskalischen Bilanz für die monetaristische Sprache als "Surpluskonsumtion", auch wenn in dem betreffenden Land nicht einmal der untere Rand eines westlichen Konsumniveaus erreicht worden ist. In dieser Sprache bekommmt jeder Gegenstand, sei er physisch, geistig, imaginaer oder utopisch, seinen Marktcharakter. In der unendlichen Überzeugung, dass alles Markt ist (und sein muss), vergisst der grosse monetaristische Komplex nicht nur seine früheren Studien über die Geschichte der Wirtschaft (etwa bei Karl Polányi), sondern auch eine aktuellsten Studien über die Grenzen des Marktes in der Gegenwart. Nicht die Heizung eines Krankenhauses wird thematisch, sondern die Zaehne der Staatsbürger werden (mit je mehr ökonomischen Wissenschaftlichkeit, desto besser) als "marktzugehörig" und "marktabhaengig" ausgegeben. Waehrend die einzelnen einfachen Staatsbürger mit "Verantwortung" das Abarbeiten der Staatsschulden bis hin zu den Kosten ihrer physischen Existenz auf sich nehmen müssen, wurden  Politiker und Bankfachleute bis jetzt noch nie juristisch für die Planung der Verschuldung juristisch verurteilt. Anscheinend herrscht in diesem Kontext das Gesetz der Spielcasinos, wonach ,man je mehr verliert, desto grosszügiger behandelt wird.

 

 

 

Der Monetarismus gibt vor (und es hat einen gewissen Realitaetscharakter), dass er auf einen neuen sozialen Zustand "reagiert", der zumindest metaphorisch als eine "soziale Krankheit" bezeichnet werden kann. In der Tat ist jedoch der Monetarismus selber eine soziale Krankheit, er hat naemlich mit realen wirtschaftlichen Prozessen, mit sozialen Tabus und mit den wirklichen Zielvorstellungen der liberalen Grundvision so wenig zu tun, dass diese Kategorisierung als legitim erscheinen muss. Fügt man noch die ganze demokratie-theoretische Problematik zu diesem Tatbestand hinzu, so kann man diese Bezeichnung noch mehr verstehen.

 

 

 

Die adaequate WAHRNEHMUNG des grossen monetaristischen Komplexes galt lange - sowohl in der Politik, wie auch in der Wirtschaft - ein lange andauerndes schwieriges Problem. Diese Wahrnehmungsproblematik wird so schwierig, weil der grosse monetaristische Komplex FÜR DIE Gesellschaft gleichzeitig mehrere Gesichter bietet. Der destruktive Charakter des grossen monetaristischen Komplexes erscheint zum Teil immer in gewissen Etappen, die scheinbar miteinander nicht verbunden sind. Andererseits erscheinen diese Attacken und monetaristischen Streifzüge stets in der makellosen Ideologie der neoliberalen Rationalitaet. Diese Diversitaet des sozialen Bildes des grossen monetaristischen Komplexes wird nur noch grösser, wenn man daran denkt, dass der monetaristische Bulldoser manchmal soziale Institutionen ausrottet, die TATSAECHLICH reif zum Untergang und nicht mehr rational sind. Einige legitime Würfe machen selbstverstaendlich diese Aktionen des Monetarismus nicht generell legitim. Gleich erscheint aber auf der anderen Seite neben den gelungenen Rationalisierungsakten "wider Willen" wieder ein anderes Gesicht des grossen monetaristischen Komplexes, und zwar jenes der in friedlichen Jahrzehnten fast beispiellosen Brutalitaet und jenes Vor-Nichts-Zurückschreckens, die (das) bei diesen Attacken gegen die (fremde aber auch die eigene) Gesellschaft unschwer zu beobachten ist. Die Unbarmherzigkeit in diesen Attacken geht in der Tat bis zur Brechung der Tabus und daran kann die Interpretation so einfach nicht vorbeigehen. Die Problematik dieser Brechung der Tabus haben wir bereits kurz berührt, aus dieser Brutalitaet ist im Augenblick der politische Kontext wesentlicher. Der Gedanke ist überhaupt nicht abzuwehren, wie viel von Krisen geschüttelte Gesellschaften ihre tödlichen Krankheiten überlebt haetten, wenn sie sich jene Brutalitaet haetten erlaubt oder erlauben dürfen, die der grosse monetaristische Komplex praktiziert. An dieser Stelle der Problematisierung der monetaristischen Brechung von Tabus, von denen man schon gedacht hat, sie waeren niemals mehr in der "modernen" Geschichte zu brechen, draengt sich die Einsicht, dass die Ideologie und der Hintergrund dieses Aufbrechens der Tabus eben der Antikommunismus gewesen ist. Es bleibt freilich die Frage, ob der gegen den agonisierenden realen Sozialismus gerichtete Angriff tatsaechlich legitimiert gewesen ist, diese Attacke ideologisch zu untermauern und zu befördern. Allenfalls bleibt das Paradoxon, dass der Antikommunismus tatsaechlich gesiegt hat, als er dieses Ziel nur als ideologischen Schein formulierte und das tatsaechliche Ende des Kommunismus mit grosser Überraschung aufnahm.

 

Verharrt man bei diesem Bild der Brutalitaet, so draengt sich gleich wieder ein anderes Gesicht des grossen monetaristischen Komplexes auf, naemlich das Bild der tatsaechlich relevanten Eigenschaft der Faehigkeit, moderne internationale Prozesse funktional zu integrieren. Es besteht ohne Zweifel ein deutlicher Mangel an solchen Integrationsmöglichkeiten, die die grossen makroökonomischen und anderen Prozesse in einer Gesamtschau und in Funktionen zu vereinigen wüssten. Ein grosses Glück des grossen monetaristischen Komplexes ist, dass diese Hegemonie von funktionaler Art keine direkte politische ist, waehrend jede frühere Hegemonie zumindest aeusserlich eine politische gewesen sein sollte. Diese Eigenschaft führt aber auch zur Frage der schwierigen Wahrnehmbarkeit und Interpretierbarkeit zurück. Die funktionale Macht ist nicht nur ein Novum, sie kann auch die schwierigen Probleme der politischen Legitimation auch am besten lösen.

 

Hat man jetzt das funktionale Gesicht des Monetarismus vor Augen, so wechselt sich das Bild wieder mit Notwendigkeit. Es erscheint das Bild des "alltaeglichen" Monetarismus. Es gibt naemlich nicht jeden

 

Tag einen Seeschlacht, es gibt jeden Tag auch nicht eine monetaristische Attacke, es gibt Alltag ebenso wie auch vor dem Monetarismus den Alltag immer gab. Der monetaristische Streifzug tgritt nicht jeden Tag auf, wiewohl man auch nie sicher sein kann, dass er nie mehr auftreten wird. Der monetaristische Frieden existiert keineswegs, was auch heisst, dass der Krieg für die absehbare Zeit weiter gefochten wird.

 

 

 

Der grosse monetaristische Komplex definiert sich nicht, dadurch erschwert er, dass er wahrgenommen und beschrieben wird. Er hat kein Subjekt, bzw. keine Subjekte, die ihn tragen, was selbstverstaendlich nicht heisst, dass alle Subjekte von ihm das gleiche Schicksal haben. Der grosse monetaristische Komplex geht mit der Vorherrschaft gewisser Wertvorstellungen in der Gesellschaft zusammen, ohne dass er als eine direkte Folge derselben aufgefasst werden dürfte. Er veraendert alle Subsysteme, ohne dass sie aufhören würden, sie selbst zu sein. Der grosse monetaristische Komplex praesentiert sich als "Normalitaet" und als solche auch als etwas, was nicht nur vom liberalen Standpunkt affirmiert werden kann, sondern als etwas, was von liberalen Prinzipien getragen wird. Nun scheint es uns, dass es nicht so ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Thesen über die Möglichkeiten der Philosophie nach dem GULAG

 

 

 

Endre Kiss, Budapest

 

 

 

1.Bei der Bestimmung des Standortes einer Philosophie, die sich mit der Welt nach dem GULAG sich auseinanderzusetzen sucht, ist es unerlaesslich, danach zu fragen, warum es uns überhaupt erst vier Jahrzehnte nach Stalins Tod gegeben ist, diese Frage öffentlich artikulieren zu können. Das Recherchieren auf diesem Feld führt mit Notwendigkeit zu einer Menge historischer und politischer Einsichten. Die philosophische Essenz dieses Fragens führt jedoch auch über das rein Politische hinaus. Der philosophische Sinn dieses Fragens richtet sich gerade darauf, ob wir durch die Erschliessung des GULAG-Komplexes überhaupt zu einer Kontinuitaet in der Geschichte kommen können. Die Frage ist nicht nur, ob wir die explosive Energie, die der Analyse des GULAG-Komplexes entstammt, bewusst in die Aufarbeitung unserer aktuellen Probleme einschalten können. Die wirkliche Frage ist, ob unsere Welt, oder unsere ex-stalinistische Region nicht schon ein ENDE DER GESCHICHTE erleben und erfaehrt.

 

 

 

2.Der Grundwert der postGULAGschen Moralitaet kann nur eine “neue Demut” sein. Darin ist diese Moralitaet der Moralitaet nach Auschwitz gleich. Geht man von der Eudaimonie, von der Glücksfaehigkeit des Menschen aus, so ist es klar, dass ein Glück ohne eine bewusste und reflektierte Demut heute nicht mehr legitim ist. Die Leidensgeschichte des Menschen im zwanzigsten Jahrhundert ist Grund für eine allseitige, der GULAG ist einer für eine besondere Demut.

 

 

 

3.Die Demut wegen des GULAGs kann auch die Demut der zerstörten Natur gegenüber in sich aufnehmen. Diese Demut müsste zur prinzipiellen Grundlage jeglicher Ökologie gemacht werden. Es ist nicht gewiss, dass die Leiden der Natur den Leiden der Menschen gleich, aehnlich oder ebenbürtig sein dürften. Diese beiden Arten der Demut sollten richtungsweisend für die Konstitution menschlichen Handelns, für die Begründung praktisch-menschlicher Wertung gemacht werden.

 

 

 

4.Ohne diese neue Demut sind alle Dialogversuche von vorne an zum Scheitern verurteilt. Menschlicher Dialog hat heute keine andere philosophische Basis. Es gibt keine anderen Grundtatsachen der Existenz, als eben GULAG (Auschwitz) und die notwendige Einstellung der neuen Demut. Aus diesem Grunde scheint uns eine Verbindung des Gedankens des GULAG mit demselben des Dialoges unerlaesslich, aehnlich dazu, wie eine andere fruchtbare Quelle des Dialogdenkens eben die Reflexion von Auschwitz ist.

 

 

 

5.Ohne diese neue Demut wird es nicht mehr möglich sein, uns überhaupt zur menschlichen Gattung in eine Relation zu setzen. Ohne die neue Demut kann nicht mehr ein Verhaeltnis zwischen dem Ich und dem Du, zwischen dem Ich und dem Wir, zwischen dem Wir und dem Sie ausgebaut werden. Eine Beziehung zwischen Menschen, eine “menschliche” Beziehung also, eine Intentionalitaet in Richtung der menschlichen Gattung, ist ohne die fundamentale neue Demut heute entweder HISTORISCH ÜBERHOLT oder POST-HISTORISCH.

 

 

 

6.Eine Philosophie der neuen Demut kann keine ausschliessliche Maennerphilosophie mehr sein. Der GULAG und Auschwitz waren zweifellos maennliche Produkte der Geschichte, auch wenn falsche oder pervertierte Emanzipationsbestrebungen von seiten von Frauen auch einen Beitrag geleistet haben. Kein Hitler ohne Ilse Koch, kein Stalin ohne seine ”barischnja”-s. Die neue Demut macht die Geschichte auch zur Angelegenheit der Frauen und des weiblichen Denkens. Eine Kontraselektion der Frauen in der Zeit einer immer mehr eher weiblich werdenden Geschichte waere aus diesem Grunde von der denkbar schlechtesten Auswirkung.

 

 

 

7.Die neue Demut muss mit einem neuen Mut zusammengehen, den wir am liebsten “Mut zur Realitaet” nennen würden. Die neue Demut muss sich naemlich jener umgreifenden und umfassenden Krise der Realitaet zusammengehen, die der Stalinismus verursacht hat. Der GULAG pervertierte die ganze Realitaet, und zwar auf zweifache Art. Einerseits ersetzte er die Realitaet durch SEINE Realitaet. Andererseits hatte er es









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