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Tartalomjegyzék Constructing Identity Under the Role of Difference Between Neopositivism-Neoliberalism and Postmodernism Utolsó lap

Die Symmetrie von Neopositivismus/Neoliberalismus und Postmoderne

Über die Herausforderung für neue Ansaetze in der Wissenssoziologie
Szerző: Endre Kiss, Budapest

Die angenommene Symmetrie zwischen Neoliberalismus/Neopositivismus und Postmoderne deutet also neue Möglichkeiten der Wissenssoziologie und der Ideologiekritik an. Waehrend die klassische Wissenssoziologie (und Ideologiekritik) mit evidenter Selbstverstaendlichkeit von der Grundrelation Seinsgebundenheit ausging (und zu seiner Zeit mit derselben Selbstverstaendlichkeit dachte, die Metawissenschaft des seinsgebundenen Wissens nur eine Soziologie sein kann), so laesst sich fragen, ob eine begriffliche und/oder konzeptionelle Symmetrie ihrerseits auch eine Wissenssoziologie anderen Schlages zu begründen in der Lage waere.




Die Symmetrie von Neopositivismus/Neoliberalismus und Postmoderne als Herausforderung für neue Ansaetze in der Wissenssoziologie

 

Endre Kiss, Budapest

 

Die letzten dreissig Jahre erhoben zwei umfassende Denkrichtungen auf das Niveau der effektiven Gestaltung von Geschichte und Gesellschaft. Uns scheint, dass diese Verschiebung der philosophischen Palette neue, vielleicht wirklich fundamentale Möglichkeiten schafft, uns die tatsaechlichen Bedingungen der Philosophie und der wahren theoretischen Aufarbeitung unserer intellektuellen Wirklichkeit neu zu vergegenwaertigen. Dies heisst aber auch, dass so eine angenommene radikale Verschiebung mit Notwendigkeit mit neuen wissenssoziologischen Ansaetzen zusammengehen soll. Je staerker naemlich das voluntaristisch-dezisive Moment in der Konstruktion neuer Philosopheme ist, desto mehr entfernt sich das so entstehende philosophische Komplex von der Möglichkeit einer im Sinne Mannheims genommenen “problemlosen” Seinsgebundenheit des Denkens.

 

Der Mangel der wohltuenden und notwendigen historischen Distanz, die Komplexitaet der beiden untersuchten Denkrichtungen, mitsamt ihren Konsequenzen für die Wissenssoziologie, die grosse Anzahl der Artikulationen, die in eindeutiger Weise unter keine der grossen umfassenden Schulen zu subsumieren waeren, gelten und galten als nicht in Zweifel zu ziehende Momente, die dieses Unternehmen kritisch erschweren.

 

Die mühsame und besonders im Falle der Postmoderne extrem zeitintensive multiperspektivistische Analyse, der Versuch, sie auf ihre Strukturen hin sowohl einzeln wie auch komparativ zu beschreiben, der Anspruch, ihre oft unerforschte, wenn nicht eben geheim gehaltene Genealogie und soziologische Einbettung mit dem Anspruch auf Verifizierung zu klaeren – all diese Bemühungen führten zur Einsicht in die bestimmende Erklaerung der Symmetrierelationen zwischen den beiden umfassenden Philosophiegruppen.

 

Die hierbei in Anspruch genommene Methode war keine geistesgeschichtliche. Das Wesentliche des Verfahrens war eine intensive immanente Strukturbeschreibung der einzelnen Artikulationen, um im spaeteren die so entstandenen Beschreibungen heuristisch, historisch, funktional und soziologisch so vielfaeltig wie nur möglich weiter zu erschliessen.

 

Die eine bestimmend gewordene umfassende philosophische Richtung der letzten Jahrzehnte ist (mitsamt seinen zahlreichen Variationen) jener Neoliberalismus, der als Erneuerung und Reformulierung des Neopositivismus des Wiener Kreises als neuer und umfassender Typus des neopositivistischen Neoliberalismus (oder des neoliberalen Neopositivismus) gelten kann. Ursprünglich ist er von jenen formuliert worden, die am Marxismus und den historischen in Erscheinung getretenen Formen des realen Sozialismus bereits in den zwanziger und dreissiger Jahren desillusioniert worden sind und bei denen diese Enttaeuschung manchmal selbst noch das Ausmass der Angst und der Empörung wegen Hitlers Machtübernahme übertroffen hat. Es war letztlich dieser Typ des (auch in seinen spaeteren wissenssoziologischen Affiliationen bestimmenden) spezifisch antikommunistischen Neoliberalismus, der auch in den siebziger und achtziger Jahren sowohl in der Politik, wie auch in der Wirtschaft und Wirtschaftstheorie, nicht weniger aber auch in der philosophischen Grundlagenforschung in entscheidende Positionen kommen konnte.

 

Fragt man nach Sinn und Legitimatitaet dieses Gebrauchs der Kategorie Neoliberalismus/Neopositivismus, so kann man – mit den in diesem Unternehmen unvermeidlichen Vereinfachungen – die Auffassung vertreten, dass nach dem Untergang des klassischen Liberalismus des neunzehnten Jahrhunderts (der seinerseits mit dem klassischen Positivismus auf die gleiche Weise liiert war, wie es im Falle des Neoliberalismus mit dem Neopositivismus der Fall war) in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts auch ein markanter Neoliberalismus auf den Plan trat, dessen vielfache Wurzeln und Motive sich durchaus neu und zeitgebunden waren. Ein charakteristischer Unterschied zwischen dem klassischen Liberalismus und des Neoliberalismus ist gerade in philosophiepolitischer Sicht von erheblicher Relevanz. Ein sich wiederkehrendes bestimmendes Dilemma der neoliberalen Ansaetze ist, dass die Synchronisierung und die Harmonisierung der politischen und der wirtschaftlichen Perspektiven des neoliberalen Gesamtansatzes ein viel problematischeres Unternehmen geworden ist als es noch im klassischen Liberalismus der Fall war. Hinter diesem Dilemma sei zweifellos eine nicht immer latent verbleibende innere Spannung zwischen den beiden Systemen “Politik” und “Wirtschaft” zu identifizieren. Dies heisst, dass dieser Konflikt einen klar einsichtigen systemtheoretischen Charakter aufweist. Dieser, um eine Dimension dieses Gedankenganges schon jetzt zu antizipieren, hat aber schon einen zweifachen wissenssoziologischen Charakter. Auf der einen Seite, und dies ist die negative wissenssoziologische Dimension, erscheint der Neoliberalismus/Neopositivismus als eine philosophische Richtung, die homogen scheint, obwohl sie einen tiefen systemtheoretischen und folglich auch wissenssoziologischen Bruch in sich traegt. Auf der positiven Seite bedeutet dieses Komplex die Zweiteilung der klassischen Seinsgebundenheit und konsequenterweise eine neue wissenssoziologische Basis. Denn es ist eher eine lebensweltliche Raritaet, dass jemand mit dem politischen und dem wirtschaftstheoretischen (geschweige denn dem epistemologischen) Neuliberalismus/Neupositivismus im gleichen Ausmass seinsgebunden in Beziehung steht. Die wissenssoziologische Sicht entlarvt die nicht begründete Homogenitaet des philosophisch-ideologischen Systems.

 

Der neoliberale Neuanfang der zwanziger und dreissiger Jahre gilt vor allem deshalb als relevant, weil in seinem Rahmen der politische (antitotalitaere, und auf diese Weise antikommunistische) Neoliberalismus und der wirtschaftsideologische Neoliberalismus (ausschliesslich individuelle Akteure in der Wirtschaft) sich miteinander harmonisieren konnten. Ein ebenso durchaus relevanter Zug dieses Neoliberalismus war, dass er wesentliche Elemente des Neopositivismus in der epistemologisch-erkenntnistheoretischen Sphaere assimilieren konnte. Aus diesem Grunde erblicken wir selbst gegen die nachdrücklichen Distanzierungen von Popper die epistemologischen Grundlagen des Neopositivismus auf eine klare Weise im Wiener Kreis (dessen ursprüngliche Weltanschauung paradoxerweise ursprünglich eher links, d.h. vorwiegend nicht neoliberal war), auch wenn dies in den spaeten sechziger und den frühen siebziger Jahren kaum noch wahrgenommen worden war.

 

Gerade diese spezifische Kohaesion zwischen politischer und wirtschaftlicher Theorie, bzw. Erkenntnistheorie erwies sich als der eigentliche Moviens, den Neoliberalismus/Neopositivismus auch in den letzten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts zu einem der philosophischen Imperien zu machen. Diese Kohaesion war jedoch von Anfang an von diesem wissensoziologisch so relevanten Dualismus behaftet. Sie bestand auf der Ebene der Sprache, der Terminologie, der Werte, die in der Kohaesion weisenden Momente erwiesen sich aber in den einzelnen Systemen (Politik, Wirtschaft, Ideologie, Epistemologie) als durchaus inkohaerent, stellenweise sogar gegensaetzlich.

 

Es ist in politischer Sicht vielleicht ein Zufall, in wissenssoziologischer Sicht aber gewiss eine Notwendigkeit, dass dieses Komplex “Neoliberalismus” zu seinem imperialen Auferstehen einen Horizont notwendig hatte, vor welchem seine inneren systemtheoretisch zu artikulierenden Dualitaeten sich nicht nur nicht zuspitzten, sondern auch durch den Kontext tatkraeftig aufgehoben werden konnten. Und in der Tat, der Horizont entstand, und zwar sowohl welthistorisch, wie auch hermeneutisch (wie die beiden Schichten vielfach auch direkt miteinander verbunden waren, ergibt eine unabhaengige Fragestellung). Dieser Horizont war, um ihn konkret zu machen, das System des real existierenden Sozialismus. Er war es, der diese glückliche Stunde des Neoliberalismus ermöglicht hat. Die hinter diesem System stehenden geschichtsphilosophischen Fragen lassen sich hier nicht erörtern. Ein Teil der Momente, die den Realsozialismus für diese Funktion der Horizontbildung ausgewaehlt haben, war zweifellos die Tatsache, dass das System im Poststalinismus zwar sich konsolidierte, ihre welthistorische Identitaet aber nach der Leninschen und Stalinschen Phase nur noch negativ (eben als “Poststalinismus”) wieder gewinnen konnte, zu einer neuen Identitaet (etwa “Sozialismus mit menschlichem Antlitz”) konnte er sich nicht mehr durchringen. So war seine Existenzform wie geeignet, einen umfassenden Horizont abzugeben, vor welchem die systemtheoretisch verankerten Dilemmata des Neoliberalismus wie problemlos ausgelöscht worden sind. Denn es war der real existierende Sozialismus, vor dessen durchaus faktisch und umfassend zu nennendem Horizont die politische, die wirtschaftsideologische und die epistemologische Botschaft des Neoliberalismus/Neopositivismus in eine einander gegenseitig den Rücken staerkende Relation der Harmonie bringen konnte.

 

Die andere, anfangs angesprochene umfassend-imperiale philosophische Richtung ist der Postmodernismus. Der Postmodernismus erzielte seine bestimmende Position nach und wegen der sich plötzlich einstellenden kritischen Schwaechung des bis dahin vorherrschenden Neomarxismus (im Falle der Postmoderne spielte auch der Strukturalismus eine aehnlich dezisive Rolle, wie auch im Falle des Neoliberalismus/Neopositivismus könnte man über auch noch weitere philosophische Richtungen als Vorlaueferinnen die Rede sein). Wir sind uns auch an dieser Stelle unserer spezifischen Beschreibungsprobleme voll bewusst. Es ist eindeutig, dass durchaus unterschiedliche Gruppierungen “postmodern” genannt werden können. Die Möglichkeiten reichen von der Vielfalt der inneren Selbstdarstellungen zu den Variationen der aeusseren Charakterisierung, von der Architektur zur Philosophie, vom Alltag zur Politik, von Europa zu Amerika. Es kann ebenso möglich sein, dass man nach den unseren aehnlichen Kriterien gewisse Philosophen nicht als postmodernistisch kategorisiert, wie auch das Gegenteil, dass man eine (andere) Gruppe von Denkern postmodernistisch kategorisiert, an denen jedoch die von uns gewaehlten Kriterien nicht mehr verifiziert werden könnten. Weitere genuine Schwierigkeiten ergeben sich ferner daraus, dass die hier in Frage kommenden relevanten Vertreter eine entwickelte Strategie haben, sich nicht ohne immense Schwierigkeiten kategorisieren zu lassen, dass hierbei schon eine ganze Reihe von Etikettierungen im Spiel war (“Poststrukturalismus” , “neue Phaenomenologie”, “Posthistoire”, “Spaetstrukturalismus”, ’Dekonstruktivismus”, etc.), aber auch, dass die “auessere” Wahrnehmung dieser Richtung stets erstaunlich scharfsichtig auch ohne klare Begriffe und Definitionen funktionieren konnte.

 

Unter solchen Umstaenden gilt für uns als das umfassendste Kriterium eines postmodernen Denkens, dass es ein Denken einer stets aktuell grenzüberschreitenden radikalen Differenz ist. Ausser diesem logischen und wenn man will, epistemologischen Kriterium dürfte man heute schon viele produktive Hypothesen sowohl für die Genealogie, wie auch für die Soziologie, sogar auch noch für die Strategie dieser umfassenden Richtung erarbeitet haben, die alle für unseren Versuch von nennenswerter Bedeutung sind.

 

Unsere Grunddefinition der Postmoderne (“radikales Differenzdenken”) eröffnet gleich neue Möglichkeiten der wissenssoziologischen Analyse, sie macht sie aber auch notwendig. Bleibt man beim klassischen Ausgangspunkt der Seinsgebundenheit, so bleibt auch zu fragen, welche existentiellen oder anders seinsgebundenen Momente letztlich zu einem Denken führen können, das sich im Zeichen einer radikalen Differenz realisiert. Geht man aber über den seinsgebundenen Standpunkt radikal hinaus, so treten wieder neue wissenssoziologische Ansatzpunkte auf. Die erste Einsicht auf diesem Terrain soll es sein, dass man ein radikales Differenzdenken fürs erste kaum ausreichend wissenssoziologisch bestimmen kann, denn ein solches Denken kann unter keinen Umstaenden mehr “naiv” sein. Wissenssoziologie kann sonach erst auf einer zweiten Ebene ins Spiel kommen.

 

Trotz der Tatsache, dass die genannten Jahrzehnte schon mehrheitlich

unter der gemeinsamen Hegemonie dieser beiden umfassenden Strömungen gestanden haben, kamen diese beiden Richtungen nur im allerseltensten Fall in offene Berührung zueinander. Diese Tatsache erscheint an dieser Stelle in eigenartiger Beleuchtung, weil sie trotz ihrer nicht nur deutlichen, sondern auch struktur- und diskursbildenden Gegensaetzlichkeit miteinander in einer Relation der Symmetrie gestanden haben.

 

Die angenommene Symmetrie zwischen Neoliberalismus/Neopositivismus und Postmoderne deutet also neue Möglichkeiten der Wissenssoziologie und der Ideologiekritik an. Waehrend die klassische Wissenssoziologie (und Ideologiekritik) mit evidenter Selbstverstaendlichkeit von der Grundrelation “Seinsgebundenheit” ausging (und zu seiner Zeit mit derselben Selbstverstaendlichkeit dachte, die Metawissenschaft des seinsgebundenen Wissens nur eine “Soziologie” sein kann), so laesst sich fragen, ob eine begriffliche und/oder konzeptionelle Symmetrie ihrerseits auch eine Wissenssoziologie anderen Schlages zu begründen in der Lage waere. Es ist im Prinzip durchaus möglich, dass der wie immer auch geartete und wie immer auch motivierte Wille zur Symmetrie zu einer neuen Wissenssoziologie führen kann, wie auch, dass die Entdeckung von unerwarteten Symmetriebezügen zwischen Philosophien, die in anderen Vergleichen einander in entscheidender Ferne stehen, zu Aussagen von grossem heuristischen Wert berechtigen dürfte.

 

Dass (diesmal) durch die Thematisierung der Symmetrierelationen eine Abkehr vom dem Paradigma der Seinsgebundenheit in der Wissensssoziologie kommen konnte, hat um so mehr eine unerwartete Berechtigung, dass es gerade der Postmodernismus ist, der in mehreren Richtungen die Seinsgebundenheit als Grenze bei der Konstitution der Wissenssoziologie überschritten hat. Eine Spielart des postmodernistischen Differenzdenkens, die sich in der Kritik des Logozentrismus ihre praegnanteste Gestalt annimmt, definiert Wissen nicht mehr als Konsequenz sozialer Seinsgebundenheit, sie bestimmt es vielmehr als durch die Macht bewirktes Folgen logozentrischer Spielregeln. Sowohl für die relevanten Symmetriebeziehungen wie auch

für den imperialen Charakter der beiden umfassenden Schulen ist es durchaus charakteristisch, dass es nicht nur die Postmoderne ist, die das klassisch Paradigma des Seinsgebundenheit in der Wissenssoziologie beiseite schiebt. Dasselbe tut auch der Neopositivismus Popperscher Art. Karl R. Popper attackiert Karl Mannheim nicht nur in jeder möglichen Situation regelmaessig, er nennt Wissenssoziologie an einer Stelle geradezu “simplizistisch”, wodurch er gerade dieselbe Velleitaet des Neoliberalismus/Neopositivismus akzentiert, die wir kurz vorhin bei der Postmoderne wahrgenommen haben dürften – es geht um den Willen, nicht nur eigene Thesen über die letzten Fragen zu formulieren, es geht darum, einen eigenen Anspruch auf die Bestimmung des richtigen Wissens zu erheben.

 

Die angenommene Symmetrie zwischen Neopositivismus/Neoliberalismus und Postmoderne unterscheidet sich jedoch von jener, die bis jetzt im Mittelpunkt des analytischen Interesses standen. Denn sie sind nicht Begriffsymmetrien im ursprünglichen Sinne des Wortes. Es geht hierbei um symmetrische Konzepte, m.a.W. um symmetrische Gesamtentwürfe zu den allerwichtigsten Fragen des Denkens. Diese Symmetrien sind es letztlich , die thematisiert werden müssen, weil die beiden umfassenden Denkrichtungen in jeder möglichen Hinsicht voneinander in der grösstmöglichen Entfernung stehen. Und weil – wie wir andeuteten – diese beiden umfassenden philosophischen Imperien in den vergangenen Jahrzehnten den philosophischen Raum im wesentlichen voll ausfüll(t)en, erstand die Möglichkeit, dass aus diesen auch an sich sehr interessanten und untypischen Symmetrierelationen eine Hegemonie entstehen kann, die man als zweifache oder verdoppelte Hegemonie bezeichnen dürfte. Waere ihre Existenz nachzuweisen, so haetten wir es mit einer ganz spezifischen Struktur zu tun, denn die verdoppelte Hegemonie (wie auch in der Politik oder in anderen Zusammenhaengen) eine sehr effektive “Ordnung der Dinge” darstellt. Waere also die relevante Existenz einer verdoppelten Hegemonie von Neoliberalismus/Neopositivismus und Postmoderne tatsaechlich nachzuweisen, so wird es auch anzunehmen sein, dass es gerade die Symmetrierelationen sind, die die ohnehin extrem starken Ordnungsstruktur inhaltlich untermauern, sowie dass hier gleichzeitig auch neue Dimensionen der systematischen Wissenssoziologie sichtbar werden.

 

Als symmetrisch erweisen sich die beiden umfassenden philosophischen Komplexe zunaechst darin, dass beide sich auf die beiden umfassenden Richtungen der europaeischen Philosophie und Politik aufbauen. Auch ohne ausführliche Dokumentation laesst sich einsehen, dass der Neoliberalismus/Neopositivismus seit den siebziger Jahren Schritt für Schritt zur Denkweise der europaeischen konservativen Richtungen geworden ist. In diesem Sinne laesst sich sagen (allerdings erst auf der hier erforderlichen Höhe der Abstraktion), dass der Komplex Neoliberalismus/Neupositivismus die heutige Gestalt der philosophisch-politischen Formationen des ehemaligen Konservatismus

ist.  Dazu gehört es auch, dass damit die traditionell liberalen und die traditionell konservativen Richtungen in kritische Naehe zueinander kamen und die deklariert und radikal konservativen politischen Kraefte es waren, die das Programm des Neoliberalismus/Neopositivismus verwirklicht hatten. In diesem Prozess zeigt sich auch exemplarisch, wie sich die bis dahin funktionierenden Relationen zwischen umfassenden philosophischen und politischen Komplexen aendern und wie durch Vereinigung und Verschmelzung von umfassenden politischen Komplexen und ebenso umfassenden philosophischen Konzepten das Imperium-Charakter der beiden umfassenden Richtungen entsteht. 

 

Auf der anderen Seite dürfte der postneomarxistische Charakter der postmodernistischen Richtung zweifellos nicht nur vor dem oberflaechlichen Zuschauer geheim bleiben, auch die einzelnen philosophischen Akteure haben es lange nicht artikuliert. Diese Genealogie will selbstverstaendlich nichts über die tatsaechliche Wirkungs- oder Rezeptionsgeschichte aussagen. Sie will in keinem Fall als politische Etikettierung fungieren. Dieser als erster angeführte Zug der Symmetrie ist einfach nur als faktische Festlegung von morphologischem Charakter gedacht, die vor allem dazu dient, die betreffenden Richtungen aufgrund methodisch abgesicherter Rekonstruktionsarbeit inhaltlich zu beschreiben und ihren Charakter auf dieser Grundlage zu bestimmen.

Dies heisst eigentlich, dass die erste grosse Symmetrierelation zwischen diesen beiden einander so entfernt liegenden umfassenden philosophischen Komplexen auf die folgende Weise paraphrasiert werden kann: Aufgrund vielfacher philosophischer Rekonstruktionsarbeit liess sich feststellen, dass die Strukturen, Evidenzvorstellungen und philosophischen Inhalte des Neoliberalismus/Neopositivismus sich als vielfach modifizierte Fortsetzung des Gedankengutes der konservativen politischen Familie erwiesen, waehrend dieselbe immanente Rekonstruktionsarbeit im Falle des Postmodernismus zum Ergebnis führte, dass postmoderne Strukturen, Evidenzvorstellungen und philosophische Inhalte als radikal modifizierte Philosopheme unter anderen des Neomarxismus mit der grössten Adaequanz beschrieben werden könnten. Um Missverstaendnissen vorzubeugen, betonen wir an dieser Stelle, dass wir nicht nach den politischen Stellungnahmen und eventuellen anderen öffentlichen Aeusserungen der einzelnen Protagonisten fragten. Wonach wir gefragt haben, waren klare philosophische Momente. Wir fragten nach der sozialen Identifizierbarkeit der philosophischen Momente. Hinter dieser Symmetrie stecken aber gleich zwei wissenssoziologische Relationen neuen Types.

Im Falle des Neoliberalismus/Neopositivismus geht es um den Wechsel, durch welchen neoliberales Gedankengut von radikal Neokonservativen angeeignet worden ist, waehrend es im Falle der Postmoderne vor allem darum gehen muss, wie eine (im Naeheren nicht bestimmte) Gruppe des Neomarxismus eine intellektuelle Artikulation hervorrief, die im wahren Sinne des Wortes keine diskursive Kontinuitaet mit neomarxistischem Gedankengut aufwies.

 

Es ist für unsere Zielsetzung durchaus relevant, dass diese Symmetrierelation von grossen politisch-philosophischen Komplexen weit über die Dimensionen der engeren philosophischen Forschung hinausgeht. Weil aber die neuen Komplexe in ihrem imperialen Charakter bis zuletzt legitimatorische philosophische, sogar auch ebenso legitimatorische wissenschaftslogische Eigenschaften bewahren, geht ihnen das Philosophische für keinen Augenblick ab. Das Philosophische, das Politische und das Organisatorische erscheint in ihrem Fall in einer neuen und homogenen Einheit. Eines der meistsagenden Beispiele dafür ist in unseren Augen der sog. “Dritte Weg” eines Teiles der europaeischen Sozialdemokratie. Indem sich naemlich dieser Teil der Sozialdemokratie (und die Labour-Party, versteht sich von selber) zu den aktuell relevantesten Prinzipien des Neoliberalismus/Neopositivismus bekehrt, führt er nicht eine “nur philosophische”, aber auch nicht eine “nur politische” Wendung durch. Was er durchführt, ist ein Anschluss an einen “Komplex Neoliberalismus-Neopositivismus”, in welchem, wie gesagt, das Philosophische, das Politische und das Organisatorische in nicht mehr trennbarer Einheit da steht. Ein anderes Phaenomen, welches zu unserer Zeit in der Richtung dieses Komplex-Charakters weist (der aber auch im Falle der Postmoderne als Prozess der virtuellen Institutionalisierung bezeichnet werden kann), ist etwa der Versuch, das internationale Recht auch neoliberal zu gestalten.

 

Der als idealtypisch anzusehende Neopositivismus-Neoliberalismus

laesst sich vor allem mit den Bestimmungen der Begriffsbildung und dadurch der Wissenschaftslogik physikalistischer Art am adaequatesten charakterisieren. Auf eine nur scheinbar erstaunliche Weise liesse sich auch die Postmoderne im wesentlichen auch durch eigene Regelung der Begriffsbildung und dadurch der Gegenstandskonstitution am adaequatesten beschreiben (diese Modifizierung erscheint allerdings in

zwei Idealtypen, die mit den Namen Derrida und Foucault angedeutet werden können).

 

Obwohl diese beiden Reformen der Begriffsbildung (und dadurch auch der Gegenstandskonstitution) einander nicht in der geringsten konkreten Eigenschaft aehnlich sind, ersteht die naechste Symmetrierelation durch die Tatsache der beiderseitigen, einander in der Essenz haargenau aehnlichen Praetention, die philosophische Begriffsbildung und dadurch die legitime Gegenstandskonstitution vorzuschreiben. Symmetrisch sind die beiden umfassenden Richtungen auf die allerkonsequenteste Weise aber auch darin, dass sie jegliche mögliche andere Art der Begriffsbildung mit dem schwierigsten und konsequenzenreichsten sachlichen, wissenschaftlichen und zutiefst moralischen Verdacht versehen. Die allseitige Delegitimierung jeglicher anders konzipierten Begriffsbildung führt dann konsequenterweise zur Verunmöglichung auch jeglicher Gegenstandskonstitution und als zur weiteren Konsequenz zur philosophischen, in ihrer Bedeutung aber schon weit über die Grenzen der Philosophie hinausgehenden Sinngebung. Durch die Symmetrie der Reformen der Begriffsbildung wird von der Absicht motiviert, dass auf dem Wege der Neuregelung der Begriffskonstitution ein Versuch gemacht wird, den gesamten Denkprozess neuzuregeln.

 

Auf den ersten Augenblick mag man diese Reihe “Regelung der Begriffsbildung – die der Gegenstandskonstitution – sowie die der Sinngebung“ im allgemeinen als normales Betaetigungsfeld und dadurch auch als die Existenzform des Philosophischen en général ansehen. Was aber in der Allgemeinheit noch problemlos ausschauen kann, erweist sich auf der Ebene der Einzelheiten, aber auch auf derselben des methodischen Vergleichens als problematisch, wenn nicht gerade als extrem. In der ganzen philosophischen Tradition lassen sich naemlich diese beiden symmetrischen Neuregelungen als Phaenomen in dieser Form nicht ausweisen. Diese an die klassischen Ideologien erinnernde Suggestion der einzig richtigen Verfahrensweise, der Wille, die eigene Begriffskonstitution nicht in der Richtung der möglichen kommunikativen Diskursbildung voranzutreiben, vielmehr jegliche andere mögliche Begriffskonstitution zu marginalisieren, wenn eben nicht intellektuell zu kriminalisieren, kann in der gesamten philosophischen Tradition für weitgehend unbekannt und praezedenzlos gelten. Schon diese Praezendezlosigkeit weist auf einmalige methodische Eigenschaften beider grossen umfassenden Denkrichtungen vorwaerts.

 

Der eine ideale Typus der postmodernen Begriffsbildung und Gegenstandskonstitution besteht aus der im Zeichen der Differenzlogik stehenden Instrumentalisierung der klassischen wissenssoziologischen Verfahrensweise. Als Michel Foucault 1970 die Ganzheit des Diskurses in der Dichotomie der Begierde und der Institution ergreift, arbeitet er dieses strategische Verfahren einer Ausdehnung der spezifisch wissenssoziologischen Begriffsbildung idealtypisch aus. In diesem neu durchexerzierten Prozess, in welchem Staat, Gesellschaft, Autoritaet, Objektivationen, Sprachspiele, Werte, Traditionen, Macht und Repression letztlich als Institution, waehrend Libido, Selbstverwirklichung, Kreativitaet, Emanzipation, Individualitaet und Sexualitaet als Begierde erscheint, faellt die Technik dieser Begriffsbildung auf eine transparent zu nennende Weise ins Auge. “Institution” und “Begierde” entstanden als (ursprünglich legitime und abstrahierende) wissenssoziologische Verallgemeinerungen, waehrend sie bei Foucault als “normale” Begriffe erster Ordnung erstehen, die ihre empirischen Inhalte unmittelbar referieren. Der ursprünglich als Ergebnis wissenssoziologischer Verallgemeinerung auf den Plan tretende Begriff wird somit als Begriff erster Ordnung aufgefasst, der – in dieser seiner neuen Qualitaet – rückwirkend eine neue gegenstaendliche Sphaere, wenn man will, eine neue Realitaet konstituiert. Die Begriffe der ersten Ordnung erscheinen als empirische Bestandteile einer Begrifflichkeit zweiter Ordnung. Diese Konsequenz dokumentiert übrigens auch die untrennbare Verbundenheit von Begriffsbildung und Gegenstandskonstitution.

 

Damit ersteht eine neue Realitaet, in der der Schein vorherrscht, dass es DIE Begierde oder DIE Institution Begriffe seien, die in dem gleichen Sinne unmittelbare oder “sinnliche” Inhalte referieren, wie der Begriff des Tisches oder des Elfmeterschiessens es tut. Und dies ist genau der Punkt, wo die begriffs- und wirklichkeitskonstituierende Funktion der Begriffsbildung in Kraft tritt. Denn die neuen Begriffe (Begierde, bzw. Institution) schaffen eine neue Realitaet, in der Staat, Gesellschaft, Autoritaet, Objektivationen, Sprachspiele, Werte, Traditionen und Macht im einzelnen nicht mehr existierend sind und sich voneinander nicht mehr unterscheiden. Neue Begriffe konstituieren neue Realitaeten. Für die unmittelbar betroffenen Zeitgenossen dieses Prozesses ist es noch relativ gleichgültig, ob sie die besagten Inhalte nunmehr auf der Sprache der Postmoderne als “Institution” bezeichnen oder nicht, weil sie, eben als Zeitgenossen dieser Begriffsreform, noch klar wissen, auf welche Weise die neue Begrifflichkeit auf der alten sich aufbaut. Mit anderen Worten, sie erkennen hinter der neuen Semantik noch die alte Referenz. Spaetere Generationen jedoch, die die neue Begrifflichkeit, ursprünglich entstanden in einem wissenssoziologischen Abstraktionsprozess, schon als direkte Referenz erlernen und erleben, werden im wahren Sinne des Wortes in einem anderen sozialen Universum leben. Für sie wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr möglich, die ursprünglichen Komponenten dieser neuen Begrifflichkeit zu erkennen. Nicht nur von der Seite des Subjekts kann jedoch diese spezifische Reform der Begriffsbildung vollkommen neue Situationen schaffen. Weil es alles andere als dasselbe ist, wenn jemand sich dem redistributiven Wohlsstandstaat oder etwa der Weltbank als einer und derselben “Institution” gegenübergestellt wird, kann diese Reform auch von der Objektseite mit ernstzunehmenden Konsequenzen zusammengehen.

 

Noch schwerwiegendere Probleme erstehen jedoch, wenn die Konsequenzen dieser (ausgedehnt wissenssoziologischen) Begriffsbildung und Gegenstandskonstitution unter dem Aspekt der sozialen Praxis unter die Lupe genommen werden. Diese Reformierung der Begriffsbildung/Gegenstandskonstitution kann zu einer tiefgehenden Desorientierung der sozialen Praxis auch in dem Fall kommen, wenn keine diesbezüglichen Absichten vorliegen. Die Reform der Begrifflichkeit/Gegenstandskonstitution dehnt sich naemlich auf die Strukturen der wirklichen Institutionen in der Regel überhaupt nicht aus. Gegen das Steueramt kann der Staatsbürger oder der ethische Mensch seine Ansprüche erheben, die Institution kann er aber unbegrenzt und ohne Ende attackieren, ohne dass dies selbst mit den minimalsten praktischen Konseqenzen zusammengehen sollte. Dies ist eine schwerwiegende Konsequenz dieser Begriffsbildung/Gegenstandskonstitution, die manchmal am Zynismus grenzt, denn hier wird die grenzenlose und absolute Kritik mit der vollkommen garantierten Wirkungslosigkeit vereint.

 

Nicht in ihrem Inhalt, vielmehr in der Praetention, die Begriffsbildung (und auf diesem Wege die Gegenstandskonstitution und die Sinngebung) zu regulieren, realisiert sich diese angedeutete Symmetrierelation im Neoliberalismus/Neopositivismus idealtypisch in Karl R.Poppers Philosophie. Wie todernst Popper (trotz seinen Selbstdistanzierungen vom Wiener Kreis) diese Funktion der Privilegisierung der von der Philosophie des Wiener Kreises herübergekommenen spezifisch physikalistischen Begriffsbildung nimmt, zeigen seine Thesen über die Unmöglichkeit einer Wissenschaft über die Gesellschaft oder seine Argumentation, warum die Psychoanalyse eben keine Wissenschaft sei. Dadurch erfüllt Popper die Kriterien der Symmetrieformulierung voll und ganz. Er versieht in der Tat jegliche mögliche andere Art der Begriffsbildung mit dem schwierigsten und konsequenzenreichsten sachlichen, wissenschaftlichen und zutiefst moralischen Verdacht, mehr noch, er betrachtet jegliche andere Begriffsbildungsstrategie nicht nur als eine “Feindin” im allgemeinen, sondern auch eine “Feindin” von ganz extremer Gefahr (zumeist einfach als “totalitaer”). Die allseitige Delegitimierung jeglicher anders konzipierten Begriffsbildung führt dann auch bei ihm zur Verunmöglichung auch jeglicher Gegenstandskonstitution und als zur weiteren Konsequenz zur philosophischen, in ihrer Bedeutung aber schon weit über die Grenzen der Philosophie hinausgehenden Sinngebung.

 

Von dieser symmetrischen Eigenschaft der Praetention, die Begriffsbildung zu regulieren, waechst eine naechste Symmetrierelation wie spontan hervor. Diese Intention in der Begriffsbildung führt “symmetrisch” dazu, dass die Ausübung dieser begriffsbildenden Praxis

nur auf Grund einer “richtigen” Attitüde möglich ist. Ohne eine “richtige” philosophische Einsicht ist naemlich die praktische Durchführung der spezifisch postmodernistischen und neoliberal/neopositivistischen Begriffsbildung überhaupt nicht möglich. Mit anderen Worten heisst es so viel, dass diese spezifische Begriffsbildung ohne eine vorangehende Missionierung überhaupt nicht möglich ist, was wieder mit anderen Worten so viel heisst, dass es praktisch keine naiven Einstellungen mehr geben kann. Ohne eine vorangehende Missionierung waere etwa die postmoderne Dichotomie des “Begierdes” und der “Institution” oder auch eine nur-physikalistische Begriffsbildung nicht thematisierbar. Es heisst, dass nicht eine richtige Philosophie zum richtigen Verhalten (dabei auch zum richtigen moralischen, intellektuellen oder gar politischen Verhalten) führt, sondern umgekehrt, ein (im vorhinein festgestelltes, wenn nicht gar direkt “missioniertes”) richtiges Verhalten nur zur richtigen philosophischen Einsicht führen kann. Damit sind wir noch bei weitem nicht am Ende der reichen wissenssoziologischen Konsequenzen dieser verdoppelten Hegemonie. So viel sei aber doch angedeutet, dass dabei die Symmetrierelation von der Ideologiebildung neuer Art sichtbar wird. Dass beide neue Arten der Ideologiebildung zum Kontrast der klassischen Seinsgebundenheit entstehen, liegt auf der Hand. Waehrend aber der Neoliberalismus/Neopositivismus den dialektischen Marxismus einfach umkehrt und dadurch zu dieser neuartigen Ideologie kommt (waehrend der dialektische Materialismus eine Form der Ideologie “Wissenschaft” nannte, nennt der Neoliberalismus/Neopositivismus eine reduzierte Form der Wissenschaft “Ideologie”), erarbeitet die Postmoderne eine virtuelle Ideologie, die sich erst nach einer Einübung, die auch Missionierung genannt werden kann, in die Differenzlogik wie von allein ersteht. Es versteht sich von selbst, dass die Notwendigkeit einer “richtigen” Attitüde für die Ausübung des richtigen Denkens eine wissenssoziologisch durchaus neue Problematik bedeuten muss. Die Notwendigkeit der Annahme dieser Attitûde unterscheidet sich naemlich von der klassischen Seinsgebundenheit resolut, denn ihr fehlen sowohl das Unbewusste wie auch das strukturell Isomorphe im ursprünglichen Paradigma. 

 

In den Augen des Neopositivismus/Neoliberalismus gilt alles ab ovo als Metaphysik, was in sein spezifisches Verfahren der

Begriffsbildung/Gegenstandskonstitution/Sinngebung nicht recht hineinpasst. Für die Postmoderne gilt alles ebenfalls (und symmetrisch) als Metaphysik (auch wenn es nicht immer so genannt wird), was der (erweiterten, bzw. ausgedehnten) postmodernistischen Begriffsbildung nicht entspricht.[1] Die Postmoderne macht es ungewollt einfacher (obwohl auch das Verfahren des Neopositivismus/Neoliberalismus nicht gerade ein Gipfel der philosophischen Komplexitaet ist), in ihren Augen ist jeder Satz metaphysisch, der nicht im Zeichen der Differenzlogik formuliert ist.

 

Aus beinahe jedem Moment der Symmetrie zwischen Neopositivismus/Neoliberalismus und Postmoderne leuchtet ein, dass beide grossen Richtungen sich selber als die letzte legitime philosophische Möglichkeit, mit anderen Worten praktisch als das Ende

der Philosophie ansehen.[2] Dadurch entsteht also eine neue Symmetrie. Sie wird auch auf indirekte Weise in zahllosen Zusammenhaengen thematisiert, nicht selten wird es aber auch unmittelbar formuliert. Das Schlüsselphaenomen dabei ist, dass allein schon die Praetention auf die Regulierung der Begriffsbildung die Situation des “Endes der Philosophie” herberführt, denn sie kann im Prinzip nicht verbessert werden, in diesem Zusammenhang hört also Geschichte von allein auf.

 

Eine weitere Symmetrie zeitigt die Tatsache, dass beide umfassenden Schulen sich vor allem vor dem Horizont und im Vergleich des (zum) Marxismus profilieren. Darunter verstehen wir nicht so sehr (tatsaechlich existierende) philosophische Positionierungen, vielmehr die Tatsache, dass zahlreiche grundlegende Fragestellungen im vergangenen Jahrhundert von dem grundlegenden Modell des Marxismus gepraegt worden sind. Man kann es auch so sehen, dass die physikalistische Reduktion der Begriffsbildung einem dialektischen Materialismus gegenüber durchaus einigen Sinn haben kann, aber auch, dass die postmoderne Differenzlogik eine durch Identitaet nicht mehr zusammengafasste Ausdehnung der marxistischen Dialektik abgeben kann. In dem einen Fall geht es um einen (in keiner Hinsicht unthematisch gebliebenen) Antimarxismus, waehrend es in dem anderen Fall um einen in vielem noch nicht genügend klar rekonstruierten Postmarxismus geht.

 

Eine weitere Symmetrierfelation suggeriert ein Bild der philosophischen und moralischen Toleranz. Der Neoliberalismus ist in vielen konkreten Bezügen geradezu der Inbegriff der Toleranz, waehrend die Postmoderne sich gern mit dem Prinzip “anything goes” identifiziert. Fragt man aber nach der Geltung der erwiesenen Wahrheiten, so veraendert sich dieses Bild rasch. Durch die Begriffsbildung und Gegenstandskonstitution laesst der Neoliberalismus/Neopositivismus nur Thesen gelten, die aufgrund seiner Methodologie konzipiert sind. Toleranz und Geltung fallen also nur sehr begrenzt zusammen. Dasselbe ist auch mit der Postmoderne der Fall, vielleicht sogar in einem noch potenzierteren Ausmass. Waehrend naemlich die Postmoderne tatsaechlich und wörtlich alles gelten laesst, nimmt allem die engeren Geltung, d.h. den Anspruch auf Verbindlichkeit. Toleranz und Geltenlassen kehren sich hier gegen einander. Das ist jener Punkt, welcher durch diese, wohl unerwartete, Symmetrie am sensibelsten erscheinen kann.

Denn es ist eben die Geltung, die hinter dieser gesamten Konzeption steht, die Geltung, die vom Denken ausgehend das menschliche Leben auch unter das Zeichen der Wahrheit und der Werte stellt. Die beiderseits angekündigte Toleranz und die Auffassung der Geltung, die mit der Toleranz nichts zu tun hat, produziert wieder eine neue Situation. Denn sinnvoll über Toleranz zu reden ist nur möglich, wenn über Toleranzformen die Rede ist, die untereinander alle auch “gelten”. Konzepte zu tolerieren, die gleichzeitig nicht gelten, führt zu einer radikal neuen Einstellung der Geltung.

 

Dies ergibt schon ein klar umgrenztes Problemfeld, auf welchem die Herausforderung der Symmetrierelation zwischen Neopositivismus/Neoliberalismus und Postmoderne für die Wissenssoziologie und Ideologiekritik in Erscheinung tritt. Das zweite umfassende Problemfeld ist die in unserem Gedankengang in  zahlreichen Spielarten thematisch gewordene Relativierung, wenn nicht Auslöschung der klassischen Grundrelation “Seinsgebundenheit”. Ein drittes Problemfeld ist aber auch schon indirekt mehrfach thematisiert worden, es ist aber noch weitgehend unerforscht. Es geht hierbei um ideologische Funktionen, die sowohl der Neopositivismus/Neoliberalismus wie auch die Postmoderne spielt. Die daraus erwachsende Herausforderung ist die Umkehrung der vorhergehenden. Denn in seinem Falle handelt es sich nicht um klare wissenssoziologischen Bestimmungen, die nicht mehr “seinsgebunden” genannt werden können, in seinem Falle geht es um klare ideologische Funktionen, die nicht mehr von “Ideologien”, vielmehr von Komplexen erfüllt werden, die im traditionellen Sinne keine Ideologien sind.

 

 

 

 

 

 

 

 



[1] Dass die beiden spezifischen antimetaphysischen Einstellungen in ihrer Beschaffenheit selber in die Naehe von metaphysischen Positionen kommen, sei hier nur angedeutet. Eine konsequente Weiterführung dieses Gedankenganges würde in der Tat in dieser Richtung weisen.

[1] Die These vom Ende der Philosophie laesst selbstverstaendlich weitere Begründungs- und Legitimationsprobleme aufkommen. Hier gilt jedoch als der wichtigste Zug, dass die genauen Kriterien des Endes der Philosophie genannt werden. In diesem Fall können die Kriterien belanglos und dadurch die Ankündigung eines Endes der Philosophie unbegründet, wenn nicht gleich komisch vorkommen, das Bestehen der angekündigten Kriterien kann jedoch zweifellos verifiziert werden. Sowohl im Falle des Neoliberalismus/Neopositivismus wie auch der Postmoderne ist es aber nicht der Fall. Die Kriterien des Endes der Philosophie sind nicht offen angekündigt, sie sind nur auf je eine spezifische Weise “mitgemeint”…  

 

 



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